Five [Five-Triologie]

von Muecke49
GeschichteMystery / P16
27.07.2011
27.12.2011
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5
Dieses Kapitel
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Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an „Supernatural“ und verdiene kein Geld damit.


     Prolog


Träge trieb es durch die absolute Dunkelheit. Nur langsam kehrte das zurück, was ein Mediziner Bewusstsein nennen würde.

Das "Wo?" spielte für es keine Rolle. Ebenso wenig wie das "Wann?".

Es hatte Zeit.

ES würde warten.


ES hatte begonnen!




                         1.Kapitel


                  Kein Anfang, denn es endet Nichts.


Glacier Nationalpark, Montana

23.August 2009

Die Hitze eines Sommertages lag wie eine Bleidecke über der Ebene. Sehnsüchtig blicke Kristin zu dem dichten Waldrand hinüber.
Im Schatten der Bäume wäre es bestimmt wunderbar kühl, doch sie musste die idealen Lichtverhältnisse ausnutzen und durfte sich nun keine Pause gönnen. Die junge Frau wischte sich also zum gefühlten hundersten Male mit dem Taschentuch den Schweiß von der Stirn, bevor er Ihr in die Augen laufen konnte und konzentrierte sich dann wieder auf die Runen. Ein dunkles Haarband hinderte die blondgelockte Mähne daran ihr in die Augen zu fallen.

"Abkühlung gefällig?"

Mit einem leisen Schrei fuhr die angehende  Historikerin herum.

"Ben, du bist ein Idiot!" Das Lächeln das sie ihm schenkte, nahm ihrem Ausruf die Schärfe.

Während sie einen großen Schluck aus der eiskalten Wasserflasche nahm, die besagter Idiot ihr eben in den Nacken gehalten hatte, grinste sie dieser einfach nur vielsagend an.

"Ich weiß, ich hab dich auch lieb." Mit einem frechen Lausbubengrinsen stahl sich ihr Freund einen Kuss, bevor er sich mit beschwingtem Schritt wieder zu der kleinen Zeltstadt begab, die Ihre Forschungsgruppe am Rande der Lichtung aufgebaut hatte.

Verträumt folgte Kristins Blick  dem athletisch gebauten, jungen Mann und in Gedanken suchte sie sich schon ein lauschiges, abgeschiedenes Plätzchen, für die laue Sommernacht aus. Bevorzugt ohne Ameisen, doch mit vielen Sternen am Himmel.

Doch vorher sollte sie ihre Arbeit hier beenden. Die schlanke Blondine wandte sich wieder dem Stein in Ihrem Rücken zu.
Irgendwas hatte sich verändert. In dem kurzen Augenblick von Bens auftauchen bis jetzt. Verwirrt berührte die Studentin den Runenstein und fuhr mit der Fingerspitze die Linien, der darauf eingeritzen Rune, nach. Der Stein fühlte sich kühl unter Ihrer Fingerspitze an, ganz normal. Sie vollendete die Spirale und im selben Moment fühlte sie einen kleinen Stromschlag welcher sich von Ihrer Fingerspitze ausbreitete. Ihre Hand wurde taub und mit einem kleinen Aufschrei riss sie sich von dem Stein los.
Sofort ließ das taube Gefühl nach und obwohl sie Ihre Fingerspitze intensiv untersuchte, so fand sie nicht die kleinste Verletzung, welche Ihr zeigen konnte, dass sie sich den kleinen Stromschlag nicht nur eingebildet hatte.

Verunsichert blickte die Historikerin um sich, doch niemand schien von Ihr Notiz zu nehmen.
Kristin beschloss, dass sie für heute genug getan hätte. Sie war sowieso die Einzige der zehnköpfigen Studentengruppe, welche der Hitzewelle getrotzt hatte und Ihre Forschungen in dem Steinkreis, trotz Mittagshitze, fortgesetzt hatte.

Der Steinkreis, welcher tief in den Wäldern des Nationalparks verborgen lag, bestand aus zehn grob geschlagenen Dolomitblöcken. Das Gestein kam in dieser Gegend häufig vor, und auch hatten sie mit einer Größe von zirka. 1,50 m nicht viel mit Ihren imposanten Brüdern aus Schottland gemeinsam. Einzig die Runen, welche in die Steine geritzt worden waren, wiesen auf eine Verwandtschaft mit dem schottischen Stonehenge hin.

Die junge Frau ließ schnell Ihre Ausrüstung in der dafür vorgesehen Tragetasche verschwinden, als sie jedoch die Papiere mit den Kopien der Runen in die Mappe schieben wollte, fiel Ihr auf was sich verändert hatte. Die Hand, welche das Papier mit der durchgepausten Rune neben die Rune auf dem Stein hielt, zitterte leicht. Fassungslos betrachtete die Studentin die beiden Spiralen. Die auf dem Blatt und die auf dem Stein. Sie waren identisch in Größe und Form und das war auch nicht verwunderlich, immerhin hatte sie diese Kopie vor gerade mal einer Stunde erstellt, indem sie die Rune mit Bleistift auf das Blatt durchgepaust hatte. Doch während die Spirale auf dem Papier sich im Uhrzeigersinn wandte, bewegte sich die Spirale auf dem Stein in die entgegengesetzte Richtung.

"Ich glaub, ich werd verrückt."

                              ~  ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~                    

Highway 2, Montana

05.September 2009

Sam warf seinem Bruder einen vorsichtigen Blick aus dem Augenwinkel zu. Das einzige, was er zu sehen bekam, war Deans nicht sehr gesprächiger Hinterkopf. Sein Kopf lehnte an der Seitenscheibe des Impalas, das Gesicht war abgewandt. Da mittlerweile die Nacht hereingebrochen war und draußen keine Lichter existierten, die sich in der Scheibe spiegelten, konnte Sam nicht erkennen, ob sein Bruder nach wie vor mit brennenden Augen die vorbeifliegende Landschaft betrachtete oder ob er nun schlief.

Ein einsames Straßenschild wies den Weg zum nächsten Highway. Die Lampe, welche das Schild beleuchten sollte, ließ kurz Deans Spiegelbild in der Fensterscheibe aufblitzen. Die Augen waren geschlossen und ausnahmsweise wirkte sein Gesicht mal vollkommen entspannt. Erstaunt stellte Sam fest, wie jung er in dem Moment aussah. Ihm schien es, als sei Dean um Jahre gealtert, seitdem er aus der Hölle zurück war.

Entschieden drehte er das Radio leiser. Er musste Nachdenken und das blecherne Scheppern von AC/DC war dabei nicht gerade sehr hilfreich. Es war eine bewährte Methode des Älteren, die lästigen Fragen des Jüngeren abzublocken, indem er ihn mit lauter Rockmusik einfach übertönte. Und so war Deans erster Griff der zum Radio gewesen, als sie vor ein paar Stunden wieder ins Auto gestiegen waren.

"Dabei hättest du dir das auch sparen können!", grummelte Sam leise, an die zusammengesunkene Gestalt auf den Beifahrersitz gewandt. Nicht das diese das gehört hätte und selbst wenn, hätte es wohl nichts geändert.

Seit Deans Ausbruch unter Brücke hatte Sam kein Wort mehr gesagt. In ihm nagte das Gefühl, dass der Jäger sich etwas anders von ihm erhofft hatte. Doch er selbst hatte nur geschwiegen, zu fassungslos um Worte zu finden und schon war der Moment vorbei und sein Bruder setzte sich mit verschlossener Miene auf den Beifahrersitz und drehte, als Zeichen für das Ende des Gesprächs, die Musik ganz laut.

Die einsame Landstraße führte gerade wie ein Strich Richtung Horizont. Hier, in der Dunkelheit und Stille des Impalas, wanderten Sams Gedanken zurück zu der Brücke, unter der sie zuletzt Rast gemacht hatten.

"Was hätte ich denn anderes sagen sollen?" Ein leises Grunzen vom Beifahrersitz war die einzige Reaktion.

Ihr letzter Fall war keiner von der Sorte gewesen, der das gute Gefühl hinterließ ein paar Menschenleben gerettet zu haben. Er war eher ein"Vergessen-und-schnell-abhaken" Fall gewesen. Eine Sache die sein Bruder zur Zeit aber nicht hin bekam. Dem jungen Winchester lief immer noch ein Schauder über den Rücken, wenn er an die toten, seltsam stumpfen Augen des irren Mädchens dachte. Früher hätte es ihm wohl auch belastet, dass es notwendig war, sie und ihren Bruder zu töten. Er hätte tagelang drüber nachgegrübelt, ob es nicht doch noch einen anderen Weg gegeben hätte. Heute? Sie tat ihm leid, das schon. Doch Ihr Tod war notwendig gewesen, sie hätte sonst weiter gemordet. Egal was sie dazu getrieben hatte. Keine Vergebung für Mörder.

"Denkst du das? Das du keine Vergebung verdienst? Selbst von mir nicht?"

Deans Geständnis unter dieser Brücke hatte ihn unvorbereitet getroffen. Er hatte gemerkt das es da noch mehr gab. Sein Bruder hatte ihm nach seiner Rückkehr nur nach und nach erzählt, was ihn so beschäftigte.

Das einst so gute Verhältnis der Brüder war aus dem Gleichgewicht geraten, denn nicht nur Dean hatte seine kleinen Geheimnisse, auch Sam hatte seinem Bruder anfangs so manches verschwiegen. Doch letztlich hatten sie es so gehalten, wie schon immer, wenn es schwierig wurde - sie rauften sich wieder zusammen und  arbeiteten gemeinsam weiter. Nach und nach wurden die Geheimnisse  ausgepackt.  

Trotzdem blieb Ihr Verhältnis angespannt. Sie hatten einen wackeligen Waffenstillstand gefunden. Dean hatte sich, zumindestens vorübergehend, mit Ruby arrangiert. Und Sam ... er versuchte seinem Bruder aus dem Trauma zu helfen, dass er sich aus der Hölle mitgebracht hatte. Bis heute war er auch davon überzeugt gewesen, dass er es irgendwie schaffen würde.

Er hatte geahnt, das es dort noch irgendetwas gab, dass der Ältere ihm bisher verschwiegen hatte. Über die Jahre hatte Sam gelernt, dass er nur beharrlich bleiben musste. Irgendwann kapitulierte Dean und rückte mit der Sprache raus. Immer!

Und so hatte er die letzten Tage dem Jäger immer wieder Gesprächsvorlagen geliefert und gewartet. Und Dean ...

hatte kapituliert.

Fast wünschte sich Sam er hätte es nicht getan.

In der Stille des Impalas kamen die Erinnerungen an den Nachmittag ungewollt zurück. In Gedanken spielte Sam die Szene immer und immer wieder durch,  ohne eine Lösung zu finden.
                                                       
< Wie so oft in letzter Zeit schien sich Ihr Gespräch im Kreis zu drehen. Dean sah sich selber als das absolut Böse, dass es scheinbar nicht verdient hatte gerettet zu werden. Sam versicherte ihm zum  hundersten Male, das er nichts dazu konnte. Es war die Hölle, Gott verdammt. Wer wäre da nicht irgendwann eingebrochen? Und sein Bruder hatte 30 Jahre "Nein." gesagt. Der jüngere Winchester war überzeugt davon, dass dies kein anderer so lange geschafft hätte.

Sam stieß einen leisen, genervten Seufzer aus und verdrehte die Augen mit einem Blick gen Himmel als würde er die Engel als Zeugen für die Sturheit seines Bruders anrufen, als dieser ein weiteres Mal dazu ansetze ihm zu erklären, um wie viel schlimmer er als das gewesen war, was sie zuletzt gejagt hatten. Er war sich sicher nun wieder dasselbe zu hören, wie schon die anderen hundert Male davor.

Gerade deswegen traf ihn Deans nächster Satz vollkommen unvorbereitet:

"Das waren Tiere, Sam, die Ihr Revier verteidigt haben. Und ich...ich habs aus Vergnügen getan.">

                          ~ ~ ~ ~ ~ ~

In der Ferne tauchten die Lichter einer kleinen Stadt auf. Sam war einen Großteil des Tages gefahren, einzig mit dem Ziel eine größtmögliche Entfernung zwischen sich und dieses alte Farmhaus zu bringen. Der Highway 2 schlängelte sich durch dichte Wälder und hohe Berge umgaben ihn nun. Ein großes Werbeschild hieß sie in East Gracier Park willkommen. Nun sehnte er sich nach einer Dusche, einem kalten Bier und einem Bett. Und bitte in dieser Reihenfolge. Schon bald kam die bunt beleuchtete Werbetafel für ein kleines Motel  in Sicht und ohne zu zögern bog Sam auf den kleinen Parkplatz und stellte dort den Impala ab. Den fest schlafenden Dean ließ er im Wagen zurück, während er schnell beim Nachtportier die Zimmerschlüssel besorgte. Das kühle Bier würde er von seiner Liste streichen müssen, doch immerhin gab es eine Dusche. Aus reiner Gewohnheit nahm er noch eine Ausgabe der örtlichen Zeitung von der Theke mit. Vielleicht gab es hier in der Gegend Arbeit für sie. Ihm war mittlerweile alles recht um seinen Bruder vom Grübeln und Trinken abzuhalten.

"Und wenn ich ehrlich bin, will ich auch nicht weiter grübeln müssen.", gestand sich Sam ein.

Während er zum Impala zurückkehrte um Dean zu wecken, warf er noch einen kurzen Blick auf die Zeitung:

"Archäologengruppe weiterhin verschollen."

Darunter ein Zusammenschnitt mehrerer Bilder. Die Gesichter von 10 jungen Leuten lächelten ihn an.

Der junge Winchester zog eine Grimasse und rollte die Zeitung zusammen. Er war am Auto angekommen und stand nun auf der Beifahrerseite. Mit Schwung ließ er das zusammengerollte Papier auf die Autoscheibe klatschen und rief laut:

"Aufwachen Dornröschen."


          


Links:

1)http://de.wikipedia.org/wiki/Glacier-Nationalpark_(Vereinigte_Staaten)
2) http://www.tripadvisor.de/Hotel_Review-g45152-d144961-Reviews-Swiftcurrent_Motor_Inn_and_Cabins-East_Glacier_Park_Montana.html
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