Atokirina - Die Weissagung

GeschichteRomanze / P16 Slash
28.07.2011
29.07.2011
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Atokirina – Die Weissagung

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Wir befinden uns auf Pandora, dem bekanntesten von vierzehn Monden des Gasriesen Polyphemus, nahe dem Kelutral des Na'vi Stammes Aytìyawn.

Das Lachen einiger Kinder ist zu vernehmen, während sie mit den Fan Lizards spielen, fasziniert von der leuchtenden Membran, die sich kurzweilig dreht und den kleinen Körper abheben lässt.
In der Ferne hört man diverse Tierlaute, die wie Geisterstimmen aus dem dichten Astwerk zu uns dringen.

Lasst uns nun einen Blick in das Innere dieses Heimatbaumes werfen und sehen, wen wir dort antreffen. Durch die massiven Wurzeln dringt nur bedingt Mondlicht ein, doch eine Feuerstelle in der Mitte des Raumes sorgt für das nötige Licht.
Geschäftiges Treiben herrscht hier: Auf einem langen Tisch verarbeiten gerade mesaronyu, zwei Jäger, ihre Beute – einen Tapirus; während auf der gegenüberliegenden Seite die Tsahìk des Stammes, Narika, ihrem jüngsten Sohn Nìmweyan eine frohe Botschaft überbringt. Lasst uns eine Weile diesem Gespräch lauschen.

“oeyä 'itan, du wurdest von Eywa erhört. Dein Vater und ich sind der Meinung, dass du nun bereit bist, zu einem Jäger ausgebildet zu werden. Morgen schon wirst du dich deiner ersten Prüfung entgegenstellen müssen.”

Nìmweyan kann es nicht fassen. Schon seit er ein kleines Kind ist träumt er davon, endlich ein Jäger sein zu können. Mit Bewunderung hatte er zu seinem großen Bruder Tarïk aufgeschaut, als dieser alle Prüfungen bestanden und somit in den Kreis der Jäger aufgenommen wurde. Nichts wünschte er sich sehnlicher, als eines Tages auch zu ihnen zu gehören. Und nun war der Grundstein dafür gelegt.
Sprachlos strahlt Nìmweyan seine Mutter an.

“Das ist..ich weiß gar nicht, was ich sagen soll! Danke, sa'nok!”, ist das einzige, was er momentan zu stande bringen kann.

“Bedanke dich nicht bei mir, mein Sohn, bedanke dich bei Eywa für die Erhörung deines Wunsches. Wir waren uns nicht sicher, ob du jemals das Talent und die nötige Konzentration aufbringen könntest, doch gestern abend hat sich Atokirina auf der für dich bestimmten Rüstung niedergelassen. Wir werden dieses Zeichen nicht ignorieren.”

Stolz malt sich Nìmweyan aus, wie er seinen Freunden davon erzählen kann, dass er nun bald ein taronyu sein wird. Da fällt ihm ein, dass Narika ihm noch gar nicht erzählt hat, wer ihn unterweisen wird.

“Wer wird mich eigentlich während der Prüfungen begleiten, Mutter?”

Diese dreht sich zu den beiden Jägern um, die immer noch damit beschäftigt sind, die Einzelteile ihres Tapirus' zu verwerten.

“Tsu'tey, kommst du bitte mal kurz?”

Der rechte von ihnen hält inne, legt sein Werkzeug beiseite und kommt auf sie zu.
Nìmweyan hat ihn noch nie gesehen. Verwundert betrachtet er den Fremden.

Er hat eine sehr kantige und auffällige pil, volle Lippen, wohlgeformte Augen und geflochtenes Haar, welches in der Mitte seines Kopfes ansetzt und mit Ausnahme von ein Paar Strähnen, die mit roten Bändern verziert sind, nur am Hinterkopf anliegt.
Auffallend ist, dass  ein Teil seines rechten Ohres fehlt.
Sein Körper ist muskulös und seine gesamte Aura zeugt von Entschlossenheit, eisernem Willen und Kraft.

Dieser Na'vi wäre dem jungen Aytìyawn sicher nicht entgangen, also konnte er noch nicht lange unter den Jägern sein. Manchmal war es möglich, dass sich Jäger verschiedener Stämme zusammentaten, um die freundschaflichen Bande zweier Clans aufrecht zu erhalten. Es wäre natürlich unhöflich, ihn nach seiner Herkunft zu fragen, aber Nìmweyan nahm sich vor, es in Erfahrung zu bringen.

“kaltxì, Nìmweyan. Ich bin Tsu'tey und du wirst in der nächsten Zeit verschiedene Prüfungen unter meiner Beobachtung absolvieren, um schlussendlich in den Kreis der Jäger aufgenommen zu werden”, stellt sich der Fremde vor und lächelt freundlich.

“kaltxì, Tsu'tey. Ich freue mich schon sehr darauf, ausgebildet zu werden und gelobe, ein strebsamer Schüler zu sein”, erwidert Nìmweyan etwas unsicher.
Irgendetwas an diesem Na'vi faszinierte ihn, machte ihm Gänsehaut.

Tsu'tey, der die Unsicherheit seines baldigen Schülers bemerkt, legt diesem freundschaftlich die Hand auf die Schulter und sagt grinsend: “Keine Angst, ich beiße nicht,  Nìmweyan.”

Bei der Berührung durchfährt ein wohliger Schauer den Körper des jungen Na'vi.

Da erscheint, vom Winde getragen, Atokirina, schwebt eine Zeit lang über ihnen und lässt sich schließlich auf der Hand Tsu'teys nieder.