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Die Straße nach Ingyt

von Celaeno
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Ritter & Krieger
24.07.2011
23.03.2012
24
34.682
9
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
24.07.2011 1.174
 
„Die Straße nach Ingyt“ ist nach langer, langer Schreibpause mein neustes Werk. Für Kritik (und natürlich auch Lob ;) ) bin ich immer aufgeschlossen und beantworte Fragen in Reviews gern. Vielen Dank außerdem an Beronike und an blue (von blueandgreen), die mir während der Entstehung dieser Story mit ihren Meinungen zur Seite stehen.
Viel Spaß beim Lesen, nächste Woche geht es weiter!



KAPITEL 1:

Thyvar fluchte. Die Frühjahrshitze hatte ihren Höhepunkt erreicht und unter dem schweren Kettenhemd war er schweißgebadet. Jeder Schritt seines Pferdes auf dem steinigen Pfad sandte ein Stechen durch seinen Rücken. 'Verdammtes Alter!', schalt er innerlich, wie immer, wenn er längere Zeit im Sattel verbrachte und sich seine alten Knochen bemerkbar machten.

Er trieb das Tier an und folgte der Straße, die sich von einem ärmlichen Hof zum nächsten eine Anhöhe hinaufschlängelte. Die Frauen, die auf den Feldern arbeiteten, hielten inne, die vorbeiziehende Schar furchtsam betrachtend, und beteten, dass sie vorbeiziehen und sie verschonen würde. Bang verbarg eine ihre Kinder hinter sich und flüsterte:
„Söldner. Das hat uns gerade noch gefehlt. Als ob nicht alles schon schlimm genug wäre.“

„Verfluchter Gaul!“, polterte Thyvar, als sein Pferd strauchelte. Amüsiert blickten die beiden hinter ihm Reitenden einander an.

„Ein schönes Fleckchen Erde, nicht wahr, Thyvar?“, rief einer lächelnd und bekam nur ein Grummeln zur Antwort:

„Treibs nicht zu weit!“

Noch immer schmunzelnd trieb er sein Pferd neben den Hauptmann.

„Was treiben wir eigentlich hier? Sonst nimmst du nie Aufträge so weit im Süden an.“, fragte er.

Wortlos zog Thyvar ein zerknittertes Stück Pergament aus seiner Satteltasche und reichte es ihm.

Die Brauen des Söldners zogen sich zusammen, als er las, was darauf geschrieben stand.

„Der Ferdar?“ Überrascht blickte er Thyvar an. „Der Ferdar.“, bestätigte der alte Krieger, „oder vielmehr sein Sohn. Soweit ich weiß, ist Ferdar ein paar Tage, nachdem er den Brief geschrieben hat, gefallen.“

„Ein Freundschaftsdienst also?“ Er las weiter. „Auf die alten Tage und so?“ Thyvar ließ ein Schnauben hören, doch er wurde von seinem Begleiter unterbrochen, bevor er noch etwas sagen konnte. Der hatte den Brief plötzlich fassungslos gesenkt und fuhr ihn an:

„Du musst völlig wahnsinnig sein! Willst du uns alle umbringen? Hier steht, dass-“ Doch ein warnender Blick des Hauptmanns ließ ihn verstummen.

„Wir sitzen in der Scheiße, oder, Thyvar?“, raunte er ihm nach einer Weile zu.

Thyvar nickte düster: „Ja. Wir sitzen in der Scheiße.“

***

Ingyt. Er hatte den Klang dieser Stadt noch nie gemocht, die sich wie eine Drohung vor ihm auf dem Hügel erhob. Ingyt. Auf was hatte er sich bloß eingelassen?

Thyvar hielt nach den Spähern Ausschau, die er vor einigen Stunden losgeschickt hatte, während sich seine Männer hinter ihm am Waldrand in ihrem neuen Lager einrichteten.
Warum hatte er nur zugestimmt? Um einem alten Kameraden einen Gefallen zu tun? Dabei hatte er Ferdar nicht einmal besonders nahe gestanden. Und jetzt riskierte er ihrer aller Hälse für seinen Sohn und sein Reich. Hoffentlich hatte der junge Fürst wenigstens ein Bisschen von seinem Vater. Thyvar zweifelte ernsthaft daran. Ferdar hätte sein Reich nicht in so eine Situation gebracht. Jeder, aber nicht Ferdar, der Taktiker.

'Und trotzdem stehst du hier', ging es ihm durch den Kopf, 'und versuchst mit deinen paar Söldnern die Stadt zu verteidigen und den Krieg zu gewinnen, den sein Sohn nicht unter Kontrolle hat. Hoffentlich zahlt er wenigstens gut.' Der alte Söldner schüttelte den Kopf.
In der Ferne erblickte er zwei kleine schwarze Gestalten, die sich rasch näherten. Endlich. Seine Späher kehrten zurück.

Doch was er hörte, besserte seine Stimmung nicht gerade:
„Das Volk ist in Aufruhr. Fast alle Männer tot, kaum ein Händler kommt mehr hierher durch und der Fürst erhöht die Steuern um seinen Krieg zu bezahlen – wer will es den Frauen verübeln? Ihre Kinder hungern und sie fürchten jeden Tag einen Überfall. Was tun wir hier, Thyvar?“, die Stimme seines Spähers klang skeptisch und Thyvar spürte die Blicke der anderen Söldner auf sich,

„Man hört Gerüchte über Rebellen, die die Straße nach Süden kontrollieren. Als ob das Heer aus Lerin nicht schon schlimm genug wäre...“, fuhr der junge Mann fort, der sich in Ingyt unter das Volk gemischt hatte.

Der alte Hauptmann seufzte und stand auf: „Ihr müsst mir nicht folgen. Das hier ist meine Sache. Ich habe einem alten Freund versprochen zu tun, was ich kann, um Ingyt zu halten. Wenn ihr wollt, dann geht.“

„Wir haben geschworen, dir zu folgen. Und ich halte meine Versprechen. “, sagte jemand hinter ihm leise und Thyvar wandte sich überrascht um. Lajeth sprach nicht viel, denn ihre Sprache bereitete ihm noch immer Probleme. Nur wenn ihm etwas wichtig war, ließ er sich hinreißen etwas zu sagen.  

Die anderen Söldner murmelten zustimmend. Thyvar nickte:
„Gut.Was ist mit diesen Rebellen? Was wollen sie?“

„Schwer zu sagen. Die Truppen aus Ingyt lassen sie wohl passieren, aber fast alle, die aus dem Süden kommen, fallen ihnen zum Opfer. Ihr Anführer ist ein gewisser Malak.“

„Malak.“, wiederholte der Hauptmann nachdenklich, „Nicht von hier, oder?“

„Klingt nicht danach.“, bestätigte der Späher, „Scheinen der Schrecken aller Reisenden sein, diese Rebellen. Kaum einer kommt noch lebend nach Ingyt durch und die, die es tun, erzählen Geschichten, die einem die Haare zu Berge stehen lassen.“


***

„Na, wen haben wir denn da?“, ertönte eine raue Stimme über ihm, und Anteros, der, als er Hufe gehört hatte, rasch hinter einem Gebüsch in Deckung gegangenen war, zuckte zusammen.

Warum hatte er nur auf dieses Fischweib gehört, als es ihn nach Norden geschickt hatte?  Ingyt. Ihm hatte der Klang dieser Stadt von Anfang an nicht gefallen. Doch nun sollte er sie wohl nie zu Gesicht bekommen.
„Ingyt. Da gibt es Arbeit für Heiler. Im Norden.“, hatte die Alte gekrächzt und war damit fortgefahren die Eingeweide aus stinkenden Fischen zu puhlen.

Eine kräftige Hand packte ihn und zerrte ihn aus seinem Versteck. Schwer atmend fand sich Anteros  Auge in Auge mit einem Dutzend Soldaten, die das Wappen der Stadt Lerin auf der Brust trugen und ihn grinsend anstarrten.

„Ein Rebell! Das wird unseren Sold aufbessern, Jungs. Pallian zahlt gutes Geld für jeden von denen, den er foltern kann.“, lachte einer von ihnen.

„Ich bin kein-“, begann der Heiler, doch bevor er noch ein Wort sagen konnte, hatte der Mann, der ihn gepackt hielt, seine Arme ergriffen und verdrehte sie so, dass Anteros ächzend zu Boden ging, während seine Schultern bedrohlich knackten.

Er spürte, wie die Soldaten ihn mit einem rauen Strick fesselten, und versuchte sich gegen die groben Hände zur Wehr zu setzen, doch vergebens. Zum ersten Mal in seinem Leben bereute er es, kein Krieger zu sein.
Noch einmal setzte er an sich zu verteidigen, doch seine Worte wurden von einem Knebel erstickt, den ihm einer der Soldaten in den Mund stopfte.

Er war verloren, schoss es ihm durch den Kopf, während er stolpernd auf die Füße kam.
Was hatte er nur getan, dass sich alles so gegen ihn verschworen hatte? Nun sollte er sterben. In einem fremden Land, einem fremden Krieg, als Rebell gegen etwas, wovon er nicht einmal wusste, was es war...
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