Konoha Side Stories

GeschichteAbenteuer / P12
20.06.2011
23.07.2016
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Dieses Kapitel
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Prolog: Was ich hier erzählen möchte, spielt etwas nach den Geschehnissen in und um Kumogakure. Etwas, na gut. Es beginnt etwa neuneinhalb Monate danach. Nun ist Zeit in einem Leben etwas Fließendes, sie ist nicht beständig und kann nur in abstrakter Denkweise "beginnen" und "enden". Wir denken in Kategorien wie Wochen, Monaten, Jahren, weil wir uns diesen Aufgaben abstrakt nähern. Weil wir um die Ecke denken. Also bedarf es schon besonders einschneidender Einschnitte in unsere Leben, die alle ihre Bereiche durchdringen, um wenigstens zum Teil so einen "Anfang" oder ein "Ende" zu bedeuten. Eine Hochzeit zum Beispiel, im Idealfall die eigene, ist so ein Punkt, der einen gewissen Stellenwert für einen "Beginn" hat. Ich gebe zu, das ist eine Menge philosophischer Quatsch, den ich hier niederschreibe. Aber wenn man älter wird, wenn man seine Kinder aufwachsen sieht, wenn man sich entschließt, sich hinzusetzen und einen Teil der eigenen Vergangenheit Revue passieren zu lassen und zwangsläufig an jene Menschen denkt, die man nie wieder sehen kann, egal wie sehr man sie verehrt, gemocht oder gar geliebt hat, dann kommt man nicht umhin, sich Fragen zu stellen. Zu klassifizieren. Zu kategorisieren. Und deshalb ist dieser Zeitpunkt, neuneinhalb Monate nach der Affenparty, für mich ein Punkt, an dem etwas neu begann. Etwas, was meinem Leben in vielerlei Hinsicht eine neue Richtung gab. Noch mehr als die Aufnahme meines Sohnes Akira in die Familie Morikubo, noch mehr als die Adaption der Moerus in die Naras, noch mehr als meine Genin, Kishio und Shinpa-chan in ein Leben zu integrieren, das ohnehin schon Kopf stand... Nur, um alle Zweifel auszuräumen, es war natürlich mein Leben, das Kopf stand. Aber das war ja mittlerweile der Normalzustand. Und ja, das Ereignis, von dem ich spreche, war... Nun, einschneidend, maßgebend für viele weitere Bereiche meines Lebens und vor allem erinnerungswürdig. Ganz davon abgesehen, dass es zu meinem achtzehnten Geburtstag nur noch wenige Tage waren, ein Datum, das mein Leben mindestens ebenso auf den Kopf stellte, wie das Ereignis, mit dem ich meine fünfte Erzählung beginnen möchte. Denn damals in Konoha geschah etwas, was ich nicht erwartet hatte. Noch nicht. Ehrlich gesagt geschah es meines Erachtens auch mehrere Jahre zu früh: Tsunade-sama nahm mich ein für allemal in die Mangel.


1.
"Morikubo und Team? Sollen reinkommen!"
Tsunade-samas kräftige Stimme gellte bis vor die Tür ihres Büros im Hokage-Tower herüber. Ich konnte ein kurzes Seufzen nicht unterdrücken. Beinahe hätte mir etwas gefehlt, hätte sie nicht gebrüllt. Ich öffnete die Tür, bevor Shizune mir öffnen konnte. An der Spitze meines Teams dreizehn und mit Kishio im Gefolge trat ich ein.
"Tsunade-sama, ich melde Team dreizehn inklusive Unterstützung angetreten", sagte ich mit feierlicher Stimme.
'Wie, Unterstützung? Das denkst du also tatsächlich von mir, großer Bruder?', stichelte Kishio in meinen Gedanken.
Ich warf ihm einen kurzen, mahnenden Seitenblick zu. 'Kishio, ich muss hier ernst bleiben, wenn mir Tsunade-sama nicht die Hölle heiß machen soll.'
'Du hast definitiv zu viel Respekt vor ihr, Niichan', tadelte mich der junge Moeru.
Ich musste mit mir kämpfen, um nicht zu grinsen. Das hätte Tsunade-sama sicher nicht für mich eingenommen. 'Es gehört zum Spiel, Kishio. Sobald du dein eigenes Team in den Einsatz führst, wirst du es verstehen.'
'Eigenes Team? Weißt du etwas, was ich noch nicht weiß?', fragte er überrascht.
'Still jetzt, oder ich werfe dich Tsunade-sama zum Fraß vor.'
"Hört Ihr mir zu?", fragte die Hokage mit mürrischer Miene.
Ich spürte, wie mir leichte Röte in die Wangen schoss. Ich hasste es, wenn sie mich dabei erwischte, wie ich mich mit Shinpa-chan oder Kishio über unsere sensorischen Fähigkeiten unterhielt.
"Tun wir, Tsunade-sama", versicherte ich.
"Tu-tun wir", stotterte Kishio. Hastig fügte er hinzu: "Hokage-sama!" Anscheinend machte es ihm zu schaffen, "erwischt" worden zu sein.
"Gut, dann weiter im Text, Mamoru und Team."
Es war noch nicht so lange her, dass Team dreizehn inklusive "Unterstützung" von einer A-Rang-Mission zurückgekehrt war. Ich hatte es als vorteilhaft erachtet, dabei mit Kishio lautlos kommunizieren zu können, also hatte er mir einen Teil seines Chakras gegeben. Dies baute sich nur langsam ab, und so war es sein Chakra in meinen Kapillaren, das es uns zur Zeit noch ermöglichte, miteinander zu kommunizieren. Zumindest auf kurze Distanzen. Eine sehr faszinierende Technik, die, dank unserer sensorischen Ninjas, die Langstreckenkommunikation Konohas in baldiger Zukunft komplett verändern würde. Ich war mir nicht sicher, ob Kishio tatsächlich wusste, was das für ihn und Shinpachi bedeutete. Oder für ihre Geldbeutel. Allein die Prämie würde das Geld, das wir für den Abschluss der A-Mission erhalten würden, um das zwanzigfache übersteigen.
'I-ich bin an Geld nicht interessiert. Du kannst es haben, Mamo-chan', hörte ich seine verlegenen Gedanken. Stimmt, mit Belohnungen, mit Geld und mit Aufmerksamkeit konnte er noch immer nicht so gut umgehen, obwohl es sich gebessert hatte. Und weil ich das Kind aus der Wildnis in ihm mehr und mehr zugunsten des zivilisierten Kishios zurückgedrängt hatte.
"Mamoru!", blaffte die Hokage.
Automatisch nahm ich Haltung an. "Tsunade-sama, ich höre zu!"
"Kann ich mich drauf verlassen, dass ich ab jetzt eure uneingeschränkte Aufmerksamkeit habe?", fragte die Hokage, und dabei pulsierte eine kräftige Vene auf ihrer Stirn. Kein gutes Zeichen. Definitiv kein gutes Zeichen. Argwöhnisch fokussierte sie Kishio, der unter diesem Blick ein wenig kleiner wurde. Spätestens seit er miterlebt hatte, was eine verärgerte Tsunade mit einem Felsbrock groß wie ein Haus tun konnte, hatte er einen gewissen Respekt vor ihr. Nun, ich gebe zu, man konnte den Schotter im Baugewerbe gebrauchen.
"Jawohl, Tsunade-sama", beeilte ich mich zu versichern. Sie musste schließlich nicht alles wissen.
"Hm! Mai-chan?"
Mai Kobashi ließ ein leises Schnauben hören. "Natürlich reden sie in Gedanken miteinander. Immerhin hat Sensei vor dem letzten Kampf Kishios Chakra aufgenommen. Und nur weil wir drei keine sensorischen Fähigkeiten haben, dürfen wir nicht mitreden. Es ist so unfair. Ich würde auch mal gerne mit Kish... mit ihnen meine Gedanken teilen!"
"Mamoru?", fragte sie mit einem bösen Begleitblick, der eine jüngere Version von mir in den Staub gezwungen hätte.
"Wir reden nicht im Moment miteinander, Tsunade-sama. Und ich höre aufmerksam zu", versprach ich hastig im Angesicht der zweiten pochenden Ader auf ihrer Stirn.
"So." Die Hokage ließ den Blick über meine Gruppe schweifen. Neben mir bestand sie aus Kishio no Moeru zur Verstärkung, die bereits erwähnte Mai Kobashi als meine Stellvertreterin - zumindest wenn weder Kishio, noch einer der Affenkrieger oder Kuzoko-chan verfügbar waren - Shinji Nanahara und Kira Yamada. Ganz klassisch das Team dreizehn plus ein Unterstützer. Die Spinnenmädchen und meine und Shinjis beschworene Affenkrieger nicht eingerechnet.
Damit gab sie sich sichtlich zufrieden. Oh, ich hatte gewusst, es würde ihr eines Tages gelingen, Kishios und meine stummen Gespräche zu kontrollieren. Und das tat sie sehr effizient.
"Wie ist die Mission gelaufen, Mamoru? Es war immerhin eine A-Rang-Mission."
"Gut, Tsunade-sama. Wirklich gut. Es gab... Verletzungen. Kuzoko muss sich im Reich der Spinnen behandeln lassen, weil ihr ein Schwertstreich beinahe den rechten Arm abgetrennt hat." Für einen Moment schmerzte mein eigener rechter Oberarm, an genau jener Stelle, an der mir der Bizeps durchtrennt worden war. Damals im Land des Wassers, als ich die Wahl gehabt hatte, den Schlag abzufangen, oder ihn meinem großen Bruder Omoi in den Rücken fahren zu lassen. Diesmal war es ganz ähnlich gewesen. Kuzoko hatte mir damit das Leben gerettet. "Kira steht auf der Warteliste für eine Nervenregeneration, weil er sei Raiton wieder mal über Gebühr angewendet hat..."
"Aber immerhin schaffe ich es jetzt bei einem von zwei Versuchen!", ereiferte er sich. "Und unter Stress, also bei Kampfbedingungen, drücke ich es um zehn Prozent!"
Ich tätschelte ihm die Schulter. "Dennoch solltest du mit deiner Körperbeschleunigung mehr haushalten. Wenn du ständig dein Nervensystem flicken lässt, ist bald nichts mehr übrig, was man flicken kann."
"Ich will ja nur besser werden", murrte er. "Meinen Meistern gerecht werden."
Und das waren ausgerechnet der Raikage und mein alter Feind Jardin Nabara, beide anerkannte Raiton-Meister. Wobei der Raikage eigentlich DER Raiton-Meister war. Ich beglückwünschte mich heute noch mindestens einmal am Tag dafür, das es mir gelungen war, den Raikage dazu zu erpressen, mit Kira zu trainieren. Es hatte für ihn einen enormen Sprung nach vorne bedeutet.
"Und Kuzomi-chan hat einen Schwertstreich ins Bein abbekommen. Sie wird ebenfalls bei den Spinnen behandelt. Mai-chan und Shinji blieben unverletzt, ebenso Kishio und ich. Die Affenkrieger haben Shinji und ich bereits wieder zurückgeschickt. Moderate Verletzungen bei ihnen."

"Insgesamt geringe Verletzungen für eine A-Rang-Mission." Sie sah mich nachdenklich an. "Ich habe deinen Bericht bereits gelesen, aber ich würde jetzt gerne eine Zusammenfassung aus deinem Mund hören."
"Jawohl, Tsunade-sama." Wo sollte ich anfangen? Normalerweise fiel mir weder das Schreiben eines Berichts noch dessen mündliche Rezitierung schwer. Diesmal aber war einfach zuviel passiert, als dass ich es in wenige Worte fassen konnte. Mein Bericht hatte demnach auch Überlänge gehabt. Außerdem erwartete Tsunade-sama mehr von mir als eine schlichte Beschreibung. Sie erwartete auch, von meinen Sinneseindrücken zu hören. Was bei einem sensorischen Ninja viel Sinn machte. "Um es mal zusammenzufassen, wir haben in ein verdammtes Wespennest gestochen. Ich habe das Land der Reißzähne ja ohnehin nicht in liebender Erinnerung, geschweige denn die Ninjas aus Iwagakure, mit denen ich mich schon öfters angelegt habe, aber diesmal war es... Eng."
"Du hast geschrieben, dass dir und deinem Team erlaubt wurde, auf Parole hin das Land der Reißzähne zu verlassen", hakte sie nach.
"Man... Hat sich daran erinnert, dass ich nicht nur einige von ihnen im Kampf getötet, sondern auch einige von ihnen gerettet habe. Damals, im Land der Steine, als ich das Geheimversteck von Orochimaru entdeckt habe." Ich ließ die entscheidende Szene Revue passieren. Eingekreist von fast einhundert Shinobi, ein Teil meines Teams verletzt, ich selbst erschöpft und am Rande meiner Leistungsfähigkeit - und ich hatte ja schon längst, was ich hatte haben wollen - nur noch die Entscheidung treffend, ob ich mich und mein Team an jenem Tag in den sicheren Tod führen, oder das Angebot aus freiem Abzug annehmen sollte, das mir der runzlige alte Knacker gemacht hatte. Nun, die Wahl war mir nicht schwergefallen.
"Du hast also deinen Auftrag abgebrochen, nachdem dich eine Übermacht Iwa-Nin in einem neutralen Drittland zu überwältigen drohte."
"Das fasst es sehr gut zusammen, Tsunade-sama. Auch wenn es Konsequenzen für mich bedeutet, mein Team sinnlos sterben zu lassen hätte ich nicht zugelassen."
Protestierendes Gemurmel meiner Genin klang auf, unterbrochen von Tsunade-sama, die ihre Rechte so hart auf den Schreibtisch schlug, dass mir der Knall in den Ohren klingelte. "Unsinn! Du hast die richtige Entscheidung getroffen! Wenn wir etwas in Konoha überhaupt nicht mögen, dann sind es sinnlose Verluste aus Eitelkeit oder Dummheit! Alle anderen sinnlosen Verluste ebenfalls! Ich werde ein entsprechendes Dankesschreiben an den Tsuchikage aufsetzen."
"Danke, Tsunade-sama", erwiderte ich.
Sie faltete ihre Hände, die Ellenbögen auf ihrem Schreibtisch, vor dem Gesicht ineinander und sah mich über deren Rand hinweg an. "Hast du eine Vermutung, wie du in eine Operation dieser Größenordnung geraten konntest? Vor allem, solange du Kishio-kun dabei hattest."
"Zuerst einmal möchte ich feststellen, dass ihre Operation vom Daimyo des Landes der Reißzähne abgesegnet war. Er war es auch, der mich und mein Team aus dem Land weisen ließ, nachdem die Iwa-Nin uns verschont hatten. Ich verstehe nicht, wie ich so einen Rauswurf verdient habe. Immerhin wurde mir, wenn schon keine Zusammenarbeit, so doch Bewegungsfreiheit in seinem Reich zugestanden."
"Hängt es mit deinem Auftrag zusammen?", fragte sie, ein unheilvolles Funkeln in den Augen.
"Es ist zu vermuten, dass einige Aspekte eine Rolle spielen, ja", erwiderte ich. "Bei unserer Suche nach den gemeldeten verstärkten Aktivitäten der Akatsuki-Terrororganisation haben wir tatsächlich eine ihrer Zellen beobachten können. Gemäß meiner Anweisungen habe ich sie nicht direkt konfrontiert, sondern lediglich versucht, ihnen zu einem ihrer Verstecke zu folgen. Dies geschah mit Hilfe von Kishios überlegenen sensorischen Fähigkeiten, außerhalb der Reichweite ihrer Wahrnehmung. Insgesamt reicht es hoffentlich für eine Identifizierung, wie es unser Auftrag war.
Währenddessen gerieten wir in Kontakt mit den Iwa-Nin, die uns sofort attackierten. Wir wichen aus und versuchten, den Aktatsuki-Anhängern weiter auf der Spur zu bleiben, was uns für zwei Tage gelang, bevor die Iwa-Nin uns erneut einholten, und diesmal mit großer Verstärkung. Und ich meine große Verstärkung. Die darauffolgenden Kämpfe zogen sich bis in den späten Abend und durch die Nacht hindurch hin. Erst gegen Morgen, nachdem wir bereits Verletzungen zu verzeichnen hatten, wurde uns das Angebot gemacht, das Schlachtfeld zu verlassen. Ich habe dabei mit einem ihrer Jounin direkt verhandelt, der mir seinen Namen nicht nennen wollte. Ich erklärte ihm, dass die Iwa-Nin zuerst angegriffen hätten und dass wir uns auf einer Aufklärungsmission befanden, um Spuren der Akatsuki-Terrororganisation aufzunehmen und ihre Nukenin zu identifizieren. Aber dieses Argument ließ er nicht zu. Er setzte mir ein Ultimatum und ich stimmte zu, das Land der Reißzähne zu verlassen, um mein Team zu retten. Wir wurden von Iwa-Nin bis zur Landesgrenze begleitet und von den offiziellen Behörden des Landes verwiesen. Natürlich haben wir die Spur der beiden Terroristen verloren."
"Hm. Du hast ganz nach Auftrag eine Personenbeschreibung der beiden Akatsuki-Mitglieder abgegeben. Würdest du sie wiederholen?"
"Jawohl, Tsunade-sama. Der Kleinere von ihnen war ein Mann, mittlere Größe, muskulös, etwas höheres Gewicht als gewöhnlich. Ungewöhnliches Chakra. Langes, silbernes Haar, streng nach hinten gekämmt, etwas länger als schulterlang."
"Ungewöhnliches Chakra?", hakte sie nach.
"Kishio?"
Der Moeru räusperte sich leicht. "Ein recht untypisches Chakra für einen Menschen, Tsunade-sama. Ich weiß nicht, wie ich es zusammenfassen soll, aber es schien so, als hätte er Chakra-Reste von fast einhundert anderen Personen in seinem Chakra-System."
"Von fast einhundert Personen? Ist das sicher?"
Etwas pikiert sah Kishio die Hokage an. "Natürlich bin ich mir sicher, sonst hätte ich es nicht gesagt."
Sie lachte auf. "Ich frage nur aus beruflichen Gründen nach, Kishio-kun, nicht weil ich deinen Fähigkeiten misstraue.
Weiter, Mamo-chan. Der andere?"
Ich nickte. "Fast so groß wie ich, aber mindestens zwanzig Kilo leichter. Er trug einen für Suna typischen Turban mit Nackenschutz und eine Gesichtsmaske. Seine Augen waren ohne Iris und leuchteten hellgrün. Auch er hatte kein alltägliches Chakra."
"Kishio?"
"Er hatte vier Chakraknoten zuviel. Und auch sein Chakra selbst war ein ziemliches Durcheinander an verschiedenen, nun, Personen."
"Vier Chakraknoten zuviel?", fragte Tsunade-sama verblüfft.
"Vier", bestätigte Kishio nickend. "Sie verteilen sich über Brust und Bauch der Person."
"Das ist bei Shinobi nie ein gutes Zeichen", murmelte sie. "Shizune?"
Die Sekretärin der Hokage nickte und schlug eine Akte auf. "Anhand der Beschreibung von Mamo-chan konnten wir die beiden erfassen. Von der maskierten Person sind keine Daten vorhanden, die jünger als fünfzig Jahre wären. Aber sein Stirnband weist ihm dem kleineren Ninja-Dorf Takigakure zu, mit dem wir zumindest keine feindlichen Kontakte unterhalten. Eine entsprechende Anfrage nach diesem Nukenin ist gestellt.
Den zweiten konnten wir eindeutig identifizieren. Sein Name ist Hidan und er steht im Bingo-Buch, weil er in seinem Heimatort Yugakure ein Massaker anrichtete, bevor er sich Akatsuki anschloss. Es heißt, dass er noch nie einen Kampf verloren hat. Das beinhaltet mindestens drei Kämpfe mit Jagdteams aus ANBU diverser großer Ninja-Dörfer. Es gab in keinem Team Überlebende. Es heißt, dies läge an seinen Verbindungen zum Geheimbund der Jashin, die bei allen großen Dörfern auf der Suchliste stehen und zur sofortigen Terminierung freigegeben sind."
Ich pfiff anerkennend. Es war vollkommen unüblich, jemanden zum Tode zu verurteilen, nur weil er hier oder dort Mitglied war. Wenn die Jashin aber auf Sicht zu töten waren, musste das eine besonders üble Bande sein, wenn sich alle fünf großen Städte darüber einig waren.
"Zusammengefasst kann man sagen: Alleine schon wegen Hidan hast du gut daran getan, dein Team aus ihrer Reichweite zu halten, Mamo-chan", sagte Shizune und schloss die Akte wieder.
"Hm", machte Tsunade-sama nachdenklich. "Glaubst du, zwischen der Bewegung der Akatsuki und den Iwa-Nin bestand ein Zusammenhang, Mamoru? Es besteht schon länger ein nicht besonders nettes Gerücht, dass Iwagakures Tsuchikage Akatsuki für Söldnerdienste anwirbt und sie Einsätze für sein Dorf ausführen lässt."
Ich dachte darüber nach. "Wenn ich eines ausschließen kann, dann dass die Iwa-Nin versucht haben, die Terroristen zu beschützen. Ich hatte vielmehr den Eindruck, dass wir aneinander gerieten, weil sie ihnen ebenfalls auf der Spur waren."
"Gab es Tote?", fragte Tsunade-sama unvermittelt."
"Wir haben drei Iwa-Nin getötet und weitere acht zum Teil schwer verletzt, Tsunade-sama." Bei diesen Worten lasteten meine Hände auf Mais und Shinjis Schultern. Beide hatten schon getötet, aber ich wusste, dass es einem Ninja, der ein Mensch bleiben wollte, nie leichter fiel als beim ersten Mal.
"Du missverstehst mich. Hatte Iwagakure Tote darüberhinaus?" Sie sah den Moeru an. "Kishio?"
Verdutzt erwiderte er den Blick. "Du weißt, dass Tote kein Chakra tragen, Tsunade-sama?"
"Deine sensorischen Fähigkeiten gehen weiter", sagte sie. "Hast du mit deinen sensorischen Fähigkeiten etwas sehen können, was einem Trauerzug ähnlich sah?"
"Iie, ich..." Kishio stutzte. "Hai! Jetzt, wo du es sagst... Ich meine, ein Team Iwa-Nin hat, von Nordwesten kommend, einen ihrer Toten evakuiert. Sie sind fast am Rand meiner sensorischen Reichweite vorbei gezogen und ich hatte nicht immer Zeit für einen guten Scan. Du weißt, ich kann entweder die Umgebung erfassen, oder kämpfen."
"Nordwesten war die Richtung, in der die Akatsuki-Mitglieder zu finden waren?", hakte sie nach.
"Hai, Tsunade-sama."
Sie wechselte einen Blick mit Shizune. "Was, wenn Iwagakure mit Akatsuki gebrochen hat? Was, wenn sie einander nun bekämpfen?"
"Äh, Gratulation, Iwagakure?"
"Tsunade-sama", sagte ich und hob meine Rechte.
"Sprich, Mamoru."
"Kurz bevor ich nach meiner Verhandlung mit dem Jounin entlassen wurde, hatte ich Gelegenheit, mit einem Bekannten zu sprechen, den ich aus dem Land der Steine kannte. Ich hatte ihn in Orochimarus Versteck gerettet."
"Hat er dir Staatsgeheimnisse verraten?", fragte Tsunade amüsiert, die wohl vollkommen zu Recht einen Versuch der Desinformation vermutete.
"Nein, Tsunade-sama. Aber ich habe mit meinen eigenen bescheidenen sensorischen Fähigkeiten gespürt, wie angespannt er war. Er entschuldigte sich bei mir und erklärte mir, sie alle wären wegen dem Schutz des Jinchurikis sehr angespannt."
"Wegen dem Schutz des Jinchurikis?" Eine steile Falte bildete sich zwischen ihren beiden Augenbrauen. "Wegen dem Schutz des Jinchurikis? Hat er das so gesagt?"
"Ja. Wegen dem Schutz des Jinchurikis."
"Bist du dir sicher?"
"Absolut, Tsunade-sama. Ich habe vorsichtig nachgehakt und herausgefunden, dass der Träger des Gobi innerhalb der Stadt massiv beschützt wurde."
Wieder wechselte sie einen Blick mit ihrer Assistentin. Als sie wieder zu mir sah, waren ihre Augen zu kleinen Schlitzen zusammengekniffen. "Denkst du, Akatsuki spielt dabei eine Rolle?"
"Es würde zur ganzen Aufregung passen, Tsunade-sama. Und wenn es kein anderer Jinchuriki war, wer sonst sollte die Kraft für so etwas besitzen, wenn nicht die stärksten Nukenin der bekannten Welt? Ich weiß, was das impliziert. Und ich gebe zu, ich habe Angst vor den Dimensionen, die das annehmen kann. Aber es passt alles zusammen."
Erneut sah die Hokage zu ihrer Assistentin herüber. "Wo ist Naruto gerade?"
"Ist kurz nach seiner Rückkehr mit Kakashi, Sakura und dem ANBU-Ne Sai aufgebrochen, um ein mögliches Versteck Orochimarus zu inspizieren, in dem Sasuke Uchiha vermutet wird."
"Schick ihm ein ANBU-Team hinterher. Sie sollen ihn beschützen. Wenn möglich, so unauffällig wie es geht."
"Jawohl, Tsunade-sama."
Diese Nachricht ließ mich erschrecken. Wenn das, was die Hokage und ich vermuteten, wahr war, und wenn es um Naruto ging... Aber immerhin waren Kakashi und Sai dabei. Alles in allem war Sai ein sehr verlässlicher Kamerad, wenngleich etwas emotionslos. Verdammte ANBU-Ne.

"Hm? Ist was besonderes an diesem Naruto?", fragte Kira. "Irgendwie verstehe ich die Aufregung nicht."
"Das ist einfach erklärt, Kira", sagte ich mit ernster Stimme. "Iwagakure hat nicht einen, sondern zwei Jinchuriki. Es besteht die Möglichkeit, dass einer ihrer Biju-Träger getötet wurde. Und die Chance ist nicht gerade klein, dass es Hidan und sein Begleiter von Akatsuki waren."
"Die haben ein Biju umgelegt?", fragte Shinji mit einem Schaudern in der Stimme. "Gut, dass wir die nur beobachten sollten."
"Ja, genau danach sieht es aus", erwiderte ich, selbst einen Schauder verspürend, der mir über den Rücken ging. Man musste ein ganz schönes Monster sein, um so ein Monster zu besiegen.
"Aber was hat das mit Naruto zu tun?"
Ich sah kurz zur Hokage herüber, die zustimmend nickte.
"Naruto ist der Träger unseres Biju, Kira. Er hat den Neunschwänzigen in sich."
"Was? Kyubi ist in Naruto? Das ist ja cool!", rief der junge Raiton-Nutzer. "Ne, ne, Sensei, du kannst doch gut mit ihm! Stellst du mich ihm vor?"
Erstaunt musterte ich meinen jungen Schüler. Das war nicht ganz die Reaktion, die ich erwartet hatte. Noch vor fünf Jahren war es üblich, Naruto mit Angst, Schrecken, Horror und Dutzenden Toten gleichzusetzen, obwohl der Biju nie aus ihm hatte ausbrechen können.
"Ist mal wieder typisch", murrte Shinji. "Immer drängelst du dich vor. Ich will ihn aber auch kennenlernen! Er soll so coole Sachen können wie sich mit dem Chakra des Kyubi einzuhüllen. Und wenn er mehr als vier Schwänze kriegt, wird es gefährlich. Wie lässig ist das denn? Ne, Sensei, wir treffen ihn doch, oder?"
"Ihr zwei seid Idioten!", fauchte Mai. "Wir reden hier über unseren Jinchuriki! Über jemanden, der direkt unter Tsunade-samas Befehl steht! Das heißt, wir müssen Tsunade-sama fragen, nicht Sensei!"
Nun hätte ich beinahe laut aufgelacht. Hatten meine Genin denn nicht das geringste Vorurteil gegenüber Naruto? Konnte sich Konoha so verdammt schnell verändern? Selbst ich hatte Naruto, als ich gerade zwölf Jahre alt geworden war, aus Angst vor Ärger ignoriert, bevor ich ihn kennengelernt hatte. Diese Generation schien eine völlig andere zu sein.
"Wir haben einen Biju?", fragte Kishio verwundert.
"Hast du gehört, Mamoru? Kishio hat "wir" gesagt", schmunzelte die Hokage.
Ich musste ebenfalls lächeln. Das hatte sehr gut geklungen.

"Und, was hast du für ein Gefühl bei der Geschichte, Mamoru?", fragte Tsunade-sama, unvermittelt wieder ernst werdend. "Haben die beiden Akatsuki einen der beiden Jinchurikis Iwagakures getötet?"
"Ja, Tsunade-sama, das glaube ich."
"Das ist nicht gut", murmelte sie. "Wenn sich das als wahr erweist, ist die Balance zwischen allen großen Dörfern ernsthaft in Gefahr."
"Das ist noch nicht alles, Tsunade-sama. Es hat nichts mehr mit der eigentlichen Mission zu tun und steht nicht in meinem Bericht, aber..."
"Sprich."
"Wir haben uns über das Land der Reisfelder zurückgezogen und bei meinem Freund Ryuji Nekozumi unsere Wunden geleckt. Dabei informierte er mich über den derzeitigen Sachverhalt seiner Recherche über mögliche Überlebende des Moeru-Clans. Ich weiß, wir sollten jetzt eigentlich ein paar Wochen Ruhe bekommen, um uns zu regenerieren, aber es gibt tatsächlich eine vage Spur, der ich mit meinem Team nachgehen wollte. Ich schreibe den dazugehörenden Bericht und reiche ihn morgen ein."
"Wohin führt diese Spur?"
"Yuki no Kuni, Tsunade-sama."
"Hmmm. Wie aktuell ist diese Spur?"
"Ungefähr die sieben Jahre seit dem Überfall auf das Dorf der Moeru, Tsunade-sama."
"In Yuki no Kuni gibt es tatsächlich gerade eine Mission zu erledigen, die an Konoha herangetragen wurde. Das könnten wir kombinieren. Aber wenn die Spur so alt ist, sehe ich keinen Grund, euch erschöpft und halb verhungert wieder auszuschicken." Sie klopfte auf ihren Schreibtisch. "Eine Woche Regeneration! Für das gesamte Team dreizehn! Vergesst nicht, wie viele Verletzte Ihr habt, nicht zuletzt bei den Spinnen und den Affen!"
"Eine ganze Woche? Aber...", begann Kishio.
"Wenn da oben Moerus leben, werden sie euch nicht weglaufen, Kishio-kun. Haben sie bis jetzt überlebt, dann werden sie das auch noch ein paar weitere Tage tun. Du hingegen stehst schon wieder so wacklig, als wolltest du gleich zusammenbrechen."
"Tsunade-sama!", protestierte er.
"Eine Woche, und keine Stunde weniger. Dein Hang, dich bis zur totalen Erschöpfung zu verausgaben, ist löblich in einer Kampfsituation, aber nicht, wenn du die Chance auf Regeneration hast!"
"Aber Tsunade-sama..."
"Sei still, Kishio. Sie hat vollkommen Recht. Und eine Woche ist mehr als bescheiden bemessen", sagte ich und klopfte ihm auf die Schulter. "Außerdem, sollten wir nichts finden, brichst du mir nicht so schnell vor Enttäuschung zusammen, wenn du ausgeruht bist."
Der junge Moeru brummte unwillig. Sehr unwillig.
"Kishio...", mahnte ich ihn.
"Wir können uns doch auf dem Weg ausruhen", schlug er vor.
"Gut. Wenn du bereit bist, das Mutter zu erklären, bin ich einverstanden."
Kishio runzelte die Stirn. "Äh... Gutes Argument. Und Shinpachi wird damit sicher auch nicht einverstanden sein." Er seufzte. "Aber muss es wirklich eine Woche sein? Eine ganze?"
"Kishio-kun! Das ist ein Befehl, und er wird nicht diskutiert!", donnerte Tsunade-sama.
"Das wollte ich auch gerade sagen", fügte ich lächelnd hinzu.
"Aber ich..."
"Ach, komm, Kishio! Du bist doch mindestens ebenso müde wie ich!", knurrte Shinji. "Was ist dagegen zu sagen, dass wir uns eine einzige winzige Woche erholen? Ich meine, schau dich an! Sogar Kuzomi-chan könnte dich jetzt gerade umhauen!"
Mai kicherte leise, als sie das hörte. Kira grinste unverholen.
Der Moeru seufzte vom Abgrund seiner Seele. "Na gut. Na gut. Eine Woche mehr oder weniger wird schon kein Problem werden."
'Und es wird auch nicht heimlich alleine aufgebrochen', mahnte ich ihn über unsere sensorische Verbindung.
'Wo denkst du hin, Sensei?', antwortete er. 'Selbstverständlich hätte ich deine Genin mitgenommen!'
Bei diesen Worten fiel mir die Kinnlade herab. Bis ich über unsere Verbindung seine Heiterkeit spürte. Gut, er würde also tatsächlich nicht voreilig aufbrechen. Oder er hatte gelernt, verdammt gut zu lügen.

"Also erholen wir uns erstmal eine Woche und bleiben in Konoha", stellte ich laut fest.
"Das musst du auch. Yuria hätte mir sonst reichlich Ärger gemacht, wenn ich dich gleich wieder fortgelassen hätte", sagte Tsunade-sama mit einem feinen Lächeln.
"Eh? Mutter? Wieso?"
Shinji boxte mich in die Seite. "Das könnte vielleicht damit zusammenhängen, dass du in drei Tagen Geburtstag hast, Sensei."
"Ach, richtig. Da war ja was." Verdammt noch mal, ich wurde achtzehn. Achtzehn Jahre. Dabei kam mir die Zeit sehr viel länger vor. Es war mir, als wäre ein Jahrhundert vergangen, seit ich als zwölfjähriger Akademieabgänger unter Hayate-sensei das erste Mal zu einer Mission aufgebrochen war. Himmel, war das wirklich erst sechs Jahre her?
"Ich werde achtzehn. Ich schätze, das sollte ich wohl feiern", murmelte ich. "Ein paar Freunde einladen, und so."
Als ich Tsunade-samas erwartungsvollen Blick sah, musste ich lächeln. "Natürlich bist du eingeladen, Sensei. Das heißt, wenn du kommen möchtest."
"Zu deinem achtzehnten Geburtstag? Mal sehen. Shizune, wie sieht denn mein Terminplan für den vierzehnten Mai aus? Können wir da ein halbes Stündchen für Mamoru reservieren?"
Die Assistentin der Hokage räusperte sich vernehmlich und schlug eine kleine Mappe auf. "Ich denke, in den frühen Abendstunden könnten wir ein wenig Zeit abzwacken, Tsunade-sama."
"Das freut mich zu hören", schmunzelte ich. "Also los, Team dreizehn, ab in den Feierabend. Kira, du kommst bitte heute Abend bei mir Zuhause vorbei."
Der Junge aus dem Hatake-Clan runzelte die Stirn. "Wieso? Liegt was an?"
"Ja. Es geht um Schwerter."
"Verstanden. Ich komme."
"Klärt das bitte draußen", sagte Tsunade-sama. "Hier muss die Arbeit leider weitergehen. Ihr seid entlassen."
Ich verneigte mich leicht vor der Hokage und mein Team tat es mir nach.
Anschließend verließen wir das Büro. Dabei konnte ich aus dem linken Augenwinkel Shizune sehen, wie sie mir vertraulich zuzwinkerte. Von wegen enger Terminplan.
Dann trat ich durch die Tür, hinein in eine erholsame Woche. Hoffentlich.
***
"Bin wieder da", sagte ich gut gelaunt, als ich mit Kishio im Schlepp das betrat, was sich in den letzten Wochen als Haupthaus etabliert hatte.
"Papa ist da!", rief eine laute, mir wohlbekannte Stimme. "Ooooopa, Papa ist da!"
Ich bückte mich, um den kleinen Nachwuchs-Shinobi vom Boden aufzunehmen. "Na, mein Großer? Wie geht es dir? Warst du denn auch immer brav und gehorsam?"
Aufgeregt nickte der Kleine. "Ich hab auf alles gehört, was Oma mir gesagt hat. Und Tante Yurika. Und Onkel Kou. Und Onkel Shinpachi."
"Was denn", lachte ich, "auf deinen Opa hast du nicht gehört?"
"Nö", erwiderte er. "Opa lässt mich ja immer machen, was ich will."
Vater räusperte sich leise. "Willkommen zurück, Jungs. Aki-chan, das erzählen wir aber nicht der Oma oder deiner Mama, verstanden?"
Der kleine Mann setzte eine verschwörerische Miene auf und nickte ernst. "Verstanden, Opa. Kriege ich dann ein Eis?"
"Was denn, was denn, Vater, bestichst du meinen Sohn etwa?"
"Warum nicht? Bei deiner Erziehung hat das wunderbar funktioniert. Und schau dir an, was für ein Prachtkerl du geworden bist. Und dein Sohn, der defacto mein Enkel ist, entwickelt sich auch ganz prächtig. Man sieht ihm den Nara deutlich an." Er runzelte die Stirn. "Maria kommt pünktlich zu deinem Geburtstag und nimmt Akira anschließend wieder zurück nach Tsukigakure. Du bist doch..."
"Unser nächster Auftrag steht fest. Aber wir dürfen uns eine Woche erholen." Ich sah meinen Jungen an. "Hast du schon zu Mittag gegessen, Aki-chan? Wollen wir zusammen was essen?"
Der Kleine schüttelte den Kopf.
"Nein? Wieso das denn nicht?"
"Kishio soll mich füttern!", sagte er bestimmt.
Überrascht sah ich den Rothaarigen an. "Ja, Himmel, warum denn Kishio und nicht dein Papa?"
"Kishio macht aus dem Löffel Brumm-Brumms, und Djijuuuus und Neooooongs und... Und... Und..."
"Wäääängs", half Kishio aus.
"Genau! Wäääängs!" Akira drehte sich auf meinem Arm und streckte Kishio die Hände entgegen.
"Das ich das noch erleben muss. Mein bester Mann entfremdet mir den eigenen Sohn", scherzte ich und reichte den Zweijährigen weiter.
"Das ist wohl nicht das Hauptproblem, Niichan", erwiderte Kishio ebenfalls grinsend. "Sondern, dass wir Aki-chan viel zu oft tragen, anstatt ihn alleine laufen zu lassen.
Und du musst viel laufen, wenn du ein guter Ninja werden willst, Aki-chan."
Verdutzt sah der Kleine den rothaarigen Jungen an, bevor er in seinem Griff zu strampeln begann. "Will runter. Selbst gehen. So wie Papa. Will ein Ninja werden wie Papa."
"Wow. Du kannst gut mit Kindern."
"Ich habe eine jüngere Schwester", erwiderte er lächelnd, nicht ohne etwas Schmerz in den Augen. Seine Schwester war Orochimarus willfährige Helferin und laut Shinpachi entweder ihrer Erinnerungen beraubt, oder skrupellos gegenüber ihrer eigenen Familie geworden. Aber immerhin lebte sie noch. Es bestand Hoffnung.
"Wer ist denn noch Zuhause?", fragte ich, um das Thema zu wechseln.
"Kou ist noch in der Hyuuga-Residenz. Yuria ist bereits zum Restaurant gegangen, um den Abend zu arbeiten. Shinpachi ist mindestens bis sechs Uhr Abends im Institut für Chakra-Forschung beschäftigt und Yuriko lässt dir durch mich Tod, Folter und Verderbnis androhen, wenn du es wagst, den Hochzeitstermin deiner eigenen Schwester im Sommer auf einer Mission zu verbringen. Sie ist im Clanhaus und bespricht mit Shikaku ein paar Formalitäten."
Wurde es also ernst zwischen den beiden. Gut. Wenn mir mein Leben lieb war, sollte ich besser da sein, sobald Kou und Schwesterherz heirateten, und wenn die Welt zusammenbrach.

Wir gingen in die Küche, in der bereits das Abendbrot wartete. Es musste nur noch aufgewärmt werden. Verdammt, war der Tag lang und hart gewesen. Ich wollte eigentlich nur noch duschen und mich hinlegen. Aber auch wenn mir meine Eltern viel von dem abnahmen, was es bedeutete, Aki-chan bei mir Zuhause zu haben, so war immer noch ich sein Vater. Eine Verantwortung, die ich ebenso wenig ablegen konnte wie jene meiner Genin gegenüber. Oder die gegenüber Kishio und Shinpachi. Vater ging an den Herd und stellte ihn an. "Setzt euch, Jungs, ich mach den Rest. Steht heute noch was an, oder hast du Zeit, nachher mit zu Shikaku rüberzukommen?"
"Onkel Shikaku will mich sehen?", fragte ich argwöhnisch. "Warum das denn?"
"Hast du nun Zeit, oder nicht?"
"Kira kommt nachher noch rum. Ich habe eine kleine Überraschung für ihn. Shinji und Mai sollen sich ausruhen, aber ich zweifle nicht daran, dass sie ihren Kumpel begleiten werden." Kurz ging mein Blick zu Kishio, aber die Erwähnung der beiden hatte ihn zu keinerlei Reaktion verleitet. Hm...
"Was gibt es denn Schönes?"
"Reispfanne für die Großen. Und für Aki-chan Kartoffeln, Frühlingsgemüse und ein Stück Fischfilet ohne Gräten."
"Na, das klingt doch gut", sagte ich zufrieden, setzte mich an den Tisch und freute mich auf das gute Essen meiner Mutter. Das war ein wichtiger Grund, um nach Hause zu kommen, fand ich.
'Familie', sagte Kishio über unsere Verbindung. 'Ich würde es mittlerweile wirklich vermissen.'
'Familie ist das Wichtigste für einen Shinobi', erwiderte ich auf die gleiche Weise. 'Unser Job wird irgendwann einmal tödlich enden. Und das halten wir nur aus, weil wir hier unseren Rückhalt haben.'
Argwöhnisch musterte Vater uns. "Ihr sprecht doch nicht etwa schon wieder über eure Chakra-Verbindung miteinander und schließt mich aus? Ihr wisst, Yuria hat euch das im Haus verboten. Vor allem dir und Shinpa-chan, Kishio-kun."
Beteuernd hob der Moeru die Hände. "Habe ich nicht vergessen, Toochan."
"Aber du hältst dich nicht dran, was?"
Wir mussten lachen, alle drei. Wir waren eben eine Familie.
"Ist was?", fragte Aki-chan neugierig.
Ich wuschelte durch seine schwarzen Haare. "Es ist alles in Ordnung, Aki-chan. Alles so, wie es sein soll." Bis zum nächsten Auftrag zumindest.
***
Gegen sechs kam Kira vorbei. Shinpachi war nur unwesentlich früher da und erzählte gerade von seinem neuen Forschungsfeld, der Gedankenübertragung mittels Moeru-Techniken, sensorischer Ninjas und Technologie, die bereits jetzt Kommunikationen über mehr als fünf Kilometern erlaubte, als es an der Tür klopfte.
Ich entschuldigte mich am Tisch und öffnete.
"Kira."
Der blonde Ninja griente mich an. "Bestellt und nicht abgeholt, Sensei."
Er war im letzten Jahr größer geworden. Und er trug sein Haar raspelkurz, weil Kuzomi-chan es liebte, mit ihren Händen über seine Stoppel zu fahren. Im Einsatz trug er meist das Stirnband wie eine Mütze, deshalb sah man es nicht so oft. Hier aber lief er oben ohne herum, quasi.
Ich musterte seine Begleiter. "Kuzomi-chan?"
Das Spinnenmädchen stützte sich auf eine Krücke. Aber ich bezweifelte, dass Kira sie hatte bis hierher laufen lassen.
"Ich wurde gerade erst beschworen, Sensei. Die Heilung am Bein verläuft sehr gut, auch in beschleunigter Variante. Es wird auch keine Narbe oder Leistungseinbuße zurückbleiben. Aber eine Woche dauert es noch, bevor ich wieder trainieren darf. Das macht doch nichts, oder?"
Ich schüttelte den Kopf. "Nein, das macht nichts. Wie geht es deiner großen Schwester?"
"Besser, aber immer noch nicht so gut. Sie ist mindestens vier Wochen vom Training ausgeschlossen, aber sie hat auch Glück. Keine Narbe. Höchstwahrscheinlich. Falls du jemanden aus dem Clan der Kuzokami beschwören musst, sollst du Vater wählen, hat Mutter gesagt."
Ich nickte ihr anerkennend zu. "Eine große Ehre. Aber wir werden ohnehin erstmal eine Woche hierbleiben."
"Dann feiern wir deinen Geburtstag, Sensei?", rief sie erfreut. "Dafür musst du Kuzoko-chan beschwören. Sie besteht darauf."
Ich lachte leise. "Abgemacht. Und Ihr zwei, was tut Ihr hier?"
Shinji griente ebenso breit wie Kira. Er war nicht so sehr gewachsen wie Kira, aber er hatte große Teile seines Fettpanzers verloren. Er wirkte zunehmend agiler. Und wenn ich an seinen Vater dachte, würde er ein ziemlich breitschultriger Riese werden. "Ich kam zufällig bei Kira vorbei, als er aufbrach. Da dachte ich mir, gehe ich doch einfach mal mit."
"Und ich", sagte Mai hastig, "wollte zu Yuriko-chan. Sie hat mir versprochen, dass sie mir genauso gut kochen beibringt wie Karin."
"Yuriko ist noch nicht wieder da", sagte ich stirnrunzelnd. "Aber du kannst auf sie warten. Kommt rein. Ihr wisst ja, wo es langgeht."

Ich ließ die vier passieren und schloss die Eingangstür. Es war schon komisch, sich unterschwellig selbst zu fragen, warum es nur vier waren. Ich vermisste die Affen und ich vermisste Kuzoko schmerzlich.
"Wohnzimmer oder Küche?", rief Kira durch den Flur.
"Küche!", erwiderte ich.
Ich folgte ihnen und setzte mich auf meinen Stammplatz. Vater servierte derweil jedem Tee. "Karin und Hanako kommen übrigens morgen wieder von ihren Missionen zurück", sagte er, während er mich passierte.
Das ließ mich die Stirn runzeln. "Hast du Hana-chan immer noch nicht aufgegeben?" Kenshiro Morikubo war stets der lauteste Vertreter der Hanako-Fraktion gewesen. Und er hatte es damals nicht sehr gut aufgenommen, als er davon erfahren hatte, dass sie und Ryu ein Paar waren. Worte wie "zu jung für ihn", "nur eine Phase", "sie wird sich schon besinnen" und "wird schon noch merken, was sie verpasst", hatten damals zu seinem täglichen Repertoire gehört. Man hätte fast vermuten können, er wäre mehr an Hanako als am Glück seines eigenen Sohnes interessiert.
"Das ist nur eine Phase. Dieser Ryu ist doch nur ein Windhund, der dir nicht das Wasser reichen kann."
"Dieser Windhund ist zufällig mein bester Freund, Vater", sagte ich ärgerlich. "Und ich habe keinerlei Verfügungsrechte über Hana-chans Herz."
"Ja, weil du zu langsam warst. Hättest du vor zwei Jahren alles unter Dach und Fach gebracht, dann wärt Ihr jetzt schon verlobt."
"Aber ich habe mich doch bereits für Mai-chan entschieden, Vater", sagte ich laut und umarmte das Mädchen, das neben mir saß, von der Seite. "Du wirst doch nicht zwischen mir und meiner großen Liebe stehen?"
Mai spielte natürlich mit und grinste mit mir um die Wette.
Vater griff sich theatralisch ans Herz. "Müsst Ihr mich gleich terrorisieren? Außerdem glaubt dir das doch keiner. Mai-chan ist doch offensichtlich in..."
"In der Lage, eigene Entscheidungen zu treffen!", sagte sie hastig. "Und jetzt entscheide ich, dass Sensei damit rausrückt, was er von Kira-chan will."
Ich unterdrückte ein amüsiertes Prusten, während ich mich erhob und Mai losließ. Das war gut gerettet, Mai, gut gerettet. "Entschuldigt mich einen Moment."
Ich verließ die Küche, ging in mein Zimmer, das nun direkt neben dem von Aki-chan lag. Zumindest war es seins, wenn er mich besuchen kam. Seins und das seiner Mutter. Ursprünglich hatte Kishio hier gewohnt, bis wir ein Arrangement getroffen hatten, das ihm und Shinpachi mit Konohas finanzieller Hilfe ermöglicht hatte, das andere Nachbarhaus aufzukaufen und ebenfalls die Wand zu uns durchzubrechen. Ursprünglich war es eine sehr kleine Wohnung gewesen, zu klein für zwei. Aber da die beiden unsere Küche und unser Wohnzimmer nutzten, war es nun recht großzügig für die beiden.
Ich trat an meine Kampfausrüstung heran. Nun, zumindest an jene Teile, die ich im Moment nicht bei mir trug. Ich nahm mein Schwert von seinem Bügelständer und zog es hervor. Die mattierte Klinge war noch immer rasiermesserscharf. Was sehr ironisch war, denn noch immer musste ich mich nicht rasieren. Und das in meinem Alter. Verdammt. Mit einem wütenden Schnappen rastete es wieder ein, als ich es ins Futteral zurückstieß. Diese Klinge bot mir einige schlechte, aber auch sehr viele gute Erinnerungen. Ich hatte mit ihr viele Kämpfe durchgestanden und sie hatte mir fast so oft das Leben gerettet wie meine Kameraden.
Mit der Waffe in der Linken kam ich wieder in die Küche zurück. "Kira, du bist gewachsen. Wie viel?"
"Acht Zentimeter, Sensei." Er grinste. "Das war ein ganz schöner Schuss."
"Acht Zentimeter gleich? Komm mal her."
Der Junge stand auf und trat neben mich. Ich reichte ihm mein Schwert. "Hier, probier das mal aus. Es ist länger als ein Wakizashi, aber kürzer als ein Katana."
Gehorsam nahm er das Schwert in die Hand, zog es und hob die Klinge an.
"Wenn du ein Loch in die Decke schlägst, verpetze ich dich bei meiner Mutter", scherzte ich.
"Ich passe schon auf, Sensei." Mehrere Male schwang er es durch.
Ich nickte zufrieden. "Wie ich es mir dachte. Es ist lang genug für dich. Du kannst es haben, wenn du möchtest, Kira. Das heißt, falls es dir nichts ausmacht, dass ich es von Maria bekommen habe."
Dem Jungen sackte die Kinnlade herab. Entsetzt sah er mich an. "Sensei... Du schenkst mir dein Schwert? Deins? Dieses hier?" Er blickte auf die Klinge. "D-das kann ich nicht annehmen. Das kann ich unmöglich annehmen!"
"Aber das Wakizashi ist jetzt zu kurz, um dir als Schild zu dienen. Das weißt du so gut wie ich."
"Ja, schon, aber dies hier ist dein Schwert, Mamo-chan! Deines!"
"Und ich möchte, dass mein Schüler es fortan führt, wenn er an meiner Seite kämpft", sagte ich in besänftigendem Ton. "Es wäre mir eine Ehre, wenn du es nehmen würdest."
"A-aber.... Aberaberaberaberaberaber..."
Mai schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. "Nun nimm schon dieses dämliche Schwert an, Kira! Ist ja nicht so, als wenn du es dir nicht verdient hättest!" Sie klopfte sich gegen den Stirnschutz Konohas, den sie als Halsband trug. "Ist ja auch nicht das erste Mal, dass Sensei uns etwas Persönliches von sich schenkt, oder?"
Kira sah gehetzt zwischen Mai und mir hin und her. Schließlich wandte er sich Kishio zu. "Was sagst du?"
"Dass du ein Loch in die Decke gemacht hast und besser mit üben anfangen solltest, damit du nicht noch mehr Schaden mit der längeren Klinge anrichtest", spottete er.
Von dort sah Kira zu Shinji herüber. "Was sagst du, Alter?"
"Mensch, Dicker, das ist Mamo-chans Klinge! Seine Waffe! Du wärst ein absoluter Vollidiot, wenn du sie ablehnen würdest! Damit hat er Kabuto gejagt! Wäre ich ein Schwertkämpfer, würde ich dich jetzt zu einem Duell um sie herausfordern!" Shinji schnaubte frustriert, als er seine Rede beendet hatte.
Kira begann leise zu lachen. Er steckte die Klinge wieder fort und sah mich an. "Danke, Sensei. Ich werde sie gut pflegen und in Ehren halten."
"Davon gehe ich aus."

Ich setzte mich wieder und gebot Kira, ebenfalls Platz zu nehmen. "Da gibt es noch ein Thema, das ich gerne besprechen möchte. Ich denke, das wird euch allen gut gefallen. Na, Mai und Kuzomi wohl nicht so sehr. Ich habe vor, das Higatsuku no Kara zu verbessern. Und dazu brauche ich eure Hilfe, Shinji, Kira, Shinpa-chan und Kishio."
Die vier jungen Männer raunten je nach Temperament in unterschiedlicher Lautstärke auf und nickten mir zu.
"Mo-moment mal, Sensei! Warum können Mai-chan und ich dir dabei nicht helfen?", protestierte das Spinnenmädchen.
"Erstens, weil du verletzt bist, Kuzomi-chan. Und zweitens, weil ich mich für das, was ich plane, komplett ausziehen möchte."
"Ko-komplett ausziehen?", stotterte Kuzomi. "Hei-heißt das, du wirst na-nackt sein?"
"Ja, Kuzomi-chan. Du verstehst also, dass ich dich und Mai-chan unmöglich dabei haben kann."
"Hm? Das verstehe ich nicht, Sensei", sagte Mai trocken. "Meinst du, man hat uns in der Schule nicht beigebracht, wie Männer nackt aussehen?"
"Das ist doch hier gar nicht die Frage! Warum willst du dich ausziehen, Sensei?", rief Kuzomi erschrocken.
"Mai, mir ist klar, dass du schon Bilder gesehen hast. Aber ich bin ein altmodischer Sensei und möchte vor meinen Kunoichi noch ein paar Geheimnisse haben.
Und Kuzomi-chan, ich möchte nackt trainieren, weil ich mein Spinnenseidenhemd nicht verbrennen will. Tatsächlich könnte ich im Ernstfall gezwungen sein, das verbesserte Higatsuku no Kara einzusetzen. Dann ist es egal, ob ich mir die Kleidung vom Körper brenne oder mich ausziehen kann. Ich werde in jedem Fall nackt sein."
"Da haben wir es doch! Wenn du da ohnehin nackt sein wirst, Sensei, dann...", begann Mai.
"Himmel auch, Mai-chan, warum willst du Niichan unbedingt nackt sehen?", rief Kishio.
"Es geht mir nicht darum ihn nackt zu sehen", erwiderte sie mürrisch. "Es geht mir darum, dass Ihr mich und Kuzomi-chan ausschließt, weil wir Mädchen sind."
Das brachte die Diskussion in etwa auf den Punkt. Und ich hatte nicht vor, Hino-sama oder Kageji-sama oder beiden zu erklären, warum ich vor den Augen ihrer Tochter nackt in Flammen gestanden hatte. Oder Shouta und Hitomi.
"Also, ich sehe das genauso", sagte Shinji. "Was ist schon dabei, dass Sensei nackt ist, wenn er sein Jutsu trainiert? Und was ist schon dabei, wenn die Mädchen dabei sind? Ich meine, wir leben in einer offenen, progressiven Gesellschaft, und die Natürlichkeit des menschlichen Körpers sollte hier normal sein. Nacktheit ist nichts Unanständiges und nichts Krankes. Sie wird halt nur stigmatisiert. Und es stellt keinesfalls eine Provokation dar, nackt zu sein."
"Das hast du schön gesagt, kleiner Bruder", sagte Mai zufrieden.
"Und genau deshalb sage ich, lasst uns alle nackt sein. Mai-chan, du hast da doch kein Problem mit, oder? Es ist nicht unanständig, nicht krank und auch keine Provokation."
"A-also, wenn Kira-sama sich auszieht, habe ich damit auch kein...", begann Kuzomi.
"Ich denke", sagte Mai schnell und hielt dem Spinnenmädchen den Mund zu, "wir sollten es in diesem einen Fall einfach als persönlichen Wunsch unseres Senseis sehen und nicht länger versuchen, ihm unseren Willen aufzudrängen. Wenn er eine Jungs-Runde Training einlegen will, dann lassen wir ihn doch einfach. Ahahaha. Hahahahaha."
Shinji verkniff sich ein lautes Auflachen. Punkt für ihn.
"Natürlich können wir alle dabei nackt sein, Jungs", stichelte ich. "Es ist tatsächlich die ursprünglichste Bekleidung, die uns Menschen mitgegeben wurde."
"Äh...", machte Shinji. "Meinst du das wirklich, Mamo-chan?"
"Andererseits werde ich es schön warm haben mit meinem Katon-Jutsu, Ihr aber nicht. Und in diesem Frühjahr ist es sehr kühl... Außerdem müsst Ihr für unsere Mission gesund bleiben. Also denke ich, Ihr solltet eure Kleidung anbehalten."
"Jetzt macht Sensei einen Rückzieher", murmelte Kira. "Wie war das mit progressiv und so?"
Ich lachte leise. "Nun lasst mir doch meinen Spaß. Ich wäre aber schon gespannt gewesen, was Asuma dazu gesagt hätte. Ich habe ihn bequatscht, damit er mich beratend unterstützt."
"Asuma ist eine gute Wahl. Feuer und Luft. Tolle Kombination. So wie deine, Sensei", sagte Shinji und nickte dazu gewichtig.
"Ja, das war auch mein Gedanke. Ich..." Kurz stockte ich, als ich zu Mai herüber sah. Seit Shinji sie gefoppt hatte, hatte sie beide Arme unter ihrer Brust verschränkt. Nun, von einem Busen konnte man noch nicht wirklich reden, aber es war unüberschaubar, dass sie zugelegt hatte. Dass sie weiblicher wurde. Und dass ihr der Gedanke, tatsächlich nackt mit den anderen in der Weltgeschichte herumzustehen, nicht wirklich gefallen hatte.

"Mai-chan", sagte ich gedehnt, "kannst du mir einen Gefallen tun und raus zum Restaurant meiner Familie gehen? Dort liegt etwas bereit, was du für mich holen sollst.
Kishio, geh doch bitte mit und hilf ihr tragen."
"Na klar, Sensei. Was ist es denn?"
"Du wirst es schon sehen, Mai-chan."
"Ist es so schwer, dass ich ihr tatsächlich helfen muss?", fragte Kishio.
"Ist es eine Belastung für dich, sie zu unterstützen? Dann bin ich sicher, dass Shinji deinen Platz gerne..."
"Nein, nein", erwiderte der Moeru hastig. "Kein Problem. Alles kein Problem. Gehen wir, Mai."
"Ist gut, Kicchan."
"Junge, Junge", murmelte Shinpachi, nachdem die beiden das Haus verlassen hatte, "war das eine so gute Idee, Mamo-chan?"
"Wir werden sehen, Shinpa-chan. Wir werden sehen." Ich musste schmunzeln. "Kira, wie wäre es mit einer Übung mit deinem neuen Schwert im Hinterhof?"
"Au ja, da bin ich dabei!"
Ich schmunzelte. Egal, wie sehr sich die Welt drehte und veränderte, irgendwas bildete doch immer eine solide Konstante. Zumindest für ein paar Jahre.
***