Küss die Hand schöne Frau

von Earthling
GeschichteHumor / P12
Dr. John H. Watson Inspektor Lestrade Sherlock Holmes
23.06.2011
20.08.2011
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Wie versprochen, habe ich endlich ein zweites Kapitel hierzu fertig geschrieben.
Im Großen und Ganzen ist der unten stehende Text vielleicht nicht ganz so lustig wie Kap. 1, aber das ist eine eher subjektive Einstellung meinerseits.
Viel Spaß!
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Eine Woche war vergangen, seit Doktor John Watson auf unerklärliche Weise den Körper einer Frau angenommen hatte. Es war eine Woche gewesen, die sein und das Leben von Sherlock Holmes gründlich auf den Kopf gestellt hatten.
So mussten beide, der Mann und die Dame, sich mit zum Teil vollkommen veränderten Lebensumständen abfinden. Letztere hatte auch noch die unfreiwillige und aufs höchste unangenehme Pflicht, sich Inspektor Lestrade vom Halse zu halten, der sonst wohl noch vor Ablauf  des Monats mit Trauring und Pfarrer vor der Tür gestanden hätte.
Was nämlich das Verhalten des Polizisten anging, traf die von Holmes gemachte Vorhersage, Miss Watson gefiele ihm, vollkommen ins Schwarze. In den vergangenen sieben Tagen hatte der Postbote zwei Blumensträuße und ein kleines Kärtchen ins Haus gebracht, die beide von Watson mit hochrotem Kopf entgegengenommen wurden und Holmes zu teilweise nicht sehr freundlichen Bemerkungen über den Gemüts- und Geisteszustand Lestrades hingerissen hatte.
Auch mit Mrs Hudson hatten sie am Anfang einige Schwierigkeiten. So mussten sowohl Holmes als auch Jane alle Register im Erfinden von Begründungen ziehen, warum das junge Fräulein mit nur einem einzigen Kleid und ganz ohne Anstandsdame nach London gekommen war.

„Die Koffer wurden fehlgeleitet, fürchte ich.“, erklärte Watson also mit betont kummervoller Stimme und ließ auf mitleiderregende Weise die Schultern hängen, was Mrs Hudson ein mütterliches Seufzen entlockte.  
„Na wenn das so ist, Madam, werde ich gleich eine Schneiderin herbestellen. Sie brauchen wenigstens eine kleine Garderobe, denn wie wollen Sie sonst diesen Sommer vor die Tür gehen? Am besten lassen Sie sich gleich einen kompletten Satz neue Kleider schneidern.“, meinte die Vermieterin und schickte sofort den Jungen los.
Anschließend wandte sie sich wieder ihren Mietern zu.
„Ihre Anstandsdame wird doch hoffentlich bald eintreffen, nicht wahr Miss Watson?“, sie wollte noch etwas hinzufügen, aber Holmes unterbrach sie schnell und meinte geheimnisvoll dass sie für dieses Problem sicher auch sehr bald eine Lösung hätten. Dann nahm er Jane am Arm und führte sie die Treppe hinauf und zurück in die Wohnung, wo er die Tür hinter sich schloss.
„Watson, die Sache verspricht interessant zu werden.“, stellte er fest und am Zucken seiner Mundwinkel konnte Jane erkennen, das der Detektiv sich wieder köstlich amüsierte. Sie fand das natürlich überhaupt nicht komisch und brachte diese Meinung auch zum Ausdruck.
„Ich weiß nicht, was Sie daran zum Lachen finden, Holmes. Mrs Hudson wird es nicht gerne sehen, wenn ich weiter mit Ihnen unter einem Dach lebe. Schließlich sind Sie unverheiratet und ich eine Frau! Und vergessen Sie nicht Lestrade. Wie Sie wissen, sind die beiden Blumensträuße hier von ihm und gestern war in meiner Post eine schriftliche Einladung in der er mich bittet, ihn zum Essen zu begleiten.“
Holmes war bei der Erwähnung des Inspektors zusammengezuckt und sah kurz zu Watson herüber.
„Das wäre eine Möglichkeit, mein Lieber.“, murmelte er abwesend und begann im Zimmer auf und ab zu gehen, wobei er weiter vor sich hin brummte.
„Der Zeitpunkt ist etwas ungelegen, aber ja. Das wäre vielleicht die Lösung...“, er sah Jane, die sich in ihrem Sessel niedergelassen hatte mit schief gelegtem Kopf an.
„Wann hat Lestrade denn vor, Sie zu entführen?“
„Wie bitte? ... Ähm, ich glaube es war morgen.“, war die verwirrte Antwort.  
„Haben Sie schon geantwortet?“
„Nein. Das hatte ich heute vor. Ich wollte absagen. Aber warum interessiert Sie das?“
In Holmes Augen war das eigentümliche Funkeln erschienen, welches so viele seiner Deduktionen und Geistesblitze ankündigte.
„Ganz einfach, Watson. Lehnen Sie die Einladung ab und schreiben Sie, dass am Freitag bereits mit Ihnen ausgehen werde. Aber jetzt schnell etwas anderes: Finden Sie Ihr Zimmer auch wirklich bequem?“
Es hätte nur noch ein Fragezeichen auf ihrer Stirn gefehlt, dann hätte auch wirklich jeder erkannt, wie merkwürdig Watson diese weitere Frage fand.
„Was sagen Sie? Natürlich, schließlich lebe ich seit – .“ Der Rest des Satzes ging in einem selbstsicheren Klopfen unter, womit sich die Person der vorrangegangenen Sätze, Lestrade persönlich, ankündigte.
„Kommen Sie doch herein, Inspektor. Wir haben gerade von Ihnen gesprochen.“, rief Holmes Lestrade, der scheinbar schon eine Weile vor der Tür gestanden hatte herein und warf Watson einen bedeutungsvollen Blick zu.
„Haben Sie das? Es war doch hoffentlich nichts schlechtes!“, begrüßte sie der wie immer blass und missmutig aussehende Polizist, dessen Gesicht sich beim Anblick der jungen Frau jedoch merklich aufheiterte.
„Im Gegenteil.“, sagte Holmes. „Miss Watson fragte, ob Sie wirklich ein so talentierter Hüter des britischen Rechts seien, wie unser Freund der Doktor es ihr geschrieben hatte.“, log er frech drauflos und dank seines aufmunternden Blickes wagte Watson sich noch ein Stückchen weiter aus dem Fenster.
„So ist es, Inspektor. Mein Bruder neigt manchmal zu Übertreibungen und schmückt seine Berichte gerne ein wenig aus. Also habe ich mich gerade bei Holmes erkundigt, wie er Ihre Arbeitsmethoden einschätzt.“, sagte sie mit zuckersüßer Stimme und brachte sogar einen koketten Augenaufschlag in Richtung Lestrade zustande.
„Ich sagte gegenüber Miss Watson nur, Sie seien einer der fähigsten Mitarbeiter von Scotland Yard, die mir je begegnet sind.“, meinte Holmes bescheiden und fragte dann geschäftsmäßig, was Lestrade denn hergeführt habe.
Dieser wirkte auf einmal gar nicht mehr so sicher wie noch im Augenblick zuvor und man konnte sehen, wie seine Ohren sich rot färbten.
„Eigentlich nichts besonderes. Ich wollte, da ich gerade in der Gegend war, persönlich vorbeikommen und fragen was die junge Dame über meine Einladung denkt.“ Ein hoffnungsvoller Blick wanderte zu Jane, die ihr Unbehagen kaum verbergen konnte und erst beschämt zu Boden und dann hilfesuchend zu Holmes hinüber sah.
„Tut mir wirklich leid, Inspektor. Aber ich habe für den kommenden Freitag bereits einen Tisch für zwei im Simpsons reserviert und Miss Watson hat die Einladung bereits akzeptiert.“, half dieser ihr und fügte mit Bedauern, welches bei genauem hinhören keines war an Lestrade gewandt hinzu: „Es tut mir wirklich leid, dass Ihre Bemühungen sich nicht gelohnt haben. Ein andermal vielleicht aber heute verschwenden Sie nur Ihre Zeit.“
Lestrade seufzte und hob resigniert die Schultern.
„Na dann wünsche ich Ihnen beiden morgen einen schönen Abend. Good-bye, Mr Holmes. Miss Watson.“  Er tippte sich an den Hut und verließ mit hängenden Schultern das Haus.

„Sie haben wirklich Glück, dass Lestrade so simpel gestrickt ist.“, meinte Holmes, nach der kurzen Unterhaltung mit dem bedauernswerten Polizisten.
„Ansonsten wären wir beide tatsächlich in einige Erklärungsnot geraten und bei dieser Angelegenheit wäre das in der Tat lächerlich und auch nicht gerade angenehm gewesen.“
Watson saß immer noch in ihrem Sessel und schaute den Detektiv unverwandt an.
„Finden Sie nicht, dass es gegenüber Lestrade unfair war, ihm so eine billige Ausrede aufzutischen?“, fragte sie endlich mit so vorwurfsvollem Ton, das für einen Moment wieder der vernünftige Doktor in ihr zu erkennen war.
Damit hatte Watson, vom moralischen Standpunkt aus gesehen, nicht unrecht aber Holmes schüttelte nur den Kopf.
„Wenn er durch irgendeine Ihrer Aussagen oder Verhaltensweisen Zweifel an Ihrer Identität bekommen würde, was durchaus bei einem solchen Treffen geschehen könnte, hätte das unangenehme Folgen für uns beide. Außerdem war das weder eine Ausrede, noch war sie billig. Im Gegenteil! Im Simpsons sind wirklich zwei Plätze auf meinen Namen reserviert und Sie würden mir eine sehr große Freude machen, wenn Sie hiermit meine Einladung annehmen.“
„Holmes, das ist wirklich... mir fehlen die Worte.“, brachte Watson erschüttert hervor und ihre Wangen färbten sich so rot wie zuvor Lestrades Ohren.
„Wie komme ich denn zu dem Vergnügen?“, fragte sie schließlich, immer noch vollkommen perplex über die soeben erfahrenen Pläne ihres Gefährten.
„Betrachten Sie es als Ihre Einführung in die Gesellschaft, Watson. Für eine richtige Debütantin sind Sie ein paar Jährchen zu alt und gehören nicht dem dazu nötigen Stand an, aber ich denke der Besuch in einem der besten Restaurants der Stadt wird ein passender Ausgleich sein.“

Natürlich war es für Jane etwas anderes mit dem besten Freund ein Abendessen auswärts zu genießen, anstatt mit einem verliebten Polizisten ein Rendezvous zu haben und so nahm sie die Einladung schließlich an.
Nachdem die Schneiderin, die noch am selben Tag einen Gehilfen vorbeischickte um Maß zu nehmen, in bewundernswerter Geschwindigkeit das erste Kleid geschickt hatte, was natürlich auf Holmes Rechnung ging, fanden er und Jane sich an dem für sie reservierten Tisch wieder und verspeisten genüsslich ihr aus einer Blätterteigpastete und Rindfleisch bestehendes Abendessen.
Die beiden unterhielten sich angeregt über das Konzert, zu dem Holmes außerdem eingeladen hatte und der Detektiv bestellte noch eine Flasche Wein.
„Sehen Sie, Watson, der Abend ist doch wunderbar verlaufen.“, meinte er nach einer Weile und schob seinen Stuhl ein Stück weit zurück, um bequemer sitzen zu können.
„Lestrade hat Ihre Ausrede nicht so einfach geschluckt, wie Sie dachten. Sehen Sie nur, er kommt da gerade zur Tür herein.“ Mit diesen Worten erklärte Jane Holmes’ Worte für null und nichtig und ein Anflug von Panik bemächtigte sich ihrer.
„Was jetzt?“, fragte sie sich und ihr Blick glitt über die wenigen Paare, die sich auf dem Parkett im Walzerschritt drehten. Die Musiker setzten gerade zu einem neuen Stück an, als ihr der rettende Gedanke kam.
„Hätten Sie was dagegen, mich zum Tanz aufzufordern?“, flüsterte sie Holmes zu, wobei sie Lestrade im Auge behielt, der gerade einen Kellner etwas fragte.
Zum Glück verstand Holmes diesen Wink mit dem Zaunspfahl und erhob sich.
„Keineswegs.“, beeilte er sich zu sagen und führte die erleichtert aufatmende Jane auf die Tanzfläche.
„Wie lautet Ihr Plan?“, raunte Holmes während er ihre rechte Hand ergriff und seine auf Janes Taille platzierte.
„Wir tanzen, ignorieren Lestrade und wenn wir Glück haben verliert er das Interesse oder die Geduld und er verschwindet wieder.“
„Ich fürchte, so einfach wird das nicht werden, meine Liebe.“
Sie begannen den Tanz und glücklicherweise erinnerte Watson sich sehr bald daran, nicht der führenden Part zu sein und überließ dies dankender Weise Holmes, wobei sie allerdings aufpassen musste damit sie ihm nicht auf die Füße trat.
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