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Die Straße nach Ingyt

von Celaeno
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Ritter & Krieger
24.07.2011
23.03.2012
24
34.682
9
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
24.07.2011 1.415
 
So, hier kommt das zweite Kapitel... vielen Dank an die, die mich auf ihre Favoritenliste gesetzt haben, und  an die stillen Leser... =) auch wenn ich mich über ein Review natürlich sehr freuen würde ;)
Viel Spaß beim Lesen und meldet euch doch mal!




KAPITEL 2:

„Geht's noch langsamer?!“

Ein Fuß traf Anteros hart im Rücken und ließ ihn straucheln. Er stolperte gegen das vor ihm gehende Pferd, das sich mit einem lauten Wiehern aufbäumte.

„Ruhe!“, zischte der Anführer der Soldaten, „Oder wir kommen hier nie lebend raus. Das ruft nur seine Freunde auf den Plan.“ Ein weiterer Tritt traf den Heiler, der sich mit gebundenen Händen mühte wieder auf die Füße zu kommen.
'Welche Freunde?', schoss es ihm durch den Kopf. Schlimmer konnte es gar nicht mehr kommen! Kaum war er ein paar Wochen auf sich gestellt, schon befand er sich in den Händen von Soldaten, die ihn für einen Aufständischen hielten! Schlimmer konnte es wirklich nicht mehr kommen.

„Was, wenn er kein Rebell ist?“, raunte ein anderer dem Anführer zu, als sie weiter ritten, „Pallian wird nicht sehr glücklich sein, wenn wir ihm wieder einen Bauern bringen...“

„Blödsinn.“, herrschte der andere ihn an, „Wer wäre schon so bescheuert ohne Grund durch diesen Wald zu...“ Der Rest des Satzes ging in einem Gurgeln unter, als der Soldat mit durchbohrte Kehle aus dem Sattel stürzte.

Während Anteros noch fassungslos auf den leeren Sattel des Anführers starrte, erfasste Panik seine Kameraden .
„Weg hier!“, brüllte einer und die Truppe stürmte vorwärts den Waldweg entlang. Anteros spürte, wie sich das Seil, das ihn mit einem der Sättel verband, spannte, und wurde nach vorn gerissen.

Keuchend versuchte er mit den galoppierenden Tieren Schritt zu halten, die von ihren Reitern wie von Sinnen vorwärts getrieben wurden und ihm wurde klar was geschehen sein musste: Rebellen griffen an.

Es konnte noch schlimmer kommen.

Er war verloren. Panisch versuchte der Heiler in den rasch vorbeiziehenden Bäumen ihre Angreifer zu entdecken, aus denen immer wieder Pfeile auf sie geschossen wurden und Männer und Pferde zusammenbrechen ließen.

Um sein Leben rennend erblickte er in der Ferne vor sich Licht. Nur noch ein Stück! Die Kraft in seinen Beinen ließ nach und jeder Schritt brannte. Sie hatten es fast ge-

Krachend gingen die Pferde vor ihm zu Boden und die Reiter wurden aus den Sätteln geschleudert. Anteros stürzte in den Staub und die Hufe des im Todeskampf strampelnden Tieres verfehlten ihn nur knapp.
Plötzlich stürmten über ihm Männer aus den Bäumen, die die Soldaten attackierten.
Vor ihm stürzte ein Mann zu Boden, aus dessen Mund Blut strömte. Seine Augen starrten den jungen Heiler leer an, der sich verzweifelt mühte, seine Fesseln loszuwerden, die ihn am Boden hielten, während um ihn Todesschreie und Waffengeklirr die Stille des Waldes zerrissen.

Anteros' Blick fiel auf das Schwert, das in der erschlafften Hand des Toten lag, und er robbte zitternd näher, betend, dass ihn keiner der Kämpfenden bemerkte. Er klemmte die Klinge zwischen seine Knie und fuhr mit seinen gefesselten Hände darüber. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis die Stricke endlich nachgaben. Rasch löste er auch den Knebel und ergriff sein Bündel, das aus der Satteltasche des gestürzten Pferdes ragte.

Mit einem Blick um sich rannte er strauchelnd auf den schützenden Wald zu. Der Staub des Waldweges hatte sich mit dem Blut der Verwundeten und Sterbenden zu einer schlammigen Masse vermischt.

Er war fast entkommen. In seinen Ohren rauschte es und sein Herz hämmerte, als er die Bäume erreichte.

„Nicht so schnell!“

Ein Schlag traf ihn an der Schläfe und vor seinen Augen wurde es dunkel.

***

Köstlich. Thyvar nahm einen weiteren Schluck. Ganz ausgezeichnet. Wenn es etwas gab, das er bei seiner Arbeit vermisste, dann war es guter Wein. Richtig guter Wein.
Versonnen betrachtete er den edlen Tropfen in seinem Becher, der in diesem Licht fast schwarz erschien.

„Die Kassen sind leer, das Heer ist aufgerieben, das Volk rebelliert, hier wimmelt es von Spionen... ich weiß wirklich nicht, wie sich das alles noch zum Guten wenden soll. Alles habe ich getan, sogar Pallians hässliche Tochter habe ich geheiratet, obwohl mir ihr Anblick Übelkeit bereitet.“, riss ihn die laute Stimme des Fürsten aus seinen Gedanken.
Gothro hatte wenig von seinem Vater. Thyvar seufzte. Zu wenig.

Er betrachtete die plumpe junge Frau, die bei den letzten Worten ihres Ehemannes über ihrer Stickerei zusammengezuckt war und nun fluchtartig den Raum verließ. Eine Schönheit was Haslareth wirklich nicht. Thyvar schüttelte den Kopf.

„Was wollt ihr dann von mir, Gothro? Ein Wunder?“, fragte er.

„Ich will, dass ihr diesen Krieg für mich gewinnt. Dass Ingyt nicht fällt. Dass ich das Werk meines Vaters beenden kann.“, die Stimme des Fürsten klang fast, als würde er selbst nicht an seine Worte glauben, „Könnt ihr das? Man erzählt sich viel über euch und eure Männer, Thyvar. Auch von Wundern ist da die Rede. Wer, wenn nicht ihr, könnte die Sache hier zum Guten wenden?“

Der Söldner lachte leise: „Ich halte das Versprechen, das ich eurem Vater gegeben habe, Gothro. Sorgt euch nicht. Aber ich will freie Hand, was meinen Weg zum Sieg angeht.“

„Die sollt ihr haben.“, stimmte Gothro zu und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.

Eine Weile schwiegen beide Männer.

„Eure Frau, steht sie ihrem Vater nah?“, brach der Söldner irgendwann die Stille.

„Wollt ihr andeuten, dass sie für ihn spioniert? Ihr überschätzt sie. Ich glaube nicht, dass sie weiter denkt, als bis zu ihren Handarbeiten.“, der Fürst lachte, obwohl er beunruhigt wirkte, „Aber ich lasse sie vorsichtshalber schon lange beobachten. Bisher kam nichts dabei raus.“

Thyvar nickte und nippte nachdenklich an seinem Wein.

„Erzählt mir alles über diesen Krieg. Jedes Detail. Vielleicht fällt mir etwas ein.“, forderte er den Fürsten auf, der sogleich mit einer ausführlichen Schilderung der Ereignisse begann.

Einige Stunden später betrachtete der alte Söldner noch immer grübelnd die Karte, die vor ihnen auf dem Tisch ausgebreitet lag. Ingyt im Norden. Lerin im Südosten am Meer. Strategisch eindeutig die bessere Position. Er fuhr mit dem Finger den Verlauf der Straße nach, die die beiden Städte verband. Sie führte mitten durch den Wald. Kein guter Ort für eine Schlacht. Kein guter Ort für Reiter. Perfekt für einen Hinterhalt. Und er war nicht der erste, der das bemerkt hatte.

„Gothro?“, der Fürst, der ihn bei seinen Überlegungen schweigend beobachtet hatte, blickte auf, „Meine Späher berichteten mir von Rebellen, die die Straße nach Süden kontrollieren.“

Der Fürst lachte verächtlich: „Malak und seine Männer. Ein Haufen goldgieriger Halunken, denen Pallian mal die Höfe angesteckt hat. Dank ihnen kommt keiner mehr lebend hierher durch und die Waren in Ingyt werden knapp.“

„Und dennoch verteidigen sie eure Grenzen.“, warf der Söldner ein, „Warum überfallen sie nur Reisende die aus dem Süden kommen?“

'Was hat er davon gerade euch zu helfen?', fügte er im Stillen hinzu.

„Was weiß ich denn? Vielleicht, weil in Lerin mehr seiner Männer von den Zinnen baumeln als hier... vielleicht, weil er denkt, dass er hier sicher ist, solange ich noch an der Macht bin.“, zischte Gothro bitter.

„Und ist er das? Hier sicher?“ Thyvar blickte ihn mit hochgezogenen Brauen an.

„Nicht, wenn ich es vermeiden könnte. Er bringt das Volk in Aufruhr, dieser Malak. Mit der Belohnung, die Pallian auf seinen Kopf ausgesetzt hat, könnte ich ganz Lerin aufkaufen und mir den Krieg sparen.“

„Warum lasst ihr ihn dann frei herumlaufen?“, fragte der Söldner verständnislos.

Gothro schüttelte den Kopf. „Die würden mir die Burg anzünden. Frauen und Kinder mit ihren Fackeln und Mistgabeln. Er gibt ihnen Brot, an dem noch das Blut der Händler klebt, und sie küssen ihm die Hände...“

Nachdenklich drehte Thyvar seinen Becher zwischen den Händen und blickte hinein, als würde in den Tiefen des Weins eine Lösung warten. Ein Mann, der beim Volk beliebt war, war immer ein gefährlicher Gegner.

„Was ist er für ein Mensch, dieser Malak? Wäre es möglich ihn für unsere Seite zu gewinnen?“, fragte er irgendwann nachdenklich.  

„Er ist ein gewöhnlicher Totschläger. Ach, was sage ich? Der Schlimmste von allen. Die Geschichten, die man sich über ihn erzählt, lassen einem das Blut in den Adern gefrieren. Er wird euch sicher keine Hilfe sein.“

„Fürchtet ihr nicht, dass er die Seiten wechselt? Lasst solche Männer nicht außer Acht, wenn sie in der Nähe sind, Gothro. Gerade, wenn er ein Mörder ist. Lieber ein Mörder, der eure Grenzen verteidigt - aus welchem Grund auch immer - als einer, der gegen euch arbeitet.“, herrschte Thyvar ihn an und fuhr sich durch das angegraute Haar.

Die Sache würde komplizierter werden, als gedacht.

***
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