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those who sought freedom.

Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Balthier Fran
31.07.2011
25.12.2013
3
11.015
 
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Dieses Kapitel
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31.07.2011 3.918
 
Schönen guten Morgen und danke, dass ihr euch hierher verlaufen habt. Ich habe diese Geschichte lange geplant, habe mich Stunden lang in sämtlichen Foren aufgehalten, um Informationen und sonstiges Material herauszusuchen, die ich hier gebrauchen könnte.
Kurz: Es steckt wirklich eine menge Arbeit hier drin und ich hoffe, ihr findet genauso viel Spaß daran, wie ich beim Schreiben hatte.

Geplant war es eigentlich als ein kompletter One-Shot, nur irgendwie musste ich einmal mehr feststellen, dass meine Ideen wieder den Rahmen sprengen und ich mich somit dazu entschlossen habe, dass Ganze in Kapitel zu unterteilen. Wie viele Teile das allerdings werden, kann ich jetzt noch nicht sagen. :>

So. Die Geschichte spielt sechs Jahre vor FFXII, als Balthier 16 war und Fran kennengelernt hat. (Ich weiß nicht, wo ich die Info her habe, aber ich hoffe, sie stimmt.) Fran muss zu der Zeit schon 44 Jahre in Ivalice unterwegs gewesen sein, siehe Jotes Zitat in Eruyt Village. Aber das erst mal nur am Rande, fragt, wenn ihr etwas nicht versteht oder verbessert mich, falls ich mit irgendetwas falsch liege. Aber die FF soll in erster Linie Spaß machen und Logikfehler sind bei mir so oder so nie ausgeschlossen. |D

Und natürlich bin ich für Lob und/oder Kritik sehr dankbar.
Fehler können sehr wahrscheinlich enthalten sein, wo ich seit geraumer Zeit die Nächte durch geschrieben habe und die Tage geschlafen habe. Also könnt ihr mich auch gerne auf Fehler hinweisen. :>

Aber nun viel Spaß beim Lesen. ♥


Those who sought freedom.

„Ich werde Archadis verlassen!“

Die abschließenden Worte des gestrigen Streits zwischen ihm und seinem Vater.
Zu dem Zeitpunkt war er sich deren Bedeutung vollkommen im Klaren, war drauf und dran gewesen ihnen Hand und Fuß zu verleihen. Vollkommen von sich und seinen Fähigkeiten überzeugt, wie man es nicht anders von ihm erwartete.
Jetzt allerdings, wie er hier im Hangar stand und das zum Verkauf stehende Luftschiff betrachtete, wurde er unsicher.
Er, Ffamran Mid Bunansa, war verunsichert. Und wo man ihm sonst nicht die geringste Gefühlsregung abgönnen konnte, so spiegelten sich in diesem Moment eine Palette von Emotionen in seinem Gesicht wieder, von denen er dachte er besäße sie gar nicht mehr.
Das Imperium stumpfte ab. Gut zu wissen, dass er letztendlich doch ein Hume geblieben war.

Er war erst 16, hatte seinen Job als Richter erst vor einiger Zeit angetreten, auf Empfehlung seines Vaters hin natürlich, auch wenn man ihn bei Weitem als zu jung eingestuft hatte.
Ffamran allerdings hatte sich aller Erwartungen entgegen schnell weiterentwickelt, hatte nicht einmal am ersten Tag das Küken raushängen lassen oder sich gar hinter der Entschuldigung verkrochen, er wäre neu hier.  Sein Vater, Dr.Cid, hatte gleich von Anfang an mehr für ihn geplant, sah in ihm seinen eigenen Nachfolger, wenn er zu alt dafür werden würde, seine Forschungen weiter zu führen.
Bisher war er damit einverstanden gewesen, hatte es immer für besonders entspannend gefunden, dass er sich nie wirklich um einen Job hatte kümmern müssen, wie andere in seinem Alter.
Er war in Archadis aufgewachsen, als Erstbürger, sodass es nichts Ungewöhnliches für ihn war, von wohlhabenden Leuten umringt zu sein, durch seinen Vater wieder und wieder in nur noch bessere Kreise zu gelangen.  Er war es gewohnt zu bekommen, wonach er strebte, ebenso wie es etwas Natürliches für ihn war, das ihm jederzeit alle Türen aufstanden, durch die er schreiten wollte.
Doch das Leben war, auch wenn er so aufgewachsen und sich an eben genanntes gewöhnt hatte, nun mal kein Wunschkonzert. Zumindest nicht immer. Es sollte nämlich tatsächlich Dinge geben, die man mit Geld nicht erkaufen konnte und das musste Ffamran irgendwann schmerzlich am eigenen Leibe erfahren.
So hatten nämlich alle Sonnen- auch ihre Schattenseiten und so hatte er herausfinden müssen, auf welches Niveau  die Forschungen seines Vaters mittlerweile gesunken waren.  
Ffamran wollte nicht Enden wie er, wollte sich nicht für ein paar Steine aufgeben und später einen imaginären Freund haben, dem er seine Geheimnisse und wildesten Fantasien anvertraute.
Das Leben seines Vaters war nun nichts erstrebenswertes mehr, hatte seinen Glanz verloren, ebenso wie Ffamran das Interesse daran, auch wenn diese Ansicht eine Weile gedauert hatte, um vollständig auszureifen.
Es kam zu besagtem Streit, nach einem weiteren gescheiterten Versuch Cid wieder auf den richtigen Weg zu bringen.
Und nun stand er hier, mit all seinen Ersparnissen in einem unauffälligen braunen Umschlag und starrte vor sich her, wiegte Vor- und Nachteile seines Planes ab.

„Na, was ist nun?!“, ließ ihn die raue Stimme des kräftigen Mannes vor ihm schließlich wieder aus seinen Tagträumen erwachen.  „Willst du’s jetzt haben oder nicht?“
Ffamran hob den Blick von seinem Umschlag und suchte den des Fremden, dessen dunkle Augen ihn finster musterten. Dann noch ein Blick auf den Umschlag, er zögerte.
Es war nicht so, als würden er und Cid am Groschen hängen, wenn sie wollten konnten sie sich gleich noch ein zweites oder gar ein drittes Luftschiff dazukaufen. Trotzdem war es Ffamrans erstes eigenes Geld, seine erste große Investition und ein großer Schritt, den er mit dem Kauf tun würde.
Ein gedehntes Seufzen Seitens des Fremden.  Ffamran hatte den Fremden schon  eine ganze Weile hingehalten, immer wieder abgewogen und in der kurzen Zeit überdacht, in der Hoffnung jemand würde ihm die Entscheidung abnehmen.  Wer wusste schon, wie schnell wieder jemand nach Archadis kommen würde, der sein Luftschiff verkaufen wollte. Vielleicht blieb es bei dieser einen Gelegenheit?
Und so wechselte der unauffällige Umschlag schließlich doch seinen Besitzer.
„Na also! Hab schon gedacht du ziehst den Schwanz ein. So ein Schiff ist nichts für dich, wenn du dir nicht sicher bist. Verkauf es am besten gleich wieder, kann mir nicht vorstellen, dass du irgendetwas Sinnvolles damit vorhast!“, grunzte er, vergewisserte sich gleich über den Inhalt des Kuverts.
Eine der großen Hände umfassten Ffamrans rechte Schulter, drückte grob zu. Eine aufmunternde Geste wahrscheinlich. Seine Worte sickerten erst langsam und wie durch einen Wattebausch zu ihm hindurch.  Der Druck auf seiner Schuler verschwand, als sich der Fremde mit einem angestrengten Schnauben an ihm vorbei und Richtung Ausgang schob, den Umschlag fest umklammert.
Keine Abschiedsworte, kein Dank, nur ein amüsiertes Lachen hallte in Ffamrans Ohren wieder, dann war er verschwunden.

Es dauerte einige Sekunden, vielleicht war selbst sogar die ein oder andere Minute draufgegangen, bis Ffamran sich endlich wieder rührte, den Blick vom Leeren schlussendlich auf das Luftschiff treffen ließ – sein Luftschiff, was wohl bedeutete, dass er den ersten Schritt in die Unabhängigkeit gerade getan hatte.
Vermutlich wäre es ein leichtes und vor allem ein viel kostengünstigeres Abenteuer gewesen, hätte er sich einfach an einem der Luftschiffe bedient, die sein Vater für das Imperium konstruiert und bauen lassen hatte, was jedoch wohl oder übel sein Todesurteil gewesen wäre, zumal so ein besagtes Schiff ja nicht gerade unbekannt sein würde. Und das Imperium hatte seine Augen ja bekanntlich überall.
Natürlich hätte er sich auch einfach an einem der Prototypen bereichern können, zog es dann aber doch vor, wenn er sich gleich ein eigenes Luftschiff zulegte, so noch genügend Zeit schöpfen und sich auf sein Abenteuer vorbereite konnte, ohne das Cid großartig etwas davon merken würde. Denn selbst, wenn er ihm gestern Nacht schon an den Kopf geworfen hatte, dass er plante Archadis zu verlassen, musste er dann doch nicht seine genauen Abreisedaten wissen, würde wahrscheinlich noch auf die dumme Idee kommen, ihn von seinem Vorhaben abzubringen.

Als er sich schließlich aus seiner Starre gelöst hatte, trat er ein paar Schritte auf die riesige Erscheinung zu, war gerade mehr als froh darüber, dass anscheinend niemand mehr außer ihm hier war, sodass seine Schritte das Einzige waren, was in der großen Halle zu vernehmen war.
Schon früher war er gelegentlich zum Terminal gewandert, hatte sich dort in die Lobby gesetzt und durch die  großzügigen Fenster einigen Luftschiffen beim Start oder bei der Landung zugesehen,  sich immer schon gefragt, was für ein Gefühl es sein musste, die Stadt verlassen zu können wann immer und  wohin er wollte.
Bedächtig berührten die Finger seiner rechten Hand das kühle Metall, strichen vorsichtig darüber, während er noch ein paar Schritte ging, sich unter einem der Flügel des Schiff hinweg duckte und sich auf der anderen Seite wieder aufrichtete. Sie war nun sein Eigentum und Ffamran war schon jetzt, ein paar Minuten nach dem Besitzerwechsel, nicht mehr bereit sie für irgendwas in der Welt einzutauschen.
Dennoch würde man ihn sehr wahrscheinlich für nichts weiter, als einen Streuner halten, wenn man ihn hier so sah, wirkte er hier mit seinen 16 Jahren doch sicherlich auf niemanden wie ein seriöser Luftschiff Besitzer, sondern wahrscheinlich eher wie ein Kind mit einem zu groß geratenen Spielzeug. Oder wie eben jemand, der nichts Gutes im Schilde führte, während er hier so im Privathangar herumschlich, es nicht sein lassen konnte das kühle Metall immer wieder aufs Neue zu berühren, als würde er ein solches Material zum ersten Mal zu fassen zu bekommen.

„Hey du!“
Eine Stimme ließ Ffamran zusammenfahren, das dümmlich – stolze Grinsen auf seinen Zügen einfrieren.  Er drehte sich nur wenig später in die Richtung, in der er den Störenfried vermutete, konnte nur kurz darauf einen hochgewachsenen Blondschopf ausmachen, der im Halbschatten am Ausgang stand, die Arme vor der Brust verschränkt.
Sicherlich war er einer dieser besorgten Luftschiffbesitzer, an die Ffamran gerade eben noch einen Gedanken verschwendet hatte.
„Wenn du die Nacht hier nicht versauern willst, solltest du dich vom Acker machen, so spät wird hier niemand mehr starten oder gar landen, also komm morgen wieder.“
Der Fremde wies Ffamran den Weg zum Ausgang hinter sich, machte aber zu seiner Verwunderung keine Anstalten den Hangar nun ebenfalls zu verlassen. Viel mehr noch schien der Kerl zu warten,  dass Ffamran gehorchte und den Platz mit ihm gemeinsam räumte.
„Das Imperium hat eine Menge teure Schiffe hier stehen, also wird hier seit Neustem nachts zugeschlossen, damit unbefugte wie du sich nicht hier hineinschleichen, um ne Runde Luftpirat zu spielen.“
Der Tonfall wurde harscher, klang zum Ende hin eher schon wie eine Anschuldigung.

„Soweit ich weiß, haben Unbefugte in Archadis keinen Zutritt in den Privathangar, eben weil das Imperium auf seine Schiffe achtet.“
Das übliche süffisante Grinsen fand zurück auf Ffamrans Gesicht, während er seinem Luftschiff noch einen möglichst unbemerkten Blick zuwarf, sich erst dann dem Fremden näherte, war er dann doch nicht auf Streit aus, von dem sein Vater sicher erfahren würde, würde er erst einmal ausarten. Und dann war der Traum, Archadis zu verlassen,  genauso schnell wieder geplatzt, wie er in Angriff genommen war.
„Was wohl wiederrum heißt, dass ich sehr wohl eine Befugnis dazu habe, mich hier aufzuhalten.“
Der Fremde musterte den jüngeren mit einem verwirrten Gesichtsausdruck, machte jedoch immer noch keine Anstalten sich zu rühren. Viel mehr wanderte sein Blick nun an ihm vorbei, blieb an dem Luftschiff haften, bei welchem er bis eben noch aufzufinden war, antwortete Ffamran kurz darauf mit belustigten, wenn auch teilweise undefinierbaren Laut.
Gut, er war nun einmal eben erst 16. Trotzdem hatte er schon mehr geschafft, als andere Jugendliche in seinem Alter, mehr sogar noch, als andere jemals schaffen würden.
Er vermochte jetzt noch ein kleiner Fisch hier sein, was aber nicht heißen sollte, dass man ihn unterschätzen sollte.

„Wie heißt du, Kleiner?“
Ein prüfender Blick in Ffamrans Augen, anscheinend nahm der Kerl ihn doch ernster, als er es gedacht hatte.
Sein Name hatte in Archadis schon die Runde gemacht, auch wenn er für die Meisten wohl noch kein Gesicht hatte, worüber Ffamran mehr als froh war. Es war der übliche Klatsch und Tratsch und einen Richter im Alter von 16 Jahren hatte es bis jetzt noch nie gegeben.
Dennoch wäre er dumm, würde er sich hier und jetzt enttarnen, würde eine solche Botschaft doch wie ein Lauffeuer verbreiten und schlussendlich bei seinem Vater landen.
So antwortete er dem hochgewachsenen für einen Augenblick mit nichts weiter, als einem undurchsichtigen Lächeln.
„Balthier.“, sagte er, während er sich schließlich an ihm vorbeischob, jedoch knapp neben ihm noch einmal zum Stehen kam und für einen Augenblick ebenfalls die Arme vor der Brust verschränkte.
„Merk dir den Namen, du hast ihn heute nicht das letzte Mal gehört.“
Ein leises Lachen verließ seine Lippen, kurz nachdem er in den dunklen Zwischengang verschwunden war, um somit den Hangar für heute Nacht zu verlassen.

Er hatte schon einige Geschichten gehört, als er des Nachts in der Taverne gesessen hatte und allerlei Geschichten von den dort anwesenden Luftpiraten angehört hatte, wohlwissen das auf einige der Köpfe, die ab und an in Archadis unterwegs waren, eine nicht gerade kleine Belohnung ausgesetzt war, ebenso wie er wusste, dass die Meisten von ihnen ihre wahre Identität abgelegt und mit einem anderen Namen untergetaucht waren.
So war sein Handeln eben alles andere als dumm oder gar unüberlegt gewesen, immerhin hatte er ebenfalls vor von der Bildfläche zu verschwinden. Zumindest für diejenigen, die ihn kannten.
„Balthier.“, nuschelte er in die Dunkelheit, vergewisserte sich noch einmal über den Klang seines neuen Namens. Es war der erstbeste, der ihm gerade auf die Schnelle eingefallen war, trotzdem konnte er nicht leugnen, dass er zufrieden mit seiner Wahl war.
Allemal besser, als Ffamran. Einen Namen, den so oder so niemand aussprechen oder sich gar merken konnte.

Balthier verließ den Hangar, nachdem er der  letzten verbliebenen Dame am Schalter Augenzwinkernd  noch einen schönen Abend gewünscht hatte, die gerade dabei war ihre sieben Sachen zu packen und nach Hause zu gehen.  
Es hatte bei Weitem nicht in seiner Absicht gelegen, den Anlegeplatz jetzt schon zu verlassen, wo er das Luftschiff doch gerade erst erworben hatte.
Viel  lieber wäre er jetzt ins Cockpit gestiegen und hätte ein wenig an der Technik herumgespielt, sich darüber vergewissert, ob die Instrumente denen des Imperiums glichen, die ihm mittlerweile vertraut waren und mit denen er blind arbeiten konnte.
Es verärgerte ihn.
Seit wann wurde der Hangar nachts verschlossen? Waren die Mogrys nicht um diese Zeit dafür zuständig die Luftschiffe zu überprüfen und Mängel zu beseitigen?
Plötzlich fühlte er sich übers Ohr gehauen, wahrscheinlich war der Typ wirklich nur ein übervorsichtiger Luftpirat, dem das neue Gesicht im Hangar ganz und gar nicht gefiel.
Und er selbst konnte nicht leugnen, dass er sich schlecht dabei fühlte, sich von jemandem verscheuchen zu lassen, der so offensichtlich gelogen hatte und mit großer Wahrscheinlichkeit nichts besseres zu tun hatte, als selbst auf fremden Luftschiffen herumzuklettern und sich die wildesten Fantasien auszumalen.
Wie schrecklich erbärmlich.
Vielleicht hatte es seine Vorteile, dass man ihn schon so Zeitig vertrieben hatte, wo er doch am nächsten Morgen schon früh raus und zur Arbeit musste. Gerade jedoch war an etwas dergleichen nicht zu denken, wühlte ihn das alles doch innerlich so sehr auf, wie ein kleines Kind an Heilig Abend.
Noch dazu würde er auf dem Weg in den Nirvas-Bezirk, wo er in das Lufttaxi steigen würde, um nach Hause zu kommen, an der Taverne vorbeimüssen, in die er sich gerade dazugehöriger denn je fühlte.
Und außerdem, wieso sollte er seinen Job jetzt noch ernst nehmen?
Er war drauf und dran Moral und Verstand einfach aufzugeben und sich von jeglicher Verantwortung zu lösen, mit dem Himmel als seinen einzigen Weggefährten.
Wie furchtbar einsam das auf einmal klang.
Hatte er nicht vorher immer darauf gewartet endlich Vogelfrei zu sein?

Die Straßen waren trotz der lauen Sommernacht beinahe Menschenleer.
Gut, die Archadianer waren auch keines dieser Völker, die sonderlich oft feierten oder ausgingen. Zumindest nicht die Leute in diesem Viertel, die so oder so an jedem Gil hingen, in der Hoffnung vielleicht irgendwann noch einmal ein Erstbürger zu werden.
Viel mehr traf Balthier heute Nacht nur auf das ein oder andere Pärchen, das sich für einen kleinen Spaziergang zwischen all diesen erdrückend hohen Häusern entschieden hatte.
Balthier stieg eine Treppe hinab, erhaschte den Blick auf einen kleinen Jungen, der rasch das Weite suchte, als er seine Schritte vernahm. Er musste schmunzeln, erinnerte er ihn doch nur zu gut an ihn selbst, wie er sich hier des Öfteren vor seinem Vater versteckt hatte, wenn er keine Lust gehabt hatte ins Bett zu gehen oder einfach noch auf das ein oder andere Abenteuer aus gewesen war, welches hier so oft vergeblich gesucht hatte.
Es war ihm bewusst, dass seine Füße ihn auch jetzt nicht dorthin trugen, wo er eigentlich hin sollte, ergab sich sein Inneres doch einmal mehr wieder seinem Herzen und den Flausen in seinem Kopf, die nun mehr und mehr Überhand zu nehmen schienen.  
Es war nicht mehr weit von hier, das weiße Schild mit der dicken schwarzen Aufschrift war von hier schon deutlich zu erkennen. Balthier war um diese Uhrzeit eigentlich kein unbedingt geladener Gast mehr, was zum größten Teil an seinem Alter lag, aber da er nun einmal ein Meister darin war, Beziehungen zu knüpfen und diese Aufrecht zu halten, hatte man ihn eigentlich ziemlich gern um sich.
Noch dazu war er keiner dieser Jugendlichen, die sich hemmungslos betranken. Wenn er es überhaupt schon einmal getan hatte.
Das ein oder andere Glas, über einen gemütlichen Plausch genügte vollkommen, um einen Arbeitstag ausklingen zu lassen.

„Einen schönen guten Abend, die Herrschaften.“
Für einen kurzen Augenblick wurde es still. Balthier war es gewohnt, dass er die Aufmerksamkeit auf sich zog, wenn er einen Raum betrat, dass er für die meisten Männer auf der Stelle als Konkurrenz abgestempelt und für unsympathisch empfunden wurde, selbst wenn zu so später Stunde nicht einmal eine Frau anwesend war. Außer natürlich der pummeligen Kellnerin, an der aber niemand wirklich Interesse hegen zu schien.
Aus Gewohnheit heraus, zog es ihn einmal mehr auf die Empore, an einen der hinteren Tische, an denen er zwar seine Ruhe hatte, jedoch die meisten Unterhaltungen einwandfrei belauschen und sich einmischen konnte, wenn er etwas dazu beizutragen hatte.
Und bis heute hatte sich niemand wirklich je daran gestört, waren seine Kommentare doch zum Großteil immer eine Bereicherung für die Gespräche gewesen.
So erklomm er die Stufen mit schnellen, wenn auch Eleganten Schritten, ließ sich augenblicklich auf einem der Stühle fallen.

Die Kellnerin ließ ihn nicht lange warten, wo sie ihn als Stammgast doch mindestens genauso gut kannte, wie die andere Hälfte der heutigen Gäste.
„Das Übliche?“, fragte sie mit gezücktem Stift. Höflich wie eh und je.
„Ich bitte darum.“
Er schenkte ihr ein schmales Lächeln, wohl wissend, dass es seine Wirkung bei ihr wie so oft nicht verfehlen würde und gab sich erst damit zufrieden, als er die leichte Röte auf ihren Wangen ausmachte. Dann erst lehnte er sich in seinem Stuhl ein wenig zurück, schob einen Ellenbogen auf die dunkle Tischplatte und lauschte.

„Und wenn ich es dir doch sage, sie war da! Weit nach Mitternacht und kurz vor Ladenschluss, aber sie war hier!“
Der Mann, dessen Wangen hochrot von Alkohol und Aufregung waren, beugte sich nun halb über den Tisch, versuchte seinen Worten irgendwie an Glaubwürdigkeit zu verleihen, aber wer würde einem so betrunkenen Kerl auch nur noch ein Wort glauben?
„Nach Mitternacht, huh? Um diese Zeit kannst du doch nicht einmal mehr deine Frau von deiner Tochter unterscheiden und dann willst du mir erzählen, wir hätten eine Viera in der Stadt? Großer Gott, dann hätte sie bei Weitem mehr Aufsehen erregt und sich nicht die Gesellschaft von ein paar Volltrunkenen gesucht.“

Eine Viera? Balthier musste unweigerlich schmunzeln.
Solche eine Geschichte konnte einfach nicht wahr sein. Er selbst kannte Viera nur aus seinen Schulbüchern, von einigen Zeichnungen und aufwändigen Gemälden. Ein normaler Hume würde in seinem Leben niemals eine Viera zu Gesicht bekommen, es sei denn er hatte unendlich viel Glück. Oder gar den Mut sich in den Golmore Dschungel vorzuwagen, in der Hoffnung einem dieser liebreizenden Geschöpfe über den Weg zu laufen.
Es gab nicht viele von ihnen, vielleicht eine Hand voll, die sich dazu entschloss den Wald und somit ihre Heimat zu verlassen, hatte Balthier doch gehört, dass sie danach nie wieder zurück gehen konnten. Nicht, wenn die Verbindung zum Wald einmal gebrochen war.
Eigentlich wusste man nicht viel von ihnen, schätze dieses Volk seine Abgeschiedenheit wie kein anderes und machten es für einen Hume unmöglich bis in ihr Dorf vorzustoßen.
Balthier hatte sich hier und da schon immer mal ein paar Gedanken über eine solche Lebensweise und somit auch über die Viera gemacht, sodass er gerade in der Tat hellhörig wurde, sollte sich ein solches Geschöpf tatsächlich in der Stadt aufhalten.
Aber selbst, und das wäre bei seinem Glück nichts neues, würde sie, selbst wenn die Information einen wahren Kern hatte, schon längst wieder abgereist sein. Eine Viera, die ihr Leben lang nichts weiter, als Bäume, Flüsse und Dschungel gesehen hatte, würde sehr wahrscheinlich zu einer rastlosen Seele werden, die gar nicht genug von der Welt sehen konnte.  
Ganz ähnlich so, wie er sich nach Erwerb seines Luftschiffes fühlte.
Frei.

„Ich hoffe Sie mussten nicht zu lange warten.“
Mit einem leichten Zittern in der Stimme, servierte die junge Frau ihm schließlich seinen Wein, erklärte ihm wie jeden Abend, dass er sich bemerkbar machen sollte, wenn irgendetwas nicht rechtens wäre.
Wahrscheinlich würde er den Service auch nutzen, wäre sie ein wenig mehr sein Typ, konnte er von der Gesellschaft einer hübschen jungen Frau doch nicht genug bekommen. Erst recht nicht, wenn man den Abend so entspannt zusammen ausklingen lassen konnte.

„Nun glaub mir doch, wieso sollte ich mir sowas ausdenken?“
Die Stimme des Mannes klang verzweifelter denn je, vielleicht log er doch nicht?
„Ach, jetzt bleib doch sitzen und warte noch ein bisschen mit mir! Sie taucht sicher noch auf, hey..!“
Balthier drehte sich ein Stück zu den beiden um, auch wenn gerade alles zu schnell gegangen war, um das Szenario zu verfolgen.
Der eine der beiden war aufgestanden, hatte den vermeindlichen und sturzbetrunkenen Lügner am Arm gepackt und hochgestemmt. Es war wohl wirklich das Beste ihn jetzt nach Hause zu bringen, wo die Sache doch sicherlich in den nächsten zwei Minuten ausgeartet wäre.
Balthier kannte das Gefühl, wenn er jemandem etwas erzählte, der ihm nicht glaubte. Dennoch war er nicht der Typ, der auf die Barrikaden ging, wenn man ihm nicht glaubte, viel eher nahm er es hin, reichte es ihm doch, wenn er selbst die Wahrheit kannte.
Die beiden zahlten und nicht viel später war es still.
Balthier nahm erst jetzt sein Glas an sich, schwenkte die rote Flüssigkeit für einige Sekunden darin, ehe er es an seine Lippen ansetzte und den ersten Schluck trinken wollte.
Indes öffnete sich die Tür der Taverne erneut und Balthier konnte im ersten Moment nicht anders, als das Glas wieder sinken zu lassen.

Das musste ein Scherz sein. Ein Gewaltiger sogar und er war sich sicher, dass die beiden Typen von gerade sie ebenfalls wahrgenommen haben mussten, denn so eine über alle Maßen attraktive Erscheinung konnte man einfach nicht übersehen.  
Sie sah atemberaubend aus, zart und verletzlich in ihrem aufwändigen, fliederfarbenen Kleid, welches einen schönen Kontrast zu der gebräunten Haut bildete. Die Haare hingen ihr offen und leicht gewellt über den Rücken und bis hinab zur Taille.
Die großen Augen blickten aufmerksam durch den Raum, blieben schließlich an der Kellnerin hängen, die neben der hochgewachsenen Viera noch viel erbärmlicher wirkte, ihr aber trotzdem höflich wie immer einen Platz zuwies, sich wahrscheinlich ebenso geehrt über einen solchen Besuch fühlte, wie gerade jeder andere Anwesende hier.
Balthier konnte nicht anders als starren. Er ließ die Augen erst über die großen Hasen ähnlichen Ohren schweifen, dann erneut über das hübsche Gesicht und die Viera im Ganzen.  
Und hätte er gewusst, wie man lief, atmete oder sich gar bewegte, wäre er die Empore hinabgestiegen und hätte dieser Frau dermaßen den Hof gemacht, dass sie vermutlich auf der Stelle Archadis, wenn nicht sogar gleich das komplette Land verlassen hätte..
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