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University Love story

von Sue Rose
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 Slash
England Frankreich Spanien
05.06.2011
25.10.2012
48
46.487
2
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Dieses Kapitel
1 Review
 
05.06.2011 1.256
 
Arthur

Scott hatte ihn nur mühevoll davon abgehalten, seine Gedanken und Gefühle ganz dem Alkohol zu überlassen, denn sonst hätte er irgendwann auf dem Tisch getanzt – und das hätte niemand sehen wollen. Dennoch war Arthur schon lockerer als sonst...aber auch weinerlicher, auch wenn er zwischendurch klare Momente hatte. So war es auch nicht verwunderlich, als er teilweise an Scotts Arm hing und sich immer wieder beschwerte, wie scheiße das Leben denn sei und dass die Liebe ihn mal gepflegt am Arsch lecken könnte. Man warf ihnen schon seltsame Blicke zu, nur kümmerte das Arthur nicht...Scott schon. Er wollte am liebsten im Erdboden versinken.
„Arthur, du bist betrunken!“, murrte er nur und zog an seiner Zigarette.
„Nein“, murmelte dieser. „Ich bin nüchtern, ich kann denken und reden und gerade laufen...und das Leben ist scheiße. Warum ist das Leben scheiße? Sag es mir, Scott!“
„Du redest wirres Zeug“, warf Scott den Zigarettenstummel ins Feuer, wo schon eine andere kleine Menge drin war... sein kleiner Bruder strapazierte einfach seine Nerven!

„Tu ich nicht“, redete Arthur gegen an, verfiel in kleine Monologe. Scott erwiderte darauf nichts mehr. Sonst würde Arthur sich nur weiter hineinsteigern. Aber gehen durfte er auch nicht, sonst würde er noch mehr trinken. Irgendwann nüchterte Scott ihn aus – es gab immer irgendwo ein Fass mit kaltem Wasser. Arthur war da weniger erfreut, aber die Tatsache, dass er wieder zeterte wie immer, zeigte deutlich, dass er wieder klarer denken konnte. Damit der Engländer sich keine Erkältung zuzog, setzten sie sich wieder ans Lagerfeuer und starrten in die Flammen.
Nun aber war es schlimmer – denn wenn Arthur schwieg, dann bedeutete es nur, dass er sich wirklich den Kopf zerbrach und etwas an ihm nagte. Der Schotte wusste, an was...oder wen Arthur dachte. Doch es war die Sache seines Bruders und er würde sich erst einmischen, wenn Arthur auch wirklich Hilfe brauchte. Immerhin war er kein kleines Kind mehr...

Arthur hatte es immer noch nicht verarbeitet und gleichzeitig realisiert, was los war.
Er liebte Antonio.
Das war die Lösung auf seine Fragen gewesen. Auf all seine Fragen. Wieso er sich beim Spanier wohl fühlte, warum er seine Nähe suchte und auch warum er ständig in seinen Gedanken war. Es erklärte einfach alles. Und er Idiot hatte es mit seinem Stolz nicht gesehen. Was Antonio empfand? Er wusste er nicht. Wollte er es wissen? Einerseits ja, weil dieses quälende Unwissen ihn in den Wahnsinn trieb, einerseits nein, weil er Angst vor Zurückweisung hatte. Und davor, alles kaputt zu machen, was sie jetzt hatten. Himmel, er fühlte sich immer noch, als könnte er einen Whisky vertragen. Seine Gedanken kreisten und seine Gefühle wirbelten herum und verwirrten ihn nur noch mehr.

Konnte er Antonio noch in die Augen sehen? Konnte er sich mit dem Wissen Francis' hingeben? Konnte er mit der Tatsache, dass er solch eine Sache mit dem Franzosen abgemacht hatte, Antonio jemals wieder gegenüber treten? Es war unverzeihlich. Aber wenn Antonio nichts für ihn empfinden sollte...war es dann wirklich unverzeihlich? Nein. Eigentlich nicht. Außerdem waren sie nicht zusammen. Also war es nicht unverzeihlich. Nur...er fühlte sich so. Wie ein Verbrecher. Elendig. Beschissen.
Auf einmal zuckte er zusammen und fuhr herum, als er einen warmen Lufthauch im Nacken spürte. Augenblicklich sah er in blaue Augen.
„Francis!“, entfuhr es ihm. „Geht es Antonio gut?“
Jetzt war es sogar seltsam, seinen Namen einfach so auszusprechen. Verdammt, er musste das in den Griff bekommen! Andere schafften es doch auch!

„Es geht ihm besser. Er meinte, er würde nachher noch nachkommen. Wenn es ihm wieder ganz besser geht“, sagte Francis nur, machte aber keine Anstalten, neben ihm Platz zu machen. Arthur musterte ihn genau. Etwas war seltsam an ihm. Aber er vermochte nicht zu sagen, was es war. Ob die beiden sich gestritten hatten? Ob sie über irgendetwas geredet hatten? Nun, er würde nicht fragen und so würde er es wohl nie erfahren. Und es war besser so. Etwas in ihm sagte, dass er es nicht wissen wollte. Aber eines wusste er: Er würde jetzt mit Francis mitgehen. Sei es, um die Abmachung zu erfüllen, oder um mit ihm zu reden und die Abmachung zu lösen. Das wusste er noch nicht...denn dafür waren seine Gedanken etwas zu vernebelt. Er erhob sich, nickte Scott nur zu und wandte sich Francis zu.
„Gehen wir.“

Schweigend ging er neben Francis her, der wieder ein paar seiner belanglosen Monologe führte. Sie steuerten beide ein ruhiges Fleckchen an. Francis, um sich zu vergnügen, und er, um zu reden oder es hinter sich zu bringen.
Am Waldrand blieben sie beide stehen. In der Ferne konnten sie den Schein der Lagerfeuer sehen. Francis schien aber endlich zu bemerken, dass etwas nicht stimmte und musterte ihn aufmerksam.
„Eigentlich willst du das nicht, oder?“, bemerkte er und lehnte sich ihm gegenüber an einen Baum.
„Sieht man mir das so sehr an?“, entgegnete der Brite nur und fixierte Francis mit seinen grünen Augen.
„Ich merke es einfach. Also? Was ist los?“
Arthur seufzte auf. „Es tut mir wirklich Leid“, er meinte es irgendwo auch ernst. Und genau dafür könnte er sich schlagen. Als Engländer seiner Art entschuldigte man sich nicht bei einem Franzosen von Francis' Schlag. „Ich....ich habe wohl heute nur erkannt, dass mein Herz für jemanden schlägt. Und seitdem ich das erkannt habe, kann ich mich auf nichts konzentrieren, und mit dir jetzt Sex zu haben, käme für mich einem Verrat gleich.“

Francis musterte ihn und nickte verstehend. „Weißt du denn, wie diese Person empfindet?“
Das war doch wohl absurd! Jetzt stand er mit dem Franzosen hier und redete über sein Liebesleben, was den anderen gar nichts anging! „Nein. Ich weiß nur, dass wir Freunde sind. Und ich will es nicht kaputt machen, weil diese Person mir sehr wichtig ist.“
„Das ist wirklich komplex...“, verschränkte der Blonde die Arme und grübelte nachdenklich. „Und nach kleinen Hinweisen suchen ist nicht?“
„Nein. Wir hatten Sex, bevor wir Freunde geworden sind. Ich weiß nicht, ob die Aktionen der Person auf etwas anderes schließen oder auf das. Außerdem ist es....ihre Art. Sie ist immer so...offen und freundlich, dass alles normal scheint. Und ich kann in solchen Dingen nicht besonders gut lesen“, gab er zu.

„Wenn du mir sagen würdest, wer er ist, kann ich es für dich herausfinden“, bot der Franzose an, und es klang tatsächlich ehrlich.
„Nein!“, stieß Arthur hervor. Als ob er ihm verraten würde, dass es Antonio war!
„Gut, gut, es war nur ein Angebot“, hob Francis beschwichtigend die Hände.
Arthur lächelte leicht. Irgendwie mochte er Francis jetzt ein kleines bisschen mehr. „Du bist eigentlich ganz okay. Abgesehen davon, dass du Franzose bist.“
Francis erwiderte das Grinsen bloß. „Du auch. Abgesehen davon, dass du Engländer bist.“
Arthur streckte die Hand aus. „Freunde?“
Sein Gegenüber schüttelte die Hand bloß und lächelte. „Freunde. Und wenn du reden willst, kannst du gerne zu mir kommen.“ Arthur setzte zu einer Antwort an, aber Francis hatte wohl noch nicht ausgeredet. „Und wenn du Sex oder Abwechslung brauchst, dafür bin ich auch gerne zu haben...“
Arthur zeterte nun etwas herum, aber dann hielt er inne und sie sahen sich an, brachen in Lachen aus. Einfach, weil es...typisch war. Und sie nun wussten, dass das alles nicht böse gemeint war.
„Lass uns zurückgehen“, sagte der Blauäugige dann und löste sich vom Baumstamm, wuschelte ihm durch die Haare. Arthur nickte bloß und zusammen schritten sie beide zufrieden zurück, unterhielten sich dabei angeregt. Arthurs Gedanken konnten sich nun voll und ganz auf Antonio konzentrieren...und wie er als nächstes vorgehen würde.
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