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Zeit

GeschichteDrama / P12 Slash
Peter Petrelli Sylar
17.06.2011
17.06.2011
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Dieser Oneshot spielt nach dem Ende der 4. Staffel. Wer diese noch nicht kennt -> extreme Spoilergefahr!

Claire ist in meiner ff nicht vom Riesenrad gesprungen – hat der Welt also auch nicht die Fähigkeiten offenbart, (das ist für die ff zwar nicht so wichtig, wollte es aber trotzdem dazu sagen =).

Wer die 4. Staffel noch nicht kennt, aber die ff trotzdem lesen möchte:
Der „Traum“, an den Gabriel sich erinnert -> damit meine ich eine Folge, wo Matt Parkman Sylar in sich selbst eingeschlossen hat um ihn für immer auszuschalten.
Peter hat in einem Zukunftstraum aber gesehen, dass Sylar Peters Freundin Emma rettet. Also dringt er mit Matt’s Fähigkeit in Sylars Geist ein, um ihn dort wieder rauszuholen. Allerdings ist er dann dort ebenso gefangen wie Gabriel/Sylar.
Obwohl sie in der realen Welt nur einen halben Tag „weggetreten“ sind, fühlt es sich für sie im Traum wie 2 Jahre(!) an. Sie sind ganz allein in einem leeren New York, von einer hohen Mauer eingeschlossen, die sie nicht überwinden können und haben zum reden natürlich nur sich gegenseitig. In diesen gefühlten 2 Jahren bereut Gabriel, was er getan hat und Peter schafft es ganz am Ende, seinen Zorn auf Sylar loszulassen -> dadurch können sie die Mauer überwinden und aus dem Traum aufwachen. Gabriel rettet Peters Freundin und gehört damit offiziell zu den „Guten“ =)

Und jetzt viel Spaß!

~~~~~



Er fand ihn auf dem Dach, wie immer. Hoch über den Häusern von New York, der kalten regennassen Nacht lauschend, eingewickelt in einen viel zu dünnen schwarzen Mantel. Mit dem grüblerischen Gesichtsausdruck, den Gabriel so sehr liebte.
Seit ihrem gemeinsamen Traum... oder besser, Trauma?... hatte sich viel zwischen ihnen verändert. Und doch... wenn Peter ihn bemerkte, meinte Gabriel noch immer ein kurzes Aufflackern von Furcht und Zorn in den dunklen Augen zu sehen, ein unbewusstes Anspannen von Peters Körper, wie bereit um sich in einen Kampf auf Leben und Tod zu stürzen... bis Peters Bewusstsein Entwarnung gab, er sich erinnerte, dass Gabriel nicht mehr sein Feind war.
Dann wurden die dunklen Augen sanft, nur sacht überschattet von einem tiefen Schmerz, den Gabriel wohl nie würde auslöschen können.
Er könnte fragen: willst du dir hier oben den Tod holen? und Peter dabei eine nasse Haarsträhne aus dem Gesicht streichen.
Er könnte ihm auch die Hand auf die Schulter legen, eine einfache Geste, die sagt: ich bin für dich da.
Doch Gabriel blieb stehen, ein paar Schritte hinter Peter und sah nur stumm auf den tropfnassen jungen Mann vor sich, der den eisigen strömenden Regen gar nicht zu spüren schien. Er hatte nicht das Recht, Peter das Haar aus der Stirn zu streichen, oder ihn an der Schulter zu berühren. Er war der Mörder von Nathan und würde es immer bleiben. Egal, wie sehr ihn sein Schuldbewusstsein zerfraß. Auch ein geläutertes Monster bleibt ein Monster.
Monster.
Er sollte aufhören Peter zu verfolgen.
„Kannst du auch nicht schlafen?“
Peters Stimme ließ ihn innerlich erzittern. Als er nicht antwortete, richteten sich Peters braune Augen forschender auf ihn, in den langen dunklen Wimpern schimmerten Regentropfen.
„Versuchst du meine Gedanken zu lesen?“, seine eigene Stimme klang rau und seltsam unnatürlich, er vergrub die Hände tief in den Taschen seines dicken Stoffmantels.
„Nein“, Peter lächelte. „Im Moment kann ich nur fliegen. West war so nett und hat mich seine Fähigkeit übernehmen lassen.“ Seine Augen wurden wieder ernst, er lehnte sich schwer an die steinerne Brüstung der verfallenen Dachterrasse.
„Wenn ich fliege, fühlt es sich so an, als wäre Nathan irgendwie noch bei mir.“ Er schloss die Augen und der Schmerz, der sich für einen Augenblick in seinem Gesicht spiegelte war fast zu viel für Gabriel. Es tut mir leid es tut mir so leid so leid so leid... So oft hatte er diese Worte gesagt, so oft, dass Peter sich in ihrem Traum die Ohren zugehalten und ihn angeschrien hatte, er solle aufhören. Denn keine Entschuldigung konnte es jemals wieder gutmachen.
Und doch hatte Peter ihm die Absolution erteilt, bruchstückenweise. Nach und nach hatte er es irgendwie geschafft seinen Zorn loszulassen und seine Trauer um Nathan von dem Gedanken an Sylar zu lösen.
Und was blieb, war... War was? Akzeptanz? So wie Peter den strömenden Regen akzeptierte, oder die Kälte, die den nahenden Winter ankündigte? Gabriel hatte keine Vorstellung davon, was Peter für ihn empfand. Wenn er Glück hatte, war es vielleicht ein vages Gefühl von Zusammengehörigkeit, resultierend aus ihren zwei Jahren gemeinsamer Einsamkeit, in die Matt Parkman sie katapultiert hatte.
„Wenn du möchtest, kann ich gehen.“ Bitte lass mich bleiben.
„Nein“, Peter löste sich aus seiner Erstarrung. Er hob die Hand und winkte Gabriel zu sich. „Ich möchte, dass du dir etwas ansiehst.“ Plötzlich war die Schwermut aus seinen Augen verschwunden, er kramte in seinen Manteltaschen, stutzte, runzelte die Stirn und suchte seine Hosentaschen ab. Neugierig trat Gabriel näher. Ein Lächeln flog über Peters Gesicht, als er fand, was er gesucht hatte.
„Sie funktioniert leider nicht, aber der Antiquitätenhändler meinte, sie wäre ein seltenes Exemplar, eine Sonderanfertigung.“ Er drückte Gabriel etwas in die Hand.

Im ersten Augenblick nahm Gabriel nicht wahr, was Peter ihm gegeben hatte, er spürte nur die Hitze, die von Peters Haut ausging, den kurzen Druck seiner Hand ... und er war froh über die Dunkelheit, die hoffentlich den Sturm verbarg, den diese Berührung in seinem Innersten auslöste.
Es war eine Uhr. Glatt und schwer lag sie in Gabriels Hand, fremd und doch vertraut. Der Uhrmacher in ihm versuchte sofort das Fabrikat einzuordnen, bewunderte die feine Ausführung des Ziffernblattes und die seltene Metalllegierung, die dem Stück einen wunderbar silberblauen Schimmer verlieh.
„Meinst du, du kannst sie reparieren?“ Peter beugte sich ebenfalls über die Uhr, strich sich das nasse dunkle Haare hinter die Ohren.
„Ich denke schon.“ Gabriel lächelte, er hatte das Gefühl zu glühen, zu brennen, so heiß, dass es Peter unmöglich verborgen bleiben konnte. „Heißt das, du hast auf mich gewartet?“
„Scheinbar ja.“ Peters Mundwinkel hoben sich leicht, während er den Blick niederschlug, wie immer wenn er verlegen war. Dann richteten sich seine Augen mit unvermuteter Ernsthaftigkeit auf Gabriel. „Ich schenke dir diese Uhr, wenn du mir etwas versprichst!“
Gabriel erstarrte. Also doch! Er schloss die Augen, wartete auf die unvermeidlichen Worte mit denen Peter ihn für immer von sich stoßen würde.
„Lass los Gabriel.“ Peters Stimme war sanft. „Lass Sylar endgültig in den Tiefen der Vergangenheit verschwinden, in die er gehört. Du bist kein Monster ... nicht mehr! In deinen Augen kann ich sehen, wie du dich quälst und eine lange Zeit war ich froh darüber, weil es mir zeigte, dass du wirklich bereust. Aber es reicht ... du kannst dich nicht den Rest deines Lebens vor Schuld selbst zerfleischen – dann hätte ich dich genauso gut töten können.“
Gabriel öffnete die Augen und er wusste nicht ob es der Regen oder Tränen waren, die seine Sicht verschleierten. „Ich frage mich bis heute, warum du es nicht getan hast“, flüsterte er, „du hast das Recht dazu.“
„Ich habe dieses Recht aufgegeben, als ich dir vergeben habe. Jetzt bist du dir nur noch selbst etwas schuldig.“ Peter nahm Gabriels Gesicht in seine Hände und sah ihm in die Augen. „Lebe! Du bist frei.“
„Auch frei, dich zu lieben?“, die geflüsterten Worte waren heraus, bevor Gabriel es verhindern konnte. Peter ließ ihn los, trat langsam zurück und Gabriel konnte den Ausdruck in seinen Augen nicht deuten. Der Regen hatte nachgelassen, am Nachthimmel jagten dunkle Wolken vor einem blassen Mond dahin.
„Gib mir Zeit, okay?“ Peters Stimme klang brüchig.
„Soviel du willst.“ Die Uhr in Gabriels Hand schien zu pochen.
Zeit bedeutete Hoffnung.
Und das war alles, was er brauchte.
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