X-Men Evolution: Blacklist (#3)

von Qantaqa
GeschichteAbenteuer / P16
23.06.2011
06.04.2012
24
114483
3
Alle Kapitel
56 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
Prolog:
Ending gravity



Ausdruckslos starrte Felicitas auf die fett gedruckten Buchstaben der vor ihr liegenden Daily News. Sie spürte nicht einmal den stechenden Schmerz, der noch immer durch ihre Schulter jagte, wenn sie ihre Hand in etwas verkrallte. So wie jetzt zum Beispiel in ihre schwarze Jeanshose. Wieder und wieder las sie die Schlagzeile, die sich in ihren Kopf gebrannt hatte und sie niemals wieder loslassen würde. Aber viel schlimmer war, dass sie keinerlei Wut verspürte. Keinen Hass, oder gar Angst. Sie konnte nicht einmal darüber weinen... Etwas in ihr war durch das Lesen dieser vom Tau feuchten Zeitung endgültig gestorben. Jetzt waren tatsächlich ihre schlimmsten Befürchtungen und Ängste wahr geworden. Und sie konnte nichts tun. Außer versuchen, damit zu leben. Und Feli war sich nicht zum ersten Mal unsicher, ob sie das schaffen würde. Ob sie die Kraft hatte, das durchzustehen... Denn sie fühlte sich mit jedem Tag mehr, der verging, zunehmend erschöpft.

Sie sah nicht einmal auf, als Lance gähnend in die Küche kam. "Morgen, Kleines."
Als Feli nicht reagierte, nur weiter stumm auf etwas hinab blickte, das er noch nicht sehen konnte, wurde er neugierig und warf einen Blick über ihre Schulter, las die fette Überschrift auf der Titelseite der neuen Zeitung: 'Police-Officer erliegt schweren Verletzungen' und als Untertitel: 'Das letzte Opfer des Washingtoner Infernos erlag letzte Nacht den schweren Verbrennungen. Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.'
Zischend stieß er die Luft aus und griff nach der Zeitung, um sie schnell weg zu ziehen. "Lies das doch nicht!" fuhr er sie vorwurfsvoll an und warf das Blatt in die Ecke, ehe er sich neben sie setzte. Noch immer reagierte sie gar nicht auf ihn, was ihm zunehmend Sorge bereitete. Er verfluchte Pietro, der immer die Zeitung hereintrug wie ein abgerichteter Hund, aber niemals auch nur einen Blick auf die Titelseite warf.

"Feli, hör mal..." begann er vorsichtig, musste erst noch überlegen, was er darauf überhaupt sagen sollte. Wenn es überhaupt etwas gab, das man daraufhin sagen konnte. Er würde sich niemals auch nur annähernd vorstellen können, wie es wohl sein musste, damit zu leben, jemanden getötet zu haben, selbst, wenn es nicht die eigene Schuld war.

"Nein, schon in Ordnung", erklärte Feli leise, tonlos. "Wir wussten, dass es passieren kann. Mir geht's gut", fügte sie hinzu, als Lance sie besorgt musterte, doch der Beruhigungsversuch ging ordentlich nach hinten los, denn ihr bester Freund fuhr plötzlich hoch: "Nein. Nein, es ist nichts in Ordnung! Herr Gott, Felicitas, hör verdammt nochmal auf, dich vor mir zu verstellen!" Er schluckte kurz, versuchte, sich etwas zu beruhigen, ehe er weitersprach. So langsam verlor auch er die Geduld. Es war nicht nur für sie hart. Sie alle mussten schließlich mit ihr umgehen, und es tat verdammt weh, sie immer so gebrochen zu sehen. Und es war nicht sehr hilfreich, wie sie in Selbstmitleid versank, sich die Schuld für die ganze, dämliche Misere gab. Und noch schlimmer war ihre gespielte Teilnahmslosigkeit, wo Lance doch genau wusste, dass in ihrem Inneren ein Hurrikane den nächsten jagte. Sie weinte ja nicht einmal mehr! Sie würde irgendwann von den ganzen Dämonen, die sie Nacht für Nacht jagten, von Innen heraus zerfressen werden, wenn sie sich nicht endlich öffnete und es herausließ. Wo war nur der kleine, explodierende Feuerteufel, der sich nicht schämte, Wut, Frustration, Traurigkeit oder einfach nur Freude herauszulassen?
"Ich weiß, dass es dir verdammt beschissen geht und ich tue wirklich mein bestes, um dir zu helfen! Aber wenn du mich nicht lässt..." Er stockte kurz, ehe er es mit einem anderen Ansatz versuchte: "Feli, du musst nicht alleine durch die ganze Scheiße gehen, wann verstehst du das endlich!" Sanft legte er eine Hand auf ihre, wartete auf irgend eine Art von Reaktion. Und schließlich schlug sie auch die Augen auf, zwang sich, ihn anzusehen: "Ja, du hast Recht. Tut mir-"
"Schon gut". unterbrach Lance sie. Ja, auch ihre ewigen Entschuldigungen konnte er nicht mehr hören. Einmal mehr fragte er sich, wann und ob er überhaupt jemals wieder seine alte Freundin zurück bekommen würde... Er hatte so oft versucht, sich in sie hinein zu versetzen, und ja, er konnte sie ein Stück weit verstehen. Aber irgendwann musste man doch wieder nach vorne sehen, oder nicht? Gut, sie hatte wirklich in letzter Zeit einiges zu schlucken, woran sie aber nicht ganz unschuldig war.

Zum einen machte sie nie die von Hank aufgetragenen Übungen für ihre Hand. Fast zwei Wochen war es nun her, die Schlinge war seit einigen Tagen wieder weg, aber immer noch hatte sie Probleme, ihre Hand richtig zu bewegen. Stattdessen saß sie vor dem Fernseher, im Garten oder vor dem Fenster, sprach kaum ein Wort.
Dann kam ihre innere Aufgewühltheit dazu, ob dieser Drecksack von Australier wieder zurückkommen würde. Sie hatte ihm von ihrem Gespräch mit Pyro erzählt. Es war nicht so, dass sie sich wirklich freute... Ganz im Gegenteil. Lange hatten sie darüber geredet und sie hatte ihm auch erzählt, dass sie sich wünschte, nicht darauf eingegangen zu sein. Dann hätte sie wenigstens gleich gewusst, was Sache war. Und so quälte sie sich wieder weiter, hatte keine Ahnung, was geschehen würde, wenn er kam. Dass er kam, daran zweifelte sie nicht. Aber was würde er ihr sagen... Möglich, dass er nur kommen würde, um ihr zu sagen, dass sie nie genug sein würde. Lance hatte keine Ahnung gehabt, wie er ihr dabei helfen konnte. Außer, dass er sich mit Kitty aus Rücksicht dezent verhielt.

Des weiteren hatte er nicht mehr gesehen, dass sie ihre Mutation einsetzte, nicht einmal für die kleinsten Dinge, wie das Anzünden von Kerzen oder dem Erhitzen des kaputten Boilers im Badezimmer, wie sie es sonst immer getan hatte. Und er hatte das ungute Gefühl, dass sie, wenn sie ihre Mutation immer unterdrückte, irgendwann wortwörtlich explodieren würde. Sie hatte ihm einmal erzählt, dass sie oft das Gefühl hatte, das Feuer würde nach außen drängen, und dass sie es kaum unterdrücken konnte. Er wollte sich nicht vorstellen, was passieren würde, wenn sie es doch tat. Auch, wenn bisher noch nichts passiert war, immer häufiger war sie von einem unheimlichen, roten Leuchten umgeben...

Und dann war da noch ihre mit Abstand größte Dummheit, die sie hatte begehen können.

Vor drei Tagen, als er nach einem Date mit Kitty nach Hause gekommen war, hatte er sie zusammengekauert auf der Couch vorgefunden. Er hatte sofort gewusst, dass etwas nicht stimmte... Und kaum hatte er sich zu ihr gesetzt, hatte sie sich hilfesuchend wie ein kleines Kind an ihn geschmiegt. Zu seiner Überraschung hatte sie beinahe sofort zu erzählen begonnen, wie in Trance. Sie war so verstört gewesen... Es brach ihm jetzt noch das Herz, wenn er daran dachte.

Sie war nachmittags alleine in die Stadt gefahren, um in das Krankenhaus zu gehen. Sie hatte ihm mit brüchiger Stimme erzählt, wie sie mit einer großen Sonnenbrille auf der Nase durch die vielen Gänge der Intensivstation geirrt war, bis sie gefunden hatte, was sie suchte. Es jagte Lance immer noch eine Gänsehaut über die Arme, als er an ihre Beschreibung zurück dachte. Sie hatte in der Türe gestanden. In dem Krankenzimmer lag auf dem Bett ein Mann, große Teile seines Körpers bandagiert, an viele Geräte angeschlossen und im Koma liegend. Auf der Bettkante hockte ein vielleicht gerade mal sieben Jahre altes Mädchen, das aus einem Kinderbuch vorlas, in der Hoffnung, ihr Daddy würde es hören und aufwachen. Auf einem Stuhl direkt neben dem Krankenbett saß eine junge Frau mit einem Baby auf dem Arm. Die Augen rot und verquollen, jedoch hielt sie tapfer die Tränen zurück, um stark für ihre Kinder zu sein.

Feli war davon gerannt. In den Waschräumen des Krankenhauses hatte sie sich übergeben, bis sie zusammengebrochen war. Erst, als eine Krankenschwester kam, und Hilfe holen wollte, war sie verschwunden, hatte sich mit letzter Kraft nach Hause geschleppt. Wo Lance sie dann letztendlich fand. Auf seine Frage hin, wieso sie sich so quälte, hatte sie nur gesagt, dass sie es hatte einfach wissen müssen. Wissen müssen, wer der Mann war, dessen Leben sie zerstört hatte. Er würde ihren Grund nie nachvollziehen können. Für ihn war das eine perfektionierte Art der Selbstgeißelung.

Und die heutige Nachricht... Lance hatte wirklich Angst, dass es der letzte Auslöser zu ihrer totalen Aufgabe war. Und er hatte keine Ahnung, was er für sie tun konnte. Und diese Hilflosigkeit machte ihn beinahe wahnsinnig.

Wortlos richtete er sich auf, zog Feli ebenfalls hoch und nahm sie in die Arme. "Es tut mir so leid, dass das alles passiert ist", flüsterte er schließlich, "Aber wir kriegen das wieder hin, oder?" Es war eine verzweifelte Frage, und er wusste, Feli würde ihm darauf keine Antwort geben können. Und er gestand sich ein, dass er ehrlich Angst um sie hatte.
"Ich versuch es ja, Lance... Ich versuch's", antwortete sie leise. Leise schnappte sie nach Luft, als sein Griff um sie immer fester wurde.
"Du musst mir versprechen, dass du nichts Dummes tust. Bitte, ich bin immer für dich da, wenn was ist! Und wenn ich bei Kitty bin... Ruf mich an und ich bin in ein paar Minuten hier! Versprichst du's mir?" fragte er eindringlich.

Feli schob ihn ein Stück von sich, um ihn besser ansehen zu können, legte eine Hand sanft an seine Wange. Ja, er war wirklich ihr bester Freund. Er kümmerte sich so rührend um sie... Sie war noch jemandem wichtig. Und das war einer der wenigen Gedanken, der sie letztendlich aufrecht hielt. "Ich versprech' es dir", sagte sie so ehrlich, wie sie nur konnte. Dann huschte ein einstudiertes Lächeln über ihre Lippen. "Hey, der letzte Todesstoß kommt doch erst noch mit der australischen Plage."

Lance schnaubte und verdrehte die Augen. Das war die neue, andere Seite von Feli. Wenn sie einmal normal sprach, hatte sie ständig diesen zynischen Tonfall an sich. Er mochte das gar nicht... Das war nicht sein Mädchen, es passte einfach nicht zu ihr.

"Musst du nicht langsam los?" fragte sie schließlich mit einem Blick auf die Küchenuhr hinter ihnen.
"Hm? Oh ja... Wenn du willst, kann ich aber Kitty absagen und ich bleib hier. Wir wollten sowieso nur ein wenig bummeln und heute Mittag ins Kino gehen", sagte er leise, doch Feli fuhr ihm dazwischen: "Kommt gar nicht in Frage. Ihr zwei geht schön aus und habt euren Spaß. Ich hab ohnehin eine Verabredung mit Pietro."

Lance legte fragend den Kopf schief, woraufhin sie erklärte: "Oh, er konnte die Niederlage beim letzten Film-Fehler-Wettbewerb nicht ertragen, er leiht uns ein paar Filme aus und fordert Revanche." Lance lächelte. Das klang wirklich nicht übel. Er war froh, dass Feli nicht wieder alleine herum sitzen würde. Vor allem heute nicht. Vielleicht würde sie ja doch endlich wieder etwas nach vorne sehen können... So schlimm es auch klang, aber mit dem Tod des Polizisten hatte sie zumindest eine Sorge weniger. Es war nun vorbei, unwiderruflich. Kein Bangen mehr, was passieren würde...

"Na los, geh' dich umziehen! Mädchen warten nicht gerne", riss Feli ihn aus seinen Gedanken und er nickte.

Feli entspannte sich augenblicklich, kaum, dass Lance die Treppe hoch verschwunden war. Das Lächeln war sofort aus ihrem Gesicht verschwunden und sie ließ die Schultern hängen. Mit einem leisen Seufzen ließ sie sich auf die Couch im Wohnzimmer fallen und griff nach der Fernbedienung, um sich mit irgend einem Müll abzulenken. Doch so recht gelingen wollte es ihr nicht... Noch immer war ihr speiübel von der Nachricht, die wohl nie wirklich sacken würde. Es war nicht mehr zu ändern, würde niemals rückgängig gemacht werden können... Es war nicht das erste Mal, dass Feli nun Kopfschmerzen trafen wie eine glühende Eisennadel, die sich in ihren Kopf bohrte. Wieder stand sie vor der Frage: Was sollte sie tun? Es wäre so leicht aufzugeben... Doch es gab Personen, denen sie noch etwas bedeutete. Und für die es sich eigentlich umgekehrt auch zu Leben lohnen sollte...
Auch Lance ging ihr einfach nicht mehr aus dem Kopf. Er hatte solch eine Angst um sie, und er tat alles, um ihr zu helfen. Wieso versuchte sie überhaupt, sich vor ihm zu verstellen? Er wusste doch sowieso immer sofort, wie es ihr ging. Es war schon beinahe gruselig, wie gut sie sich noch immer kannten. Aber sie wollte doch einfach nur, dass er nicht so sehr mit ihr litt... Sie wusste, dass er es tat und allein deswegen hatte sie ihr bestes gegeben, so zu tun, als ob es ihr besser ginge. Oder zumindest egal war... Doch wie hundsmiserabel der Versuch gewesen sein musste, hatte ihr ja Lance vorhin nur zu deutlich gesagt.

Automatisch ging Felis Blick zum Fenster, nach draußen, wo leise der Regen gegen das Fenster trommelte. Sie versuchte sich an das zurück zu erinnern, was sie früher einmal gewesen war. Viel früher... Ein Mädchen, das zwar keine Zukunft, keine Ziele hatte und einsam aber dennoch stolz ihren Weg ging. Lebte vom einen Tag in den anderen, heute war sie hier, morgen dort. Ohne sich vom Gestern zu verabschieden oder das Morgen zu begrüßen hatte sie in den Tag hinein gelebt. Irgendetwas hatte sie immer, nach jedem noch so harten Rückschlag in ihrem Leben vorwärts gezogen, gezwungen, weiterzugehen. Und dann war sie schließlich hier gelandet, endlich an ihrem Ziel, von dem sie nicht einmal wusste, dass sie es gesucht hatte.

Und jetzt... Jetzt fehlte der Strang plötzlich, der sie immer aufrecht gehalten und weiter gezogen hatte. Sie fühlte sich... instabil. Als ob sie auf einem dünnen Grad zwischen Gut und Böse wandeln würde, jederzeit stürzen könnte... Auf die falsche Seite.

Energisch schüttelte Feli den Kopf. Sie wollte so nicht sein! Niemals. Aber was, wenn man sich dessen gar nicht erwehren konnte? Wenn es doch so etwas wie Schicksal gab und der Lebensfaden schon vor langer Zeit gesponnen worden war?

Feli sah stumm auf, als Lance wieder zur Treppe herunter kam, versuchte gar nicht erst, das falsche Grinsen aufzusetzen. Während er sie aber seinerseits sanft anlächelte, kamen ihr die Worte eines ganz bestimmten Cajun in den Sinn, die er ihr mit auf den Weg gegeben hatte, als sie das Xavier Institut wieder verlassen konnte. 'Du kommst schon klar. Du hast eine Familie, die auf dich aufpasst.' Hatte er ihr zugeflüstert, während er sie umarmt hatte. Damals hatte sie nur genickt, nicht den ganzen Sinn hinter seinen Worten verstanden. Doch mit einem Mal wurde ihr klar, wie Recht Remy damit gehabt hatte. Wer würde sich das alles mit ihr überhaupt antun? Wer würde gemeinsam mit ihr vor dem Abgrund stehen, auf die Gefahr hin, dass sie ihn mit hinunter in die tiefe Dunkelheit riss? Niemand, der sie nicht aufrichtig liebte. Und für den es sich zu leben lohnte...

Wortlos stand sie auf, ging zu ihrem besten Freund, der sie erstaunt musterte, und nahm ihn dann wortlos in die Arme. "Danke."
Verwirrt strich ihr Lance über die Haare: "Wofür denn? Ich wüsste nicht, was ich gerade getan hab?"

Feli ließ von ihm ab, zupfte ihm den Kragen seines Hemdes zurecht. Ohne auf seine Frage einzugehen, ließ sie ihren Blick über sein Outfit schweifen und nickte schließlich zufrieden. "Du siehst toll aus. Und jetzt geh', bevor Kitty im Regen steht! Habt Spaß." Sie gab ihm einen sanften Kuss auf die Wange und das Strahlen, welches er ihr schenkte, war Gold wert.
"Und euch viel Spaß bei Film-Fehler suchen."
Feli grinste schief: "Auf was für Ideen man kommt aus Langeweile, hm?"

"Ja... Wir reden heute Abend darüber", sagte Lance plötzlich nachdenklich, ehe er sich verabschiedete und das Haus verließ.

Sie sah ihm noch kurz hinterher, ehe sie sich wieder vor den Fernseher verzog. Bewusst zappte sie weiter, als in einer Talkshow einer der bekanntesten Vertreter der neuen Gruppierung von Mutantenhassern 'Friends of humanity' den Mund zum Reden aufmachte. Feli hatte weder die Nerven, noch die Lust, sich heute darüber aufzuregen oder sich Gedanken darum zu machen. Das Kind war bereits in den Brunnen gefallen, seit die D.C Katastrophe bekannt geworden war. Und das hatte nicht lange gedauert bei der maßlosen Zerstörung, die angerichtet worden war. Seitdem taten sich immer mehr Gruppen auf, die offensichtlich mutantenfeindlich gesinnt waren. Und einige davon waren nicht unbedingt zimperlich, was den Umgang mit Mutanten anging...

Erleichtert sah Feli auf, als sie endlich hörte, wie die Haustüre sich öffnete und Pietro mit einer Tüte voller Filme und zwei Pizzaschachteln auf den Armen balancierend ins Wohnzimmer kam. Sie nahm ihm das Essen ab, stellte es auf den Tisch, während sie sich umsah. "Wo ist unser Schiedsrichter und Punktezähler?"

"Toad?" fragte Pietro, während er die Filme säuberlich und in alphabetischer Ordnung auf dem Boden ausbreitete, "Der kommt gleich nach."
Zu Felis Erleichterung war weder eine Komödie noch eine Romanze dabei. Weder das Eine, noch das Andere konnte sie zur Zeit ertragen... Sie teilte die Vorliebe der Jungs zu Actionstreifen und stumpfen Horrorfilmen.

"Du wirst untergehen, Maximoff. Schon wieder", grinste sie neckend, während sie auf einen Film deutete, den sie somit als erstes sehen würden.
"Ja, als ob! Ich war letztes Mal nur abgelenkt. Du verlierst."

Feli musterte ihn kurz, während er sich neben sie setzte und sie beide auf Todd und Freddy warteten. Es war unglaublich angenehm, die Zeit mit Pietro zu verbringen. Er war der Einzige, der sie nach wie vor wie immer behandelte. Alle anderen gingen, wenn auch mit Sicherheit ungewollt, so nervtötend vorsichtig mit ihr um. Und die mitleidigen Blicke waren das Schlimmste. Aber Pietro... Er hatte genau wie sie etwas mit sich zu schleppen. Sie konnte nur raten, was es war. Aber es war Feli auch egal. So, wie es Pietro egal war. Sie hatten nie viel miteinander zu tun gehabt und Feli hätte Pietro auch für den letzten Menschen gehalten, der ihr irgendwann gefühlsmäßig am nächsten rücken würde... Aber sie beide hatten von ihnen allen die schwersten Lasten zu tragen seit der Nacht mit Apocalypse.

Sie beide wussten gegenseitig zu schätzen, wie angenehm es war, wenn der andere einen vollends verstand, aber dennoch nicht nachhakte. Und man in stummer Übereinkunft einfach das machte, was am Wichtigsten in ihren Situationen war: Ablenkung.
Review schreiben