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Der Blitz des Iuppiter

von Glimmer
MitmachgeschichteAbenteuer, Humor / P12
Afriten Bartimäus Dschinn Kobolde Mariden OC (Own Character)
20.07.2011
29.12.2011
7
7.740
 
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20.07.2011 1.103
 
***

Flavia


Der Straßenlärm, der vom Forum Romanum zu den Fenstern des prächtigen Stadthauses hinaufdrang wie eine schmutzige Wolke, war im Inneren der verschwenderisch eingerichteten Räume nur mehr schwach zu vernehmen. Die drückende Hitze der Mittagszeit gab dem Treiben draußen keinesfalls Anlass innezuhalten, sondern stachelte die ohnehin hitzigen Gemüter der Feilscher und Marktschreier nur noch mehr auf.

Das Mädchen, das in eleganter,  aufrechter Haltung über den marmornen Fußboden schritt, mochte nicht älter sein als elf Sommer, vielleicht auch zwölf.  Eine kleine, schmächtige Gestalt, scharfe, dunkle Augenbrauen und eine typisch römische Adlernase, ließen sie nicht besonders hübsch erscheinen. Doch konnte man nicht leugnen, dass sie etwas an sich hatte, das ihr unmittelbar die Aufmerksamkeit anderer sichern musste. Den Sklaven, denen sie auf den Gängen begegnete, schenkte sie nicht mehr Aufmerksamkeit als nötig war, um nicht angerempelt zu werden.
Nicht, dass sie sich deswegen Sorgen gemacht hätte. Keiner von ihnen würde es wagen, sie auch nur zu berühren, wenn sie nicht den glühheißen Stichel zu spüren bekommen wollten oder eine andere Form der magischen Bestrafung.
Eine beleibte Frau mit silbernem Haar, die einen Korb voll Wäsche trug. Ein niedlicher, kleiner Junge, der sie treuherzig anstarrte. Ein riesiger Schrank von einem Mann, mit einer Menge Brusthaar, der eine Amphore Wein schleppte. Sie alle waren falsch - Geister, Dämonen, Sklaven ihres Herrn, dazu verdammt in der Welt der Menschen zu wandeln, bis man sie schließlich von diesem Dasein erlöste und sie zurückschickte – an den Anderen Ort.

Flavia wusste, dass es das höchste Bestreben eines Dämons war, dorthin zurückzukehren, sie wusste, dass die Zauberer ihre Macht allein diesen Wesen zu verdanken hatten, sie wusste, dass es Unrecht war, diese Wesen zu knechten. Das Mädchen hatte schon früh gelernt, all das zu ignorieren. Denn nur wer Macht besaß, konnte sich den Angriffen anderer mächtiger Zauberer erwehren. Diese Macht war ein Geschenk, ein Geschenk, das es ihr ermöglichte ihre Interessen zu vertreten und nicht unterzugehen in einer Welt voller Ignoranz.

Schon auf der zweiten Ebene konnte das Mädchen mit etwas Anstrengung die Wesen hinter der Maske erkennen. Die Frau wurde zu einem gierig hechelnden, rotblauen Kojoten – ein Kobold von geringer Macht, nichts weiter. Der niedliche Kleine verwandelte sich in ein riesiges, schwarzes Ungetüm, das einen stacheligen Schweif über den Boden schliff  - ein Foliot, etwas höher in der Rangordnung aber immer noch zu unbedeutend für sie. Anstatt des Mannes erkannte sie eine verschwommene, dürre Gestalt, sie hätte eine Ebene höher gehen müssen um mehr zu erkennen, wäre ihr der Sinn danach gelegen. Doch sie hatte wichtigeres zu tun.

„Kann ich euch behilflich sein, Fräulein Flavia?“
Die angesprochene umklammerte unwillkürlich den kleinen, silbernen Spiegel, der in einer Falte ihrer Tunica verborgen war und hoffte Akahari würde sich nicht ausgerechnet jetzt zu Wort melden (was allerdings schon längst fällig gewesen wäre, wenn sie es genau bedachte). Es war ihr als Lehrling verboten, einen eigenen Zauberspiegel zu besitzen. Nicht grundlos.
Eine dünne, hochgewachsene Gestalt mit langen, blonden Filzlocken und Dreitagebart war  geräuschlos aus dem Schatten einer Nische getreten. Der Mann trug eine rotbraune Tunica und Sandalen. Auch auf der zweiten Ebene hatte er diese Gestalt angenommen.

„Ich wollte gerade hinunter zum Markt gehen, um einige Erledigungen zu machen.“, erwiderte Flavia kühl und ließ sich die Enttäuschung, so schnell abgepasst zu werden, nicht anmerken.
Seine schwarzen Augen, in denen sie hin und wieder meinte, ein beunruhigendes Funkeln zu erkennen, irritierten sie längst nicht mehr.

„Du weißt, dass du nicht alleine aus dem Haus gehen sollst?“, fragte er mit einem verschlagenen Blick auf ihre ledernen Sandalen, an denen noch der Straßenstaub klebte.
Sie biss sich verärgert auf die Lippe. Natürlich wusste sie das und er wusste natürlich, dass sie es wusste.

„Ich muss dich einschließen, ob deines Ungehorsams. Befehl von deinem oder meinem Meister - das kannst du sehen wie du willst. Tut mir wirklich Leid, Mädchen.“
Flavia war klar, dass der freundliche Tonfall nur geheuchelt war – Dämonen waren hinterhältige Wesen und warteten nur auf die passende Gelegenheit  - doch trotzdem ärgerte sie sein Verhalten ihr gegenüber. Ianto war ein Foliot, ein, für seine Art, jedoch außergewöhnlich starker Dämon. Flavia hegte seit längerem den Verdacht, dass ihr Onkel ihn auf sie ansetzte um sie zu überwachen. Sie machte sich nichts vor, Gaius Messala duldete sie – nichts weiter. Er misstraute ihr und trotzdem war sie vor gut zwei Sommern sein Lehrling geworden.
Mit finsterem Blick folgte sie Ianto den Weg zurück zu ihren Gemächern. Sie hatte also Recht behalten, mit der Vermutung, ihr Onkel führe etwas im Schilde. Nur was?

„Überleg dir das mit dem Ungehorsam, dein Onkel spart nicht mit Strafen.“, meinte der Foliot wissend und gleichzeitig etwas schadenfroh. Das Mädchen bedeutete ihm den Raum zu verlassen und ließ sich auf dem Bett nieder.
Sobald der Schlüssel sich im Schloss umgedreht hatte, zog Flavia hastig den Spiegel aus ihrer Tasche.

„Akahari, deine Meisterin befiehlt dir, dich zu zeigen!“, befahl sie und hielt sich den Spiegel vors Gesicht.
Kaum eine halbe Sekunde später erschien die zierliche Gestalt einer lieblichen Waldfee in dem Zauberspiegel. Flavia, die genau wusste wie der Kobold in Wahrheit aussah, rührte die zarte Erscheinung  kein bisschen.

„Ihr habt mich gerufen, Meisterin?“, zwitscherte die Fee eifrig und überschlug sich beinahe vor Pflichtbewusstsein.

„Warum meldest du dich erst jetzt? Was habe ich dir gesagt?“, fuhr sie den Kobold missbilligend an, welcher sogleich zu einer Entschuldigung ansetzte.

„Ihr sagtet: Zur Mittagsstunde, oh erhabenes Fräulein! Ich bitte vielmals um Verzeihung.“
Flavia wusste ehrlich gesagt nicht mehr, warum Akahari immer noch in ihren Diensten stand. Er war zwar außerordentlich eifrig, jedoch fiel er ihr mit seiner übertriebenen Untergebenheit und der gelegentlichen Besserwisserei mehr auf die Nerven, als das sie wirklich einen Nutzen von ihm hatte.

„Was hat dich aufgehalten?“

„Euer Onkel, Meisterin, er hat bereits mit den Beschwörungen begonnen!“ Akaharis Augen wurden rund wie Wagenräder und Flavia runzelte die Stirn.

„Wofür braucht er all diese Geister? Es muss einen Grund geben, warum er mich nicht einweiht.“, sprach sie nachdenklich zu sich selbst, doch der Kobold konnte mal wieder nicht die Klappe halten.
„Vielleicht, oh erhabene Herrin, denkt er, ihr seid noch zu k – “

„Hör auf zu reden und zeige mir, was du in Erfahrung gebracht hast!“, befahl sie.

„Natürlich, wie dreist von mir. Ganz, wie ihr wollt, Herrin, wie ihr befehlt…“
Und die tänzelnde Fee rückte eifrig zur Seite und machte Platz für Dinge, die eine volle Stunde zuvor geschehen waren. Flavia beugte sich gespannt vor und hoffte zu sehen, was sie sehen wollte.

Und sie sah, Oh und was sie sah…

Ihr stockte der Atem.

...


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Hmm, was sie wohl gesehen hat?

Bartimäus wird es euch höchstwahrscheinlich im nächsten Kapitel mitteilen;)

lg und hoffe es ist euch ein Review wert

eure
Glimmer
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