Das verrückte Osterfest

GeschichteHumor / P6
Freddie Faulig Sportacus Stephanie
25.06.2011
13.11.2011
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Die Sonne schickte ihre ersten Strahlen. Die Natur in und um Lazy Town roch nach frischem Grün und Tau. In den Gärten, im Park und auf dem Spielplatz hoppelten die Kaninchen umher, auf der Suche nach frischem Futter. Aber nicht nur sie waren an diesem frühen Morgen bereits munter. „Guten Appetit, ihr Langohren!“ Zwei Kaninchen sahen erschrocken auf, als sie ein großes, rosafarbenes Etwas vorbeihoppeln sahen und verkrochen sich sogleich in den nächsten Busch. Wer heute um diese frühe Zeit aus dem Fenster blickte und einen großen, etwas pummeligen rosa Hasen sah, der musste weder an seinen Geisteszustand zweifeln, noch an einen Traum glauben. Das war hier üblich in Lazy Town. Denn es war Ostersonntag.

Seit Jahren hatte es sich der Bürgermeister zur Aufgabe gemacht, dem Osterhasen zur Hand – oder zur Pfote – zu gehen und den Kindern so eine noch größere Freude zu bereiten. Die Erwachsenen nahmen es schmunzelnd hin. Sie ahnten oder wussten sogar, wer hinter dieser Maskerade steckte. Jedenfalls waren sie sich einig, dass es nicht Freddie Faulig sein konnte. Wenn die Kinder am Morgen erwachten und einen Blick auf den vermeintlichen Osterhasen erhaschen konnten, war die Freude groß. Sie wussten ja gar nicht, dass sie eigentlich schon ihre Geschenke bekommen hatten und der Bürgermeister nur etwas dazulegte. Aber Ostern war eben nur einmal im Jahr und Meinhard wollte es sich einfach nicht nehmen lassen, die Kinder zusätzlich zu beschenken. Außerdem organisierte er jeden Ostersonntag ein Fest mit vielen Spielen. Meinhard hoppelte gerade vergnügt in einen Garten, deren Büsche mit bunten Plastikeiern behangen war. Nachdem er sein kleines Geschenkkörbchen sorgsam unter einen der geschmückten Büsche versteckt hatte, tippte ihn jemand von hinten an. Er drehte sich um und sah Meini in sein ernst dreinblickendes Gesicht. Meinhard schwante unangenehmes.

„Guten Morgen, Osterhase.“
„Guten Morgen, mein lieber Meini. Du bist, wie immer am Ostersonntag, sehr früh auf den Beinen.“
„Ich wollte dir mitteilen, dass in meinem Garten nur dreiundvierzig bunte hartgekochte Eier, fünfzehn mittelgroße weiße Schokoladeneier, vierundzwanzig kleine Eier aus Milchschokolade, drei große aus Zartbitter mit Pralinenfüllung, und...“
„Pscht, sei leise, die Leute schlafen doch noch“, bat Meinhard.
„Auf jeden Fall wollte ich dich fragen: Du kommst doch nochmal in meinem Garten vorbei? Ich bin nicht zufrieden. Letztes Jahr hatte ich viel mehr. Darüber führe ich Buch, weißt du?“
Meinhard schüttelte energisch den Kopf, so dass seine langen Hasenlöffel kräftig mitwippten. „Du solltest auch Buch darüber führen, wie oft ich darüber mit dir schon gesprochen habe. Du hast mehr als genug. Und jetzt möchte ich nichts mehr davon hören, denn ich habe noch viel zu tun und du solltest dich ruhig noch etwas schlafen legen.“
„Und du solltest wirklich darüber nachdenken, mich nochmals zu besuchen, denn da könnte was für dich rausspringen.“
„Selbst wenn ich wollte - ich habe nicht mehr. Und wenn du noch einmal versuchst mich zu bestechen, hole ich mir deine Geschenke zurück und nächstes Jahr bekommst du auch nichts mehr von mir.“
„Dann – vergiss, was ich gerade gesagt habe!“, und Meini machte sich aus dem Staub. Der Bürgermeister sah ihm nach und musste doch ein wenig lächeln. Das war hoffentlich eine kleine Lektion für den kleinen Nimmersatt, dachte er. Aber sein Lächeln und seine Hoffnung erlosch, als er Meini tatsächlich erwischte, wie dieser einen großen Geschenkkorb aus Nachbars Garten stibitzen wollte. Nur ein bitterböser Blick vom rosa Osterhasen, und Meini stellte den Korb rasch in den Garten zurück und rannte nach Hause. „Da hört sich ja wohl alles auf..!“, sprach Meinhard empört. Der Junge hatte es sicher gehört, denn er rannte noch schneller und nahm sich vor, sofort alle Eier und Geschenke im Safe zu verwahren. Nur für den Fall, dass der Osterhase alles wieder einsammeln wollte.

Stephanie war gerade erwacht. Es war wirklich sehr früh und sie kämpfte mit sich, ob sie denn hinausgehen und die Ostereier suchen oder lieber noch etwas schlafen sollte. Sie öffnete weit das Fenster. Es roch so gut nach Frühling! Stephanie atmete den Duft tief ein, drehte sich auf die andere Seite und war im Begriff einzuschlafen, als sie gerade noch einen Schatten an der Wand ausmachen konnte. Stephanie setzte sich schnell auf und entdeckte auf ihrer Fensterbank ein kleines, rosafarbenes Osterkörbchen mit etwas Süßem und einem kleinen Osterhasen aus flauschigem Plüsch. Stephanie streckte ihren Kopf aus dem Fenster, aber sie konnte niemanden entdecken. Sie streichelte erfreut das kleine Flauschehäschen und setzte es auf ihre Bettdecke, bevor sie zufrieden einschlief. Draußen vor dem Fenster kamen von unten zwei große Hasenohren zum Vorschein. Stephanies Onkel hatte sich schnell geduckt und versteckt. Trotz Verkleidung wollte er nicht das Risiko eingehen, erkannt zu werden. Vielleicht wäre sie dann enttäuscht? Was tat man nicht alles für vor Freude strahlende Kinderaugen!

Als sie fast zwei Stunden später in der Küche eintraf, hatte ihr Onkel den Frühstückstisch festlich gedeckt. Er hatte das gute Geschirr aus den Schränken geholt, eine bunte Tischdecke aufgelegt und in der Mitte stand eine große Vase mit herrlichen, gelben Narzissen. „Wie schön sie sind!“, schwärmte Stephanie. „Und gerade heute blühen sie besonders prächtig! Ganz bestimmt deswegen, weil Ostern ist!“ Stephanie setzte sich an den Tisch und ihr kleiner Flauschehase nahm neben ihrem Teller einen Ehrenplatz ein. „Schau! Den habe ich vom Osterhasen bekommen! Ist er nicht süß?“
„Und wie!“
„Und ein paar Süßigkeiten und Ostereier habe ich noch dazu bekommen.“ Meinhard freute sich, dass ihm die Überraschung gelungen war. „Im Garten werden bestimmt noch mehr Ostereier liegen – ich habe da so ein Gefühl...“
Doch Stephanie machte auf einmal ein fragendes Gesicht. „Oh – hörst du das, Onkel Meinhard? Ich glaube, da hat was geknackst. Es war ganz leise.“ Sie beugte sich zu den Narzissen. „Du, das kommt von den Blumen!“, sagte sie erstaunt.
„Die letzte Knospe öffnet sich“, antwortete Meinhard. „Siehst du sie? Sie versteckt sich hinter den anderen. Aber jetzt bricht sie auf, das kann man regelrecht hören.“ „Tatsächlich!“ Jetzt hielt Stephanie ihr Ohr direkt an die Knospe und wagte kaum zu atmen. „Da war es wieder! Man kann es also tatsächlich hören, wenn die Blumen blühen. Das habe ich noch gar nicht gewusst.“
„Bei manchen hört man es jedenfalls sehr gut. Und es gibt Leute, die hören sogar das Gras wachsen.“
„Echt wahr?“
„Naja, eigentlich nicht. Das sagt man nur von Leuten, die ihr Ohr wirklich überall haben und alles wissen wollen.“
„So wie Senta?“
„Ach Gottchen, ja!“, lachte der Bürgermeister. „Ja, ganz genau. Hier, vergiss deinen Kakao nicht!“
Nach dem Frühstück ging Stephanie gleich auf Ostereiersuche. Munter vor sich hersummend legte sie ein Ei nach dem anderen in ihren Henkelkorb. Manche Eier waren leicht zu finden, andere sah man erst auf den zweiten oder dritten Blick. So übersah sie zunächst ein grünes Ei, dass genau zwischen den Stielen der Narzissen versteckt war. Bei der Gelegenheit konnte sie gleich mal nachhorchen, ob diese denn auch kräftig blühten. Sportacus lief gerade eine Runde durch Lazy Town und wünschte gleich allen Bewohnern, die er dabei antraf, einen wunderschönen guten Morgen. So auch dem Bürgermeister, der ihm durch das offene Küchenfenster zuwinkte.
„Ist Stephanie auch schon auf?“
„Ja, sie ist hinten im Garten und sucht Ostereier.“
„Aha! Danke!“ Sportacus ging um das Haus herum und fand seine kleine Freundin im Gras hocken.
„Guten Morgen, Stephanie!“ Das Mädchen sah ihn an und legte den Zeigefinger auf die Lippen. „Pscht!“
„Was gibt es denn?“
„Hör mal!“ Sportacus ging in den Garten und setzte sich neben Stephanie ins Gras. Es sah aus, als würden ihr die Narzissen gerade etwas ins Ohr flüstern. „Man kann hören, wenn die Knospen aufgehen“, erklärte Stephanie mit gedämpfter Stimme. „Das knackt dann ein bisschen.“ Jetzt hielt auch Sportacus sein Ohr an die Knospen. Beide Freunde verharrten eine Weile. „Ich glaub' ich habe was gehört!“, gab Sportacus flüsternd zurück.

„Redet ihr mit den Blumen?“, fragte Ziggy, der gerade erschienen war. Stolz hielt er seinen Korb in die Höhe. „Guckt mal, was ich alles gefunden habe!“
„Pscht, gleich! Nur noch einen Moment. Wir horchen gerade“, sprach Sportacus. Später trafen Meini und Trixie ein und begrüßten den Bürgermeister, der soeben aus seinem Haus kam. Er wollte mal nachsehen, ob seine Nichte auch schon alle Ostereier gefunden hatte. Als er und die beiden Kinder aber Sportacus, Stephanie und Ziggy im Gras sitzen sahen, höchst angestrengt den Blumenknospen lauschend, da musste Herr Meintsgut so lachen, dass ihm die Tränen über das Gesicht liefen. „Onkel Meinhard! Wir hören doch gar nichts, wenn du so laut bist“, meinte Stephanie  etwas entrüstet.
„Ach Gottchen, das ist ja ganz allerliebst! Wirklich ganz allerliebst“, lachte Meinhard.
„Also wenn Sie mich fragen“, sprach Meini, „ich finde es eher....sehr merkwürdig.“
„Macht ihr das immer, wenn ihr gerade nichts zu tun habt?“, fragte Trixie.
„Sie lauschen, ob auch die Narzissen aufgehen“, erklärte Meinhard.
„Hm“, machte Meini. „Das kann man doch sehen. Guck morgen nochmal nach, dann wisst ihr es.“
„So ist es aber viel aufregender“, sagte Stephanie. Sie stand auf und wischte die Grashalme von ihrem gestreiften Kleid. „Ich glaube, wir haben nun genug gelauscht. Jetzt lassen wir die Blumen in Ruhe wachsen und blühen.“ Sportacus warf einen Blick auf Ziggy. „Was machst du denn da?“
„Ich pflanze einen Lollipopbaum“, und der Junge drückte die Erde um seinen Lolli ein bisschen fester. Er hatte ihn einfach mit dem Stiel hineingesteckt.

„Was meinst du? Soll ich ihn ein bisschen gießen?“ Sportacus grinste. „Ich glaube, da wird gar nichts wachsen. Er wird höchstens die Bienen anziehen. Die werden sich über deinen süßen Lolli freuen.“
„Was? Nein!“ Ziggy zog den Lolli sofort wieder heraus. „Dann werde ich ihn lieber essen! Und wenn ich fertig bin, kommen die Schokoeier dran!“
„Ach übrigens“, mischte sich Meini ein und guckte ein wenig abfällig in Ziggys Osterkorb, „ich wollte dich fragen, ob das wirklich alles ist, was du da in deinem Korb hast? Also ich brauchte eine Schubkarre, um meine Presente einzusammeln! Und das, obwohl ich viel weniger bekommen habe als letztes Jahr. Eigentlich wäre mir der Osterhase noch etwas schuldig.“
„Sooo?“, sprach Meinhard gedehnt, „Tatsächlich? Heute morgen habe ich doch glatt vernommen, wie der Osterhase sich ein wenig über dich geärgert hat.“
„Oh...! Wirklich..? So früh waren Sie schon auf?“
„Ja, das war ich. Genau wie du! Übrigens, wenn du wahrhaftig der Meinung bist, dass Ziggy zuwenig hat, könntest du ihm ruhig etwas abgeben. Denn du hast viel mehr als du essen kannst.“
„Äh – also – nein, so habe ich das nicht gemeint! Aber Moment! Wenn ich Ziggy was abgebe, würde mir der Osterhase nächstes Jahr dann mehr geben? Als Belohnung, weil ich so fürsorglich war? Warte, Ziggy...ich glaube ich habe da was...“ Er kramte in der Hosentasche und holte ein winziges, eiförmiges Bonbon hervor. Er hielt es zwischen Daumen und Zeigefinger.
„Hast du davon noch mehr?“, fragte Ziggy.
„Ja, aber warum gleich so gierig? Du musst dich schon mit diesem hier begnügen. Hast du denn jemals erlebt, dass ich so großzügig gewesen wäre?“
„Nein.“
„Das nennst du großzügig?“, fragte Meinhard. Er schloss die Augen und schüttelte den Kopf.
Dafür nahm Stephanie etwas aus ihrem Korb und gab es Ziggy. „Da hast du. Iss aber nicht alles auf einmal.“ Ziggy bedankte sich überschwänglich. Der Bürgermeister nahm seine goldene Taschenuhr heraus und warf einen Blick darauf. „Es wird Zeit, dass ich den Osterkuchen für heute Nachmittag backe. Ich hätte ihn auch gestern schon machen können, aber er soll schließlich ofenfrisch auf den Tisch! Es geht doch nichts über einen herrlich frischen und lockeren...“
„WAAAHHHH!“ Alle im Garten schreckten auf. „Wer – wer hat denn da so furchtbar geschrien?!“, fragte Trixie. Ziggy beäugte kritisch die Blumen. „Ob das eine von denen war? Vielleicht wurde eine von der Biene da gestochen!“ Trixie lachte. „Ich glaube eher, dich hat was gestochen! Seit wann können Blumen schreien? Aber wer weiß, nur vielleicht war es doch eher die Biene!“
Nein, viel eher war es Freddie Faulig gewesen! Aber ihn hatte zum Glück gar nichts gestochen. Vielmehr hatte er sich nur erschrocken, als er sein Periskop im Garten ausgefahren hatte und ihm unerwartet ein Marienkäfer vor die Linse gekommen war. Unglücklicherweise hatte Freddie auch noch seine Lautsprechanlage eingeschaltet. Kaum hatte er sich vom ersten Schreck erholt und sein Periskop gewendet, grinste ihn auch schon ein Osterhase aus Schokolade an. Bei so vielen unerwarteten Überraschungen war es wohl besser, den Rückzug anzutreten. Sein Periskop verschwand sofort wieder in der Erde.
„Ich glaube, das war der Schokohase da!“, rief Ziggy und nahm ihn sogleich aus dem Versteck. „Der hat es nicht mehr ausgehalten und wollte unbedingt gefunden werden!“
„Was auch immer es war, ich danke dir, Ziggy, dass du ihn für mich gefunden hast.“, sagte Stephanie. Ziggy hätte ihn am liebsten auch gerne behalten, aber er hatte ja schon eines von Stephanies Geschenken für sich. Außerdem hoffte er, Zuhause noch ein paar Geschenke vorzufinden.

„Ob wir mal zu Pixel rübergehen?“, fragte Stephanie. „Meint ihr, er schläft noch?“
„Wir können ja mal nachsehen“, sagte Sportacus.
„Dann viel Spaß!“, rief der Bürgermeister. „Bis heute Nachmittag!“
Als die Kinder und Sportacus vor Pixels hochmodernem und computergeteuertem Zuhause standen,  mussten sie sich erst einmal die Augen reiben: Im dichten Gras wuselten bunte kleine Wesen herum! Ihre Köpfe und Bäuche waren eiförmig, sie hatten kleine Ärmchen aus Metall und anstatt auf Beinen glitten sie auf Rollen daher. Auf ihrem Kopf hatten sie zwei kleine Fühler, die unentwegt nach allen Richtungen ausfuhren und leicht zitterten. „DIE AUSSERIRDISCHEN SIND GELANDET!“, schrie Meini und sprang mit einem Satz in Sportacus' Arme.
„Seht mal, was die machen!“, rief Stephanie. „Die sammeln ja die Ostereier ein!“
Es war genauso, wie Stephanie sagte. Sie schienen wirklich gezielt nach bunten Eiern zu suchen. Offenbar konnten sie mit ihren Fühlern - an denen vielleicht auch Augen saßen - die Eier ausmachen und fuhren gezielt darauf zu. Dann streckten die Wesen ihre Ärmchen aus, umschlossen ihre Beute und kommentierten dies mit einem metallisch klingenden: „Ei, Ei, Ei!“ und legten diese vorsichtig in einen Korb, der genau neben Pixels Haustür stand.
„Guten Morgen!“, rief Pixel frohgelaunt von seinem Fenster aus.
„Weißt du eigentlich, dass vor deinem Haus die Außerirdischen gelandet sind?“, rief Ziggy und Meini fügte hinzu „Sie klauen gerade deine Ostereier!“
„Aber nicht doch! Das sind meine fleißigen Helfer, die Ostereiersuchgeräte 6000!“
„Ja klaaar“, meinte Trixie und schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn, „Mensch, da hätten wir doch gleich drauf kommen können! Ostereiersuchgeräte! Klar wie Kloßbrühe!“

„Ei, Ei, Ei! Ei, Ei, Ei!“, schnarrte es hier und da durchs Gras.
„Also irgendwie sind die ja recht putzig“, musste Stephanie zugeben. „Nur macht es keinen Spaß, wenn man Ostereier suchen lässt und nicht selber sucht.“
„Ich suche eben nicht gern. Auch nicht, wenn es um Ostereier oder Süßigkeiten geht.“
Während die Freunde den kleinen Robotern zusahen, kam Pixel zu ihnen hinunter. Zufrieden blickte er in den wohlgefüllten Osterkorb.
„Deine Helfer bleiben doch hoffentlich bei dir?“, fragte Ziggy besorgt. „Nicht, dass die in meinen Garten kommen und alles, was ich bisher nicht gefunden habe, wegtragen.“
„Nein, nein! Die bleiben wo sie sind. Und wenn sie ihre Arbeit getan haben, programmiere ich sie um und schenke sie meiner Mutter. Das werden dann kleine Putzroboter.“
Trixie war sehr erstaunt. „Wie, deine Mutter hat sowas noch nicht? Deine Eltern müssten doch technisch vollkommen ausgerüstet sein, bei so einem Genie wie dir!“
„Meine Eltern sind manchmal recht altmodisch. Es kann allerdings auch daran liegen, dass der letzte Staubsauger, den ich ihnen gebaut habe, ein wenig zu stark war. Wir mussten hinterher das halbe Wohnzimmer neu machen, weil der Staubsauger sogar die Tapeten von den Wänden gerissen hatte. Und wir mussten einen neuen Teppich kaufen.“
„WAAAHHHH!“ Und wieder erschraken alle. „Was oder wer war das?!“, fragte Pixel erschrocken.
„Keine Ahnung, diesen Schrei haben wir vorhin schon in Stephanies Garten gehört“, meinte Trixie. Sportacus warf einen forschenden Blick in alle Himmelsrichtungen. „Schon beim ersten Mal habe ich niemanden entdecken können“, sagte er. „Dabei klang es, als käme es aus nächster Nähe.“

„Ach, wahrscheinlich hat nur jemand den Fernseher zu laut aufgedreht“, sagte Meini, der sich bis eben noch wie eine Klette an Sportacus gehangen hatte.
„Hm, könnte aber auch mein alter, umgebauter Wecker gewesen sein“, überlegte Pixel. „Jedenfalls klang es ganz ähnlich. Der war echt super. Ich bin immer rechtzeitig wach geworden.“
„Du hast einen Wecker, der schreit?“, fragte Stephanie ungläubig. „Das wäre nichts für mich. Ich würde mich da zu Tode erschrecken! Und mein Onkel würde glatt den Notarzt oder die Polizei holen, weil er glaubt, in der Stadt wäre was passiert! Oder er glaubt, mir wäre was passiert!“
„Ja, deswegen haben mir meine Eltern einen stinknormalen Wecker gekauft. Ich wollte ja einen bauen, aber das haben sie mir nicht erlaubt.“ Derweil bibberte Freddie in seinem Versteck vor Angst und hoffte tatsächlich, dass bald die Polizei, die Kavallerie oder irgendjemand zu Hilfe eilen würde. „Ungläubig starrte er in sein Periskop. Ein kleines metallenes und eiförmiges Wesen glotzte ihn an. „Ei, Ei, Ei?“
„Ohwei, ohwei! Es hat mich bestimmt gesehen! AH!“ Freddie stürzte sich mit einem Hechtsprung vom Geländer.
„Was habt ihr gleich vor?“, fragte Pixel.
„Bis heute Nachmittag ist noch so viel Zeit, wir könnten vielleicht Ball spielen“, schlug Stephanie vor. „Und wenn ihr Lust habt, helfen wir meinem Onkel beim Aufbauen des Spieleparcours. Ihr wisst schon, es ist für das Osterfest.“
Freddie lag bäuchlings auf dem kalten und harten Boden. Er hatte sich nicht verletzt und er lauschte Stephanies Worten. „Ach ja, heute ist dieses vermaledeite Eierfest“, erinnerte er sich. „Kann mir mal jemand verraten, warum ein Hase bunte Eier versteckt? Das ist doch wirklich zu dämlich! Und heute Nachmittag spielen die Gören auch noch Spiele und machen einen Eiertanz oder Eierlaufen, keine Ahnung...hmmm...ich glaube mir kommt da wieder eine herrliche Idee...“ Er stand auf und klopfte sich seine Weste sauber.
„Spiele nach meinen Regeln – und dafür gibt es natürlich einen Preis! Doch erst muss ich ein wenig basteln...und vor allem etwas nachprüfen...“ Er sprang die Stufen hoch und sah ein weiteres mal ins Periskop. Diesmal war nichts zu erkennen. „Das muss wirklich ein Außerirdischer gewesen sein und jetzt ist er weg. Oder ob das wohl ein Gehilfe des Osterhasen gewesen ist?“
So sehr Freddie auch grübelte, er kam auf keine vernünftige Erklärung. So beließ er es einfach dabei und machte sich an die Arbeit. Er setzte sich Ohrenschützer auf, damit ihn die spielenden Kinder nicht stören konnten. Er hätte die Anlage auch ganz abschalten können, nur wollte er auch wissen, was in der Stadt vor sich ging. Er wollte auf keinen Fall eine für ihn wichtige Neuigkeit verpassen.

Die Zeit verging wirklich wie im Flug und als die Freunde dem Bürgermeister bei den Vorbereitungen halfen, war der Fiesling Freddie Faulig auch schon so gut wie fertig. In seiner Fabrik sah es aus wie in der Werkstatt des Osterhasen. Überall lagen bunte Osternester herum und es würde auch nicht mehr lange dauern, bis er sein Meisterstück fertig hatte. Und es gab noch so viel, was er vorbereiten musste! Zum Glück hatte er noch die Zeichenpläne aus dem letzten Jahr. Schon damals waren ihm einige geniale Ideen gekommen. Nur hatte es ausgerechnet an diesem Ostersonntag so heftig geregnet, dass die Kinder sowieso Zuhause bleiben mussten. Dafür war Freddie froh, dass er seine Vorbereitungen umso schneller treffen konnte. Als die Arbeit getan war, suchte er sich die Verkleidung heraus.
„Weihnachtsmann? Ne! Falsche Jahreszeit! Zahnfee? Quatsch! Falsche Gelegenheit! Ein Langohr? Na klar – ich bin bereit!“ Und schwupp – hatte er sich in einen großen Osterhasen verwandelt. Das Kostüm sah dem des Bürgermeisters recht ähnlich, nur würden die Kinder diesmal einen violetten Hasen zu sehen bekommen. „Jetzt wird wieder getarnt, getrickst und getäuscht!“, rief Freddie und biss kraftvoll in eine Karotte. „WUÄH!“, schrie er entsetzt, als ihm klar wurde, was er da gekostet hatte. Er warf den Powersnack fort und spuckte alles aus. „KARNICKELFUTTER!“

Die Freunde waren froh, dass sie an diesem Tag so viel Glück mit dem Wetter hatten. Ganz anders als letztes Jahr. So sollte diesmal dem Ostervergnügen nichts mehr im Wege stehen. Um den Sport – und Rathausplatz herum war alles mit bunten Ostergirlanden geschmückt, die die Kinder selbst gebastelt hatten. Sentas Büffet war bereits eröffnet. Der Bürgermeister sprach auf der Tribüne ein paar festliche Worte und dann folgte Stephanie, die gleich einen kleinen Tanz hinlegte und fröhlich dazu sang:

„Sonne, Frühling und Narzissen,
das ist, was mich fröhlich stimmt!
Und ich möcht' zu gerne wissen,
wer wohl einen Preis gewinnt!

Und hat euch der Osterhase
etwas Schönes mitgebracht?
Doch wem nicht, der kriegt heut' was,
was ihn richtig glücklich macht!

Unter Beifall des Publikums sprang Stephanie von der Bühne und gerade als Meinhard die Spielregeln erklären wollte, hörte man jemanden rufen: „Halt, halt, halt, halt! Einen klitzekleinen Moment noch, Herr Bürgermeister!“
„Hääää? Waaas? Wiiee?!“ , murmelten alle und sahen sich um. „Was ist denn los? Wer ist denn das?“
Freddie Faulig schritt im Kostüm auf die Kinder und Erwachsenen zu und stellte sich mitten auf die Bühne. „Na was meint ihr denn, wer ich bin? Wie sehe ich denn aus?“,fragte er keck.
„Wie der Osterhase!“, riefen die Kinder.
„Ja, der bin ich auch!“
„Das kann aber nicht sein!“, rief Meini aus der Menge. „Ich habe heute Morgen den Osterhasen leibhaftig gesehen und der war dick und rosa! Du bist aber dünn und lila!“
„Dick...?“, murmelte Meinhard ein wenig gekränkt und strich sich über den Bauch. „Bist du sicher, dass der Osterhase dick war, Meini?“
„Naja, er sah auf jeden Fall sehr beleibt aus!“
„Oha. Und ich dachte schon, ich hätte das Kostüm zu heiß gewaschen, weil es so spannt“, murmelte Meinhard leise zu sich selbst. „Das kommt bestimmt von Sentas guten Kuchen...“
„Das wird wohl einer meiner Angestellten gewesen sein“, erklärte Osterhase Freddie Faulig den Kindern. „Es gibt nämlich mehrere, die in meinem Auftrag Ostereier verteilen. Würde ich das alleine machen, wäre das kaum zu schaffen.“
„Der Weihnachtsmann hat auch Helfer!“, erklärte Ziggy. „Aber laufen die denn auch im Weihnachtsmannkostüm herum?“
„Kann gut sein.“
„Aber ist das denn auch richtig? Wenn jemand sagt, er ist der Weihnachtmann und dabei ist er es doch nicht...kennst du ihn vielleicht persönlich? Dann frage ihn bitte, ja? Ich will das ganz genau wissen!“ Freddie kam kaum zu Wort, denn jetzt war es wieder Meini, der nicht lockerlassen wollte. „Ich habe eine Beschwerde vorzubringen! Einer Ihrer Angestellten arbeitet nicht richtig! Ich habe viel zu wenig Ostereier und....“
„Dann gebe ich dir nachher ein Formular, das füllst du dann aus und schickst es an mein Büro. Meine Sekretärin kümmert sich darum. So! Und jetzt sage ich euch warum ich hier bin! Da ihr jedes Jahr ein Fest mit Spielen und all dem Gedöns veranstaltet, dachte ich, ich beteilige mich daran. Ihr seid doch bestimmt die langweiligen Spiele, die ihr jedes Jahr spielt, leid oder nicht?“
„Och es geht eigentlich“, sagte Trixie. „Manchmal sind die Spiele etwas kindisch, aber sonst ganz okay.“
„Ich finde sie toll!“, meinte Ziggy und die anderen konnten auch nichts schlechtes berichten. Das ärgerte Freddie natürlich. Er wedelte abwehrend mit den Händen und bat um Ruhe. „Aber jetzt kommt etwas was euch umhaut! Folgt mir!“ Er sprang von der Bühne, marschierte durch die Menge und dann geradeaus. „Na was denn? Kommt ihr jetzt oder nicht?“, befahl er streng. „Wird's bald?!“
Meini verschränkte die Arme und sah ihn scharf an. „Bitte nicht in diesem Ton - also da ist mir der dicke Osterhase fast lieber. Auch wenn er schlampig arbeitet.“
„Wo will er denn hin?“, fragte sich Herr Meintsgut. „Wir alle haben doch so einen schönen Parcour aufgebaut!“ Der Osterhase drehte sich um. „Also wollt ihr gar nicht sehen, was ich für euch habe? Das enttäuscht mich aber, Kinder.“
„Wir kommen ja schon!“, rief Trixie. Der Osterhase ging zufrieden weiter. Ziggy kratzte sich verwundert am Kopf. „Ich dachte, der Osterhase hüpft?“
„Ich hab's im Kreuz, Kleiner.“
„Kannst du nicht trotzdem ein bisschen hüpfen? Ich finde das sooo niedlich, wenn Hasen hüpfen!“ Freddie stand schon wieder kurz davor, die Geduld zu verlieren. Aber er sah ein, dass er sich den Kindern zuliebe fügen musste und erfüllte Ziggys Wunsch. Unter Ächzen und Stöhnen beugte er sich ein Stück hinunter und hüpfte voran. Die Erwachsenen und Kinder folgten, Ziggy sogar hüpfend, bloß machte es ihm mehr Spaß als Freddie.
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