50 Ways I'll be your lover (Storysammlung)

GeschichteRomanze, Sci-Fi / P16 Slash
Dr. Owen Haper Gwen Cooper Ianto Jones Jack Harkness Toshiko Sato
12.08.2011
27.10.2019
78
178795
23
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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Titel: A Marked Man
Autor: Lady Charena (Februar 2013)
Fandom: Torchwood
Episode: Frühe Season 2
Wörter: 2448
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, [OMC - Justin]
Pairing: Jack/Ianto, [Ianto/OMC Vergangenheit]
Rating: ab 12, slash, alternative Realität
Beta: T’Len


Summe: Eine Narbe auf Iantos Rücken offenbart Jack einen unerwarteten Einblick in die Vergangenheit des jungen Walisers.

Warnungen: Erwähnung von Drogen- / Alkoholmissbrauch und ungeschütztem Sex

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.


Would you stay would you hold me
cos I get a little scared
to reveal all the secrets inside me

(“Drawn to you” by S Club 8)





„Wie spät ist es?“, fragte Jack, rollte sich auf die Seite und stützte den Kopf in die Handfläche, um den Rücken des jungen Mannes zu betrachten, der auf der Bettkante saß.

Sie hatten sich nicht die Mühe gemacht, das Licht oben im Büro zu löschen, bevor sie die Leiter nach unten kletterten, bereits auf dem Weg dorthin Kleidungsstücke fallen lassend.

So konnte er deutlich die helle, leicht verschwommen aussehende Narbe unterhalb von Iantos rechtem Schulterblatt erkennen. Sie war sicherlich ein paar Jahre alt... und wenn man Iantos Alter in Betracht zog, musste sie aus seiner Kindheit oder Teenagerzeit stammen. Mit ein wenig Fantasie könnte man sagen, dass die Narbe die Form eines schiefen "J" aufwies.

„Kurz vor drei“, erwiderte Ianto und angelte nach seinen Socken. Er wurde fündig und hielt eine Socke hoch, sie kritisch betrachtend, bevor er sie zurück auf den Boden warf. Sie hatte ein Loch und war damit eindeutig Jacks.

„Kurz vor drei?“, wiederholte Jack neckend. „Ich bin enttäuscht, ich hätte auch noch Minuten und Sekunden erwartet.“

„2.50 Uhr“, erwiderte Ianto gelassen und ohne seine Armbanduhr zu Rate zu ziehen, die in der Tasche seiner Hose steckte. Selbige befand sich irgendwo am Fuß der Leiter.

„Das hast du geraten“, behauptete der Captain.

„Ich rate nicht.“ Ianto hatte seine Unterhose gefunden und sie angezogen. Eine weitere Socke war weiterhin abtrünnig. Vielleicht war sie mit einer von Jacks durchgebrannt und sie vergnügten sich unter dem Bett miteinander...

„Manchmal möchte ich deinen Kopf aufmachen und nach der Uhr da drin suchen.“  

Ianto fuhr sich durch die Haare. „Auf deinem Schreibtisch steht ein Wecker. Ich kann die Ziffern nicht sehen, aber die Zeiger haben leuchtende Spitzen und zehn Minuten vor der vollen Stunde ist nicht so schwer abzuschätzen.“

„Du hast gemogelt!“ Jack setzte sich auf und schlang den Arm um Iantos Taille - so konnte er die Hand in seine Unterhose schieben. „Spielverderber“, murmelte er gegen Iantos Schulter. Er fuhr die Kontur der Narbe mit der Zungenspitze nach und spürte den jungen Mann zusammen zucken. „Zu früh um aufzustehen.“ Hmmh, oh ja, da war definitiv Interesse, das seine Finger weckten. „Zeit für die nächste Runde?“

„Ich sollte nach Hause gehen.“ Ianto klang bedauernd. „Wirklich. Um zu duschen und ein paar Stunden zu schlafen. Nicht jeder kann mit so wenig Schlaf existieren wie du.“

„Du kannst hier schlafen. Ich verspreche, ich behalte meine Hände bei mir. Für eine gewisse Zeit zumindest.“ Jack küsste seinen Nacken, arbeitete sich langsam zum Kinn vor. „Duschen kannst du auch hier. Und dich umziehen. Es gibt also wirklich keinen Grund mitten in der Nacht nach draußen zu gehen. Ich führe dich zum Frühstück aus, sobald Tosh da ist.“

„Auf deinem sogenannten Bett hast du alleine schon kaum Platz, das ist ein sehr guter Grund. Das letzte Mal war mein Nacken total verspannt. Warum... gehen wir nicht zu mir?“, setzte er zögernd hinzu, ohne große Hoffnung, dass Jack den Vorschlag annahm. Er ließ den Hub nachts nicht gerne allein.

„Ich erhöhe mein Angebot um eine Massage vor dem Frühstück. Unter der Dusche.“ Jacks Mund kehrte zu der seltsam J-förmigen Narbe zurück. Es war nicht so, als sehe er sie zum ersten Mal, aber plötzlich interessierte sie ihn brennend. Er presste die Zunge flach dagegen, spürte die unebene Haut.

Ianto atmete tief ein und lehnte sich gegen ihn. „Du kämpfst mit unfairen Mitteln“, sagte er, seine Stimme rau, während er seine Hand über Jacks legte. Nicht um ihn zu stoppen.

„Aber das ist meine Spezialität“, flüsterte Jack mit einem zufriedenen Lächeln gegen Iantos Haut. Er spürte den jungen Waliser unter seiner Berührung hart werden und vergaß die Narbe vorübergehend, als er sich zurück sinken ließ und Ianto auf sich zog.


###


Es war durchaus Platz für zwei auf der schmalen Pritsche, wenn es vielleicht auch nicht besonders bequem für den war, der sich unten befand.

Allerdings störte es Jack im Moment nicht besonders, dass Ianto halb auf ihm lag, ein Bein über seine gehakt, seine Schulter als Kopfkissen benutzend.

Allen wilden Spekulationen seines Teams zum Trotz, der junge Waliser war der Erste seit Jahren, den er mit hierher nahm. Der Bunker war sein Refugium seit fast einem Jahrhundert.

Natürlich wohnte er in der Vergangenheit nicht permanent dort, doch wieso sollte er sich mit einer Wohnung belasten, wenn er doch die meiste Zeit im Hub verbrachte – oder sonst irgendwo auf der Welt, wohin auch immer ihn Torchwood entsandte.

Nach Alex‘ Tod schickte London ein Team nach Cardiff, dass den Riftmanipulator abbauen und die Niederlassung schließen sollte. Trotz der Rivalität zwischen den beiden Organisatoren beschloss man, dass sich UNIT ebenso gut um ein paar streunende Weevil und um das Aufsammeln von Schrott kümmern konnte. Aber Torchwood Drei war nie so ganz linientreu gewesen, ebenso wenig wie es Archie im Torchwood Manor in Schottland war. Torchwood Vier, vormals in Irland angesiedelt, ging so weit, sich in Luft aufzulösen. Bisher hatte man es nicht wiedergefunden.

Die Geheimnisse des Rifts – angefangen bei gestrandeten, friedfertigen Alien, die den Rest ihrer Tage auf der Erde verbrachten, unerkannt und mitten unter einer ahnungslosen Bevölkerung anstatt in Zellen oder den Kühlkammern in der Gruft - konnte er nicht preis geben. Also brach er alle Bande mit London. Dann kam es zu einer Machtverlagerung und die neue Direktorin ließ ihn an der langen Leine.

Er lernte rasch, dass es ein Unterschied machte, mit einem Mitglied des Teams zu schlafen, wenn man der Boss war. Nicht unbedingt für ihn, aber es sorgte ein paar Mal für Unruhe im Team, und das konnten sie sich nicht leisten.

Unnötig zu erwähnen, dass er keine Fremden in den Hub bringen konnte, außer er löschte hinterher mit Retcon ihre Erinnerungen. Für gewöhnlich ging er mit seinen Partnern nach Hause. Wenn das nicht möglich war, nun es gab genug Hotels in Cardiff. Es machte den Morgen danach auch simpler. Manchmal reichte es über ein langes Wochenende, wenn ihm der Rift eine Atempause gönnte. Seine Beziehungen hielten auch selten länger. Spätestens wenn die Fragen begannen auf die er nicht antworten konnte, war es für ihn an der Zeit, die Sache zu beenden.

Jack ließ seine Finger über Iantos Nacken streifen. Nur leicht, um ihn nicht zu wecken. Wenn man Ianto erst aus seinen diversen Panzern gelockt hatte, kam darunter ein ausgesprochen sinnlicher Mann zum Vorschein. Im Bett – oder über seinem Schreibtisch gebeugt – war nichts mehr von Iantos trockener, manchmal pedantischer Art übrig…

Das Abstreifen von Hüllen brachte seine Gedanken zurück zu der Narbe und seine Hand wanderte zu Iantos rechter Schulter, seine Finger strichen blind ihre Form nach. Das war eindeutig ein schiefes „J“. Eine ungewöhnliche Form für eine Narbe, die bei einem Unfall entstanden war. Vielleicht eine Rugbyverletzung… Ianto hatte erwähnt, dass er eine Zeitlang in einer Schulmannschaft gespielt hatte.

Der junge Waliser bewegte sich unruhig, murmelte etwas, versuchte sich auf die andere Seite und von ihm weg zu rollen. Da war aber nur die kalte, raue Betonwand und Jack schloss die Arme um ihn, hielt ihn fest. Nach kurzem Widerstand lag Ianto wieder still.


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Es war früh genug, dass sie das Cafe um die Ecke vom Hub beinahe für sich alleine hatten. Eine schläfrige Kellnerin nahm ihre Bestellungen auf und brachte Kaffee.

Jack kippte mehr Zucker in seine Tasse und beobachtete amüsiert, wie sich Iantos Nase kräuselte, als er den Kaffeegeruch inhalierte. Offenbar fand er die Zustimmung des jungen Walisers und Ianto nahm einen langen Schluck.

„Woher ist diese Narbe auf deinem Rücken?“, fragte Jack ohne weitere Umschweife. „Die unter deinem rechten Schulterblatt, die aussieht wie ein Buchstabe?“

Ianto stellte seine Tasse ab und drehte den Löffel zwischen den Fingern. „Ich bin überrascht, dass du so lange gewartet hast, um danach zu fragen.“

„Wenn ich mich richtig erinnere, hatten wir etwas Wichtigeres zu tun, als über alte Narben zu sprechen.“ Jack zog ’subtil’ die Augenbrauen hoch. „Und im Moment haben wir nichts anderes zu tun, als auf das Frühstück zu warten…“

„Ich dachte eigentlich, wenn ich diese Geschichte jemals jemandem erzähle, dann mit etwas Stärkerem als Kaffee in der Hand.“ Iantos Lächeln war ein wenig schief, als er wieder nach seiner Tasse griff. „Dir ist die Form aufgefallen. Sie sieht nicht nur aus wie ein Buchstabe. Es ist ein Buchstabe, sollte zumindest einer werden.“ Sein Blick wanderte aus dem Fenster. „Ich war 17. Ein Ausreißer ohne Geld in einer fremden Stadt. Nach ein paar Wochen auf der Straße war ich froh, irgendwo unterkriechen zu können, auch wenn ich zu stolz war, um es zuzugeben. Justin war nett, er hat mich zu nichts gedrängt. Er war 18, verstehst du, nur zehn Monate älter als ich, er war kein Erwachsener, der sich an Minderjährige ranmachte. Und er bot mir an, bei ihm zu wohnen, nicht weil er mit mir schlafen wollte, sondern… weil wir einen Draht zueinander hatten.“ Ianto drehte den Kopf, sah Jack wieder an. „Ich habe fast drei Monate bei ihm gewohnt, bevor irgendwas zwischen uns passierte. Er war der erste Mann, mit dem ich Sex hatte, aber nicht der erste, bei dem ich daran dachte. Mit 15 war ich in einen Jungen aus dem Rugbyteam verknallt, aber ich bin wie die anderen mit Mädchen ausgegangen. Für ein paar Wochen hatte ich sogar eine feste Freundin, wir dachten wir würden uns nie wieder trennen. Wir haben Händchen gehalten und geknutscht und miteinander geschlafen. In ihrem Bett, zwischen Kissen und Plüschtieren. Ich erinnere mich, dass ich das Gefühl hatte, sie würden uns beobachten.“ Er schüttelte den Kopf und stoppte, als die Bedienung mit ihrem Frühstück kam.  

„Ich wusste es schon damals im Park“, erwiderte Jack, eine Gabel voll Rührei auf halbem Weg zu seinem Mund. „Du hast dich zu gut in Szene gesetzt, um nicht genau zu wissen, wie du wirken würdest.“

„Die Mühe habe ich mir dann wohl umsonst gemacht“, antwortete Ianto trocken und nahm eine Scheibe Toast, um sie mit Butter zu bestreichen.

„Du wolltest den Job, nicht mich“, kam es undeutlich von Jack, der den Mund voll hatte.

„Deshalb hat es mit dem Anzug besser geklappt, ja?“ Der jüngere Mann breitete sorgfältig eine Serviette über seinen Schoß, bevor er in seinen Toast biss.

„Also eigentlich war es der Flugsaurier, der Kaffee und deine Hartnäckigkeit…“ Jack schluckte und grinste. „Aber jetzt weiß ich immer noch nicht, wie du zu dieser Narbe gekommen bist.“

„Justin und ich… wir haben getrunken. Wir wurden von allem möglichen Zeug high. Eines Nachts nahm er völlig benebelt sein Taschenmesser und wollte mir seine Initialen auf den Rücken ritzen. Ich glaube, er dachte das wäre… romantisch. Mehr als das „J“ bekam er allerdings nicht hin, dann wurde ihm übel, weil er sich wieder daran erinnerte, dass er eigentlich überhaupt kein Blut sehen konnte. Ich habe es erst am nächsten Morgen bemerkt, als ich wieder wach wurde. Es tat weh und begann wieder zu bluten, als ich die Schulter bewegte.“ Ianto wischte ein paar Krümel aus seinem Mundwinkel.

Jack starrte ihn überrascht an, sein Frühstück für den Moment vergessen. „Du hast nichts davon gemerkt?“

„Wir hatten irgendwann in der Nacht Sex – davor, vermutlich, also vor der Sache mit dem Messer – und es ist mir erst aufgefallen, als ich unter der Dusche stand, um das Blut abzuwaschen. Er war zu high, um an ein Kondom zu denken.“ Mit gerunzelter Stirn musterte Ianto das blasse Rührei auf seinem Teller und kippte HP Sauce darüber. Die braunen Spritzer machten das Ganze optisch nicht wirklich appetitlicher. Vielleicht war es auch die Erinnerung an Justin...

„Hat er dich vergewaltigt?“, fragte Jack scharf.

Ianto sah ihn überrascht an. Dieser Gedanke war ihm nie gekommen, auch nicht damals. Er schüttelte den Kopf. „Wir haben angefangen, rum zu machen, bevor ich die letzte Handvoll Pillen einwarf. Und ich bin irgendwann eingeschlafen, während er weiter gemacht hat.“

„Du bist noch nie eingeschlafen wenn wir Sex hatten.“ Der Scherz klang ein wenig dünn, und Jack griff nach seiner Serviette um einen Fettfleck von seiner Manschette zu wischen, wie um ihn zu überspielen.

„Das liegt daran, dass ich aufgehört habe, Drogen zu nehmen und zu viel zu trinken“, entgegnete Ianto mit einem Lächeln.  

„Was hast du danach getan?“ Jack ging nicht näher darauf ein. „Ich meine, damals in dieser Nacht?“

„Als ich wieder nüchtern war, bin ich in eine Klinik die freie Behandlungen anbot.“ Ianto stocherte in seinem Essen, spießte ein Stück Schinken aus dem Ei. „Sie haben meine Schulterwunde verbunden, und ich konnte einen Test machen… HIV und andere Geschlechtskrankheiten. Justin schleppte immer einen anderen Typen an, auch während ich bei ihm wohnte, ich wollte kein Risiko eingehen.“ Er nahm sich ein zweites Stück Toast, schob damit Eier auf seine Gabel und beförderte alles in seinen Mund.  

„Du hast nie mit einem von ihnen…?“ Jack gestikulierte mit dem Messer.

„Nein. Ich war nur mit Justin im Bett. Und mit ein paar Mädchen, aber das war später, da wohnte ich nicht mehr bei ihm. Dann kam Torchwood. Und Lisa.“ Ianto sah auf. „Enttäuscht?“, fragte er dann.

„Weshalb?“ Jack deutete auf Iantos kaum halb geleerten Teller. „Iss. Wenn es dir nicht schmeckt, bestell etwas anderes, aber wir gehen nicht, bevor du ordentlich gefrühstückt hast.“

„Ja, Mami, ich esse mein Frühstück auf“, gab Ianto trocken zurück und nahm einen demonstrativen Bissen Toast. Jack führte sich manchmal wirklich wie eine Glucke auf. „Ich meinte, weil du jetzt weißt, dass du nicht der erste Mann für mich warst. Du hast nie danach gefragt, aber ich dachte…“ Er beendete den Satz nicht, sondern spießte eine Tomatenscheibe auf, die wohl als Deko einsam auf dem Tellerrand lag. Sie waren die ersten Gäste, früh am Morgen, aber die Tomate sah so labbrig aus, als wäre sie von letzter Woche übriggeblieben.

„Nicht frech werden, junger Mann“, erwiderte Jack grinsend. Dann wurde er wieder ernster. „Ich musste nicht fragen, ich habe gemerkt, dass du nicht völlig unerfahren bist. Und nein, ich bin nicht enttäuscht. Ich glaube, es gibt noch genug, was ich dir beibringen kann.“ Er lächelte vielsagend.

Ianto lächelte zurück und griff nach seiner Kaffeetasse. „Davon bin ich überzeugt.“ Er widmete sich mit neuem Appetit seinem Frühstück. Wie es aussah, musste er bei Kräften bleiben…



Ende
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