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Pagan Love - Our people are one!

GeschichteDrama / P16 / Gen
Arthur Bors Dagonet Galahad Gawain Lancelot
05.06.2011
17.09.2012
14
21.400
1
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05.06.2011 1.480
 
5. Camping Chat

Nachdem die Truppe in der ersten Nacht durchgeritten war, fühlten sie sich in der zweiten Nacht alle wie erschlagen und restlos erschöpft. Einigen Rittern, wie Galahad oder Erec fielen schon fast beim Reiten die Augen zu. Dagonets Stute hatte sich die letzten Stunden nur noch gequält. Ihr schönes, braunes Fell war vollkommen nass geschwitzt und obwohl sie sich nur in den ewig weiten Grasebenen Britanniens aufhielten, stolperte sie bei fast jedem Schritt, da sie einfach nicht mehr die Kraft aufbringen konnte, ihren Reiter, sein Gepäck und sich selbst auf allen vieren zu halten. Den anderen Rössern erging es kaum anders. Sie waren harte Ritte gewöhnt, doch brauchten sie doch hin und wieder eine Phase der Regeneration, um ihre Herren schnell und sicher zu ihrem Ziel zu bringen.
Es würde reichen, wenn sie erst am nächsten Morgen ihre Reise fortsetzten würden. Doch ein Lagerfeuer mitten in der grasgrünen Ebene wäre reinster Selbstmord gewesen. Dadurch würden sie wilden Tieren und Feinden geradezu anziehen wie die Motten das Licht. „Es führt kein Weg daran vorbei“, sprach Erec aus, was allen klar war: „Wir müssen den Schutz des Waldes suchen.“ Niemandem behagte diese Lösung, doch es war die einzige, die sie hatten.
Am Tag wirkte der Forst voller Leben. Die Geräusche von rauschenden Blättern und zwitschernden Vögeln vermittelten Sicherheit. Auch durch die dichtesten Kronen fiel noch genügend Licht, um den Wald in ein wohlbehagliches, gelb-grünes Licht zu tauchen. Doch nachts verwandelte er sich in eine Totenstadt. Die Stämme der dicken, alten Eichen ragten wie schwarze Statuen in den Himmel, die dünnen Geäste der Bäume verbogen sich knarzend wie Gerippe im Wind und jedes Geräusch, jedes noch so kleine Kacken oder Rascheln war eine potentielle Gefahr. Die Pikten, die nicht nur am Waldboden, sondern auch in den Kronen der Bäume ihre Wachposten aufstellten, konnten sich nahezu lautlos bewegen und im Schutz der Dunkelheit einen perfekten Hinterhalt planen. Doch nicht überall, wo auch Wald war, gab es die Kelten. Diese Tatsache ermutigte die Ritter, trotz Unbehagen und Unwohlsein ihre Pferde ein Stück in den Wald hineinzuführen. An einem glasklaren Waldsee schlugen sie ihre Lager auf. Die Tiere hatten endlich eine Gelegenheit, genügend Wasser zu sich zu nehmen und schmutzige Kleidungsstücke oder Haare konnten ebenfalls problemlos gereinigt werden. Das Glück schien wirklich mit Arthur und seinen Rittern zu sein: Tristan konnte sogar noch durch einen gekonnten Schuss ein Reh erlegen. So sparten sie ihre kostbaren Vorräte und hatten trotzdem reichlich zu Essen für eine Mahlzeit. Die Aussicht auf Füllung ihrer knurrenden Mägen konnte die Stimmung der Männer endlich ein wenig heben. Sie zerteilten das Tier mit ihren Messern und brieten sich die Stücke über dem Feuer.
Während der Mahlzeit hatten sich auch die Tiere endlich entspannt. Nachdem die Ritter sie von der Last ihrer Sättel befreit hatten, lagen sie zufrieden im Schutz einer großen Eiche und dösten. Noch sicherer konnte man sich nun nicht fühlen, denn wenn sich sogar die Pferde, die Gefahren mit ihrem 7.Sinn schon lange vor ihrer Erscheinung spürten, ruhig verhielten, drohte wirklich kein Unheil.
Zwar musste sich die Runder der Ritter so leise wie möglich verhalten, doch endlich taute das Eis des Misstrauens gegenüber dem Mädchen und sie benahmen sich endlich wieder so, wie man es von ihnen kannte: Sie aßen, tranken und scherzten ausgelassen. Jedoch musste einer von ihnen in den sauren Apfel beißen und seine Mahlzeit jenseits des Lagerfeuers und neben Resedas Käfig einnehmen. So viel Vertrauen hatten sie dennoch nicht gefasst, und einer musste sowieso die erste Nachtwache übernehmen. Diese Aufgabe fiel Dagonet zu. Die Männer meinten wohl, er könne die Abwesenheit am Lagerfeuer am ehesten verschmerzen, da er sowieso nicht viel sprach. Und nicht nur das: ohne nur ein einziges Mal mit den Lider zu zucken verharrte er stundenlang in der Dunkelheit, seine wachen Augen in jeden Winkel gerichtet, aus dem verräterische Geräusche drangen. Durch das gehaltvolle Essen und die Müdigkeit waren die Ritter schnell in den wohlverdienten Schlaf gesunken. Reseda fand keinen Schlaf. Nun, da Dagonet frei von dem Druck der Reitergruppe war, konnte sie ihn vielleicht dazu bringen, mit ihr zu reden und ihr zu helfen. Zwar konnte sie ihn nicht vollends einschätzen, doch ein Teil ihrer Menschenkenntnis verriet ihr, dass dieser Hüne ein guter und warmherziger Mensch war.
„Dagonet?“, wisperte sie in die Dunkelheit der Nacht hinein. Sie hatte seinen Namen vor ein paar Stunden bei einem leisen Gespräch der Ritter aufgeschnappt. „Meine Kehle ist so trocken…“, krächzte sie. „Gibst du mir etwas Wasser?“ Dagonet drehte sich nun erstmals zu Reseda um und musterte sie. Dann wand er sich ab und ignorierte ihr Anliegen. Sie klammerte sich verzweifelt mit ihren gefesselten Händen an die Gitterstäbe und fragte erneut: „Ich bitte dich… Nur ein paar Tropfen.“ Wortlos erhob sich Dagonet von seinem Wachplatz und ging auf den Gefängniswagen zu. Ohne seine Mimik zu bewegen, hielt er Reseda seinen ledernen, mit Wasser befüllten Reisebehälter entgegen. Reseda nahm ihn dankend an, sie trank ehrfürchtig und langsam. Seit mehr als vierundzwanzig Stunden hatte sie nichts mehr zu trinken bekommen. Ihre Kehle war staubtrocken und nun, da ihre vertrockneten und rissigen Lippen wieder mit Wasser benetzt wurden, fühlte sie sich trotz ihrer schmutzigen Kleider und der schmerzhaften Wunden der Fesseln wie neugeboren. Reseda reichte Dagonet dankbar die Flasche zurück und flüsterte: „Tausend Dank. Ich danke dir…“ Sie versuchte ein Lächeln aufzusetzen, doch jede Lippenbewegung schmerzte sie ungemein und aus dem nett gemeinten Lächeln war wohl eher eine Grimasse geworden. Erneut platzte ihr eine Stelle auf und ein feiner Blutfaden rann ihr über das Kinn. Dagonet hatte dies bemerkt. Da Reseda mit ihrem Gesicht so nahe an den Gitterstäben klebte, musste er nur seinen Daumen hindurchstrecken und wischte das Blut fort. Nun entlockte sie sogar ihm ein kleines Lächeln. Er schritt zielstrebig zu der Glut des abgebrannten Feuers und kam mit einem kleinen Schälchen zurück. Er hielt es Reseda entgegen und meinte: „Für die Lippen.“ Was für ein großzügiges Geschenk! In dem Schälchen befand sich das Fett, dass die Ritter wohl aufgefangen haben mussten, als sie das Reh gebraten hatten. Sie tunkte zwei Finger in die inzwischen kalt gewordene Flüssigkeit und verteilte es auf ihren brüchigen Lippen. Im ersten Moment brannte es wie ein Höllenfeuer, doch nach einigen Minuten spürte sie sofort, wie sich ihre wunde Haut ein wenig erholte. Sie sackte glücklich auf den Boden und schloss die Augen. „Eines Tages gebe ich es zurück. Hundertfach.“, versprach sie. Dagonet hatte sich wieder an seinen alten Platz gesetzt und begann mit seinem Messer, an einem Stück Holz herum zu schnitzen.
Reseda wusste, dass sie mit der folgenden Bitte seine Hilfsbereitschaft überreizen würde, doch Fragen kostet nichts und mehr als verweigern konnte er sowieso nicht. Sie drückte ihr Gesicht erneut gegen die Gitterstäbe und bat: „Lass mich hinaus.“ Verwundert drehte sich Dagonet erneut um und starrte sie perplex an. Warum sollte er das einfach so tun? Hielt sie ihn für einen Sklaven? „Nur mein Kleid waschen… Ich fühle mich so schmutzig und schlecht. Nur für einen Augenblick.“, flehte sie, wohl wissend, dass es nicht funktionieren würde. „Ich laufe nicht weg.“, sie musste beinahe lachen. „Wo soll ich auch hin? Es gibt sowieso keinen Ort, wo ich hinlaufen könnte. Bitte…“ Doch diesmal stieß sie mit ihren Worten auf Grenzen. Dagonet sprach langsam, leise und bedächtig: „Ich werde meine Befehle nicht missachten.“ Erneut schlenderte er zu dem Käfig hinüber und blickte ihr tief und musternd in die Augen. Obwohl es nur ein Blick war, hatte Reseda Mühe, ihm standzuhalten. Was würde er nun tun? Sie schlagen? Stattdessen zog er ein kleines Stück Käse und Brot aus seinem Wams und reichte es ihr durch die Stäbe. „Aber du bist immer noch ein Mensch, kein Tier.“, setzte er schließlich liebevoll nach und strich kurz über ihre Hand. Nun konnte Reseda ihre Gefühle nicht mehr zurückhalten. Sie war so dankbar über dieses kleine, harte Stückchen Brot, die wenigen Tropfen Öl und Wasser, dass ihr ein paar Tränen in die Augen stiegen und sie Dagonets Hand so fest drückte, wie sie nur konnte. „Ich danke dir. Von Herzen.“ Dagonet lächelte sie nochmals an und meinte: „Schlaf jetzt. Wir passen gut auf.“
Doch Reseda konnte immer noch nicht schlafen. Sie war so aufgewühlt und voller Hoffnung. Vielleicht könnte sie diese Ritter doch noch davon überzeugen, dass sie nicht verteufelt war, kein wildes Biest, dass man in einen Käfig sperren musste. Sie wusste selbst nicht warum, doch ihr lag unglaublich viel daran, dass diese Männer ihr wahres Ich kennen lernten. Außerdem wollte sie raus aus diesem Käfig! Raus aus der Enge, dem Schmutz und dem Gefangensein! Dagonet hatte den Grundstein gelegt. Den Grundstein für eine Brücke des Vertrauens, die Reseda aufbauen wollte. Sie war kein Unmensch, nur weil sie eine Gefangene der Römer war. Und sie würde es beweisen!
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Jaaa, ich weiß, nicht gerade spannend, aber ich brauch leider etwas Zeit um die Charaktere einander nah zu bringen, hätte man wahrscheinlich auch kürzer gestalten können :D
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