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Regardless

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Dr. Claire Davison Lindsay Donner Peter Axon Professor Anton Hendricks Professor Connor Doyle
09.07.2011
09.07.2011
1
6.452
 
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09.07.2011 6.452
 
Titel: Regardless
Autor: DancingStar
Crossover: PSI Factor/ House
Rating: 16 (Teilweise könnte der Inhalt ein wenig ekelig sein)
Spoiler: Keiner
Inhalt: Eine Patientin hat in der Nacht überraschend fast alle ihre Zähne verloren. Als das Team um Dr. House herausfinden soll, warum, zeigt auch die Teenager- Tochter der Patientin die gleichen Symptome.
Anmerkungen: Was passiert, wenn man seinen Lieblings TV- Arzt mit den Charakteren aus seiner Lieblingssendung in einen Topf wirft, alles gut umrührt und fast 40 Minuten lang kocht? :-)
Auch hier stimmen einige Details nicht: So ist Dr. House zum Beispiel ein Einzelkind, in dieser Geschichte hat er eine Schwester. Ich bitte dies zu entschuldigen!

Regardless

Nina Lawrence wusch sich an einem Mittwochmorgen die Hände, als jemand ungeduldig an der Badezimmertüre klopfte. „Nina!“, es war ihre Mutter, „Lass mich rein. Ich muss auf die Toilette!“
Die Sechzehnjährige hasste es, wenn ihre Mutter sie jeden Morgen im Badezimmer störte, weil sie auf die Toilette musste. „Ich kann nicht pinkeln, wenn du mir zusiehst“, fuhr Eleanor Lawrence ihre Tochter an. Nina lebte gemeinsam mit ihrer Mutter und deren Freund in einem Haus am Rande der Stadt.
„Und ich muss zur Arbeit!“, wiedersprach Nina ebenso genervt. Es waren Sommerferien und in dieser Zeit verdiente sie sich ein wenig Taschengeld in einem Café. Das Café eröffnete jeden Morgen um 7:00 Uhr und Ninas Dienst war bis 12:00 Uhr beendet.
Ihrer Mutter war es egal, dass Nina zur Arbeit musste. Also zog sie ihr Nachthemd hoch und setze sich auf die Toilette. Sie litt seit Tagen an starkem Durchfall und weil sie sich müde fühlte ging sie nicht mehr zur Arbeit. Als Nina angewidert die Nase rümpfte, betätigte Eleanor einen Duftspender. Als Eleanor fertig war, griff sie nach der Türklinke.
„Wasch dir die Hände!“, verlangte Nina.
„Ich muss mir die Hände nicht waschen, ich gehe wieder ins Bett.“
Das war die dümmste Ausrede, die Nina je gehört hatte und sie bedauerte, dass sie sie nur zu gut kannte. Meistens musste Nina ihre Mutter daran erinnern, sich die Hände zu waschen und selbst dann tat Eleanor es mit großem Protest. Einmal hatte Nina sogar überlegt, ob ihre Mutter vielleicht Angst vor Wasser habe.
„Das ist widerlich.“
„Na und?“, Eleanor kümmerte das kaum. Plötzlich bemerkte sie einen kleinen, länglichen Gegenstand, der in ihrem Mund zwischen Zunge und Kieferknochen lag. Sie fischte den Gegenstand heraus und entdeckte einen Frontzahn. Dann fischte sie noch fünf weitere Zähne aus ihrem Mund. Mit rasendem Puls schob Eleanor ihre Tochter unsanft vom Badezimmerspiegel weg und betrachtete sich. Ihre Mundwinkel waren blutverkrustet und sie schrie Nina in Panik an, warum sie ihr das nicht gesagt hatte. Eleanor hatte in der Nacht sechs Zähne im Unterkiefer verloren.

Drei Stunden später begann im Princeton Plainsboro Hospital die tägliche Besprechung des Ärzteteams um Dr. House. Seine medizinischen Fähigkeiten und Fachkenntnisse waren beachtlich, seine schlechten Umgangsformen, sein schwarzer Humor und sein ungewöhnliches Verhalten brachten nicht selten einen Patienten gegen ihn auf und sie waren ebenso gefürchtet wie bewundert.
Sein Team wartete bereits im Besprechungsraum. Wie gewöhnlich kam House als Letzter. Er war für jede Minute dankbar, die er nicht in diesem Krankenhaus verbringen musste und er kam ohnehin notorisch zu spät. „Sind wir vollzählig?“, fragte House genervt. Er wünschte seinem Team nicht einmal einen Guten Morgen.
„Claire kommt nicht“, sagte Lindsay, als sie am Tisch Platz nahm, „Die Pathologie hat im Moment viel zu tun. Ich informiere sie später über die Besprechung.“
House fragte sich, wozu er eine Pathologin in seinem Team brauchte. Schließlich sollten sie die Krankheitsursachen ihrer Patienten finden so lange diese noch am Leben waren und nicht, wenn sie bereits die Radischen von unten betrachteten.
„Dann fangen wir ohne sie an… Also was haben wir?... Wie geht es dem Patienten, der sich einen Finger mit einer Kreissäge abgetrennt hat.“
„Es geht ihm heute besser“, antwortete Anton Hendricks, „Der Zustand von den drei Teenies, die vorgestern mit ihrem Auto in einen Baum gerast sind, ist unverändert: zwei liegen noch im Koma, einer ist aufgewacht und kann sich an nichts mehr erinnern…. Dann haben wir noch einen Patienten, der gestern Abend mit einem Sonnenstich eingeliefert wurde….“
Während Anton sprach, fiel House wieder ein, warum er den Ambulanzdienst hasste: In der Ambulanz gab es nur uninteressante medizinische Fälle zu lösen. Also nichts, was House wirklich herausforderte. Und wo wie es aussah, hielt die Langeweile an: Allen Patienten ging es genauso wie gestern.
„Wunderbar. Dann kann ich wieder nach Hause gehen“, sagte House und humpelte zur Tür.
„Das glaube ich nicht“, kam es von Connor Doyle, „Was ist mit Eleanor Lawrence?“
„Keine Ahnung. Wer soll das sein?“ House stellte sich dumm, aber als Connor auf dem Weg zum Besprechungszimmer war, hatte er gehört, wie Cuddy mit House im Flur gesprochen hatte, dass er sich um sie kümmern sollte. Wie immer weigerte House sich, die Frau zu behandeln und Cuddy sagte ihm, sie würde ihm einige Stunden in der Ambulanz erlassen, wenn er sich um Eleanor Lawrence kümmerte.
Connor sah, dass House zu der weisen Tafel zurückkehrte. „Also schön… Unsere stark übergewichtige Patientin Eleanor Lawrence leidet an Durchfall, dauerhafter Müdigkeit, Zahnausfall und Zahnfleischbluten und sie terrorisiert ihre Tochter“, kritzelte House auf seine weiße Tafel.
Die erste Diagnose kam, wie immer, von Lindsay: „Skorbut?“
„Unwahrscheinlich, es sei denn sie wäre ein alter Seemann im Jahr 1535...“
„Vielleicht ist es auch eine Seuche: Es ist zur Zeit sehr warm, einige Flüsse im Süden führen aufgrund der Hurricane- Saison Hochwasser und…“
House schüttelte den Kopf. „Nenn mir nur eine Seuche, bei der man Zähne verliert“, verlangte er und schaute sie an. Als Lindsay darauf nichts zu sagen wusste, verschränkte sie trotzig die Arme vor dem Brustkorb. Lindsay Donner war seine Nichte, sie war die Tochter seiner älteren Schwester. Inzwischen hatte sie sich daran gewöhnt, wie House sein Team schikanierte, wie zynisch, respektlos und boshaft er war und wie grantig er mit den Patienten umging. Bevor sie hier angefangen hatte, hatte er ihr gesagt, sie dürfe vieles nicht persönlich nehmen, doch wenn er sie nicht behandelte wie die anderen Ärzte würde sie schnell Probleme bekommen und außerdem wollte er nur, dass sie einmal eine gute Kardiologin werden würde.
„Ich bin mir ziemlich sicher, es ist etwas anderes“, vermutete House und sah durch die Runde. Es überraschte ihn, dass niemand sonst etwas sagte. Er war es gewohnt dass von Anton, dem ältesten Mitglied ihm Team und einem ehemaligen Hausarzt, zumindest eine Diagnose kam. Auch Connor schien heute keine Lust zu haben, etwas zu sagen.
House reichte nun Peter Axon die aktuellen und die alten Röntgenbilder. House war sicher, dass Peter als Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg der sich zusätzlich um eine ärztliche Zulassung bemühte, bestimmt eine Idee hatte, woran die Patientin litt. Doch Peter sagte etwas, womit House nicht gerechnet hatte: „So etwas habe ich noch nie gesehen… Der Kieferknochen hat sich innerhalb eines Jahres von 35 Millimeter auf 5 Millimeter reduziert. Das kann keine Parodontose. Ein Wunder, dass sie davon nichts gemerkt hat…“ Peter fragte sich, wie das möglich war. Die Patientin hätte doch bemerken müssen, dass ihre Zähne locker wurden. Was Peter aber beunruhigte war deine dunkel dargestellte, unförmige Blase, die direkt auf dem Unterkiefer zu liegen schien.
„Vielleicht hat sie es gemerkt, sie leidet aber unter Odontophobie und geht deshalb nicht zum Zahnarzt“, sagte Lindsay zu ihm und lächelte amüsiert, „Vielleichat resultiert ihr Zahnverlust auch aus einer Osteomyelitis.“
„Die Patientin war vor einem Jahr noch kerngesund und sie hat keine Angst vor dem Zahnarzt“, Peter verglich den Ausdruck der Röntgenbilder, die der Zahnarzt der Patientin ihnen zur Einsicht gemailt hatte, „Der Oberkiefer weist einen ähnlichen Knochenverlust wie der Unterkiefer auf… Wurde ein Abstrich von der Schleimhaut im Labor untersucht?“
„Das Ergebnis ist vor fünf Minuten eingetroffen, das Labor braucht mindestens bis heute Abend, bis eine Gewebeprobe der Patientin verarbeitet werden kann… Ich hatte noch keine Gelegenheit  es mir anzusehen“, erklärte House und rollte mit den Augen. Irgendwie hatte Peter den Verdacht, dass er den Laborbericht gar nicht sehen wollte, als er von ihm die gelbe Mappe entgegen nahm und sie aufschlug. Er las den Befund mit Interesse, doch plötzlich sagte er ungläubig: „Das Labor hat Streptokokkus bovis in ihrer Mundhöhle gefunden?!“
„Das sind Baktieren, die Darmkrebs verursachen!“, rief Lindsay und Peter murmelte, dass es nun nicht mehr seiner sondern Connors Fall war. Connor war der Onkologe im Team.
„Das ist im Moment nicht erwiesen“, wiedersprach House, „Es wir noch heißt diskutiert, aber bla bla bla…. Machen Sie trotzdem eine Koloskopie!“, verlangte er missmutig und hinkte mit seinem Stock davon, „Sieht so aus, als hätte Mom Darmkrebs.“

„Muss ich diese Tablette wirklich nehmen?“, wollte Eleanor Lawrence wissen, nachdem Lindsay und Connor ihr von der geplanten Koloskopie berichtet hatten. Lindsay war erstaunt, doch sie nickte. „Wir sollten die Koloskopie vornehmen, um den Verdacht von Dr. House zu bestätigen oder zu entkräften. Die Tablette dient dazu, Sie ein wenig zu beruhigen.“
„Wenn dieser Dr. House so gut ist, warum ist er jetzt nicht hier?“
„Er ist in einer wichtigen Besprechung“, log Connor, er wollte gar nicht wissen, was House jetzt machte, „Er wird der Koloskopie später beiwohnen. Ich werde die Untersuchung vornehmen.“
„Was ist eine Koloskopie?“, fragte Eleanor plötzlich und House, der das Zimmer in diesem Moment betrat antwortete: „Das bedeutet, dass Ihnen jemand eine Kamera in den Hintern schiebt um zu kontrollieren, ob sich an der Innenseite Ihrer Darmwand Krebsgeschwüre befinden.“
„House!“, rief Connor entsetzt. Er hätte es der Patientin auf eine einfühlsamere Weise erklärt.
„Es ist nicht so schlimm wie er behauptet“, versuchte Connor die Patientin zu beruhigen.
„Ich möchte das nicht“, sagte Eleanor plötzlich, „Ich habe Angst… Ich…“ Als sie das sagte, konnte Connor nicht glauben, was er hörte: Immerhin musste er wegen ihr eine andere Koloskopie verschieben weil es House wieder nicht schnell genug ging.
Mit einem Male stand sie auf und rannte panisch zur Tür. Das Beruhigungsmittel zeigte langsam Wirkung und Eleanor bemerkte, wie ihr schwindelig wurde. Bevor Eleanor jedoch die Tür erreichte, gaben ihre Beine nach und sie sank erschöpft in sich zusammen. House packte sie unsanft am Arm und mit Connors Hilfe schleifte er sie zu ihrem Bett zurück. Er schlug vor, die Ohnmacht der Patientin auszunutzen.

Obwohl Connor glaubte, dass es unmoralisch war, die Ohnmacht der Patientin zu nutzen um gegen ihren Willen eine Koloskopie durchzuführen, tat er es. House würde mächtig Ärger mit dem Krankenhausvorstand bekommen, weil er die Einverständniserklärung der Patientin nicht hatte, doch dies schien ihn nicht zu kümmern.
Während Connor die Koloskopie vornahm, erklärte eine Krankenschwester wie heiß es heute draußen war. Ihr Dienst begann heute später und sie erzählte auch, dass sie den Vormittag mit ihren Kindern im Schwimmbad verbracht hatte. Connor fand es unfair und noch gemeiner fand er es, dass in den Operationssälen keine Klimaanlagen erlaubt waren. Sein Ärger über eine fehlende Klimaanlage verschwand, als er einen dunklen Fleck auf dem Bildschirm entdeckte. Er hatte gefunden, wonach er gesucht hatte: Die Patientin hatte tatsächlich Darmkrebs.
Mit einem speziellen Instrument machte Connor einen Abstrich von dem Geschwür. „Schicken Sie diese Probe ins Labor“, sagte Connor zu der Krankenschwester. Er bemühte sich, die Operation schnell zu Ende zu bringen, da er heute noch eine andere Koloskopie vornehmen musste.

Hungrig setze Connor sich am Abend im Besprechungsraum an den Tisch und fing an, ein Sandwich zu essen. Peter und Anton saßen ihm bereits gegenüber, weil sie genau wie Connor, auf House warteten.
„Du kommst eben aus dem OP!“, bemerkte Peter ein wenig entsetzt, „Ich verstehe nicht, wie du es schaffst, nach einer Koloskopie ein Sandwich zu essen!“
Connor verstand den Rummel und ein Sandwich nicht und er sah Lindsay verwirrt an: Immerhin hatte er sich nach der Operation umgezogen und sich die Hände desinfiziert. „Wieso? Ich mache solche Operationen jeden Tag. Ich bin daran gewöhnt…. Außerdem habe ich gesehen, dass Dr. Jansen und Dr. Simpson neulich in der Pathologie über dem Körper eines verstorbenen Patienten gepokert haben.“
House betrat den Raum, legte eine Mappe auf den Tisch und anschließend fragte er, ob er ihr Gespräch über pokernde Pathologen für einen Moment unterbrechen dürfte. Und er wollte wissen, ob jemand inzwischen eine Idee hatte, wie Streptokokkus bovis in die Mundhöhle der Patientin kam.
Connor antwortete, dass er das nicht wusste, bei der Koloskopie hatte er aber ein Krebsgeschwür finden können.
„Leider ist das nicht das einzige, was sie hat“, sagte House, „Der Laborbefund von der Gewebeprobe aus Mom´s Darm ist eingetroffen: Das Labor sagt auch, dass die Bakterien im Mund der Patientin mit denen aus ihrem Darm verwandt sind. Vermutlich sind die Bakterien in Mom´s Mund zu einem Osteosarkom mutiert und das frisst nun allmählich ihren Kieferknochen weg…. Axon, wenn möglich, entfernen Sie den Kieferknochen heute noch. Die Patientin ist jetzt noch nüchtern, also nutzen Sie das… Doyle, kümmern Sie sich um einen Termin zur Entfernung des Tumors.“
Das Team nickte und House wollte schon gehen, als er hörte wie sie nun darüber diskutierten, wer der Patientin sagte, dass sie einen Teil ihres Unterkiefers entfernen mussten. Claire war der Meinung, dass Peter es ihr sagen sollte weil er ein Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg war. Peter glaubte, dass Lindsay es ihr sagen sollte weil sie einen besseren Draht zu den Patienten hatte. Als sie sich nicht einigen konnten, bestimmte House kurzerhand, dass sie alle gemeinsam zu Eleanor Lawrence gehen sollten um mit ihr zu sprechen. Also machten sie sich gemeinsam auf den Weg.
„Wie geht es Ihnen, Eleanor?“, fragte Lindsay, als sie das Zimmer ihrer Patientin betraten.
„Ich bin hungrig“, gestand sie und der sechzehnjährige Teenager, der auf einem Stuhl neben dem Bett hockte, rollte genervt mit den Augen. House dachte sich ebenfalls, das die Patientin schon dick genug war und ein Tag ohne Nahrung würde kaum dazu führen, dass sie verhungerte.
„Das ist mein übrigens Freund Miguel und das ist meine Tochter Nina“, erklärte die Patientin. Sie war ein wenig verwundert, warum außer Dr. Donner noch vier weitere Ärzte ihr Zimmer betraten. Drei der Ärzte trugen einen weisen Kittel. Wie immer weigerte sich Dr. House einen Kittel zu tragen.
„Meine Krebserkrankung ist im Endstadium, richtig?“, fragte Eleanor und ihre Tochter sah sie entsetzt an. Sie hatte nicht gewusst, dass ihre Mutter an Krebs litt.
„Nein, aber…. Sie wussten von Ihrer Krebserkrankung?“, Peter, Anton und Claire waren erstaunt. Connor hatte etwas Ähnliches geahnt, nachdem Eleanor sich geweigert hatte, die Koloskopie vornehmen zu lassen.
Deshalb fuhr Lindsay nur ungerne mit ihrer Erklärung fort: „Osteosarkome sind meist in den Armen oder Beinen lokalisiert…“
„Was heißt das?“
„Das heißt, das ist ein Problem“, begann House, „Nicht nur Ihre Krebsart ist ungewöhnlich: Der  mutierte Krebs aus Ihrem Mund ist mit dem Krebs in Ihrem Darm verwandt.“
„Die schlechte Nachricht ist: Der Tumor in Ihrem Unterkiefer ist bösartig. Die gute Nachricht ist, dass er noch nicht gestreut hat, das heißt wir müssen einen Teil des Unterkiefers entfernen, welches wir dann durch eine Knochenspende ersetzen.“
„Heißt das, Sie setzen mir ein Stück Knochen von einem verstorbenen Menschen ein?“
Der Kieferchirurg in Peter wollte ihr nun erklären, dass anschließend eine langjährige Zahnbehandlung  und vielleicht auch eine Sprachtherapie folgen würde und in diesem Moment erinnerte sich House, warum er Patienten wie sie hasste: Er hasste sie wegen dem unbrauchbaren Halbwissen, welches sie sich im Internet und in irgendwelchen Zeitschriften angelesen hatten.
„Entweder das, oder Sie sterben wenn wir den infiltrierten Knochen nicht entfernen. Der Spender hat lange vor seinem Tod einen Organspende- Ausweis unterschrieben. Es ist deshalb ja nicht so, als ob Sie ihn umbringen und ihm den Knochen stehlen würden“, er stand auf und humpelte zur Tür, „Denken Sie darüber nach.“ Sein Team ließ er bei der Patientin und ihrer Familie zurück.

Das Team war froh, dass Eleanor sich doch dazu entschieden hatte, die Knochentransplantation durchzuführen. Die Operation sollte so schnell wie möglich stattfinden und deshalb hatte House ihnen noch heute einen Termin und einen Operationssaal besorgt. Lindsay und Claire waren nun gemeinsam auf den Weg zum Beobachtungsraum oberhalb des OPs. Von dort wollten sie bei der Transplantation zuschauen. Wenn sich Peter an den Zeitplan hielt, dann würden die OP- Schwestern Eleanor jetzt vorbereiten. Vor einer Stunde hatten Claire und Lindsay nach der Patientin gesehen und festgestellt, dass etwas nicht in Ordnung sein musste: Eleanor sprach kein Wort mit Ihnen und sah sie kaum an. Claire schob es darauf, dass sie Angst vor der Operation hatte.
Auf dem Weg zum OP begegneten sie dem Freund ihrer Patientin. Er sah gestresst aus. Dann schüttelte er den Kopf. Auch Nina ging es den Umständen entsprechend gut: Sie war nach Hause gefahren um sich ein wenig auszuruhen.
„Ist alles in Ordnung?“, wollte Claire besorgt von Miguel wissen und er nickte.
„Ich gehe jetzt nach Hause“, sagte er.
Das verstand Lindsay nicht. Die Knochentransplantation würde nur vier Stunden dauern: Das Knochenstück wurde bereits vom verstorbenen Spender separiert. Peters OP- Team musste der Patientin in Vollnarkose den infiltrierten Knochen entfernen, den zahnlosen Spenderknochen mittels Schrauben und Schienen am restlichen Unterkiefer befestigen und anschließend sollte die Patientin Implantate erhalten um eine spätere Versorgung mit künstlichen Zähnen zu gewährleisten. House war davon überzeugt, dass Peter diese Operation mit seinem OP- Team alleine schaffte.
„Ich gehe nach Hause und packe meine Sachen… Ich gehe nach Mexiko zurück“, wiederholte Miguel.
„Sie wollen was?“, fragte Lindsay ungläubig, „Ihre Freundin hat Krebs und Sie lassen sie sitzen?!“
„Das verstehen Sie nicht. Sie haben keine Ahnung, wie das ist, wenn der eigenen Freundin plötzlich alle Zähne ausfallen und… Außerdem geht Sie das nichts an.“ Miguel ging den leeren Krankenhausflur hinunter und drehte sich nicht mehr zu ihnen um.
„Jetzt wissen wir, warum Eleanor bei unserer Visite so seltsam war“, murmelte Claire und Lindsay nickte. Sie vermuteten, dass sie bereits gewusst hatte, dass Miguel sie verlassen wollte. Er war nur eine oberflächliche, herzlose Person.
Sie erreichten den Beobachtungsraum oberhalb des Operationssaals und sie waren überrascht, dass Peter dort noch saß und zuschaute, wie der Anästhesist die Narkose vorbereitete und die Schwestern die Instrumente bereitlegten. „Bist du sehr aufgeregt?“, fragte Claire, als sie sich auf einen Stuhl rechts neben Peter setzte. Lindsay setzte sich links neben ihm. Peter schüttelte mit dem Kopf und das war typisch für ihn: Er würde niemals zugeben, dass er Angst hatte oder aufgeregt war.
„Ich weiß, du möchtest es nicht hören, aber du bist House ähnlicher, als du denkst“, ärgerte Claire ihn, „Manchmal bist du genauso arrogant wie er.“
Peter wollte nicht auf sie eingehen deshalb so ignorierte er ihren Kommentar und für einen Moment war es im Beobachtungsraum still. „Ich frage mich, wie das möglich ist, dass sie Darm- Bakterien in ihrer Mundhöhle hat…“, wollte Lindsay plötzlich wissen.
„Du klingst wie dein Onkel“, erklärte Peter nun.
„Und Claire hat Recht, du BIST wie mein Onkel: Du interessierst dich kein bisschen für deine Patienten.“
Peter schaute sie entsetzt an. Er hasste es, wenn sie das sagte. „Du bist doch nur hier, weil House dein Onkel ist“, Peter hackte schon wieder darauf herum. Dabei hatte Lindsay sich das nicht ausgesucht: Ihre Mutter war 17 Jahre alt, als Lindsay geboren wurde und sie hatte ihr erzählt, dass sie noch vor der Geburt ihren Freund heiraten musste. Auch, wenn sie deshalb nicht den gleichen Familiennamen hatten, wusste jeder im Princeton Plainsboro, dass sie und House verwandt waren.
„Und du bist nur wegen der Quote hier. Das Krankenhaus muss eine gewisse Anzahl von ausländischen Mitarbeitern beschäftigen. Du als Australier kommst dem Vorstand sehr gelegen.“
„Genauso wie Anton“, meinte Peter, „Gäbe es nicht die Klausel, dass das Krankenhaus auch einige Mitarbeiter beschäftigen muss, die über 60 sind…“
„Nein, Anton ist hier, weil er ein guter Allgemeinarzt ist und Cuddy House dazu überredet hat.“
„Immer noch besser, als House` Nichte zu sein.“
„Solltest du nicht im OP sein?“, fragte Claire nun schlecht gelaunt und Peter stand auf. Sie hatte Recht: Er musste nach unten gehen, sich die Hände desinfizieren. Dann betrat er den OP, eine Krankenschwester half ihm, sich einen sterilen Kittel und sterile Handschuhe anzuziehen. Die Operation begann.

„Wie lange hat Peter gestern Abend operiert?“, wollte Connor wissen, als er, Lindsay, Claire und Anton am nächsten Morgen zu ihrem Besprechungsraum gingen. „Das wissen wir nicht“, gab Claire ehrlich zu, „Nachdem die Operation ohne Probleme verlaufen ist, sind wir um 21:00 Uhr nach Hause gegangen. Zu dieser Zeit hat Peter eben die Schienen eingesetzt.“
Connor nickte. Die Operation hatte gestern Nacht länger gedauert und deshalb hatte Cuddy Peter erlaubt, heute einen Tag frei zu nehmen. Weil Peter seine Patientin heute nicht selbst besuchte, mussten Connor, Claire und Lindsay die Visite übernehmen.
Vor Eleanor ´s Zimmer wartete bereits Nina. Sie war gespannt darauf, ihre Mutter nach der Operation zu sehen. Bevor sie das Zimmer betraten, sagte Lindsay ihr, sie sollte nicht erschrecken: Das Gesicht ihrer Mutter würde nach der Operation Hämatome und Schwellungen aufweisen.
Eleanor ging es heute den Umständen entsprechend gut: Die untere Hälfte ihres Gesichtes war tatsächlich angeschwollen, ihre Haut war blau und lila verfärbt und zu reden viel ihr sehr schwer.
Nina blieb trotzdem bis zum Mittagessen bei ihrer Mutter, dann verabschiedete sie sich: Sie musste nach Hause und den Hund füttern, aber anschließend würde sie wiederkommen.
„Sie sieht furchtbar aus“, sagte Nina zu Lindsay, als sie ihr auf dem Krankenhausflur begegnete. Lindsay und Anton hatte eben eine Visite bei den Koma- Teenagern beendet, die einen Autounfall hatten. „Wie lange wird es dauern, bis sie  wieder normal aussieht?“, fragte Nina.
„In zwei bis drei Wochen ist die Schwellung wird die Schwellung verschwunden sein“, erklärte Anton, „Nach zwei bis drei Monaten kann Ihre Mutter dann mit künstlichen Zahnkronen versorgt werden.“
„Und was ist mit dem Tumor in Ihrem Darm?“
„Dr. Doyle wird es in einer Operation morgen Abend entfernen… Keine Sorge“, sagte Anton. Er wusste, was sie jetzt dachte. „Dr. Doyle ist zwar ein junger Arzt, aber er ist sehr kompetent.“
Nina nickte und sie versuchte, Anton zu vertrauen. Sie verabschiedete sich, weil sie nicht wusste, ob sie sie heute noch einmal sehen würde, wenn sie ihre Mutter später ein zweites Mal besuchen kam.
„Zumindest kann sie das schöne Wetter ein wenig genießen“, sagte Lindsay, als Nina außer Hörweite war. Ihr tat Connor jedoch leid, weil er morgen Abend wieder ohne Klimaanlage mehrere Stunden operieren musste.

Am späten Nachmittag begann Eleanor unruhig zu werden: Sie klingelte pausenlos nach einer Krankenschwester und fragte, ob ihre Tochter wieder hier war. Als die Schwester ihr jedes Mal sagte, sie habe Nina noch nicht gesehen, begann Eleanor fast zu weinen. Dann verlor Eleanor vollständig die Nerven: Sie schrei und heulte und riss sich das EKG von Körper, welches ihren Herzschlag aus Sicherheitsgründen überwachen sollte. Daraufhin musste die Krankenschwester Anton rufen, der Eleanor ein Beruhigungsmittel gab. „Warum ist sie so nervös geworden?“, fragte Anton, als die Patientin eingeschlafen war.
„Sie hat jedes Mal nach einer Schwester geklingelt weil sie wissen wollte, ob ihre Tochter schon wieder da ist.“ Tina, die Krankenschwester, kannte aber auch Patienten, die selbst wegen einem fuselnden Kopfkissen die Notfallklingel benutzten und sie mehr nervten.
Jetzt fiel Anton ein, dass Nina nur kurz nach Hause fahren wollte, um nach ihrem Hund zu sehen, doch sie war bereits seit fast fünf Stunden weg. Wie lange konnte es dauern, einen Hund zu füttern?
„Tina, rufen Sie doch bitte einmal bei Mrs. Lawrence´ Tochter an und fragen, ob alles in Ordnung ist“, bat Anton die Krankenschwester. Tina nickte und während sie zum Stationstelefon ging, sah er, wie Connor und Lindsay eilig den Krankenhausflur hinunter rannten. „Anton!“, riefen sie, „Nina Lawrence wurde eingeliefert. Sie wurde von einer Nachbarin bewusstlos in ihrem Haus aufgefunden.“
„Wo ist sie jetzt?“
„In der Ambulanz.“ Sie hatten keine Ahnung, warum Nina ohnmächtig geworden war.

Besorgt stand Lindsay am Fuße von Ninas Krankenbett und beobachtete sie. Das Mädchen schlief im Moment.
Sie fragte sich, warum auch noch die Tochter ihrer Patientin zusammengebrochen war. Bei der Untersuchung hatte Anton ebenfalls einen losen Backenzahn in Ninas Mundhöhle gefunden und es war ein Wunder, dass sie daran nicht erstickt war. „Also ist es doch eine Seuche. Lindsay hatte Recht“, hörte sie Anton zu House sagen.
„Dann hätte der Ex-Freund der Patientin auch die gleichen Symptome“, wiedersprach Connor und Claire nickte zustimmend: „Ich habe mit dem Ex- Freund der Patientin telefoniert“, erzählte sie, „Er sagte, er ist Vegetarier und ernährt sich nicht von den Sachen, die im Kühlschrank sind. Außerdem musste er sein Essen immer selbst kochen, weil Eleanor sich geweigert hat, Gemüse anzufassen.“
House hatte sich bis jetzt zurückgehalten, doch nun äußerte auch er sich: „…Was eine neue Frage aufwirft: Wieso zeigt die Tochter der Patientin plötzlich die gleichen Symptome wie ihre Mutter?“
Lindsay drehte sich nun zu ihnen herum um ihre Kollegen anzusehen: „Viel wichtiger ist doch, ob sie ebenfalls Darmkrebs hat und wenn ja, wieso und wie sie sich angesteckt hat.“ Darmkrebs war schließlich keine Infektionskrankheit.
„Frag sie doch, wenn sie aufwacht“, verlangte House und er verließ die Besprechung, die direkt im Zimmer ihrer neuen Patientin stattfand.
„Und wo gehst du hin?“
„Nach Hause… Pädiatrie ist nicht mein Fachgebiet.“ House humpelte zur Tür, ohne sich auch nur einmal umzudrehen.
„Pädiatrie?!“, schnaubte Lindsay verächtlich, „Nina ist sechzehn Jahre alt. Sie darf schon ein Auto fahren!... Was sollen wir machen, wenn sie nach dir fragt?“
„Denkt euch etwas aus“, House drehte sich nun doch nach ihnen um, „Sagt ihr, ich bin die Treppe runter gestürzt oder wurde von Aliens entführt… Irgendwas…“

Gegen 21:00 Uhr war Nina aufgewacht und Lindsay führte ein kurzes Gespräch mit ihr. Sie wollte wissen, ob sie wie ihre Mutter an Durchfall litt und das Mädchen verneinte. Dann fragte Lindsay, ob Nina eine Idee hatte, warum auch sie einen Zahn verloren hatte und warum sie ohnmächtig geworden war. Nina zuckte unwissend mit den Schultern, aber Lindsay hatte das Gefühl, dass sie ihr nicht die Wahrheit sagte. Sie erklärte dem Teenager, dass sie ihr alles erzählen konnte, doch Nina wollte nicht. Zum Glück würde Nina nicht das Schicksal ihrer Mutter teilen müssen: Peter würde die Bakterien in ihrem Mund durch eine ordentliche chirurgische Behandlung in den Griff kriegen. Vielleicht würde sie auch eine Zahnspange tragen müssen, bis die Zähne sich wieder festigten, aber die Röntgenbilder hatten ergeben, dass sie keine Tumore im Knochen hatte.
Niedergeschlagen verließ Lindsay das kleine Krankenzimmer und zufällig sah sie, dass Connor für eine Krankenschwester einen Bericht unterschrieb, anschließend nahm er sich in einem Pausenraum eine Tasse Kaffee und einen Donut. „Du bist noch hier?“, fragte Lindsay, als sie im Türrahmen stehen blieb.
„House hat mich heute Morgen schon zum Nachtdienst verdonnert“, antwortete Connor und wischte einige Donut- Krümel von dem hellblauen OP- Kittel, den er trug. Er hatte einen Verdacht, warum House ihn in letzter Zeit gerne mit Nachtschichten bestrafte, aber das würde er Lindsay nicht sagen. Connor fragte sich ohnehin, wie House herausgefunden hatte, dass er seit einigen Wochen mit Lindsay ausging. Sie hatten es niemandem erzählt und soweit sie wussten, hatte House sie auch nicht gesehen.
„Was ist mit dir? Hast du nicht auch schon längst Feierabend?“, fragte er schließlich.
„Ich wollte hier bleiben, bis Nina aufwacht, aber ich glaube, sie verheimlicht uns etwas“, sie schüttelte ratlos den Kopf und verschränkte die Arme vor dem Bauch. Dann lächelte sie ihn an: „Gibt es spannenden Fälle in der Ambulanz? Kann ich dir irgendwie helfen?“
„Vor einer Stunde wurde eine Patientin mit Verdacht auf Gelbsucht eingeliefert. Ihr Freund hat sie hergebracht, nachdem er von der Arbeit nach Hause gekommen ist und ihre gelbe Hautfärbung bemerkt hat“, er stellte die grüne Kaffeetasse ab und machte sich mit Lindsay auf dem Weg in die Ambulanz. Dort wartete die besagte Patientin noch auf die Laborberichte. Die Krankenschwester war zum Glück so verantwortungsbewusst und hatte eine Blutprobe genommen, nachdem die Frau mit orangegefärbter Haut in der Ambulanz aufgetaucht war. „Miss Aldridge?“, fragte Connor, bevor er den Vorhang zu Seite riss, der die Sicht auf das Bett seiner Patientin verhinderte, „Das ist Dr. Donner. Sie ist Spezialistin für Innere Medizin und würde sich gerne eine Weile mit Ihnen unterhalten.“ Eigentlich stimmte das nicht ganz, Lindsay war Kardiologin. Aber immerhin war Kardiologie ein Fachbereich der Inneren Medizin. „Hi Miss Aldridge“, sagte Lindsay, „Haben Sie vor kurzem ein Hepatitis-A oder B- Gebiet bereist? Trinken Sie regelmäßig Alkohol?“ Während sie das fragte, zog sie sich Handschuhe an und untersuchte die Augen der jungen, dunkelhaarigen Frau. Miss Aldridge´ Haut war stark orange gefärbt, ihre Augen wiesen die für an Ikterus erkrankte Menschen typische gelbe Färbung nicht auf. Dafür roch die Patientin sehr aufdringlich nach Vanille. Der Geruch erinnerte Lindsay an eine Hautcreme, die sie neulich gekauft hatte.
„Nein“, die Frau schüttelte den Kopf und der junge Mann neben ihr, der anscheinend ihr Freund war, bestätigte dies.
Eine Krankenschwester reichte Connor im Vorbeigehen die Laborbefunde und der Arzt las sie sofort.
„Habe ich Gelbsucht?“, fragte Miss Aldridge und Connor schüttelte den Kopf als er einen Blick auf die Leberwerte warf.
„Nein, Sie leiden nicht an Gelbsucht. Sie sind völlig gesund“, erklärte Connor ihr, „So wie es aussieht, haben Sie nur ein wenig zu viel Selbstbräuner benutzt… Sie dürfen nach Hause gehen.“
Miss Aldridge sah ihn entsetzt an. Sie fand seine Bemerkung unverschämt und Lindsay lief ihm nach, als Connor zu seinem nächsten Patienten ging. „Du bist manchmal genauso zynisch wie House“, stellte sie fest. „Ja, aber du magst den perfekten Mix aus mir und den schlechten Charakterzügen deines Onkels“, grinste er und verabschiedete sich von ihr. Soweit er wusste, wollte sich House morgen die Residenz der Familie Lawrence ansehen. Bis dahin sollte sie nach Hause gehen und sich ein wenig ausruhen.

„Ich wusste gar nicht, dass House zu den legendären Hausdurchsuchungen mitkommt“, sagte Claire als sie sich am nächsten Morgen in ziviler Kleidung vor dem Haus der Familie Lawrence trafen. Das Haus war klein aber gepflegt. Claire erinnerte sich nicht daran, dass House überhaupt die Wohnung eines Patienten betrat.
Mit einem Stück Papier aus ihrer Handtasche fächerte sich Lindsay kühle Luft zu. Bereits heute Morgen war es sehr heiß und sie mochte sich gar nicht vorstellen, wie weit das Thermometer eigentlich noch hinaufklettern konnte. Der Wetterbericht meldete seit Tagen, dass es regnen sollte, doch der Regen blieb aus.
Wieder wünschte House ihnen nicht guten Morgen: Er hinkte wortlos an Lindsay, Connor, Peter, Claire und Anton vorbei. Als Lindsay ihn fragte, warum er heute Morgen bereits so schlecht gelaunt war, antwortete er, er habe seine Vicodin- Tabletten nicht finden können.
„Gibt es einen Ersatzschlüssel?“, fragte Claire als House die Eingangstür erreicht hatte und sich einmal prüfend umsah. „Ja“, bestätigte er und holte einen Schlüssel aus seiner Jackentasche. Der Schlüssel war an einem Anhänger befestigt, der wie ein rosafarbenes Plüschschweinchen aussah.
„Sie haben Nina´s Schlüssel gestohlen?“, fragte Peter ungläubig.
„Ich konnte sie schlecht darum bitten“, widersprach House.
„Warum? In ihrem Zustand wird sie kaum auf ihrem Hexenbesen nach Hause fliegen um etwas vor uns zu verstecken“, trotzdem betrat Peter das Haus und der Rest des Teams folgte ihm. Im großzügig eingerichteten Wohnzimmer blieben sie stehen.
„Was benutzen alle Bewohner dieses Hauses?“, fragte House und sah seine Nichte an.
„Schon gut“, Lindsay zog die Augenbrauen hoch, „Ich mache später einen Abstrich von der Klobrille.“
Mit ihrem Koffer für die Proben betraten sie gemeinsam die Küche und stellten fest, dass der Kühlschrank weit geöffnet war. Connor mochte sich gar nicht vorstellen, wie viel Energie ein offengelassener Kühlschrank in dieser Sommerhitze verbrauchte und was inzwischen mit den Lebensmitteln darin passiert war. Lindsay entdeckte neben dem Kühlschrank einen mit Wasser gefüllten Eimer und einen Putzlappen. Sie vermutete, dass Nina zusammengebrochen war, als sie eben den Kühlschrank reinigen wollte.
„Wollte Nina die Wohnung putzen?“, Lindsay war überrascht, dass eine Sechzehnjährige zuhause offenbar nichts Besseres zu tun hatte, als zu Putzen nachdem ihre Mutter im Krankenhaus lag. Dann stürmte ein kleiner bellender Hund auf sie zu. Der schwarze Zwergpudel begrüßte sie mit einem freudigen Schwanzwedeln.
„Wer bist du denn?“, fragte Lindsay und kniete entzückt vor dem niedlichen Hund um ihn zu streicheln. House jedoch war von dem kleinen Kläffer genervt: „Können wir bitte das Ende von Doktor Doolittle vorspulen und mit der Durchsuchung weitermachen?“
„Hier liegen kleinere Zähne auf dem Boden“, sagte Connor plötzlich, der sich die Küche genauer anschaute, „Hat Nina Geschwister?“
„Nein, sie ist ein Einzelkind“, erinnerte sich Lindsay, die sich mit dem kleinen Hund auf dem Arm aufrichtete, „Es sei denn….“ Sie schob die Lefzen des Hundes beiseite und erschrak fast ein wenig: Auch der Hund litt unter Zahnverlust.
„Damit wird auch nichts aus unserer Theorie, dass sich Mutter und Tochter durch eine Schmierinfektion angesteckt haben“, sagte Anton. Aber warum litt auch der Hund unter Zahnausfall?
„Bringen Sie ihn zum Tierarzt. Ich hoffe, der wird es Ihnen sagen“, House hatte anscheinend Antons Gedanken gelesen. „Zuerst sollten wir ihn füttern“, schlug Lindsay vor. Das hieß, wenn der Hund überhaupt noch in der Lage war zu fressen.
„Das Hundefutter steht im Kühlschrank“, bemerkte Connor und in Gedanken fügte er hinzu, wie widerlich das war. Er konnte sich nicht vorstellen, dass seine Lebensmittel den Kühlschrank mit geöffneten Hundefutterdosen teilen mussten. Connor nahm Claire den Koffer ab, in dem die Becher für die Proben aufbewahrt wurden. Lindsay machte sich mit ihm auf den Weg zum Kühlschrank.
„Fleisch, Süßigkeiten, Sahnetorten, mindestens 8 XXL- Becher Rote Grütze… und hier unten stehen eine Menge Fertiggerichte….“
„Das würde zumindest Mom´s starkes Übergewicht erklären“, rief House ihr zu. Bevor Connor einen Abstrich aus dem Kühlschrank nahm, zog er Handschuhe an und er empfahl Lindsay, das gleiche zu tun, bevor sie das Hundefutter nahm um den kleinen Pudel zu füttern.
Sie brauchten eine Stunde, dann hatten sie Proben aus dem Kühlschrank, dem Fußboden und dem Badezimmer gesammelt bevor sie den Hund zum Tierarzt brachten und dort die Adresse von Mrs. Lawrence hinterließen. Sie würde hoffentlich noch so lange leben um die Behandlung ihres Tieres selbst zu bezahlen. Anschließend fuhren sie ins Krankenhaus zurück.

Im Krankenhaus tauschten sie ihre zivile Kleidung gegen ihre hellblauen OP- Kittel, House ausgenommen. Er weigerte sich erneut, einen Kittel zu tragen, als er und sein Team am Nachmittag mit den Untersuchungsbefunden aus dem Haus nach Nina sahen. „Meine Mutter weiß inzwischen, dass ich hier bin“, entschuldigte sich die Sechzehnjährige, „Ich habe sie heute Morgen besucht. Ich hoffe, das ist okay für Sie.“
Lindsay nickte. „Nina, wir waren bei dir zuhause“, erklärte sie und House zeigte ihr den Schlüssel mit dem Schweinchen- Anhänger, „Wir haben einige Proben aus eurem Haus genommen, unter anderem auch vom Kühlschrank.“
„Wir haben Streptokokkus bovis in eurem Kühlschrank gefunden“, erklärte Connor und als Nina fragte, was das sei, erklärte er ihr, dass das Bakterien waren, die Darmkrebs auslösten. Peter äußerte die Vermutung, dass die Bakterien irgendwie in den Kühlschrank gekommen waren, von dort in die Nahrungsmittel und dann hatten sie sich auf Mutter und Tochter und sogar auf den Hund ausgebreitet, da auch seine Nahrung im Kühlschrank gelagert wurde.
„Falls du eine Idee hast, wie die Bakterien in euren Kühlschrank gekommen sind, musst du uns das sagen“, bat Lindsay und beobachtete, wie Nina ratlos auf ihre Hände starrte. House hatte, wie immer, eine Idee doch er besaß zumindest so viel Anstand, dass er sie diesmal für sich behielt.
Schließlich atmete Nina auf und sah sie an. „Sie hat ein Problem mit dem Händewaschen“, erzählte sie und sie suchte verzweifelt nach Worten, „Irgendwie… muss ich Mom jedes Mal daran erinnern, sich die Hände zu waschen, wenn sie niest oder auf der Toilette war. Manchmal niest sie sogar in den Kühlschrank… Aber wissen Sie, was richtig furchtbar ist?... Jedes Mal, wenn ich ihr sage, sie soll sich die Hände waschen, bevor sie unser Essen zubereitet, schreit sie mich an, ich soll die Klappe halten. Bitte verurteilen Sie meine Mutter nicht.“
„Das werden wir nicht“, versprach Lindsay ihr und beobachtete, wie House das Zimmer verließ, „Danke, dass du es uns erzählt hast.“
Der Rest des Teams folgte House. Er war diesmal so gütig und wartete im Krankenhausflur auf sie.
„Mom hat also Darmkrebs“, begann er, als sich Connor, Peter, Anton, Lindsay und Claire um ihn versammelt hatten, „Sie wäscht sich nach dem Gang zur Toilette nicht die Hände und bereitet das Essen der Familie zu. So gelangen die Bakterien in Mom´s Mund, wo sie schließlich mutieren, sodass sie ihre Zähne verliert. Indem Mom zusätzlich in den Kühlschrank niest, infiziert sich auch die Tochter durch eine Tröpfcheninfektion mit den Bakterien.“  Nun sah House sein Team ratlos an. Er wusste nicht, was er zu der Rücksichtslosigkeit der Mutter sagen sollte, aber er wusste, dass er nichts mehr verachtete, als unverantwortliche Menschen. „Statten wir Mom einen Besuch ab. Bestimmt geht es ihr heute schon viel besser.“

Wütend warf House eine Mappe auf den Tisch, den Mrs. Lawrence über ihrem Bett hatte aufstellen lassen damit sie leichter von ihrem Teller Brei essen könnte. House war es egal, ob die Mappe im Mittagessen der Patientin landete. „Herzlichen Glückwunsch: Sie haben Streptokokkus bovis im Kühlschrank!“, sagte er und meinte es ironisch.
„Was ist das?“ Eleanor interessierte sich mehr für die Mappe.
„Ein Hygieneseminar, was das Krankenhaus Ihnen bezahlt, sobald Sie und Ihre Tochter geheilt sind. Vielleicht lernen Sie dort, dass es sich nicht gehört, wenn man in Kühlschränke niest… Auch, wenn es Ihr eigner ist“, mit diesen Worten ging House davon. Sein Team sah ihm ratlos nach. Lindsay hatte ihren Onkel noch nie so wütend gesehen und Claire fragte, ob sie die Patientin vielleicht darüber aufklären sollten, warum auch ihre Tochter ähnliche Symptome zeigte und Connor nickte: „Nur so wird sie House´ Wutanfall und was sie getan hat, verstehen.“
Er schnappte sich einen Stuhl und setzte sich neben das Krankenbett der Patientin. Lindsay, Claire, Anton und Peter blieben bei ihm um ihn zu unterstützen. „Sie sollten wissen, wie Nina sich angesteckt hat…“

Wie jeden Abend war House froh darüber, dass er endlich nach Hause gehen durfte. Sie alle hatten heute sehr gute Arbeit geleistet. Auch Connor, deshalb bestrafte er ihn heute nicht mit zusätzlichem Ambulanzdienst. Er bekäme ohnehin Ärger mit Cuddy, wenn sie herausfand, dass er seine Ärzte länger als 36 Stunden arbeiten ließ. House wusste, dass Connor ein guter Arzt war und er glaubte, eines Tages würde er akzeptieren, dass er mit seiner Nichte ausging. House hielt nicht viel von seiner Familie, aber der Teil der noch intakt war, war ihm wichtig. Lindsay zuliebe würde er seine persönlichen Abneigungen gegenüber Connor vielleicht ein wenig zurückschrauben.
House setzte eben seinen Helm auf um sich anschließend auf sein Motorrad zu setzen, als er bemerkte, wie sein Team nun ebenfalls das Krankenhaus verließ. Es war bereits spät und weil morgen Samstag war, beschlossen sie noch in einer Bar halt zu machen. „Es regnet!“, hörte er Claire vergnügt lachen. Tatsächlich landete ein kalter Wassertropfen auf seiner Nase. Endlich war der langersehnte Regen eingetroffen, von dem der Wetterbericht seit Tagen gesprochen hatte. Immer mehr Regentropfen fielen vom Himmel und House hatte noch nie erlebt, dass sich seine Kollegen so übe schlechtes Wetter freuten, als sie fröhlich über den Parkplatz zu ihren Autos rannten. Sie waren stets die Ersten, die sich über Schnee und Regen beschwerten.
Doch heute würde er ihnen keinen Vorwurf machen.

Fin
 
 
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