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Die Vergangenheit des Dämons

von Mina8888
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dawn Warden Julien DuCraine
17.07.2011
09.03.2012
7
7.292
 
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17.07.2011 987
 
Mitten in der Nacht wachte ich schon auf. Ich spürte, dass Julien nicht mehr neben mir lag und als ich meine Augen öffnete, erkannte ich seine Silhouette, die sich schwach im Mondschein abzeichnete.
Er stand am Fenster, den Ellbogen auf die Fensterbank gestützt, das Kinn auf die Hand gestützt, und starrte vollkommen in seinen Gedanken versunken hinaus in den dunklen Wald vor unserem Haus.
Ich hatte schon geahnt, dass er die ganze Nacht nicht schlafen können würde.
Zwar konnte ich seinen Gesichtsausdruck sehen, aber ich konnte seine Gefühle spüren- die er noch immer unterdrückte.
Nur ganz schwach an der Oberfläche spürte ich  Wut... Ungläubigkeit und... so etwas wie Hoffnung?
Doch ganz deutlich spürte ich seine Verwirrung- die mich vermutlich auch aufgeweckt hatte.
Plötzlich hatte ich schreckliche Schuldgefühle.
Mein Freund grübelte sich hie zu Tode und machte sich schreckliche Sorgen, nachdem kurz zuvor seine Schwester, von der er geglaubt hatte, dass sie tot sei, ganz plötzlich aufgetaucht war. Wahrscheinlich hatte er schon etwas aus ihrer Geschichte herausgefischt, für dass er wieder einmal den Sündenbock spielen konnte. Typisch Julien!
Und was tat ich? Ich schlief seelenruhig in meinem Bett!
Was bin ich nur für eine tolle Freundin!
Ziemlich umständlich trat ich die Decke weg und stand auf.
Zögernd näherte ich mich Julien. Dieser nahm seinen Ellbogen von der Fensterbank, richtete sich auf und streckte die Hand nach mir aus, ohne den Blick vom Wald zu lösen.
Schnell überwand ich den Abstand zwischen uns, nahm seine Hand und lehnte mich mit dem Rücken gegen seine Brust. Er ließ meine Hand los, schlang mir stattdessen seine Arme um meine Mitte.
Eine ganze Weile standen wir so, schwiegen und starrten aus dem Fenster. Schweigend.
Nach einiger Zeit drehte ich mich in seinen Armen um und betrachtete sein Gesicht.
Und schon wieder meldeten sich die Schuldgefühle.
Sein Gesichtsausdruck war grüblerisch, doch das war es nicht, was meine Schuldgefühle weckte.
Sondern die Tatsache, dass seine Haut noch weißer war als sonst- und das will was heißen- und seine Augen- obwohl ich eindeutig keine Wut in ihm spürte- rot waren. Das konnte nur eines bedeuten: er brauchte mein Blut.
Es hatte nichts mit Hunger zu tun, eher mit der Tatsache, dass er sehr... sagen wir, empfindlich auf die Sonne reagiert und daher auch eine hellere Haut hat, die fast durchscheinend wirkt. Man könnte denken, man sieht schon das Blut und das Fleisch darunter.
Und damit er nicht mehr so empfindlich reagiert, muss er mein Blut trinken.
Er hatte wohl bemerkt, was ich dachte, als ich ihn so erschrocken anschaute, denn er blicke weg.
,,Warum, zum Teufen, sagst du mir nicht einfach, wann du mein Blut brauchst, statt immer bis zum allerletzten Moment zu warten?", fragte ich ihn aufgebracht.
Er zuckte nur lässig mit den Schulter. Was mich noch wütender machte und schon waren die Schuldgefühle vergessen.
,,Bist du noch ganz bei Verstand? Was wäre gewesen, wenn du geschlafen hättest und die Sonne aufgegangen wär? Und du hättest mein Blut noch nicht getrunken.", fauchte ich wütend, befreite mich aus seinen armen und funkelte ihn wütend an. Hätte Kathy nicht unten gelegen, hätte ich ihn angeschrien.
,,Das wäre nicht passiert.", meinte er nur leise und wich meinem Blick aus.
Fassungslos sah ich ihn an, ehe ich endgültig die Geduld verlor. Vor Wut swaren meine Eckzähne länger geworden.
Ich hielt Julien mein Handgelenk vor den Mund und sah ihn Abwartend an.
Zögernd nahm er es schließlich in die Hand und biss zu. Und sah mir die ganze Zeit über in die Augen.
Auf einmal war meine Wut wie weggeblasen. Das angenehme Gefühl seiner Lippen auf meiner Haut und seiner Zunge, die über die Wunden leckte- und sein entschuldigender Hundeblick ließen mich allen Streit vergessen.
Als er fertig war, ging ich auf mein Bett zu und wollte mich hinlegen, doch er ergriff erneut mein Handgelenk und zog mich zu sich.
Als ich ihm diesmal in die Augen sah, konnte sein Hundeblick es locker mit dem von Olek aufnehmen.
,,Es tut mir leid.”, brachte er zögernd hervor. Ich wartete, bis er fortfuhr, ,,Ich weiß, es ist blanker Selbstmord, nicht von dir zu trinken und es ist dumm von mir… Nach allem, was wir durchgemacht haben, denke ich noch immer, dass… es kommt mir vor wie eine Verschwendung von dir zu trinken.”
Jetzt war es an mir, den Blick abzuwenden, ich blickte auf unsere Hände, die sich wie Automatisch verschränkt hatten.
Ich konnte ihn verstehen. Jedes mal, wenn ich von ihm trank, kam es mir vor, als würde ich etwas unendlich kostbares in den Schmutz ziehen. Als würde ich Julien einfach nur benutzen.
Ich sah ihm wieder in die Augen und lächelte schwach. Entschuldigung angenommen.
Ich drückte seine Hand. Ich kann dich verstehen.
Dann ieß ich sie wieder los und legte mich ins Bett auf die Seite, sodass ich zu Julien gedreht dalag.
Er starrte schon wieder in den Wald hinaus und verschloss seine Gedanken. Das gefiel mir nicht. Je mehr Zeit Julien zum Nachdenken hatte, desto mehr Schuldgefühle überkamen ihn. Das wusste ich inzwischen ganz genau.
,,Hast du heute noch vor, zu schlafen oder willst du weiter sinnlos in die Dunkelheit starren?” , fragte ich ungeduldig.
Nur zögernd drehte er sich um. Meine Lamiasinne reichten noch nicht aus, um aus dieser Entfernung seinen Gesichtsausdruck zu deuten.
Ich streckte eine Hand nach ihm aus. Er kam näher , ergriff die Hand und legte sich schließlich doch neben mich unter die Decke.
Ich spürte seine Haut, nur durch mein dünnes Nachthemd von der meinen getrennt, als er mich in die Arme nahm.
Seine Finger strichen meinen Rücken hinauf, glitten unter meine Haare und malten geschwungene Linien in meinem Nacken.
Ich spürte, wie sich seine Anspannung nach einigen Momenten legte und er ganz entspannt neben mir lag. Doch keiner von uns beiden konnte schlafen.
Ich lag einfach in Juliens Armen und genoss seine Nähe.
Als letztes bemerkte ich noch, wie der Himmel heller wurde, als ich schließlich doch noch einschlief.
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