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Der Blitz des Iuppiter

von Glimmer
MitmachgeschichteAbenteuer, Humor / P12
Afriten Bartimäus Dschinn Kobolde Mariden OC (Own Character)
20.07.2011
29.12.2011
7
7.740
 
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20.07.2011 1.710
 
***

Bartimäus


Der gutaussehende junge Mann schritt leichtfüßig den marmornen Gang entlang und suchte nach Hinweisen auf den Verbleib seiner Kollegen. Er war braungebrannt von der nie endenden Sonne Ägyptens und trug einen einfachen, weißen Lendenschurz.
Ptolemäus würde keinen Schaden mehr  nehmen, wenn ich seine Gestalt annahm, der Wüstensand hatte die Erinnerung an ihn längst verweht. Ich jedoch erinnerte mich gern an ihn, was in meinem Gewerbe äußerst selten vorkommt – und wenn ich sage äußerst, dann meine ich auch wirklich äußerst.

Stelle dich unter ihren Befehl und wage es nicht, dich gegen Übergriffe zu wehren, hatte Messala gesagt.
- Ja, klar, aber sonst fehlte ihn nichts, oder?

Bedauerlicherweise fehlte ihm sonst wirklich nichts.
Zu meiner Verwunderung hatte der Mistkerl nach dieser Massenbeschwörungsnummer, die er vorhin abgezogen hatte, immer noch sämtliche Gliedmaßen besessen und wies auch sonst alle Anzeichen völliger Unversehrtheit auf(1).
Zu schade.

Ich war nicht besonders erpicht darauf, diesen Auftrag auszuführen. Um ehrlich zu sein: Mir grauste vor den Tempelruinen am Kapitol, allein der Geschichten wegen, war ich überzeugt, mich einem Selbstmordkommando anschließen zu müssen. Ich verspürte wahrlich keine große Lust, mein Leben im guten, alten Rom auszuhauchen, ehrlich ich konnte mir bessere Orte vorstellen, um zu sterben. (2)

Wie von selbst überprüfte mein inneres Auge alle sieben Ebenen und im Ostflügel der Villa schien es schließlich fündig zu werden. Die Magie war hier so stark, dass ich spürte wie meine Gestalt kurz flimmerte.
Na, da war ich aber gespannt. Welche Besserwisser und Möchtegerndschinn würden mich denn in nächster Zeit herumschubsen wollen? Ich hoffte nur, dass Faquarl nicht dabei war, bei unserer letzten Begegnung, hatte ich ihn nämlich mit voller Absicht in den Pyramiden von Gizeh eingemauert und ich hatte das Gefühl, dass er trotz meiner aufwendigen Bemühungen, saubere Arbeit zu leisten, nicht sonderlich gut auf mich zu sprechen war.

Der junge Ägypter schritt selbstbewusst um die Ecke und spähte durch eine halboffene Tür. Ja, hier musste es sein, er spürte es ganz deutlich. Und seine Sinne waren außergewöhnlich scharf, dass musste man ihm lassen. Es war ziemlich schwer ihn zu überraschen, das hatten selbst seine Feinde zugeben müssen.
Ich trat ein und schenkte der protzigen Kommode und der ebenso protzigen Schlafstätte einen kurzen Blick. Es war eines der unbewohnten Gästezimmer.
Hinter mir knackte es.

Ich fuhr herum und blickte in das stolze Gesicht einer rothaarigen Frau, das buchstäblich nur aus hohen Wangenknochen und strahlend, grünen Augen zu bestehen schien. Ihre Gestalt war groß und amazonenhaft und mit einem gigantischen Paar Flügel ausgestattet(3).

„Bartimäus. Wie schön, dass wir uns ausgerechnet hier wiedertreffen. Wir haben noch eine Rechnung miteinander offen. Ich hoffe du erinnerst dich?“

„Moiraithleyn.“, sagte der junge Ägypter mit einem gequälten Lächeln und sah sich äußerst unauffällig nach einem Fluchtweg um. „Reizbar wie eh und je.“

„Du brauchst dich gar nicht nach einem Fluchtweg umzusehen, mein alter Freund.“ Die Betonung, die sie auf das Wörtchen Freund legte, gefiel mir gar nicht. Ihre Fäuste ballten sich drohend, während Zaubererfeuer in ihren Händen aufflackerte und sie immer näher kam.
Ich wich zurück(4).

„Morah!“ Der Ägypter breitete die Arme aus und setzte ein vorsichtiges Lächeln auf. „Weißt du, ich würde diese hochinteressante Unterhaltung liebend gerne weiterführen, aber da wir jetzt Verbündete sind, könnten wir unsere kleine Meinungsverschiedenheit doch auch auf später verschieben und stattdessen – “

Ein hohes, kreischendes Lachen, ertönte so knapp neben mir, dass ich erschrocken zurücksprang und fürchtete Ptolemäus Trommelfell würde demnächst – wie man so schön sagte - den Geist aufgeben.
Irritiert starrte ich Morah an, doch die Dschinnijah in der Gestalt Aoifes, der keltischen Kriegsgöttin,  schien genauso verwirrt zu sein und wandte sich dem Bett zu, bereit es durch eine einzige Detonation in all seine Bestandteile zu zerschmettern.

„Aha und wer ist das nun wieder?“, murmelte ich und trat geschwind einen Schritt zurück. Im Zweifelsfall würde Morah zuerst getroffen werden – von wem oder was auch immer, womit sich mein Problem praktischerweise und im wahrsten Sinne des Wortes in Luft auflösen würde.

„ICH BIN KISCHNADNUBIZA!“, ertönte eine tiefe Männerstimme, die die Wände wackeln ließ, unter dem Bett und der Ägypter hob die wohlgeformten Augenbrauen. Ihr könnt euch sein Gesicht vorstellen, als ein  niedliches, kleines Mädchen mit rosa Kleidchen und  Schleifchen im Haar hervorkrabbelte, sich einen Käfer in den Mund stopfte und mit einem widerlich knackenden Geräusch darauf herumzukauen begann.
Ah ja, interessant. Das war also die Dritte im Bunde. Wenigstens legte sie es nicht darauf an, mich auseinanderzunehmen. Obwohl ich sicher war, sie mit links erledigen zu können. Ich spürte ihre geringe Erfahrung als Dschinn, außerdem war ich nicht ganz sicher, ob sie ein wenig labil war, bei der Show, die sie gerade zum Besten gegeben hatte.

Sie hüpfte auf die verdutzte Moiraithleyn zu und schüttelte ihr kräftig die Hand.
Gut, damit hatte sich die Frage, ob sie möglicherweise nicht ganz dicht war, auch erledigt.

„Wir sind sehr erfreut, dich kennenzulernen.“, meinte sie strahlend und immer noch mit dieser lächerlich tiefen Männerstimme und wandte sich dann zu mir um. Ich hoffte, dass sie keine ansteckenden Krankheiten oder dergleichen übertrug, doch sie unterließ es, gütigerweise auch mir die Hand zu schütteln und musterte stattdessen nur interessiert meinen Lendenschurz.
Ich räusperte mich nach einer Weile.

„Könntest du es möglicherweise unterlassen, mich so ungeniert anzustarren?“, fragte ich und Kischnadnubiza, der Schrecken jedes Psychologen, runzelte die Stirn.

„Wovon spricht der nackte Jüngling?...Ich weiß es nicht! Du auch nicht?... Aber findest du nicht, dass er einen seltsame Nase hat?...Hm ja, jetzt wo du´s sagst, tatsächlich – “

„Hey!“, unterbrach ich ihr schizophrenes Gequassel und Ptolemäus stemmte die Hände in die Hüften. „Mit seiner- äh meiner Nase ist alles bestens, Dankeschön!“
Morah, wohl noch nicht ganz sicher, was sie von der ganzen Sache halten sollte, hielt immer noch ihre Flammenkugeln griffbereit und ihr Gesicht nahm mehr und mehr dieselbe Farbe wie ihr Haar an. Ich schielte verstohlen zu ihr hinüber, bereit, im Falle eines Falles in Deckung zu gehen, da -

„KISCHNADNUBIZA, WAS HABE ICH DIR BEFOHLEN!?“

Zum zweiten Mal in dieser, sogar für euch Menschen, kurzen Zeitspanne, fuhr ich elegant herum. Die drohende Stimme schien von überall und nirgends zu kommen, Rauchschwaden bildeten sich an der Decke und dann stieg ein düsterer Schatten von oben herab und bohrte seine glühenden Augen mörderisch in das kleine Mädchen(5).
Die liebe Kischna heulte auf, hielt sich die Ohren zu und begann zu meinem Vergnügen in einer Zimmerecke vor und zurück zu wippen, während sie unaufhörlich irgendwelche Weltuntergangstheorien vor sich hin brabbelte.

Aha, gratuliere, Bartimäus, du bist hier nur von Verrückten umgeben!
Das versprach lustig zu werden.

Wären die rotglühenden Augen des Afriten nicht gewesen, die offenbar versuchten, mir die Haut von den Knochen zu schälen(6), hätte ich beinahe begonnen, mich doch mit diesem Auftrag anzufreunden – rein der Unterhaltung wegen versteht sich.

„Mit wem habe ich das Vergnügen?“, fragte ich auf gut Kumpel und wurde beinahe von den Füßen gefegt, als eine gewaltige Sandböe aus dem Nichts hervorschoss und das halbe Zimmer in Schutt und Asche legte(7).

Der ägyptische Jüngling schnipste elegant eine kleine Wüste von seiner Schulter und rümpfte unbeeindruckt die Nase.

„Ich bin Adûnaphel, der schwarze Geist, Jäger und dunkle Schatten, der unsterbliche Schattenkönig und Verräter!“, hallte die Stimme besagten Adûnaphel-Waffel-Typens von den Wänden wider und wäre das wabernde Schattenungetüm mit den gekrümmten Hörnern und den Klauenhänden nicht direkt vor mir aus dem Boden gewachsen, hätte ich nicht gewusst, ob ich mir ein unanständiges Kichern verkneifen hätte können. Allerdings hegte ich die Vermutung, dass der hochverehrte Herr „Schattenkönig und Verräter“ mich binnen einer Sekunde zu Substanzbrei geschlagen hätte und wie gesagt, ich steh nicht gerade darauf, verkloppt zu werden.

„Du sprichst mit Bartimäus von Uruk, Sakhr al Dschinni, N´gorso, dem Mächtigen, Al-Arish, der silbergefiederten Schlange!“, gab ich mit wohltönender Stimme zurück und fand, das mein Name um einiges ruhmreicher und ehrenhafter klang. Vor allem in diesem fantastischen Ägypterslang, den mein Freund aus vergangener Zeit so grandios beherrscht hatte.

„Nun gut, Bartimäus von Uruk, du stehst unter meinem Befehl! Sowie der Rest von euch, jämmerlicher Bande!“, flüsterte er mit solch samtener Stimme, dass es einem Normalsterblichen die Nackenhaare aufgestellt hätte und er schien immer weiter zu wachsen.

Morah schlug erbost mit den Flügeln und das Gesicht der rothaarigen Frau verzerrte sich zu einer scheußlichen Grimasse.

„DU WAGST ES?!“, ihre Stimme zitterte vor Zorn und ich ließ mich grinsend im Schneidersitz auf den Teppich gleiten. Das roch nach guter Unterhaltung á la Moiraithleyn. Ich kannte ihren Stolz nur zu gut, war er doch ein wesentlicher Bestandteil unserer kleinen…Meinungsverschiedenheit gewesen.  

Obwohl deutlich war, dass der Afrit den Sieg davontragen würde, bot sie ihm gehörig Paroli...

Tja, was soll man machen, sie war eben ein aufbrausender Charakter.


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(1)Wie euch ja bekannt sein dürfte, versucht jede höhere Wesenheit, die von großem Verstand und Geistesgegenwart zeugt, ich natürlich eingeschlossen, zu allererst einmal, einen Fehler in der Beschwörungsformel oder dem Pentagramm zu finden. Um im Falle eines solchen seine,  dann meist äußerst kurzlebigen Meister, fachgerecht auseinanderzunehmen. Fast jeder Zauberer weist daher für gewöhnlich mindestens eine gröbere Verletzung seiner widerlichen, fleischlichen Hülle auf. Ich weiß noch, damals in Eridu, als ich die großen Tempel am Euphrat ganz allein errichtete, da gab es einen Kerl, ein Zauberer der schlimmsten Sorte, der hatte durch äußerst mysteriöse Umstände, an denen ich so gut wie gar nicht beteiligt war, seine beiden Augen verloren und ihm fehlte ein Bein. Trotzdem hatte er mich und einige andere Wesenheiten, von nicht ganz so großer Macht, wie der meinigen,  jahrelang in seine Dienste gezwungen. Einfach nicht umzubringen der Bursche!

(2) Der Untergang von Atlantis zum Beispiel oder etwas in der Größenordnung, nicht, dass ich es darauf anlegte, aber ihr müsst zugeben, so ein Ende, hätte doch etwas…

(3) Auweia.

(4)Ich bin ja grundsätzlich immer für eine schöne Prügelei zu haben – solange es dabei nicht um mich geht.

(5)Meine Güte, ich muss zugeben, ich hatte ja auch hin und wieder einen Hang zum Dramatischen, doch diese Erscheinungsform war schon seit Jahrhunderten ein alter Hut! Kein Stilgefühl diese Afriten, aber was sage ich? Ihr habt es ja selbst mitbekommen.

(6) Der Böse Blick, eine äußerst schwierige Voodoo- technik, gehört zu dieser Art von Mysterien, bei denen jeder weiß, dass sie nicht funktionieren und die trotzdem jeder anzuwenden versucht.

(7) Eigentlich ja in Schutt und Sand, aber ihr müsst zugeben, dass Asche viel besser klingt…
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