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Pagan Love - Our people are one!

GeschichteDrama / P16 / Gen
Arthur Bors Dagonet Galahad Gawain Lancelot
05.06.2011
17.09.2012
14
21.400
1
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
05.06.2011 1.451
 
Soooo, erst einmal ein riesiges Dankeschön an meine Reviewer jainasolo, Barnabas und Snowmane! Wie schon gesagt passiert in den nächsten Kapiteln nicht besonders viel, es wird halt viel gelabert ;) da ich aber die Story nicht hinken lassen will, bekommt ihr jetzt die volle Dröhnung mit drei Kapiteln : )
Am Montag gibt’s dann voraussichtlich Kapitel Nummer 7, da geht dann auch mal richtig Action ab, so wie wir’s aus King Arthur kennen *g* Ich hoffe ihr verzeiht mir die langen Laber-Kapitel. Naja, vielleicht versüßen sie euch ja das Wochenende und am Montag geht’s dann zur Sache!
In diesen Sinne: RUUUUS!!! Eure Lili <3


4. Reseda

Obwohl sie nur wenige Meilen von der Grenze des Hadrianswalls entfernt waren, begann ihre Reise ruhig und gefahrlos. Wie immer hatte Arthur seinen Späher Tristan vorausgesand um zu prüfen, ob ihre Route sicher war. Er war davon überzeugt, dass sie sich nur schnell bewegen sollten, wenn eine akute Gefahr drohte. Ein Monat war viel Zeit, und die Konstruktion des Käfigs sah sowieso nicht danach aus, als würde sie lange und schnelle Galoppstrecken überleben. Zudem wollte er dem Rappenpaar nicht zumuten, diesen eisernen Koloss auf Dauer im Eiltempo zu ziehen. Zwar waren sie muskelbepackte Riesen, doch auch sie hatten mit diesem sperrigen und schweren Wagen zu kämpfen. Zudem hütete sich die Reitertruppe sich, zu nah oder gar in den Wald hineinzureiten, denn dort konnten sie leichte Beute der Pikten werden. Auf dem offenen und freien Feld konnten sie zwar schneller gesehen werden, jedoch auch schneller fliehen und da die Pikten barfuß und ohne Pferde unterwegs waren, würden Arthur und seine Ritter im Falle eines Kampfes trotzdem überlegen sein.
Einer musste gezwungenermaßen den Platz auf dem Kutschbock einnehmen. Galahad hatte das Los zuerst getroffen. Sein Pferd lief brav wie ein Lämmchen neben der Kutsche her und wurde, genau wie die Rappen, mit Proviant und Reisegepäck beladen. Arthur setzte sich mit Gawain und Bors an die Spitze des Zuges. Erec gab dem Käfig von hinten Deckung und Lancelot und Dagonet ließen ihre Pferde direkt daneben laufen, damit immer mindestens zwei Paar Augen aufpassten. Genau wie Basilius es ihnen geraten hatte, sprachen die Ritter kein Wort. Lediglich Arthur konnte sich unterhalten, da er, Bors und Gawain fast außer Hörweite des Wagens waren.
Die Stimmung war angespannt. Niemandem war aufgefallen, dass sich die morgendlichen Nebelfelder aufgelöst und in strahlenden Sonnenschein verwandelt hatten. Selten lächelte die Sonne mit solch einer Kraft auf die Insel herunter, nicht einmal im Sommer. Auch die Pferde bemerkten das Unwohlsein ihrer Herren. Sie gingen nicht wie sonst in strammen Schritt vorwärts, sondern tänzelten unruhig auf und ab, schnaubten und warfen unruhig die Köpfe zurück. Viel zu oft mussten Bors, Gawain und Arthur ihre unruhigen Hengste beruhigen, ihre Hälse streicheln und ihnen aufmunternde Worte zuflüstern. Hatte die Gefangene wirklich eine böse Aura, die sich auf Mensch und Tier übertrug? Oder war dies alles nur Einbildung? Waren sie nur so nervös, weil Basilius ihnen solche Flausen in den Kopf gesetzt hatte? Keiner der Ritter konnte sich vorstellen, dass sie irgendeine Gefahr darstellte.  Das Mädchen hatte noch kein einziges Wort gesprochen und auch nicht auf ihre Umwelt reagiert. Nach schier endlosen Stunden kroch sie an die Gitter heran und fragte Dagonet: „Wie heißt Du?“ Er antwortete ihr selbstverständlich nicht. Sie hatte anscheinend auch keine Antwort erwartet und sprach ungehindert fort: „Basilius hat euch gesagt, ihr sollt nicht mit ihr reden. Dabei ist er es doch, der mit gespaltener Zunge spricht.“, meinte sie und wendete sich nun auch an Lancelot. „Bin ich wirklich so unwürdig, in Euren Augen?“ Lancelot sah das Mädchen zwar an, doch seine Lippen blieben genau wie die von Dagonet, versiegelt. Enttäuscht von der ausbleibenden Reaktion ihrer Begleiter ließ sich das Mädchen wieder sinken und senkte den Kopf. Auch sie verbrachte nun den Rest des Tages mit Schweigen. Eisiges Schweigen.


„Traust du ihr?“, fragte Gawain seinen Anführer wenige Meter weiter vorn in der Karawane. Arthur wand sich geschickt um eine Antwort herum. „Jeder Mensch hat das Recht auf Freiheit. Und ich finde, wir sollten sie ihr so schnell wie möglich wiedergeben.“ „Ich fühl mich nicht wohl dabei!“, warf Bors ein. Er klagte: „Diese Sache ist mir nicht ganz geheuer, seit unserer Abreise juckt mir der Arsch, und glaubt mir: das ist kein gutes Zeichen!“ Grinsend schüttelte Gawain über Bors’ Kommentar den Kopf. Arthurs Antwort auf seine Frage hatte ihn selbstverständlich nicht befriedigt. Auf der anderen Seite wusste er, welche Last er zu tragen hatte. In Arthurs Position Partei für jemanden zu ergreifen war ein zweischneidiges Schwert. Er musste schon wissen, warum er seine Meinung für sich behielt.
Ein paar Stunden später wechselten sie die Positionen. Arthur hatte nun Lancelots Posten eingenommen und fasste sich ein Herz, als er das Mädchen ansprach: „Wie haben sie dich gefangen genommen?“ Auch wenn sie es nicht zeigte, konnte man spüren, dass das Mädchen überglücklich darüber war, dass die Ritter (oder zumindest schon mal einer davon) sie nicht mehr mit Schweigen straften. Sie wand sich an Arthur und begann schüchtern zu erzählen: „Es war ganz allein meine Schuld. Ich bin fort gegangen von zuhause.“ Sie beobachtete den Ritter und wartete ab, ob er immer noch an einer Unterhaltung mit ihr interessiert war. „Über den Seeweg?“, fragte er. Das Mädchen nickte. „Ich habe mich auf einem Schiff versteckt und wollte untertauchen. Als irgendetwas. Ich wollte nur nicht wieder zurück.“ „Warum?“, fragte Arthur weiter. „Ich hasse unser Volk.“, sie setzte einen grimmigen und hasserfüllten Blick auf. „Wir sind ein Volk von Barbaren, das rücksichtslos mordet und Gebiete beansprucht, auf die es keine Rechte hat.“ Arthur war verwundert über diese Einstellung. Er fragte weiter: „Stellt nicht jedes Reich Ansprüche auf Gebiete, die ihm nicht gehören? Erobern die Römer, die Pikten, die Sachsen, die Hunnen nicht auch Landstreifen mit Gewalt und Blutvergießen?“ Auf diese Frage wusste das Mädchen keine Antwort. Stattdessen zog sie die Knie ans Kinn und blickte verträumt gen Himmel. „Niemand sollte sich gewaltsam etwas nehmen, das ihm nicht gehört. Wieso können Stämme, Völker und Nationen nicht einfach dort bleiben, wo sie sind? Wenn sie es tun, bleiben ihre Söhne und Töchter erhalten. Wenn sie losziehen, um Feindesland zu erobern, werden die Frauen geschändet, die Kinder getötet und Männer fallen auf dem Schlachtfeld. Wozu braucht man Land, wenn es keine Leute gibt, die es bewohnen?“ Arthur antwortete nicht. „Ich hasse alle Völker, die Krieg und Unheil stiften. Ich wünsche mir einen Ort, an dem wir alle leben können, ohne uns gegenseitig die Kehle durchschneiden zu müssen. Ich wünsche mir, dass ich heiraten kann wen ich möchte. Egal ob Pikte oder Römer oder Sachse. Aber ich weiß, dass diese Welt noch fern ist.“
Arthur machte eine bedächtige Pause. Zwar war das keine Antwort auf seine Frage, aber es gewährte ihm doch Einblicke in ihren Kopf und in ihr Herz. Nichts desto trotz stellte er seine Frage noch einmal: „Ich verstehe immer noch nicht, wie die Römer dich enttarnen konnten.“ „Hiermit“, erwiderte sie bitter und entblößte ihr Handgelenk. Auf der Innenseite ihres Unterarms war eine keltische Rune eingebrannt. Es war nur noch Narbengewebe, also vermutete Arthur, dass das Brandmal schon einige Jahre alt sein musste.
„Verleumdung unserer Identität ist die höchste Sünde. Das Volk der Skoten ist sehr stolz. Und grausam.“, fügte sie hinzu. „Jedem Neugeborenen wird dieses Zeichen aufgebrannt. So wird verhindert, dass wir uns verleugnen können. Es wird gepredigt, dass die Götter uns lieber als stolzen, toten Skoten sehen wollen als einen feigen Überläufer mit falscher Identität. Und durch dieses Mal werden wir immer und überall enttarnt.“, schloss sie ihren Bericht. Arthur stellte ihr eine letzte Frage. „Wie heißt du?“ Das Mädchen schlug die Lider nach unten, pausierte einen Moment und sah ihn dann mit ihren großen, dunkelbraunen Augen an: „Reseda.“, flüsterte sie mit zittriger Stimme. „Hat man versucht, dich durch Folter gefügig zu machen, Reseda?“, fragte Arthur eindringlich. Sie wand ihren Blick ab und presste die Lippen aufeinander. Ihr fiel es nun anscheinend sehr schwer, zu sprechen. „Sie wollten alles Mögliche von mir wissen.“, hauchte sie. „Angriffspläne, Informationen über meinen Vater, Bündnisse mit den Pikten… Ich habe ihnen alles gesagt, was ich wusste. Es sollte nur aufhören… Ich weiß doch sowieso nichts. Ich wurde doch auch nur in meinem goldenen Käfig gehalten.“, winselte sie. Arthurs Brust krampfte sich zusammen. Was für ein bedauernswertes Geschöpf! Eine junge Frau, die hinter den schützenden Mauern ihres Stammes aufgewachsen war und nun durch halb Britannien geschleppt wurde! Die Römer dachten wohl, sie hätten einen politisch wertvollen Fang gemacht, derweil handelte es sich nur um ein Mädchen, das einfach nur in Frieden leben wollte.
Arthur trieb sein Pferd zum Trab an und schloss zu Gawain auf. „Jetzt habe ich eine Antwort für dich“, meinte er augenzwinkernd, wurde danach aber sofort wieder ernst. „Ich traue ihr.“
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