Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Pagan Love - Our people are one!

GeschichteDrama / P16 / Gen
Arthur Bors Dagonet Galahad Gawain Lancelot
05.06.2011
17.09.2012
14
21.400
1
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
05.06.2011 1.155
 
3. Breakup

„Eine…Frau?“, wiederholte Erec nun schon zum zweiten Mal, um ganz sicher zu gehen. „Hast du nicht gehört? Eine Prinzessin! Der würde ich gerne mal die Krone streicheln.“, mit einem lüsternen und breiten Grinsen knuffte Bors seinen Kameraden in die Seite. „Sie ist doch wenigstens hübsch, oder?“, erkundigte er sich. „Das weiß ich nicht.“, antwortete Arthur wahrheitsgemäß. „Ich habe sie noch nicht gesehen. Sie wird in den Verließen des Kastells festgehalten. Wir werden sie erst bei unserer Abreise zu Gesicht bekommen.“ Bors’ vorfreudiges Lächeln verschwand.
„Arthur!“, protestierte Erec weiterhin. „Wir haben seit Jahren ohne Wenn und Aber, ohne Widerstand die Aufgaben erfüllt, die man uns gegeben hat. Aber ich sehe nicht ein, dass ich mein Leben für eine hoffnungslose Lage riskieren soll. Noch dazu für eine Frau. Für eine Frau des Feindes.“, setzte er spitz nach. „Ich stimme ihm zu.“, meinte Lancelot. Er spielte geschickt mit einer Münze und hatte seinen Blick stets auf Arthur gerichtet. Ihm war kein Sorgenfältchen, kein einziges Muskelzucken in Arthurs Gesicht verborgen geblieben. „Ritter, dies ist ein Auftrag wie jeder andere.“, versuchte er seine aufgebrachte Schar zu beruhigen. Sie benahmen sich wirklich wie kleine Kinder. Die einen hatten sofort schmutzige Gedanken und die anderen frauenverachtend. Doch Galahad widersprach mit apathischem Ton: „Wir begeben uns nicht nur in unsicheres Grenzgebiet, sondern auch noch in tödliches Feindgebiet. Dieser Hafen… er liegt 40 Meilen nördlich des Walls. Wir sind Ritter. Und verdammt gute und geschickte Ritter!“, lobte Galahad sich selbst. „Aber keine verfluchten Zauberer. Stimmt’s, Gawain?“
Gawains Gesicht war genauso besorgt wie das von Dagonet und Tristan, er sagte jedoch kein Wort. Wenigstens dafür war Arthur ihnen sehr dankbar. Das Gezänke und Gejammer von Galahad, Erec und Bors schlug ihm gewaltig auf den Magen. Er selbst hatte ja nicht mal ein gutes Gefühl bei der Sache, und nun musste er auch noch seinen sonst so furchtlosen Rittern Zuversicht einflößen! Er erhob sich und begann feierlich: „Erec, du hast den Angriff der Wolfsherde überlebt. Bors stürzt von einer Klippe und bricht sich nicht mal den kleinen Zeh. Und du, Tristan: du wurdest schon von drei Pfeilen gleichzeitig durchbohrt und sitzt trotzdem noch unter uns.“ Dann richtete er das Wort wieder an die gesamte (oder was davon übrig war) Tafelrunde: „Tapfere Ritter. Vielleicht sind wir keine Zauberer, und auch nicht unsterblich. Aber Gott hat seine schützende Hand über uns gelegt, und er wird es auch weiterhin tun. Wir erfüllen diese Aufgabe genauso wie alle anderen. Und nun geht schlafen Männer, wir brechen im Morgengrauen auf.“
Mehr konnte und wollte Arthur nun nicht mehr sagen. Dagonet erhob sich pflichtbewusst als Erster. Bors folgte ihm wortlos, danach alle anderen Ritter. Lancelot war der Letzte, der zurückblieb. Er kannte Arthur besser als alle anderen, die Freundschaft zwischen den beiden war so innig wie keine andere der Ritter. Arthur entzog sich den scharfen Augen seines Freundes und sprach: „Sieh mich bitte nicht so vorwurfsvoll an.“ Lancelot lachte hämisch und meinte lächelnd: „Ich muss Bors recht geben: hoffentlich ist sie hübsch.“ Erleichtert über diese Antwort musste auch Arthur lachen. Wie so oft hatte sich Lancelot einen kleinen Scherz mit ihm erlaubt. Und als ob er Arthurs Gedanken lesen konnte, klopfte er ihm aufbauend auf die Schulter. „Sie vertrauen dir.“ Er machte eine gedehnte Pause. „Wenn du ihnen befehlen würdest, sich selbst umzubringen… Wahrscheinlich würden sie es tun. Sie folgen dir.“ Er machte nun ebenfalls Anstalten zu gehen. Arthur meinte seufzend: „Ich weiß“. Lancelot schloss sachte die Tür. „Ich weiß“, wiederholte er im Stillen für sich.


Obwohl bereits der zweite Sommermonat in Britannien Einzug gehalten hatte, war das Kastell in den frühen Morgenstunden in dicke Nebelschwaden gehüllt. Wie befohlen standen Arthurs sieben Ritter bewaffnet, gewaschen und in geordneter Formation vor den schweren Toren des Kastells. Auch Arthur wartete ungeduldig auf die Gefangene. Basilius hatte es wohl im Gegensatz zu den Sarmaten nicht eilig. Nach schier endlosen Augenblicken öffneten sich die hölzernen Türen unter Krachen und Knacken. Zwei bullige Rappen erschienen aus dem Nebel – einen kleinen Eisenkäfig hinter sich her ziehend. Er war gerade groß genug, dass man ein Kind hätte hineinsetzten können. Die Ritter staunten nicht schlecht und einigen verschlug es die Sprache. Nur Bors war nicht auf den Mund gefallen und fragte unverblümt: „Können wir sie nicht einfach auf ein Pferd setzen? Mit diesem Karren schaffen wir es ja nicht mal im nächsten Leben nach Kirkcudbright.“ „Still“, unterbrach Basilius mit einer scharfen Zunge. „All diese Sicherheitsmaßnahmen sind absolut nötig und angebracht.“ Angesichts des Bildes, das sich den Rittern bot, war diese Aussage unter keinen Umständen gerechtfertigt. Eine junge Frau, vielleicht Anfang zwanzig, saß eingezwängt in diesem, für sie viel zu kleinen, Käfig. Sie trug Fußfesseln und ihre Handgelenke waren ebenfalls mit einem dicken, borstigen Seil zusammengebunden. Niemand konnte beurteilen, ob sie hübsch oder hässlich war. Natürlich war ihr momentanes Erscheinungsbild alles andere als schön, doch wer konnte schon sagen was sich hinter ihrem lumpigen Sklavenhemd und der zerzausten und verfilzten Haarmähne versteckte?
Die mit Grünspan übersäte Tür war mit einer eisernen Kette versehen, und zum Abschluss dieses Sicherheitstraktes prangte ein kohlschwarzes Schloss daran. „Nicht einmal mit der Hilfe des Teufels könnte sie entkommen.“, meinte Basilius und platzte fast vor Stolz. „Diese Wette gehe ich ein.“, stichelte Galahad, doch niemand lachte über seinen Witz. „Nehmt ihr doch wenigstens die Hand- und Fußfesseln ab.“, bat Gawain. Bei diesem Anblick verspürte es fast etwas Mitleid mit diesem Geschöpf. „Die Fesseln bleiben da, wo sie sind.“, Basilius wirkte sichtlich gereizt. Er händigte feierlich an Arthur den Schlüssel für den Käfig aus. „Benutzt ihn nur in Kirkcudbright. Sie darf auf keinen Fall entkommen. Sprecht nicht mit ihr, lasst sie nicht sprechen. Lasst euch nicht von ihr bezirzen, widersteht ihrer bösen Aura.“ Das erste Mal seit vielen Tagen sprach der wortkarge Dagonet: „Ihr sprecht ja von ihr, als wäre sie… eine Hexe.“ Basilius schüttelte nur mitleidig den Kopf. „Aber nicht doch. Sie ist keine Hexe. Aber sie ist gefährlich. Sie wird versuchen, Euch mit lüsternen Angeboten und Reizen weichzukochen. Und sie ist wehrhaft. Zwei unserer Wächter hat sie schon die Lippe blutig geschlagen!“
Arthur ließ sich nicht von all diesen Vorurteilen und der Meinung des Kastellführers beeinflussen. Auf ihrer Reise würde er genug Zeit haben, dieses Mädchen kennen zu lernen. Nein, ihm bereitete eine ganz andere Tatsache Kopfzerbrechen: „Wenn wir sie in diesem Zustand dem skotischen König bringen, wird er nicht sehr erfreut sein.“ Er deutete dabei auf die blutigen Striemen, die die Fesseln auf ihrer blassen Haut hinterlassen hatten. Zudem sah sie recht abgemagert und brüchig aus. Ihre Lippen waren ausgetrocknet und an einigen Stellen aufgesprungen, ihre Beine von Flohbissen übersäht. „Es gibt nichts zu beanstanden.“ Basilius sah daran überhaupt kein Problem. „Sie ist am Leben und sie ist unverletzt, was wollen sie denn mehr? Ich bin mir nicht sicher, ob es dem Bischof so gut ergangen ist.“ Mit diesen Worten drehte er sich gleichgültig um und ließ hinter sich die Tür zum Kastell schließen – das Zeichen für die Ritter, aufzubrechen.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast