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Der Blitz des Iuppiter

von Glimmer
MitmachgeschichteAbenteuer, Humor / P12
Afriten Bartimäus Dschinn Kobolde Mariden OC (Own Character)
20.07.2011
29.12.2011
7
7.740
 
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20.07.2011 859
 
Hier mal wieder ein etwas "ernsteres" Kapitel von unserem "lieben" Zauberlehrling^^ Viel Spaß!

Für Renia, weil sie mir einen motivierenden Arschtritt verpasst hat:DD


***

Flavia



Die aufgehende Sonne tauchte den riesigen Palast in ein beinahe unwirkliches, rotgoldenes  Licht. Ließ ihn größer, hoheitsvoller, mächtiger erscheinen. Nicht, dass das nötig gewesen wäre bei all den schlanken Marmorsäulen und faszinierenden Götterstatuen, die das gewaltige Konstrukt stützten.

Langes, wallendes Haar, ein verführerischer Hüftschwung und nur ein Tuch, das als einzige Bekleidung fungierend, in den Stein gemeißelt worden war. Venus – die Göttin der Liebe, blickte wachsam aus ihren Steinaugen nach unten auf die kleinen Gestalten, die sich anmaßten zu ihr hinaufsteigen zu wollen.

Da war Neptun: der Gott der Meere. Wild und unbezähmbar wie die See. Mit einer ausladenden Bewegung schwang er seinen Dreizack, der Bart schien vor Nässe zu triefen, die Haut an einigen Stellen, glänzend, schuppig zu sein.

Mercurius, der Götterbote  - ihn hatte Flavia schon immer am liebsten von all den Bewohnern des Oberirdenen Reiches gemocht. Der, der den verirrten Wanderern den Weg wies, der Beschützer aller Reisenden und Kaufleute. Frei wie der Wind, der ihm ein ständiger Begleiter war und Überbringer der wichtigsten und geheimsten Nachrichten. Ihn wies keiner in seine Schranken, er flog einfach davon mit seinen geflügelten Sandalen und dem Helm.

Mars, Bacchus, Amor, Diana, Discordia, Minerva, Nike, Pluto und Apollo.

Alle waren sie hier versammelt, Schulter an Schulter, steinern und für die Ewigkeit gedacht: All die Wundergestalten, die rätselhaften Wesen, Herren und Meister derer, die sich selbst als Herrn und Meister fühlten. Die, für die man im ganzen Römischen Reich Tempel errichtete, Opfer darbrachte, niederkniete.

Als Flavia noch jünger gewesen war, hatte sie sich oft vorgestellt, sie würden zum Leben erwachen und die ausdruckslosen Steinaugen, würden stolz auf sie herniederblicken und ihr ermutigend zulächeln, ihr Vertrauen und Zuversicht einflößen.
Niemand hatte ihr zugelächelt.  Sie war immer  alleine unter all den Steinernen gewesen.  Viel zu schnell war sie der Kindheit entwachsen, hatte nur mehr marmorne Abbilder gesehen. Verlassen und einsam auf einem Platz voller Menschen.
Einsamkeit war etwas, was sie nur zu gut kannte. Sie war ihr ein ständiger Begleiter gewesen, war es immer noch, genauso wie der Stolz, der immer mehr in ihrem mageren Körper herangewachsen war und die Entschlossenheit, die in ihr keimte, wie eine junge Eiche zu überholen drohte. Stark und unbesiegbar, ein Traum, der sie erkennen ließ, wieso Macht ein solch gefährlicher Freund war.

Es wirkte beinahe, als zwinkere Diana ihr zu, wie sie da stand mit Pfeil und Bogen und wehendem Gewand. Die Göttin des Mondes und der Jagdkunst. Die Architekten und Handwerker Roms hatten hier wahrlich ein Exempel ihrer Baukunst statuiert, durchaus nicht zu ihrem Nachteil, wie Flavia feststellte, während sie ihrem Onkel staunend die Treppen hinauffolgte, die zu einem elegant geschwungenen Torbogen führten.

„Überanstrenge dich nicht zu sehr!“, rief Gaius ihr spöttisch von oben herab zu und das Mädchen raffte seine Tunica und beeilte sich möglichst würdevoll den Rest des Weges zurückzulegen.
Oben angekommen, legte er ihr bestimmend die Hand auf die Schulter und führte sie über den prunkvollen Innenhof. Der Siegelring des Senators drückte unangenehm gegen die bloße Haut ihrer knochigen Schulter, doch sie klagte nicht. Gefangen war ihr Blick von einer riesigen Statue in der Mitte des Hofes, die eine, welche unter all den anderen fehlte.

Ehrfürchtig blickte Flavia in das gewaltige, steinerne Gesicht, das über ihr in die Höhe wuchs, schrecklich und schön wie der Sonnenuntergang, weise und gütig, doch auch voll Zorn und Eigennutz. Haar und Bart in einem wirbelnden Mahlstrom gefangen…
Iuppiter, der Vater aller Götter, der Herrscher und Bestimmer allen Geschicks auf Erden.
Ein jeder der diesem, seinem Abbild gegenüberstand, musste den Kopf senken um den Zorn des Göttervaters abzuwenden.  
Wagte man es dennoch,  genauer hinzusehen, dann erkannte man: Etwas fehlte. Ein einziges, winziges Detail, nur eine kleine Unvollkommenheit an diesem Bild der Vervollkommnung.

Flavias Augen huschten begierig nach oben.

Iuppiters erhobene Hand, wie zu einer vernichtenden Geste ausholend - war leer.

Letzte Spuren von Gold in seiner steinernen Faust zeugten noch von einem einstmalig dagewesenen Teil der mächtigen Statue.  Gekennzeichnet der Stein, von den Frevlern, die sein wertvollstes Attribut entwendet hatten – Den Blitz des Iuppiter.  
Gestohlen von Ketzern des alten Glaubens, versteckt und verbannt unter den Tempelruinen des Kapitols, wo er auf ewig ruhen sollte, dort wo die Welt der Gewöhnlichen, die der Zauberer und selbst die der Dämonen vor seiner zerstörerischen Macht geschützt werden sollten, auf alle Zeit…

Flavia schauderte. Plötzlich war ihr kalt in der Wärme der aufgehenden Sonne.

Welch schreckliches Geheimnis mochte diese Waffe bergen? Welch Grauen, welch Gefahr könnte sie in der ihr bekannten Welt und allen anderen Welten danach entfesseln?

Wider Erwarten schenkte Messala dem Iuppiterabbild keinen Blick. Flavia ließ sich verwundert an der Statue vorbeiführen, vorbei an den riesigen Horla, die das Portal bewachten, hinein in das Zentrum von Caesars Palast, hinein in den Bauch dieses marmornen Ungeheuers.




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Hier für alle die zu faul sind die griechischen und wahrscheinlich bekannteren Namen zu googeln;)


Jupiter(Iuppiter) = Zeus
Venus = Aphrodite
Neptun = Poseidon
Mercurius = Hermes
Diana= Artemis
Apollo = Apoll
Nike= Victoria
Mars= Ares
Discordia = Eris
Minerva = Athene
Pluto = Hades
Bacchus= Dyonisos
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