Oh grausame Weihnacht

von Velence
GeschichteAllgemein / P12
Cassidy "Beaver" Casablancas Dick Casablancas Logan Echolls Veronica Mars
04.08.2011
04.08.2011
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04.08.2011 940
 
Kommentar: Mein Beitrag zu Silverbirds Adventskalender. Auch wenn Weihnachten vorbei ist, sollte jeder einen Blick auf www.eternallovers.de riskieren.






Teil 1



„Was willst du eigentlich studieren, Dick?“

Logan lud seine Handfeuerwaffe nach. Dicks Vater hatte ihm den feinen Tipp gegeben, den Umgang damit zu erlernen, dabei hatte es Dick Senior sicherlich eher von Nöten. Dick hatte das Ritual beibehalten, in den Club zu gehen und weiter Kugeln am Schießstand zu verpulvern.

„Frauen“, erwiderte Dick.

„Jetzt mal ganz im Ernst...“ Logan wusste nicht, wie sie auf das Thema College gekommen waren. Weihnachten stand kurz vor der Tür und das letzte Schuljahr war fast vorbei, aber eigentlich machte sich Logan kaum Gedanken über seine Zukunft und Dick... Dick war Dick.

„Im Ernst.“ Dick schlug sich mit der flachen Hand auf die Brust. „Frauen lieben Dick.“ Logan schüttelte amüsiert den Kopf, während sein Freund ungerührt fortfuhr. Es war zwecklos von ihm eine ernsthafte Antwort zu bekommen, wenn er so drauf war. „Und Dick liebt Frauen. Da macht es Sinn, sie zu studieren.“

„Schuster bleib bei deinem Schusseisen“, erwiderte Logan. Er hielt Dicks durchlöchertes Schießscheibenpapier hoch. Er hatte eine nette Gruppe in die Schwarze 10 geschossen.

„Ja, Mann, ich bin echt gut. Ist das nicht genial?“

Logan setzte die schalldämpfenden Kopfhörer wieder auf und stellte sich an seinen Platz. Dick beeilte sich, es ihm gleich zu tun, bevor er einen Hörsturz bekam.

Logan hatte in letzter Zeit seine ‚Scheißegal’-Attitüde öfter durchblitzen lassen. (Seine Wut machte ihn trotzdem nicht zu einem besseren Schützen.) Vielleicht lag es daran, dass die Spannung zwischen Logan und Veronica wuchs und sie dank Duncan für ihn unerreichbar war. Sicher auch weil er in Felix’ Mordfall der Hauptverdächtige war. Außerdem war da noch der Zwischenfall mit Thumpers (ehemals Weevils) Bikerbande, der ihn beinahe seine Hand und seine Männlichkeit gekostet hatte, wovon Dick jedoch nichts wusste.

Nach dem Schießtraining machten sie sich in Logans gelbem Gefährt auf den Rückweg.

Dick fummelte am CD-Player herum, auf der Suche nach einem guten Radiosender. „Erinnerst du dich an unseren Trip nach Mexiko in den Sommerferien?“

„Kaum. Ich glaube, das hat etwas mit Alkohol und Drogen zu tun.“

„Aber du weißt doch noch, dass Beav auch mit dabei war“, erzählte Dick weiter, „ Und nun erpresst er mich.“

Logan warf einen neugierigen Blick zu seinem Beifahrer. „Alles, was in Mexiko passiert, bleibt in Mexiko. Hast ihm das nicht eingebläut?“

„Klar habe ich ihm das gesagt, Alter!“, empörte sich Dick.

„Mh“, machte Logan mit seinen Lippen, „Wundert mich nicht, dass er versucht die Nahrungskette zu ändern, es kommt allerdings spät. Ich habe schon immer geahnt, dass er die hellste Birne im Casablancas Clan ist.“

Seitdem Dick Senior irgendwo aufgrund seiner illegalen Immobilienmachenschaften in Lateinamerika untergetaucht war und seine Frau Kendall nicht mehr an dessen Geldhahn drehen konnte, war Dick Junior der Boss in der Casablancas Hackordnung.

„Hey, das betrifft dich auch! Auch wenn du dich angeblich nicht mehr daran erinnerst“, lästerte Dick. Er malte sich lieber nicht aus, wenn herauskam, was sie ihn Mexiko getrieben hatten.

„Was will Beaver überhaupt von dir? Ihr beide seid reich und ungebunden“, fragte Logan, der sich sehr wohl erinnerte, was sie getan hatten. Wenn man reich genug ist, wozu braucht man Eltern, die einem eh nur etwas vorschreiben wollen.

Dick schnalzte mit der Zunge. „Unsere Mutter hat mir die Verantwortung über das Treuhandkonto übertragen, weil ich der Ältere bin.“

„Und der Schlauere“, fügte Logan sarkastisch hinzu.

„Ohne mich kann Beav keine Cents ausgeben...“

„Hat er was Handfestes?“

„Fotos.“

„Dann unternimm was“, sagte Logan pragmatisch.

„Ich werde Beav ein paar Mal im Pool untertauchen“, grummelte Dick.

„Wie wär’s mit suchen, Dick?“ Logan blickte ihn unverständlich an. „Es sind nur ein paar Fotos... und dein kleiner Bruder.“

~ * ~ * ~

Nachdem Logan ihn Zuhause abgesetzt hatte, stand Dick im Foyer und brüllte durch die weiten Flure des Hauses. „Beeeeeee-aver? Kennnnnn-dall?“ Er wartete auf eine Antwort, die nicht kam. Dann marschierte er geradewegs in das Zimmer seines kleinen Bruders.

Cassidy, von allen nur Beaver genannt, hatte ihm die Fotos mitten während eines Videospiels unter die Nase gehalten. Dick hatte ihn ignoriert, bis sein Bruder die Bilder zwischen ihn und den Fernseher geschoben hatte. Beaver hatte ihm gedroht und seine Forderungen gestellt, woraufhin Dick ihm seinerseits gedroht hatte.

„...oder was?“ Beaver hatte die Lippen zur Pointe gespitzt und seinen Bruder provokativ angesehen. Der hatte seinen Zeigefinger noch ein Stückchen tiefer in Beavers Brust gebohrt.

„Was in Mexiko passiert, bleibt in Mexiko“, hatte Dick beharrt und ihn in seinem Zimmer stehen gelassen.

Dick ärgerte sich jetzt noch schwarz, dass seine übliche große Bruder-Masche nicht geklappt hatte. Bisher hatte er den Bruder-Diktator spielen können, doch nun hatte Beaver etwas gegen ihn in der Hand. Und sein kleiner Bruder war schlau genug, es auszunutzen, wenn er es wollte.

Dick suchte Beavers Zimmer nach seinem Handy ab, mit dem er die vermeintlichen Fotos geschossen hatte, er fand jedoch nichts. Sicher hatte sein Bruder es bei sich. Dafür sollten zumindest die Ausdrucke hier sein.

Nach einer Weile des Rumwühlens – er machte sich nicht die Mühe, seine Spuren zu verwischen – entdeckte er sie in einem Briefumschlag an der Unterseite der Sockenschublade festgeklebt. Dick öffnete den Umschlag hastig. Auf dem obersten heftete ein Post-it mit einer Nachricht für ihn: ‚Wenn du denkst, dass ich es dir einfach mache, hast du dich geschnitten.’ Daneben war ein dickes Smiley gemalt. Zornig zerknüllte Dick die Fotos und warf sie mit einer Gotteslästerung auf den Boden.

Als er sich ein wenig beruhigt hatte, hob er sie wieder auf und verbrannte sie stinkend über dem Papiereimer. Fluchend raufte sich Dick seine blonde Surfermatte. „Das wirst du bereuen, Beav!“