Die Würde des Menschen ist unantastbar... die eines Vulkaniers auch

GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
James T. Kirk Spock
15.06.2011
19.08.2012
7
14.500
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15.06.2011 1.716
 
Titel: Die Würde des Menschen ist unantastbar... die eines Vulkaniers auch

Autorin: KrissyNightwish

Pairing: Kirk/Spock

Anmerkung: Habe wieder einmal "Platons Stiefkinder" geschaut und noch immer jagt mir diese Folge Schauer den Rücken runter. Für mich ist es die schlimmste, nicht die schlechteste, Folge von TOS. Ich finde sie beinahe unerträglich anzusehen. Was mich aber vor allem stört, ist, dass innerhalb der Serie die psychologischen Auswirkungen solcher Erlebnisse nie erwähnt werden. Jede Folge existiert für sich. Das finde ich etwas schade. Nun also meine, natürlich slashige Version, wie es nach den Erlebnissen mit den Platoniern weiterging.

Ich muss noch etwas sagen: Ich weiß nicht, woher das Image von Captain Kirk gekommen ist, wahrscheinlich vom oberflächlichen betrachten der Serie. So gilt er als Frauenheld, Draufgänger und Macho. Seltsamerweise habe ich das nie so erlebt (Habe erst TNG im Dezember 2010 gesehen und TOS dann im Februar und März 2011, wobei ich vollkommen unbefleckt da heran gegangen bin, weil ich zuvor noch nie etwas von Star Trek gehört hatte. Schande über mich!). Ich finde William Shatners Darstellung wesentlich tiefsinniger, als es so mancher hinstellt. Es gibt ganz wenige Folgen, in denen ihm eine Frau wirklich am Herzen liegt und er sich verliebt. Meistens nutzt er seinen Charme und sein Aussehen um an Informationen zu kommen (Nicht aus Lust oder Spaß! Zumindest nicht in erster Linie! *lach*). Er nimmt sich den Tod jedes einzelnen Crewmitgliedes zu Herzen. (Das sieht man in einigen Folgen, in denen er vor Selbstvorwürfen fast vergeht.) Auch in den Szenen mit den Frauen, die er liebt(e), zeigt Kirk wahnsinnig viel Gefühl und Tiefe. Und bei Spock... *grins* ... nun ja, bei keinem zeigt er so viel Sorge, Offenheit und echte Gefühle, wie bei unserem gut aussehenden Vulkanier. (Ich wollte das einfach mal gesagt haben, da mir das meines Erachten viel zu selten gesagt wird. Dass Leonard Nimoy genial schauspielert, hat, glaube ich, noch nie jemand in Frage gestellt. Zu Recht!)


Kapitel 1: McCoy greift durch

Er hatte wieder schlecht geschlafen. Vollkommen übermüdet saß er auf der Brücke und gab Chekov einige Anweisungen. Kurz darauf glitt sein verschlafener Blick über die Brücke, hin zu Spock, der an seinem Platz saß. Die Ereignisse bei den Platoniern waren nun eine Woche her und noch immer plagten ihn Alpträume, wenn er denn mal schlief. Es war auch eine Woche her, dass Spock und er das letzte Mal mehr als nur dienstlich miteinander gesprochen hatten. Sein Blick glitt weiter zu Lt. Uhura. Auch sie hatte sich verändert. Sie sah einfach nur schlecht aus, müde und unglücklich. Im Grunde war ihr das ins Gesicht geschrieben, was auch er fühlte. Diese grenzenlose Entwürdigung und das sadistische Vergnügen, das seine Peiniger dabei empfunden hatten... es war nicht das erste Mal, dass ihm bei dem Gedanken daran, die Tränen in die Augen schossen.

Es war grauenvoll gewesen, aber am schlimmsten war es für ihn gewesen, was sie mit Spock gemacht hatten. Jim konnte sich nur grob ausmalen, was es für einen so stolzen und logischen Vulkanier bedeuten musste, jemandem so vollkommen ausgeliefert zu sein. Und dann auch noch der Kuss. Selbst ihm, der Frauen sehr gerne küsste, war es wie eine Vergewaltigung vorgekommen, dass sein persönliches Territorium, seine körperliche Unversehrtheit und seine sexuelle Freiheit so grob genommen worden waren.

Wie musste es dann erst Spock gehen, der solche Körperlichkeiten niemals duldete oder wünschte? Jim schloss verzweifelt die Augen. Noch nie hatte ihm eine Mission so zugesetzt.

Ein plötzlicher Aufschrei riss ihn aus seinen Gedanken. Uhura war mit einem Schrei aufgestanden und sank nun ohnmächtig zu Boden. Sofort waren Spock und Kirk bei ihr, hievten sie gemeinsam hoch und verständigten sich mit einem Nicken, dass sie direkt in die Krankenstation gehen wollten. Die bewusstlose Uhura hielten sie gemeinsam fest, während sie im Turbolift standen.

Unfreiwillig berührten sich ihre Hände dabei. Jim sah auf, sah in Spocks dunkle Augen und erkannte augenblicklich die Verzweiflung und die Not. Alle anderen hätten wohl behauptet, der Vulkanier würde teilnahmslos wie immer gucken, doch Jim kannte "seinen" Vulkanier. Gerade als er zum Sprechen ansetzen wollte, taten sich die Lifttüren auf, und schweigend setzten sie ihren Weg zu Doktor McCoy fort. Als sie die Krankenstation erreicht hatten, stand dieser gerade am Bett eines Patienten, es war Christine. Als McCoy sah, wen sie da brachten, seufzte er auf. "Was ist passiert, Jim?"

"Sie ist auf der Brücke zusammengebrochen.", antwortete Jim leise und legte Uhura aufs nächste Bett. Schweigend untersuchte McCoy sie, während nur das Summen des Tricorders zu hören war. "Ein nervlicher Schock, Schlafmangel und akuter Stress. Sie muss sich ausruhen."

Es folgte ein Nicken des Captains und keinerlei Reaktion des ersten Offiziers. Sie wandten sich zum Gehen. "Jim, Spock.", kam es da mit einem Mal von Pille. "Kommt mal mit." Fragend warfen sich die Angesprochenen einen Blick zu, folgten dann aber McCoy ins Vorzimmer.

Dieser wandte sich den beiden mit verschränkten Armen zu. "Ihr könnt nicht mehr so tun, als wäre nichts." Ein kurzer Blickwechsel zwischen Jim und Spock folgte. "Die Erlebnisse von vor sieben Tagen können nicht einfach so weggesteckt werden. Das seht ihr doch an Chapel und Uhura. Eure Werte sind ebenso bedrohlich."

"Doktor, ich versichere Ihnen, dass bei mir keinerlei Beschwerden vorliegen. Woher nehmen Sie außerdem Ihre Erkenntnisse? Haben Sie mal wieder heimlich ihre Untersuchungen vorgenommen?", kam es kühl von Spock.

McCoy sah ihn finster an. "Dazu brauche ich keine Untersuchung. Schaut euch beide an." Dann trat Pille einen Schritt auf Jim zu, während Spock weiterhin distanziert im Hintergrund blieb. "Jim", kam es nun eindeutig sanfter von McCoy. "Ihr braucht Erholung. Wenn das so weiter geht, seid ihr in ein paar Tagen auch hier auf der Krankenstation. Ihr müsst euch ausruhen. Das, was wir dort erlebt haben, können wir nicht einfach so vergessen."

Ein mitfühlendes Lächeln erschien auf Jims Gesicht, während er eine Hand auf Pilles Arm legte. "Kommst du denn damit klar?"

Ein schwaches Lächeln war die Antwort. "Gerade so. Aber euch ist es schlimmer ergangen." Jims Gesicht wurde wieder ernst und er drehte sich zu Spock um. "Und damit unser Vulkanier sich dem Urlaub nicht entziehen kann und keiner von euch auf dumme Gedanken kommt, befehle ich euch, zusammen diesen Urlaub zu nehmen." Ein erstauntes Gesicht und eine hochgezogene Augenbraue war die Reaktion.

"Ich schreibe euch offiziell dienstunfähig." Diese Entschlossenheit machte es eindeutig. Selbst Spock konnte gegen diese Argumentation nicht vorgehen. Sie mussten Urlaub nehmen. Während des Fluges zur Sternenbasis 105, wo die Enterprise einer Generalüberholung unterzogen werden sollte, wurden sie auf Archer IV gebeamt, wo sie die nächsten vier Wochen verbringen sollten.  

***

Sie schritten langsam auf das kleine Holzhäuschen zu, das für die nächsten Wochen ihr Zuhause sein sollte. Es herrschte absolute Ruhe. Eine Ruhe, die zwar irgendwie schön war, aber das beharrliche Schweigen zwischen Spock und ihm machte Jim zu schaffen. "Wie geht es dir, Spock?", fragte Jim daher, während sie in das Haus eintraten. Spock wandte sich nur kurz dem anderen zu. Sein Gesicht war so verschlossen wie selten in Jims Gegenwart. "Ich mache das, da Doktor McCoy es angeordnet hat und ich diesem Befehl gehorchen muss." Mit diesen Worten drehte Spock sich weg, sah sich um und entschied sich dann für einen der beiden kleinen Schlafräume die von dem zentralen Wohn- und Küchenbereich abgingen. Eine weitere Tür zwischen den beiden Schlafräumen führte in ein Bad.

Es war unbegreiflich. Die erste Woche verging, ohne dass sich die beiden gesehen hätte. Wenn Kirk gegen neun Uhr aufstand, war Spock schon lange weg. Er frühstückte dann alleine und machte sich im Anschluss raus in die Natur, meistens um eine Runde in dem See zu schwimmen, den er im Wald hinter ihrem Haus entdeckt hatte. Den weiteren Tag verbrachte er mit Spazierengehen, in der Sonne liegen oder auch in dem Haus beim Holzhacken, Einkaufen oder auch einfach nur mit Lesen. Wenn er dann gegen sieben Uhr zu Abend aß, war Spock immer noch nicht da. Erst gegen einundzwanzig Uhr kam der Vulkanier nach Hause und ging schweigend in sein Zimmer. So verbrachten sie ihre erste Woche.

Doch am achten Tag passierte etwas. Es war wieder eine Nacht voller Albträum für Jim gewesen und gerade als er von seinem vermeintlichen Schrei erwachte, hörte er ihn immer noch. Innerhalb von Sekunden begriff er, dass nicht er es war, der schrie, sondern Spock nebenan. Jim sprang aus dem Bett und ging in das Zimmer des Vulkaniers. Dieser träumte tatsächlich und murmelte zwischen einigen Schreien immer wieder Unverständliches. Sofort war Jim bei ihm setzte sich auf die Bettkante und griff nach den Schulter des Anderen. "Spock, wach auf!", sagte er leicht panisch. "Spock, ich bin es, Jim." Spock wehrte sich und Kirk hatte alle Mühe zu verhindern, dass er verletzt wurde. "Spock, ich bin es!", sagte er nochmals und rüttelte an dem Vulkanier.

"Jim?", kam es plötzlich rau. "Ja, ich bin da." Beide atmeten einige Momente heftig ein und aus. "Es war nur ein Traum.", flüsterte Jim zärtlich und nahm den Vulkanier instinktiv in den Arm, was dieser ohne Zögern mit sich geschehen ließ.

Einen Moment später ließ Jim wieder los und sah Spock an. Er leckte sich kurz über die Lippen, während er überlegte, was er sagen sollte. Doch stattdessen sprach Spock.

"Es ist gefährlich, einen Vulkanier beim Träumen zu unterbrechen. Träume sind eine Art Meditation, in denen wir unsere Gefühle unter Kontrolle bringen. Du hättest verletzt werden können." Es war diese besorgte Stimmlage, die Spock nur bei Jim hatte. Ein kleines Lächeln huschte über Jims Züge. "Ich hatte mehr Angst um dich." Der Blick, den Spock ihm darauf hin zu warf, hatte etwas von "Typisch Mensch", was Jim zu einem breiteren Lächeln veranlasste.

Dann erhob er sich und ging zur Tür. Dort angekommen drehte er sich noch mal um und sah auf Spock herab. "Ich würde gerne ab Morgen mit dir zusammen etwas unternehmen. Ich habe dich vermisst." In Spocks Blick trat zum ersten Mal seit Tagen wieder das alt bekannte Leuchten und er nickte.

***
Das war also das erste Kapitel. Wie hat es euch gefallen?
Liebe Grüße,
Krissy
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