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Remus Lupin & Nymphadora Tonks - Ihre Geschichte

von Sandy369
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Nymphadora Tonks Remus "Moony" Lupin
13.06.2011
07.07.2012
53
79.115
38
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Dieses Kapitel
6 Reviews
 
13.06.2011 1.446
 
Nachdenklich lief sie über den Flur zu ihrem Zimmer. Zurzeit wohnte sie im Hauptquartier des Phönixordens, weil sie nicht genug Geld hatte, um sich eine eigene Wohnung zu finanzieren.
In ihrem kleinen Zimmer angekommen, lastete die Stille und Leere wieder auf ihr, wie in den letzten Tagen fast ununterbrochen. Ihr unausgepackter Koffer verstärkte das Gefühl der Einsamkeit und Fremdheit noch. Sie war schon vorgestern wieder angekommen, aber sie hatte noch nicht ausgepackt. Sie hatte den Großteil ihrer Zeit mit Nachdenken und Weinen verbracht.
Tonks ließ sich auf ihr großes Himmelbett sinken und dachte noch einmal über ihr Gespräch mit Remus nach. Bei ihm hatte sie sich nicht einsam gefühlt. Ein wenig unwohl vielleicht, aber nicht einsam. Warum war sie gegangen? Und warum hatte sie ihm nicht die Wahrheit gesagt? Das, was sie sich vorgenommen hatte, weshalb sie überhaupt zu ihm gegangen war? Da Tonks auf diese beiden Fragen keine andere Antwort kannte als ihre eigene Feigheit, stellte sie sich eine andere. Warum hatten sie sich erst heute gesehen? Er wohnte doch auch hier. Vielleicht war er ja im Auftrag des Ordens unterwegs gewesen. Vielleicht. Und warum hatte er sie nicht im Krankenhaus besucht? Vielleicht auch wegen dem Auftrag, dessen Existenz nicht bewiesen war. Oder vielleicht weil er ein Werwolf war, die durften sich in diesen Zeiten bestimmt nicht im St. Mungo’s sehen lassen. Oder steckte etwas anderes dahinter? Wollte er sie vielleicht einfach nicht sehen? Tat er nur so, als würde er ihr nicht die Schuld an Sirius Tod geben, hasste sie aber in Wahrheit dafür, was sie getan hatte? Oder mochte er sie einfach nicht? Eigentlich waren sie doch immer ganz gut miteinander klar gekommen.
Tonks seufzte. Diese Nachdenkerei brachte sie nicht weiter. Sie musste mit jemandem reden, und zwar dringend.
Sie schwang die Beine vom Bett, stand etwas schwerfällig auf – die lange Zeit im Krankenhaus hatte sie nicht gerade fitter gemacht – und verließ leise ihr Zimmer. Sie schlich über den Flur und die Treppe runter. Als sie an der Küche vorbei kam, gab sie sich besonders Mühe, leise zu sein. Sie hörte deutlich Stimmen durch die Tür und sie hatte gerade keine Lust, irgendjemandem zu begegnen.
Draußen vor der Haustür atmete sie erleichtert auf. Dann apparierte sie zum Fuchsbau.

Mit schnellen Schritten lief Tonks auf den Fuchsbau zu. In diesen Zeiten war es unklug, lange alleine unterwegs zu sein.
Als sie an der Haustür des windschiefen Gebäudes ankam, war sie ein bisschen außer Atem. Sie klopfte ein paar Mal heftig.
„Wer ist da?“, ertönte nach wenigen Sekunden auf der anderen Seite der Tür eine ängstliche Stimme.
„Ich bin’s, Molly, Tonks“, antwortete ich leise.
Sofort ging die Tür auf. Da stand Molly Weasley, klein, dick und strahlend. Sie schien sich über den unerwarteten Besuch zu freuen und besserte damit Tonks’ Laune ein wenig.
„Tonks!“, rief sie aus. „Wie schön dich zu sehen! Komm rein, komm rein. Arthur“ - sie wandte sich ihrem Mann zu, der hinter ihr am Küchentisch saß und den Tonks bisher noch nicht bemerkt hatte - „sieh mal, wer da ist.“
„Tonks“, sagte er erfreut und stand auf, um sie zu begrüßen. „Nett, dich zu sehen.“ Er schüttelte ihr die Hand.
„Ja, ich freu mich auch“, sagte Tonks. „Ähm, Molly, ich wollte –“
„Komm, setz dich, Liebes“, unterbrach Molly sie. „Das kannst du mir auch alles gleich noch erzählen, bei einer schönen Tasse Tee. Ach, ich bin ja so froh, dass du da bist.“ Und sie wuselte zur Küchenzeile.
„Ich werd dann mal nach oben gehen, ich bin ziemlich müde“, sagte Arthur und streckte sich. „Wir sehen uns, Tonks.“ Er machte sich gar nicht erst die Mühe, seine schwer beschäftigte Gattin zu stören und ging mit einem „Nacht, Molly!“ an ihr vorbei die Treppe hoch.
Tonks ließ sich auf einen Küchenstuhl plumpsen und wartete, bis Molly und der Tee bei ihr waren.
„Also, Tonks“, sagte Molly und stellte die dampfenden Tassen auf den Tisch, „was hast du auf dem Herzen?“
Tonks sah sie überrascht an. „Wie kommst du darauf?“
„Entschuldige bitte, Liebes, aber du tauchst hier ohne Ankündigung um elf Uhr abends auf und du - verzeih mir bitte – siehst schrecklich aus. Du hast geweint, nicht wahr?“
Tonks starrte verlegen auf die Tischplatte. „Na ja, also, da wäre schon etwas, was ich auf dem Herzen hätte…“
Und dann erzählte sie Molly in allen Einzelheiten von ihrem Gespräch mit Remus. Dass sie in ihn verliebt war, ließ sie allerdings aus.
Als sie fertig war, runzelte Molly die Stirn. „Ich kann dir nicht ganz folgen, Tonks. Geht es in diesem Gespräch um deine Schuldgefühle wegen Sirius oder um deine Gefühle für Remus? Wenn es das erste ist, kann ich dir sagen: Du trägst keinerlei Schuld, und das weißt du auch.“ Ihre Stimme klang auf einmal sehr streng. „Sirius würde dir auch nicht die Schule geben, das kann ich dir versichern, und von uns anderen tut das auch keiner.“ Jetzt wurde ihre Stimme weicher. „Und wenn es um Remus geht… nun, mein Schatz, was genau empfindest du für ihn?“
Tonks starrte sie an. „Wer… wer sagt, dass ich etwas für ihn empfinde?“, fragte sie mit vor Nervosität hoher Stimme.
„Ist das nicht offensichtlich?“, entgegnete Molly und schenkte Tonks ein warmes Lächeln. „Ich beobachte das schon seit Wochen, aber ich wollte dich nicht darauf ansprechen, weil ich dachte, es würde dich vielleicht in Verlegenheit bringen. Aber nun, da du hier zum Reden bist, dachte ich, es wäre vielleicht ganz gut, auch darüber mal zu reden.“
Tonks schaute auf die Tischplatte und schwieg eine Weile. Dann sagte sie ganz leise, ohne den Blick zu heben: „Ich wollte es ihm sagen, weißt du. Deshalb bin ich zu ihm gegangen.“
„Und warum hast du es nicht getan, mein Schatz?“, fragte Molly sanft.
Tonks zuckte die Schultern. „Es hat sich einfach irgendwie nicht ergeben. Wir haben über Sirius geredet, und da hat es irgendwie nicht gepasst. Und dann, als wir damit fertig waren, bis ich gegangen, obwohl er gesagt hat, ich könnte ruhig bleiben. Ich war auf einmal zu feige und ich hatte Angst, dass er es vielleicht gar nicht hören will.“
„Wie kommst du darauf, Liebes?“, fragte Molly.
Tonks hob den Kopf und sah ihr in die Augen. „Ich weiß auch nicht. Vielleicht weil ich seit zwei Tagen wieder im Hauptquartier bin und er seitdem nicht mit mir gesprochen hat, bis auf heute Abend natürlich. Er hat mich nicht einmal begrüßt. Und im Krankenhaus hat er mich auch nicht besucht. Das zeigt doch, dass er kein Interesse an mir hat, oder?“
„Nicht unbedingt“, sagte Molly sanft. „Weißt du, Tonks, Remus ist ein sehr mutiger, aber auch sehr schüchterner Mann. Auf andere Leute zuzugehen, fällt ihm schwer, auch wegen seinem Dasein als Werwolf. Ich glaube, er hat große Angst, abgelehnt zu werden, und wenn er jemanden mag, dann wird die Angst natürlich nicht gerade kleiner.“
„Also glaubst du nicht, dass er mir die Schuld an Sirius’ Tod gibt oder… mich einfach nicht mag?“, fragte Tonks leise.
Molly schüttelte den Kopf. „Nein, das glaube ich nicht.“
„Aber was soll ich denn jetzt machen?“, rief Tonks verzweifelt. „Woher soll ich denn jetzt wissen, ob er einfach kein Interesse hat und sich deshalb so abweisend verhält, oder ob er doch Interesse hat und sich deshalb so verhält?“
„Ich weiß es doch auch nicht, Liebes“, sagte Molly. „Aber ich glaube nicht, dass Remus dich nicht leiden kann. Wie gesagt, ich habe euch in den letzten Wochen häufig beobachtet, und nicht nur du hast ihn oft angeguckt, sondern er dich auch. Natürlich kann es dafür auch einen anderen Grund geben, aber ich würde es trotzdem versuchen. Was hast du schon zu verlieren?“
„Ja, du hast recht, Molly“, sagte Tonks und stand auf. „Ich werde jetzt zu ihm gehen und es ihm sagen.“
„Das ist eine gute Idee, Tonks“, sagte Molly und stand ebenfalls auf. „Willst du vorher noch deinen Tee trinken?“
„Oh“, sagte Tonks und schaute auf ihre unberührte Tasse. „Ehrlich gesagt, hab ich überhaupt keinen Durst.“
„Schon okay“, sagte Molly und lächelte. „Ich nehm sie mit hoch für Arthur.“
Tonks sah sie überrascht an. „Ich dachte, er schläft schon, er wollte doch ins Bett gehen.“
Molly lachte. „Ach was!“, meinte sie und zwinkerte Tonks zu. „Der wollte uns nur allein lassen für unsere Frauengespräche. Ich denke mal, er hat gemerkt, dass du etwas auf dem Herzen hast.“
„Oh. Das war aber nett von ihm.“
„Jaja, sogar Arthur merkt manchmal was.“ Molly klatschte in die Hände. „Los, jetzt geh zu Remus und sag ihm, was du fühlst.“
„Okay, ich werd’s versuchen“, erwiderte Tonks und ging zur Tür. „Danke Molly.“
„Keine Ursache, Liebes“, antwortete Molly gerührt. „Das hab ich doch gern gemacht.“
Und dann verließ Tonks den Fuchsbau und machte sich auf den Weg zu Remus.
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