Alles ist gut

GeschichteRomanze, Familie / P16
15.07.2011
15.07.2011
1
2303
 
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
"Inuki! Inuki! Sieh mal!"
Ein Mädchen mit schulterlangen rabenschwarzen Haaren, die ihr offen und ungebändigt ins Gesicht fielen, wedelte aufgeregt mit einer Hand wild hin und her. Sie hielt einen kleinen Blumenstrauß in den Händen, den sie eben gerade noch auf einer Wiese gepflügt hatte. Es waren weiße zarte Blüten, die in der Umgebung wie Unkraut gediehen und doch sehr schön anzusehen waren.
Ein großer wolfsähnlicher Hund mit bernsteinfarbenen Augen, die wie reifer Honig glänzten, besah sich die hastigen und freudigen Bewegungen seiner Begleiterin mit milder Strenge. Denn immer wieder tanzte die junge Frau geradezu euphorisch, trotz ihres Zustandes, um ihn herum.
Ihr zierlicher Körper war in ein weißes Sommerkleid gehüllt, dass luftig und locker ihre Kurven betonte und voll zur Geltung brachte. Ihre milchweiße Haut hatte durch das warme Licht der Sonne eine leichte Bräune angenommen, aber noch immer wirkte sie durchscheinend wie aus Porzellan.
Sie trug keine Schuhe und mit bloßen Füßen berührte sie das kühle Holz im Schatten des Tempels, im welchen sie sich befand. Trotz ihrer Umstände bückte sich die Schwarzhaarige anmutig hinunter und umarmte den riesigen Hund, dessen Haupt bis zu ihrer Brusthöhe reichte. Ihr Kopf drückte sich in das weiche und flauschige Fell und verdeckte ihre schönen und ebenmäßigen Konturen.
"Bestimmt wird er sich sehr darüber freuen!", vernahm Inuki die zarte Stimme seiner Schutzbefohlenen ein wenig gedämpft an seine Ohren. Er gab ein zuversichtliches Brummen von sich, wobei sein ganzer Körper mit vibrierte.
"Ja! Genau das dachte ich mir auch!", meinte die junge Frau daraufhin und tauchte wieder aus seinem kuscheligen weißsilbergrauen Fell auf.
Ein leichtes Schmunzeln hatte sich um ihre zarten rosèfarbenen Lippen gelegt und war dabei, sich ganz auszuweiten zu einem Lächeln, das bis hinauf an ihre mandelförmigen tiefblauen Augen reichte und sie so noch kindlicher Aussehen ließ, als sie in Wirklichkeit war.
Dann setzte sie sich vollständig zu ihm auf den Boden und lehnte sich an den mächtigen Hundekörper an. Dieser wiederum blieb ruhig und still sitzen und wartete nun gemeinsam mit ihr auf seine Rückkehr.
Lange saßen die Beiden so da. In stiller Harmonie und Eintracht.
Eine leichte sommerliche Brise verschaffte ihnen trotz der warmen Temperaturen eine kleine Abkühlung und wehte gleichzeitig den Duft des angrenzenden Waldes mit herüber. Den Laubgeruch der Bäume, das himmlische Aroma der verschiedensten Blumen und den Eigengeruch des Sommers selbst. Auch vernahmen sie das leise und stetige Rascheln der Blätter, bewegt durch den lauen Wind, das betörende Gezwitscher der Vögel, das liebliche Zirpen der Grillen und gelegentlich auch ein Quaken von einem oder mehreren Fröschen, die im Garten gelegenen Teich, welcher sich vor dem Tempel befand, lebten.
Die Zeit verstrich langsam, aber unaufhörlich und schon bald war das Mädchen neben ihrem treuen Gefährten eingeschlafen, doch noch immer hielten ihre zierlichen Fingerkuppen den Blumenstrauß fest umschlossen.
Den Hund störte das nicht im Geringsten. Im Gegenteil, er begrüßte diesen Umstand sogar, damit seine quirlige Herrin endlich mal zur Ruhe kam. Denn immer, wenn er nicht da war, dann war sie nervös und rastlos.
Sie konnte weder still sitzen, noch sich lange auf eine Aufgabe konzentrieren. Ruhe und Frieden waren nur gegeben, wenn er nicht weit war und sich in ihrer Nähe aufhielt. Nur dann konnte sie entspannen. Seine Besitzerin brauchte seine beruhigende Gegenwart wie die Luft zum Atmen, anders konnte sich die junge Frau es einfach nicht mehr vorstellen. Undenkbar war sie ohne ihn. Genauer gesagt sogar, ohne ihn und ihm selbst.
Die Nacht erhielt langsam Einzug und ein gleißender schneeweißer Vollmond zog seine stetige Bahn über dem Firmament und löste somit die helle Scheibe ab. In seiner Begleitung waren tausende und abertausende von strahlenden Sternen, die die Finsternis erleuchteten.
Immer noch hatten sich der weißsilbergraue Wolf und sein junger Zögling nicht vom Platz bewegt und da die Nacht recht warm und mild war, wachte das Mädchen auch nicht auf. Aber inzwischen war ihre Großmutter vorbei gekommen und hatte ihr eine weiche Decke umgelegt, damit sie dennoch nicht frieren würde. Vorsorglich wie die Alte war, hatte sie ebenso eine kleine Kerze neben sie beide gestellt, die ihn, sollte er den Garten betreten, schon von Weitem den Weg weisen und direkt zu ihnen führen würde.
Die Minuten verstrichen und reihten sich schon bald zu einer vollen Stunde, was die Glühwürmchen, welche hier im angrenzenden Wald hausten, ausnutzten um ihre Bahnen zu ziehen und Mensch wie Tier mit ihren Anblick zu erfreuen. Ihre kleinen sanften Lichter sahen aus wie kleine Elfen, die im Mondschein badeten und spielten.
Überall raschelte es, denn im Schutze der Dunkelheit suchten viele ihr Futter und waren auf der Jagd nach Beute, die ihren Hunger stillen würde.
Die Schwarzhaarige bewegte sich im Schlaf ein wenig, um eine andere Position zu finden. Sie sah in diesem Moment so verletzlich und so unschuldig aus, als wäre sie wirklich noch ein Kind. Dabei hatte sie bereits, trotz ihrer unübersehbaren Jugend, eine Menge erlebt. Hänseleein sowie die Rolle einer Außenseiterin waren ihr schon zu frühster Zeit bekannt und vertraut wie die immerwährende Gegenwart von ihm selbst in ihrer Nähe.
Oft hatte sie versucht ihre Mitmenschen davon zu überzeugen, dass er, ihr kleiner Inuki, existierte und nicht ihrer Fantasie, wie sie alle behaupteten, entsprungen war. Verzweifelt und manchmal auch mit Tränen in den kleinen Äugelein hatte so resolut von seiner Präsenz geredet, dass sie der Lehrer sie des Klassenzimmers verwiesen hatte, wo das kleine Mädchen damals sich an ihn gedrückt hatte, nur um zu wissen und zu spüren, dass er wirklich da und kein Hirngespinst war.

Rückblick

"Aber du hast doch den Wasserfall gehört?", fragte das kleine Mädchen ihre Freundin voller Zuversicht in der süßen Stimme.
Sie waren gerade mit ihr und ihren anderen Freunden auf einer Polizeistation, wo die Erwachsenen mit ihnen geschimpft hatten, weil sie sich ganz allein auf den Berg begeben hatten, um nachzuweisen, dass der Wasserfall, welchen sie im Unterricht gezeichnet hatte, wirklich existierte. Doch alle anderen behaupteten, dass es wieder eine Lüge wäre, so wie die von ihrem Inuki.
"Nun ja!", druckste diese wiederum herum, "eigentlich haben wir ja nur ein Rauschen gehört, weißt du!"; versuchte sie es. "Und das kann ja alles Mögliche gewesen sein!", vollendete sie ihre Aussage und zerstörte so die Hoffnung des kleinen schwarzhaarigen Mädchens mit den großen blauen Augen, welches neben ihr stand.
"Ja, da hast recht!", gab sie daraufhin leise zu. "Es hätte auch etwas anderes sein können!"
"Na, siehst du, Yuzuriha!" Ihre Freundin legte noch kurz ihre Hand auf ihre Schulter, ehe sie sich abwandte und sie allein zurückließ.
Ein kleines zutiefst verletztes Mädchen, das von da an immer wie ein Freak behandelt wurde.

Rückblickende

Von diesem Zeitpunkt an, hatte die Kleine nie wieder in der Gegenwart von fremden Menschen, noch in der ihrer Freunde von Inuki gesprochen. Ihrem Begleiter, seit sie geboren worden war, ihrem treuen Freund, der sie in jeder Lebenslage unterstützt und ihr zur Seite gestanden hatte wie es kein anderer vermocht hätte. Fortan hatte sich Yuzuriha auch angewöhnt, nur mit ihrem Wolfshund zu reden, wenn keiner weiter es hören konnte.
Aber sie hatte mit ihrem stillen Gefährten eine geräuschlose Art der Kommunikation entwickelt, welche aus zufällig wirkenden Bewegungen und Blicken bestand. Dennoch kam es manchmal dadurch trotzdem zu Missverständnissen mit ihrem Gegenüber, der ein für Inuki bestimmtes Zeichen auf sich selbst bezog.
Einige sehr lustige Situationen hatten sich deshalb schon ereignet, wo nicht nur die Lachmuskeln der jungen Frau überbeansprucht worden waren, sondern auch das ihres lautlosen Wolfshundes.
Beispielsweise hatte sie Inuki ärgern wollen, weil dieser sie, unbeabsichtigt möchte man hinzufügen, zu einem Kichern ermuntert hatte, obwohl sie gerade mitten in einer Fußgängerzone unterwegs gewesen war. Deswegen hatte sie ihm frech die Zunge herausgesteckt, was ein junger Mann, der genau hinter Inuki stand, äußerst verwirrt für sich registrierte und so doch sehr verstimmt darüber gewesen war.
Dennoch hatte Yuzuriha nie die Hoffnung aufgegeben darauf vielleicht doch noch jemanden zu finden, der ihren Inuki sehen konnte und als die Zeit des letzten Kampfes heran gerückt war, da hatte das junge Mädchen endlich jemanden gefunden. Ihn.
Der große Wolfshund horchte auf, als er mit seinem feinen Gehör Schritte ausmachen konnte, die von Garten herkamen. Er richtete sich vorsichtig auf, darauf bedacht seine Herrin nicht zu wecken und blickte erwartungsvoll der Person entgegen.
Ein großer und kräftiger Mann mit der kräftigen Statur eines Bären bewegte sich trotz seines robusten Äußeren still und leise durch den Garten. Seine dunkelbraunen Augen hatten schon von weitem das Licht bemerkt, welches ihn direkt zu ihnen führen würde. Und dann sah er sie.
Yuzuriha saß neben ihrem Wolfshund und hatte ihre Augen geschlossen. Ihre regelmäßigen und ruhigen Atemzüge ließen darauf schließen, dass sie fest schlief und im Land der Träume verweilte. Sie sah so friedlich aus und vor allem unschuldig. Ein warmer Ausdruck war in den Seelenspiegeln des Mannes zu sehen.
Doch das sanfte Brummen von Inuki als Begrüßung holte ihn mit seinen Gedanken zurück in die Wirklichkeit. Er beugte sich hinunter und kraulte dem Hund einmal kurz hinter den Ohren. "Na, hast du gut für mich auf sie aufgepasst?"
Kluge bernsteinfarbene Augen blickten dem Mann entgegen und er nickte leicht mit seinem Haupt. Ein Lächeln stahl sich auf das Gesicht des Mannes. "Schön, na dann wollen wir doch jetzt deine Herrin am besten hinein tragen! Was hältst du davon?"
Wieder zeigte der Hund dieselbe Reaktion und erlaubte somit dem Mann, Yuzuriha zu berühren.
Er umfasst sanft ihren schmalen Körper und hob sie hoch. Sehr zu seinem Erstaunen erwachte das Mädchen dabei nicht.
Langsam trug er seine kostbare Fracht in ihr gemeinsames Zimmer. Inuki folgte auf dem Fuße, blieb aber dann an der Schwelle, wo der Raum begann stehen und ließ sich dann sogar davor nieder. Er gönnte dem Paar nun Zeit für sich allein.

Der Mann betrachtete sie. Behutsam hatte er sie auf ihre bereits fertige Schlafstätte gelegt. Auch hatte angrenzende Schiebetür geöffnet, die nach draußen in den hinteren Garten führte. Das Mondlicht fiel sanft durch die Öffnung und erhellte das Zimmer mit seinem Antlitz. Sein Schein ließ auch jetzt die junge Frau, welche vor ihm lag, perlmuttfarben erstrahlen.
Langsam, erneut darauf bedacht, sie nicht zu wecken, zog er ihr das Kleid aus. Nun war sie nur in Unterwäsche gehüllt.
Dann sah er wieder auf sie hinab. Ihr zierlicher Körper war um die Leibesmitte deutlich gewölbt. Ein Anzeichen dafür, dass neues Leben in ihr sicher und geborgen ruhte, das sie beide erschaffen hatten.

Rückblick

Er sah in ihre blauen Ozeane, die so tief und geheimnisvoll wie das Meer selbst wirkten. Sie lag nackt und wie die Natur sie geschaffen hatte vor ihm. Ihre milchweiße strahlte rosig, ihr Teint war gesund.
„Kusanagi!“, hauchte sie.
Eben dieser strich über ihren Körper. Fing bei ihrem wunderschönen Gesicht an, zog weiter über ihren filigranen Hals, die Schulterpartien, zu ihren kleinen aber festen Brüsten, ihre schmale Taille entlang zu ihrem Zentrum. Ihrer feuchten Mitte.
Er küsste sie überall. Streichelte und lockte sie.
Dann verführte er sie.
Langsam ließ er seinen schweren stämmigen Körper auf ihren niedersinken.
Ihre Augen schauten ihn die ganze Zeit vertrauensvoll und auch verlangend an. Es war nicht das erste Mal und doch fühlte es sich genauso an.
Sie war eng und klein. Dennoch vermochte es ihre zierliche Gestalt in ganz und gar aufzunehmen. Ihn einzuhüllen in ihre samtige Wärme.
Vorsichtig und sanft bewegte er sich.
Genüsslich sah er zu, wie sie sich auf die Lippen biss, damit ja kein Laut diesen entfleuchen konnte.
Aber es war vergebens.
Schon bald konnte er ihr Stöhnen und Wimmern vernehmen und dieses spornte ihn an.
Schneller und schneller, wie der zunehmende Rhythmus seines Herzens, bewegte er sich vor und zurück.
Immer wieder hauchte sie seinen Namen, gab ihm Auskunft darüber, wie sehr sie daran Gefallen fand, war er mit ihr tat.
Schließlich spürte, wie sich um ihn herum zusammenzog und da wusste, nun konnte auch er sich gehen lassen.
Mit einem gewaltigen Aufschrei versenkte der sich ein letztes Mal in ihr.
Erschöpft ließ er von ihr ab und rollte sich auf den Rücken. Dabei zog er sie mit sich und das Mädchen bettete vertrauensvoll ihren Kopf an seine Schulter.

Rückblickende

Er strich eine schwarze Strähne ihres Haares zurück. Dann legte er seine Hand auf die gespannte Haut ihres Bauches und lächeln gelang auf seine Züge, als er merkte, dass gegen seinen Handballen ein kleiner Fuß trat.
Schmerzlich hatte er dies vermisst.
Als er nach Tokio gereist war, um alte Freunde und Bekannte wieder zu sehen. Am meisten hatte ihn Arashi überrascht, die mit ihren Zwillingen erschienen war. Sie alle hatten sich gefreut, eine schöne gemeinsame Zeit verbracht und sich versprochen, sich nächstes Jahr um dieselbe Zeit wieder zusehen. Dann würde es fünf Jahre her sein, dass Kamui die Welt mit seinem Bandkreis gerettet hatte.
Auch hatten sie alle sehr zu seinem Verdruss neugierig gefragt, wo Yuzuriha sei. Mit einen knallroten Gesicht hatte er ihnen geantwortet, worüber sie sich erheitert wie auch erfreut zeigten.
Er würde Vater werden.
Yuzuriha würde ihm eine Familie. Eine Aufgabe ein Leben lang für sie zu sorgen und sie zu beschützten.
Er freute sich.
Und er war dankbar.
Für dieses Leben.
Für die Welt, die Kamui geliebt und ebenfalls beschützt hatte.
Review schreiben