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Der Blitz des Iuppiter

von Glimmer
MitmachgeschichteAbenteuer, Humor / P12
Afriten Bartimäus Dschinn Kobolde Mariden OC (Own Character)
20.07.2011
29.12.2011
7
7.740
 
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20.07.2011 1.145
 
***

PROLOG


Donnernder Schlachtenlärm. Ruhm und Ehre. Ein blitzendes Schwert und der Ruf, der unseren Truppen den Sieg brachte, zogen vor meinem inneren Auge vorbei. Mein Name hallte von den Felswänden wieder, sie alle feierten Bartimäus von Uruk, den edelsten und mächtigsten aller Dschinn. Priesen meine Heldentaten, mit Lobgesängen, die -

Eine Erschütterung hallte durch den Anderen Ort und meine Gedanken überschlugen sich vor Wut.
Das war ein schlechter Scherz, oder? Nein, das musste, durfte und konnte absolut nicht wahr sein!
Ich war eben erst wieder zurückgeschickt worden(1)!
Durfte man nicht für gerademal ein Erdzeitalter seine Ruhe haben?!

Länger konnte ich mich nicht mehr gegen den Sog der Worte und das Zerren an meiner Substanz wehren und so gab ich schließlich nach(2).

Eines war jedenfalls sicher! Der elende Wurm, der es gewagt hatte, mich schon wieder beschwören zu wollen, würde unter dem Zorn des größten aller Dschinn beben und zittern. Ich, Bartimäus von Uruk, Sakhr al Dschinni, N´gorso der Mächtige, Al-Arish, die gefiederte Schlange würde ihn Höllenqualen leiden lassen, seine vor Angst schlotternden Gliedmaßen auseinandernehmen und sie über alle Erdteile verstreuen…

Es wurde kalt im Zimmer, die Lichter erloschen mit einem Zischen und ein Heulen und Pfeifen, wie eisiger Wind, der durch alle Ritzen dringt, erfüllte die bebenden Pentagramme. Ein schmerzerfüllter, kreischender Schrei ertönte. Und dann schwebte aus der Dunkelheit ein Monstrum von einem Vogel, ein riesiger Geier, ein grausames Funkeln in den rotglühenden Augen, hervor. Schnabel und Krallen, so scharf, um einen Ochsen in Stücke zu reißen.
- Beeindruckend, oder?
Ich vervollständigte meine bedrohliche Erscheinung mit beißendem Rauch, der meinem Beschwörer hoffentlich gehörig die Augen tränen ließ, nur um festzustellen, dass die ganze Mühe für die Katz war.
Denn wen sah ich da, als sich der Rauch ein wenig lichtete?

Ein nicht gerade beeindrucktes, nicht gerade verängstigtes, nicht gerade großes Mädchen. Sie war höchstens Zwölf und wirkte nicht sonderlich erschrocken über meinen Auftritt. Auch wenn sie jetzt angefangen hätte zu heulen und schluchzend aus ihrem Pentagramm gerannt wäre, ist es weder besonders befriedigend noch besonders sättigend, ein kleines Gör, noch dazu von solch beträchtlicher Mickrigkeit zu Tode zu ängstigen.

Klein, dürr, dunkles Haar, Hakennase, bronzefarbene Haut, ein dünner Mund ohne jeglichen Humor…

Momentmal, die kannte ich doch irgendwoher?

Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen(3)!

Flavia Messala, der kleine Zauberlehrling meines letzten Meisters blickte mich aus ernsten, dunklen Augen an und ihre schmale Gestalt verharrte reglos in ihrem Bannkreis, den ich gerade äußerst geschickt und unauffällig nach Fehlern abzusuchen begann, als -

„Gib dir keine Mühe, Bartimäus. Es gibt keine Fehler!“, sprach sie und ich musste ihr zugutehalten, dass ihre Stimme, im Gegensatz zu ihrer sonstigen Erscheinung, außerordentlich fest und entschlossen wirkte. Tja, sie wusste offenbar nicht wirklich mit wem sie es hier zu tun hatte.
Ich plusterte also meine schwarze Federpracht, und zischte mit bedrohlicher Grabesstimme, dass ihr die Knochen im Leib schlottern sollten:

„Warum muss ich schon wieder? Kannst du nicht einen Foliot oder einen hirnlosen Kobold heraufbeschwören und die Sache ist erledigt?“

Das naseweiße, kleine Gör hob drohend die Hand, bereit mich durch Schmerzen gefügig zu machen. Ich vermutete mal, dass sie bluffte. Ziemlich gut darin war sie aber allemal, also hielt ich vorerst die Klappe.

„Du beschattest Gaius Messala, teilst mir alles mit, was er mit den anderen Senatoren über den Iuppiterblitz bespricht und lässt in Gegenwart anderer kein Wort über mich verlaut - “

Eines musste man ihr lassen, mutig war sie. Und ziemlich lebensmüde obendrein.

„Dir ist schon klar, dass wir beide so gut wie tot sind, Kleine?“ fuhr ich ihr ins Wort. „Vielleicht ist es dir ja schon aufgefallen, aber kein auch nur ansatzweise bedeutender Senator verlässt das Haus ohne mindestens einen AFRITEN! Wahrscheinlich weißt du gar nicht wirklich, was das ist, aber wenn ich tot bin, kannst du dir sicher sein, dass du dir deine Informationen in den – „

„Ich dachte eigentlich, eine höhere Wesenheit, wie du, Bartimäus, die ihre Fähigkeiten und Taten so hoch rühmt, wäre zu gewöhnlichen Missionen, wie dieser, durchaus geeignet?“, unterbrach sie mich und ein spöttisches Lächeln legte sich über ihren schmallippigen Mund.

Bei Salomo, wie ich das Gör verabscheute!

Ich versuchte einen miesen, pädagogischen Trick, der schon öfters hervorragend funktioniert hatte, hob skeptisch die Augenbrauen und sah sie von oben herab an.
„Sag mal, wie alt bist du eigentlich, Kleine? Acht, neun? Darfst du überhaupt schon allein auf den Markt, dein Räucherwerk kaufen gehen?“
Zu meinem Bedauern machte sie nicht denselben Fehler, wie damals der syrische Jüngling. (4)

„Mein Alter tut nichts zur Sache, Dämon. Du hast mir zu gehorchen, nichts weiter!“, meinte sie überheblich und besaß auch noch die Frechheit völlig ungerührt von meiner drohenden Erscheinung zu bleiben.
Der riesige, hässliche Vogel klackerte verstimmt mit dem Schnabel.

„Eins noch, Kleine. Bitte sag mir, dass das hier nicht Rom ist(5)!“

Ihr Mund verzog sich zu einem freudlosen Lächeln und sie ließ eine vollgekritzelte Pergamentrolle in ihrer Toga verschwinden.
„Es ist Rom, Bartimäus. Und jetzt geh und führe meinen Auftrag aus!“

Das war das zweite Mal, dass sie mir befahl, zu gehen und ich spürte wie sich meine Substanz allmählich zu verknoten begann.

Geh und führe meinen Auftrag aus! Himmel, war die ernst drauf! Da hatte ja ein Kobold mit Hämorrhoiden noch mehr Humor(6).
Mit einem unwirschen Schnauben – solang man als Vogel unwirsch Schnauben kann – hüllte sich der Riesengeier wieder in seine Rauchwolke und war gleich darauf verschwunden. Außer dem beißenden Gestank, den er zurückließ, deutete nichts darauf hin, dass hier gerade der Grundstein für einen weiteren Verrat gelegt worden war.

Jetzt fragt ihr euch sicher, was es mit dem Iuppiterblitz, Gaius Messala, der zufällig der Onkel des kleinen Plagegeistes war, auf sich hat und natürlich, wie ich in diese bedauerliche Lage kam.

Nun, ich will ganz am Anfang dieser Geschichte beginnen…


***

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(1) Rom wurde schließlich nicht an einem Tag erbaut!

(2) Nicht, dass ich die große Wahl gehabt hätte, aber trotzdem…

(3) Das ist natürlich nur eine Redensart, obwohl das zugegebenermaßen ziemlich witzig aussehen würde.

(4) Der lächerliche Bengel, der darauf bestanden hatte, mit „eure Mannhaftigkeit“ angeredet zu werden, war über die Unterschätzung und Missachtung seiner herausragenden und äußerst beeindruckenden, vierzehnjährigen Autorität, meinerseits, wie ein tollwütiger Stechling auf und ab gehüpft. War aber leider trotz allem nicht aus seinem Bannkreis gefallen. Was mich wunderte, da er so dumm war und im wohl winzigsten Pentagramm stand, dass jemals gezogen wurde.

(5) Rom stand damals nämlich noch sehr deutlich in Verbindung mit einigen unschönen Erinnerungen. Wobei ein enorm fetter Senator, ein Wagenrennen und ein gewisser Dschinn in Gestalt eines Pferdes, eine wesentliche Rolle spielten, die mir heute noch Substanzschmerzen bereiten.

(6) Das war natürlich ebenfalls nur eine Redensart, so etwas Dämliches könnt auch nur ihr Menschen abbekommen. Wobei ich mir, hinsichtlich des Kobolds, einmal einen kleinen Scherz erlaubt hatte…



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Hoffe es hat euch gefallen und es ist mir gelungen, wenigstens einen kleinen Teil von Bartimäus Persönlichkeit abzukupfern:DD

eure Glimmer
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