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Der Blitz des Iuppiter

von Glimmer
MitmachgeschichteAbenteuer, Humor / P12
Afriten Bartimäus Dschinn Kobolde Mariden OC (Own Character)
20.07.2011
29.12.2011
7
7.740
 
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20.07.2011 932
 
***

Bartimäus



Die Flasche war klein und bauchig, hatte einen langen Hals und war mit einem Haufen Bannsprüche in Altarabisch bekritzelt worden. Ein Siegel verschloss das Teufelsding.

Das typisch römische Patrizierstadthaus in dem sich die Flasche befand war ziemlich protzig eingerichtet. Überall Stuck und anderweitig unnötiger Schnickschnack, wie ihn die Zauberer gerne um sich hatten. Ein paar Liegen mit purpurroten Dingern darauf, die aussahen wie Vorhänge, waren im Raum verteilt, dazu ein niedriges Tischchen, das einen Silberteller mit Weinreben beherbergte. Ziemlich spießig, wenn ihr mich fragt…

Kommen wir zu den Dingen im Raum, die mich gravierend störten.

Gaius Messala, der in seinem Bannkreis stand. Der Bannkreis, der mich daran hinderte ihn auf der Stelle zu Substanzfutter zu verarbeiten. Die Farbzusammenstellung seiner Kleidung(1).

Schon seit einer guten Stunde war er nun schon dabei, endlose Beschwörungsformeln zu murmeln, Weihrauch einzuatmen und mit den Händen zu fuchteln, als wolle er einen besonders lästigen Käfer verscheuchen(2).

„Sklaven eures Herrn, erscheint vor mir und nehmt meine Befehle als die eurigen an, auf dass sie euch das Fleisch von den Knochen ätzen, wenn ihr euch widersetzt.(3)“, beendete er schließlich seinen Sermon und heftete seine erbarmungslosen, grauen Augen erwartungsvoll auf das enorme Pentagramm vor ihm. Zumindest nahm ich an, dass er das alles tat.

Ein dumpfer Farbschleier und der dröhnende Wiederklang der gesprochenen Worte war so ziemlich alles, was ich von dem ganzen Brimborium mitbekommen hatte.
Die vorhin erwähnte Flasche war schuld.
Ich steckte nämlich dummerweise in dieser Flasche.
Warum?

Ich bin ein Musterbeispiel von einem Dschinn. Ich mache das, was mein Herr mir befiehlt, bin höflich und aufmerksam, gelegentlich sehe ich über die Fehler anderer hinweg. Wenn eine Rune nicht richtig gezogen wurde, lasse ich keine Gelegenheit aus um meinem Meister eins auszuwischen, befolge die ungeschriebenen Regeln also vortrefflich. Nur mein Meister schien das nicht ganz einzusehen und so hatte er mich für, nun schon gefüllte dreizehn Stunden in dieses niederträchtige Gefäß verbannt. Um es wieder verlassen zu können, war ich sogar bereit, einen Auftrag auszuführen.
Niveaulos, ich weiß, aber ein Dschinn meines Kalibers ist einfach nicht dafür geschaffen, so lange auf engem Raum festzusitzen. Natürlich hegte ich immer noch die Hoffnung, dass Ianto aus Versehen den Staubwedel zu stark schwang, oder das Balg von Messala, die Flasche öffnete. In beiden Fällen standen die Chancen allerdings schlecht(4).

Um mir die Zeit während Messalas Beschwörungen zu vertreiben und um die Substanzschmerzen zu schmälern, die das Beibehalten einer Erscheinung mit sich bringt, verwandelte ich mich abwechselnd von einem Dunstschwaden, der am Boden der Flasche herumkroch, in einen bunt schillernden Skarabäus – aber glaubt mir, soetwas verliert schnell seinen Reiz.

Schlagartig zuckte ein gewaltiger Blitz durch den Raum. Ein Brüllen, das die Wände wackeln ließ. Unerträgliche Hitze und Kälte. Eine starke Erschütterung auf der fünften Ebene. Das atemberaubende Toben eines Sandsturmes. Der schmerzerfüllte Schrei eines kleinen Kindes, der einem durch Mark und Bein geht. Verführerisches Gurren. Heulen, Kreischen, Flügelgeflatter. Kurz meine Kollegen und Kolleginnen starteten das volle Programm.

Nach einiger Zeit, die Sonne mochte bereits an der Spitze stehen, schienen die anderen Wesenheiten endlich vollständig versammelt zu sein und Messala begann, uns den Auftrag zu erteilen. Ich, wohlgemerkt, immer noch gefangen. Durch den Lärm, den die, mir unbekannten Wesenheiten veranstalteten, war es noch schwerer das Gesprochene zu verstehen.

„Dämonen, die ich aus den Tiefen der Hölle beschwor, folgt meinem Befehl, dem ihr keine Gefahr und keine Mühen verweigern werdet. Die, die ihr zu gehorchen habt, egal was kommen mag, denn es ist euch verboten – " Und in dieser Art und Weise ging es noch eine ganze Weile weiter.
Elender Umstandskrämer! (5)

Ich spürte wie die anderen Wesenheiten unruhig wurden. Mindestens ein Afrit musste sich unter ihnen befinden. Beträchtliche Macht flackerte in manchen Auren auf, wie eine Kerzenflamme, die durch den Wind auszugehen droht. Sie waren verwirrt – ich ebenfalls. Wie konnte ein einziger Zauberer so viele von uns auf einmal zu sich rufen, ohne sichtliche Anstrengung?

„Die alten Tempelruinen am Kapitol warten auf euch! Bringt mir den Blitz des Iuppiter! Ihr brecht morgen bei Sonnenaufgang auf und ich erwarte euch in zwei Wochen bei Sonnenuntergang zurück. Bringt ihr das Gewünschte nicht, dann werdet ihr mit dem Schlimmsten rechnen müssen!“
Stille folgte und dann wusste ich, dass die anderen ohne weiteres verschwunden waren.

Der Skarabäus zappelte unruhig und krümmte seine wohlgeformten Fühler.
Was würde ihn erwarten? Und mit wem würde er es zu tun bekommen?

Ich sollte es nur allzu bald erfahren…


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(1)Das ist eine durchaus ernstzunehmende Sache. Der Kulturverlust, der Spätantike nahm genau damit seinen Anfang.

(2) In diesem Fall wäre ich der erste gewesen, der sich freiwillig als Insekt zur Verfügung gestellt hätte, obwohl dieser Chitinpanzer fürchterlich zu jucken anfängt, kaum dass man zu etwas Lohnenswertem kommt...

(3) Charmant, oder?


(4) Ianto konnte mich schlicht und einfach nicht leiden und diese ganze Öffne-die-Flasche-und-ich-erfülle-dir-einen-Wunsch–Sache könnt ihr vergessen. Sie endet in so gut wie allen Fällen mit einem Abendessen für die befreite Wesenheit und dem Ende als Abendessen dieser Wesenheit für den ehrenhaften Befreier, der dumm genug gewesen ist, solchen Geschichten zu glauben.

(5) Zauberer haben leider oft die fürchterliche Angewohnheit, äußerst melodramatische Reden zu schwingen, bevor sie endlich zum Punkt kommen. Was nach sich zieht, dass es etwas dauern kann, bis unsereins endlich erfährt, was er wissen muss.



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Danke für die lieben Reviews und das Lob vom letzten Mal!:))

Hoffe euch gefällt auch weiterhin, was ich schreibe, ihr könnt mir gerne schreiben, was euch nicht gefällt und generell bin ich offen für Kritik.

Hoffe es hat euch auch diesemal gefallen und ihr hattet euren Spaß beim Lesen!

eure
Glimmer
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