what it's like to be a victim

von st3rn90
GeschichteDrama / P16 Slash
Mohinder Suresh Nathan Petrelli Peter Petrelli Sylar
29.06.2011
10.07.2011
4
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Hey, nach langer Abstinenz des Schreibens, hat es mir endlich eine Serie wieder so angetan, dass sie mich in den Wörterstrudel zurückgeführt hat.

Kapitel 1

Charaktere: Sylar, Nathan, Peter und ein paar üble Gestalten.
Warnings: Ein wenig Gewalt kommt vor.

Er musste Suresh finden. Er brauchte Antworten. Unbedingt.
Mit jedem Schritt schien sich seine Umgebung  weiter von ihm zu entfernen. Verzweifelt blinzelte er die schweren Regentropfen, die unbarmherzig in sein Gesicht peitschten, weg.
Seine Kleidung klebte mittlerweile wie eine zweite Haut  an seinem zitternden Körper.
Die Zähne fest zusammengebissen, versuchte er sich vom Boden abzustoßen, doch seine durchweichten Turnschuhe entfernten sich gerade mal ein paar klägliche Zentimeter vom grauen Asphalt, bevor sie im Bruchteil der gleichen Sekunde mit einem lauten Schmatzgeräusch wieder auf dem überfluteten Weg auftrafen.
Verdammt, wo waren nur seine Fähigkeiten?
Mühsam hob er den Kopf um sich zu orientieren. Wenn er sich recht erinnerte musste das Labor des Doktors gerade mal 3 Blocks entfernt von ihm sein. Mit der wachsenden Zuversicht, dass er schon bald all seine Kräfte wiedererlangen und sich bei Gelegenheit noch ein oder zwei neue aneignen würde, kämpfte sich Sylar weiter.
Ob es der mehr als eingeschränkten Sicht oder einfach seiner bloßen Unaufmerksamkeit verschuldet war, dass er die in schwarz gekleideten Männer auf der anderen Straßenseite nicht bemerkte, ist nur schwer zu sagen. Das Ergebnis allerdings würde immer das Gleiche bleiben. Während er damit beschäftigt war seine Jeans abzufangen, die, angespornt durch den zusätzlichen Ballast aus Wasser und Schlamm und der seit jeher bestehenden Schwerkraft, einen Fluchtversuch gen Erde unternahm, überquerten die Anzugträger mit schnellen, zielstrebigen Schritten die Straße.
Er hätte sie kommen hören müssen. Die Fähigkeit dazu besaß er. Korrektur. Hatte er besessen. Ein weiterer Beweis dafür, dass das Schicksal seinen eigenen unvorhersehbaren und oft grausamen Weg wählt, und dich als hilflose Geisel mit zerrt.
Erst als sich ein heißer Schmerz von seinem Nacken abwärts zog, realisierte er die Gefahr, in die er da hineingeraten war. Taumelnd suchte er nach Halt, doch fand keinen. Ein präzise ausgeführter Schlag ließ ihn in die Knie gehen. Er hatte keine Gelegenheit sich umzudrehen, er hatte noch nicht ein Mal die Chance auch nur einen klaren Gedanken, wie den zur Flucht, fassen zu können. Denn schon wurde er von hinten gepackt und gnadenlos mitgeschleift. Verängstigt, überrascht, hilflos. So fühlte er sich. Doch vor allem, überfordert. Er hatte nie gelernt, wie er sich in einer solchen Situation zu verhalten hatte. Seine Eltern waren nicht die Art von Menschen gewesen, die ihr Kind eines Tages zur Seite nahmen und mit ernstem Blick sagten „Wenn du Jemals von einer Gruppe anzugtragender Männer, während eines Unwetters, ganz allein auf der Straße, überrascht wirst, dann mein Sohn…“. Ja, was dann? Sollte er schreien? Um Hilfe rufen? Er bezweifelte dass ihn irgendwer, abgesehen vielleicht von seinen Angreifern, überhaupt hören würde. Vielleicht war es klüger sich ruhig zu verhalten, um die Männer nicht unnötig zu provozieren. Oder sollte er einen Fluchtversuch unternehmen. Weit würde er sicherlich nicht kommen. Kämpfen, war eine weitere Option. Sich mutig dem entgegenstellen, was da kommen möge. Diese Möglichkeit schien die heldenhafteste zu sein. Allerdings auch die mit den Meisten Schwachstellen. Ein großer Kritikpunkt an diesem Plan war die sehr geringe Überlebenschance.
Der Griff, der bis eben fest am Kragen seiner Jacke gehaftet hatte, löste sich plötzlich und mit einem lauten Platschen landete sein Kopf in einer tiefen Pfütze. Prustend und durch die eisige Kälte, die sich immer mehr in seinen Körper zu fressen begann, betäubt, versuchte er sich aufzurappeln. Ein Tritt in seinen Magen vereitelte diesen gutgläubigen Versuch.
„Schau nach ob der Penner Kohle dabei hat. Na mach schon.“ Es ging Ihnen also um Geld. Die Situation wurde immer bizarrer. Je länger er darüber nachdachte, was sich hier gerade vor seinem Geistigen Auge abspielte, umso fester fing er an, an einen kosmischen Scherz zu glauben. Da sollte noch einmal wer behaupten Gott habe keinen Humor. Denn hier war er, oder eher: lag er, umringt von anzugtragenden Räubern. Würde er sich nicht so elend fühlen, hätte dieser Gedanke ihn vermutlich zum Lachen oder zumindest zu einem ungläubigen, aber recht amüsierten, Kopfschütteln gebracht.
Er spürte wie eine Hand sich durch sämtliche Hosen- und Jackentaschen kramte, die sich an seiner Kleidung finden ließen.
„Nichts.“ Kam es von dem Mann neben ihm, als dieser seine Hand enttäuscht zurückzog.
Er stieß ein leises Wimmern aus, als einer der Gestalten seine Finger tief in seinem Haar versenkte und dann mit einem kräftigen Ruck seinen Kopf nach oben riss.
„Wo hast du dein Geld?“
„Kein…kein Geld“ stieß er keuchend hervor.
Diese Antwort schien den Mann über ihm nicht wirklich zufrieden zu stellen. Sein Griff verstärkte sich als er mit der anderen Hand ein Messer aufschnappen ließ.
„So, kein Geld, sagst du also?“ Die scharfe Spitze der Waffe kam seinem Gesicht gefährlich nah.
„Bitte, ich habe wirklich nichts dabei.“ Er hasste sich selbst für seine bebende Stimme. War er es doch gewohnt selbst eine solche oder ähnliche Reaktion bei seinen Opfern auszulösen. Und nun war er der Gejagte. Das verwundete Tier, das sich ängstlich in eine Ecke kauerte, und auf die Gnade seines Jägers angewiesen war. Wie hatte sich das Schicksal nur so gegen ihn wenden können?
„Das ist bedauerlich.“ Zischte ihm Anzugträger Nummer 1 ins Ohr.
„Denn nun bist du für uns wertlos.“ Vollendete Mister Prada 2 den Satz.
Er spürte wie sich die Finger aus seinem Haar lösten. Doch noch bevor er die zurück erlangte Freiheit überhaupt realisieren, geschweige denn genießen konnte, hatte sich das Messer, das eben noch Zentimeter von seinem Gesicht entfernt gewesen war, tief in seinen Torso gebohrt.
Die Wissenschaft hat vor kurzem entdeckt, dass es im Gehirn kein Schmerzzentrum gibt, wie lange angenommen wurde. Im Wesentlichen handelt es sich um ein Netzwerk verschiedener funktioneller Systeme. Neuronenverbände in teilweise weit auseinanderliegenden Hirnarealen die Schmerzsignale aus unterschiedlichen Nervenbahnen empfangen und auf verschiedenartige Weise parallel oder hintereinander geschaltet verarbeiten.
Wird unser Körper mit einem schädlichen Reiz konfrontiert, registrieren spezielle Schmerzrezeptoren diesen. Das Schmerzsignal wird zunächst in eine zentrale Schaltstelle im Rückenmark geleitet, und von da aus geht es dann ins Gehirn. Dieser ganze Prozess dauert weniger als eine Sekunde. An all diese Informationen, die er irgendwann einmal ein einem Fachmagazin gelesen hatte, erinnerte Sylar sich in diesem Moment nicht. Sein Verstand war wie ein Tunnel, mit dem einzigen Ziel, etwas von dem was er in diesem Augenblick fühlte, nach außen hin abzugeben. So schrie er. Schmerzkompensation.
Die Tritte die folgten, verschwammen in seinem nebeligen Bewusstsein zu einer einzigen qualvollen Empfindung. Erst als sich das laute Knacken einer, vielleicht auch mehrerer gebrochener Rippen durch den peitschenden Regen kämpfte, ließen die Männer von ihrem bewegungslosen Opfer ab.
Blinzelnd öffnete er noch einmal seine Augen, um die schemenhaften Konturen seiner Peiniger im tobenden Unwetter verschwinden zu sehen, bevor er mit einem leichten Seufzen die Augen wieder schloss und sich dankbar in die erlösende Dunkelheit flüchtete.



„Nathan warte, wieso hast du es denn so eilig?“ Mühsam versuchte Peter mit seinem großen Bruder Schritt zu halten.
„Weißt du Pete, ich habe Verpflichtungen. Du magst dich in deiner Weltretter Rolle wohl fühlen, ich hingegen habe andere Prioritäten. Seit dem ganzen Desaster in Gebäude 26, dass ich angezettelt habe, läuft hier so einiges schief.“ Ungeduldig richtete sich der ältere der Petrelli Brüder die Krawatte, während er sein Tempo noch beschleunigte.
„Ja schon...“ keuchte Peter hinter ihm. „Aber du hast die Sache doch wieder gerade gebogen. Wir haben den Präsidenten vor Sylar beschützen können.“
„Darum geht es nicht Peter.“ Nathan war stehen geblieben, und der Jüngere wäre fast in die massige Gestalt hinein gelaufen. Ich bin an dem Tag gestorben. Und hätte Claires Blut nicht die Fähigkeit zu heilen, dann hätte ich als mein Erbe dieses völlige Chaos hinterlassen. Und weißt du Pete...“ Nathan drückte leicht die Schulter seines Bruders und setzte ein gezwungenes Lächeln auf. „...das macht mir eine scheiß Angst.“
Für einen Moment herrschte Schweigen. Man war seit dem Vorfall, in dessen Verlauf Nathan für einige Minuten sein Leben verloren hatte, stillschweigend übereingekommen, dieses Ereignis zu vergessen, oder jeden Falls mit keiner Silbe mehr zu erwähnen.
„Ich wusste es war unklug kein Taxi zu nehmen.“ fluchte Nathan als sein rechtes Bein in einer besonders tiefen Pfütze versank. Das Unwetter hatte zwar nachgelassen, doch die Spuren der Verwüstung waren überdeutlich. Und eine dieser Spuren hatte gerade den teuren Stoff seiner Anzughose verschlammt.
Mit dem kläglichen Versuch den gröbsten Schmutz mit Hilfe eines Papiertaschentuchs von Schuh und Hosensaum zu entfernen, ging der Politiker in die Hocke. In der Bewegung hielt er inne und starrte auf einen Punkt inmitten eines großen Müllbergs, der sich im halbdunkel der Gasse von der Wand abhob.
„Was zum Teufel...“ murmelte Nathan leise und näherte sich dem Objekt seiner Aufmerksamkeit.
„Was ist denn los?“ fragte Peter verwirrt und folgte seinem Bruder. Doch dann entdeckte auch er es. Unter einem Stapel Zeitungen und losem Papier lugte ein Arm hervor.
Mit einer unwirschen Handbewegung schob der Ältere einen Großteil des Müllhaufens beiseite. Vorsichtig folgte Peter dem Beispiel und griff sich einige Blätter und einen Pappkarton, die er achtlos zur Seite warf.
Schließlich hatten sie die Gestalt von dem gröbsten Dreck befreit. Regungslos und mit dem Gesicht auf dem Asphalt lag der Mann da.
Nathan streckte seine Hand aus und rüttelte vorsichtig an der Schulter der Person.
„Hallo, hören sie mich. Sind sie ...“ Der Politiker verstummte abrupt. Der Kopf des Mannes war unter seinen Berührungen nur schlaff zur Seite gerollt, so dass die beiden Brüder geradewegs in das dreck- und blutverschmierte Gesicht des Serienkillers starrten.
„Sylar“ keuchte Nathan, und seine Hand löste sich von dem zusammen gesackten Körper unter ihm, als hätte er einen Stromstoß bekommen.


„Und…und was machen wir jetzt?“ zögernd sah der Jüngere zu der bewegungslosen Gestalt herab, die unter ihm im Dreck lag.
„Wir schaffen ihn hier weg.“ Sagte Nathan schlicht und krempelte sich die Ärmel seines teuren Jacketts nach oben. „Wir werden ihn zu Suresh bringen und Noah informieren. Sie werden dann entscheiden wie sie weiter verfahren wollen. Ich möchte auf jeden Fall so wenig wie möglich in diese Sache hineingezogen werden.“
„Eins finde ich merkwürdig.“ Gab Peter zurück. Seine Augenbrauen hatten sich zusammengezogen, und er starrte unverwandt auf Sylar.
„Was denn?“
„Wenn das hier Sylar ist, wieso heilt er dann nicht. Ich meine…schau ihn dir an Nate. Er ist übersät mit Wunden.“
Nathan trat einen Schritt zurück um sich eine bessere Übersicht zu verschaffen. „Du hast recht…“ gedankenverloren rieb sich der Politiker über die feinen Bartstoppeln.
„Ich hab ehrlich gesagt nicht den blassesten Schimmer. Vielleicht kann Suresh eine Antwort finden. Hilf mir mal Pete.“
Gemeinsam hievten sie die leblose Gestalt Sylars auf die Füße. Selbst durch ihre Klamotten hindurch konnten sie die Kälte des mitgenommen Körpers in ihrer Mitte spüren.
„Sicher das er noch am leben ist?“ fragend sah Peter seinen großen Bruder an.
„Jap. So wünschenswert es auch ist, ich habe eben noch einen Puls gespürt. Schade eigentlich. Sonst hätten wir einen Parasiten weniger auf dieser Erde.“ Er warf einen angewiderten Blick auf seine Last. Ganz offensichtlich unwohl bei dem Gedanken, so nah bei seinem Mörder zu sein, ohne ihm ein Messer durch den Körper zujagen. Aber diesen Gedankengang hatte wohl bereits Jemand vor ihm gehabt. Jedenfalls nach der tiefen Wunde an Sylars Bauch zu urteilen.
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