Die Wächter des Vampirkönigs

GeschichteMystery / P12
03.06.2011
25.12.2014
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Vampire Hunter D- Die Wächter des Vampirkönigs


"Der ganze wahre Adel der Welt war vereint unter dem König des tausendjährigen Adels, sowie die Sieben und der legändere Dunkle Lord, der sie beherrschte, als größter der Vampire und heiliger Ahne, der König der Könige, Dracula."

-Vampire Hunter D, Band 1, Seite 100



1.Monsieur Valentin Garde


Zorn und Abscheu herrschten in ihm vor. Erst rief ihn sein geliebter König zu sich ohne ihn den Grund zu nennen und nun erfuhr er durch die plappernden Diener durch Zufall von ihr. Dieses Menschenweib, das die Gunst des Vampirkönigs genoss.
Sie, eine Sterbliche ohne Rang und Namen! Was war sie schon? Eine kleine Made, eine Hure, die sich mit ihrem Körper ins Bett des Königs geschlafen hatte.
Diese…
Valentin Garde stieß ein Knurren aus, packte eine Vase und schmetterte sie gegen die Wand. Das kostbare Stück zerbrach mit einem lauten Klirren in hundert Teile und blieb scheppernd am Boden liegen. Die Schultern des französischen Vampirs bebten, während er die Scherben anstarrte und versuchte seine Gefühle wieder unter Kontrolle zu bekommen. Er durfte nicht so vor seinen König treten; sich nicht aufführen, wie ein rasender Berserker!
Ein Klopfen unterbrach seinen Selbstkontrolleversuch.
Zornig kniff er die Augen zusammen
„Wer ist das?“
„Monsieur Garde! Ihre Majestät erwartet euch“, die Stimme des Diener zitterte. Er schien um den Ruf zu wissen, den Valentin in den westlichen Provinzen genoss. Und das war kein guter. Man fürchtete und hasste ihn als den francais diable, den Französischen Teufel.
„Ich komme sofort“, zischte er zurück und trat noch einmal vor den Spiegel. Er richtete sein Halstuch und zog an seinem Mantel herum. Sein smaragdgrünes Haar fiel locker über seine Schultern und war so geschnitten, dass sein schiefes Pony das Auge verdeckte indem keine Iris und Pupille zu finden waren. Sein schmales bleiches Gesicht starrte ihn aus blutroten Augen an. Er trug eine schwarze Hose und ein schwarzes Hemd, auch sein Mantel war schwarz, doch dass Innenfutter war von einem dunklen Grün, während der Saum aus goldenem Stoff bestand. An einem ebenfalls gold bestickten Gürtel hing sein Schwert Saint Sang in einer tiefschwarzen Scheide. Vorsichtig strich er über den goldenen Schwertknauf. Er seufzte noch einmal und wendete sich der Tür zu.
Sein König erwartete ihn.

Das Menschenweib war für eine Sterbliche recht hübsch. Sie erschien zierlich, hatte rosige Haut und braune Locken. Ihr Gesicht war ernst und fein geschnitten. Sie hatte volle rote Lippen und glasklare blaue Augen. Sie trug ein meerblaues Kleid und einen Silberreif  um ihre Stirn. Mit einem liebevoll widerlichen Lächeln sah sie zwischen dem Vampirkönig und ihrem dicken Bauch hin und her.
„Seid mir gegrüßt, Monsieur Garde“, mit blitzenden Augen sah sie Valentin an und faltete die Hände über ihren Bauch zusammen.
Sie war ohne Zweifel schwanger. Dracula hatte schon wieder ein Menschenweibchen begattet. Lernte sein König denn nicht dazu? Oder war er einfach zu fruchtbar?
Valentins Mundwinkel zuckten unkontrollierbar.
„Es freut misch, Eure Bekanntschaft zu machen, Mademoiselle.“
Dracula hustete und trat neben die schwangere Hure. Er legte die Hand auf ihre Hände und ihren runden Bauch. Mit der anderen strich er ihr eine Strähne zurück. Er schien zu bemerken, wie zuwider die Frau, ja sogar diese Situation, für Valentin war.
„Liebling? Tust du mir einen gefallen und gehst schon einmal vor? Valentin und ich müssen ein paar Dinge besprechen.“
Das Weib runzelte die Stirn und warf dem französischen Vampir einen skeptischen Blick zu. Sie verengte die Augen, ehe sie sich zu Dracula drehte und sein Gesicht in die Hand nahm.
„Bis dann, mein untoter König“, Besitz ergreifend beugte sie sich zu ihm hoch und küsste ihn sanft. Dracula lächelte, schlang die Arme um ihn und erwiderte den Kuss hungrig.
Angewidert starrte Valentin das Bild vor sich an. Ein einziger Gedanke schoss ihm durch den Kopf.
Verdammte Hure! Aber dafür wirst du noch mit dem Leben bezahlen!
Er lächelte grimmig. Und sah zu, wie die beiden sich von einander trennten und das Weib durch die Tür verschwand. Dracula schloss die Tür und verriegelte sie. Er stieß ein Seufzen aus und stützte sich gegen die Tür. Die Schultern des mächtigen Vampirkönigs waren angespannt und gestrafft. Valentins kannte diese Haltung. Und es bedeutete nichts Gutes.
„Mon roi.“
„Valentin…“, die Stimme Draculas war leise, doch dafür streng und hart, „Was sollte dieses Verhalten?“
„Was meinst du?“, erwiderte der französische Vampir und versuchte sich um einen unschuldigen Tonfall zu bemühen.
„Was ich meine?“, zischte Dracula und wirbelte herum. Seine Augen glühten rot und ein wilder Ausdruck erschien in seinem Gesicht. Valentin verschränkte die Arme hinter dem Rücken und schob die Brust vor. Er verengte die Augen und starrte schweigend zurück. Dracula stieß ein Knurren aus und erschien im nächsten Moment direkt vor ihm. Sein Gesicht war direkt vor ihm, so dass er den kalten Atem auf seinen Lippen spüren konnte.
„Wieso verhältst du dich ihr so gegenüber?“
Valentin lächelte kalt, keineswegs eingeschüchtert von dem mächtigsten Vampir.
„Du meinst dieses Menschenweib? Diese billige Hure?“
Dracula verengte die Augen. Echter Zorn blitzte in ihnen auf.
„Wie kannst du es wagen?“, zischte er und packte den Teufel am Kragen.
„Wie isch es wagen kann?“, echote Valentin, „Sieh sie dir doch einmal an! Was unterscheidet sie von deinen bis´erigen Gespielinnen? Ein weiteres Menschenweibchen, dass du geschwängert und mit der du disch vergnügt hast! Nischt mehr und nicht weniger. Also was soll das? Hast du misch nur deswegen herbestellt? Ist das alles? Wegen einer sterblichen Hure?“
Ein lautes Klatschen hallte wieder, als Dracula ihm direkt ins Gesicht schlug. Valentin wurde zurückgeschleudert und spürte, wie das Blut aus seiner Nase spritzte. Es befleckte sein Gesicht und spritzte ebenfalls auf die Lippen und Wangen seines Königs. Valentin blinzelte, überrascht davon, dass Dracula so übertrieben reagierte. Er verachtete die Menschen doch ebenfalls und bisher waren die Menschenfrauen auch nur Spielzeuge für ihn gewesen. Also wieso reagierte er dann so extrem? Dabei hatte Valentin ihm doch nur die Augen öffnen und ihm von einem weiteren Fehler bewahren wollen!
Wütend verengte er die Augen und stürzte vor. Er griff seinen König an und schlug seine Hände zur Seite. Dracula fauchte auf wie eine Wildkatze, der man auf den Schwanz getreten waren und schlug nach ihm. Für einen Moment lang rangen beide miteinander, ehe Valentin die Handgelenke des Königs einfing und sich auf ihn warf. Sie stürzten beide zu Boden, schwer atmend, einer wütender als der andere. Keuchend saß der Teufel auf ihm und fixierte ihn. Dracula bleckte die Zähne, nicht gewillt den Streit zu verlieren. Doch Valentin reichte es. Er beugte sich herab und legte das Blut von Draculas Mundwinkeln, Lippen und Wangen. Der König seufzte und schloss die Augen, während sein Erster Wächter ihn von seinem Blut säuberte. Als Valentin schließlich seine Säuberungsaktion beendete, öffnete er wieder seine blutroten Augen und streckte seine lange Zunge aus. Speichel klebte an seinen Lippen und glänzte an dem fleischig, ungewöhnlich spitz zulaufenden Muskel. Valentin grinste leicht, während ihm unanständige Gedanken durch den Kopf schossen. Dracula war in der Regel ein Sadist, aber er konnte ebenso masochistisch und ergebend sein, wenn man wusste wie. Nur leider ergab sich solch eine Situation äußerst selten und umso seltener seit dem sie sich kaum noch sahen.
Dracula streckte ihm seine Zunge entgegen und Valentin senkte wieder den Kopf. Die geschickte Zunge des Königs glitt über sein Kinn, seine Lippen und seine Nase. Valentin schloss zur Hälfte die Augen und wartete bis er sauber war, ehe er ebenfalls wieder die Zunge zwischen seinen Lippen hervor wandern ließ und Draculas anstupste. Der König unter ihm keuchte auf und ließ sich auf das Zungenspiel ein. Grinsend drängte er Dracula zurück und eroberte die königliche Mundhöhle. Der König unter ihm stöhnte und bockte unter ihm. Valentin lächelte wie eine räuberische Katze, rieb sich an seinem Unterkörper und setzte sich auf. Dracula seufzte und legte den Kopf zurück.
„Du bist ein verdammter Teufel“, hauchte er, während Valentin über sein Gesicht strich und mit seinem Fingern die volle Unterlippe massierte, „Das wird aber nun aufhören. Ich brauche dich hier. Du wirst die Herrschaft über die westlichen Provinzen aufgeben und an meinen Hof kommen.“
Valentin runzelte die Stirn, während er den Finger in Draculas feucht warme Mundhöhle schob.
„Warum sollte isch das tun?“
„Die Menschen sind gezähmt. Natürlich bleibst du der Herrscher, doch nun werden sich andere um deinen Bereich kümmern. Du bleibst solange bei mir. Bei mir und ihr.“
Der Französische Teufel runzelte die Stirn. Falten schoben sich in seine Stirn. Der Ärger kehrte zurück.
„Warum hängst du so an diesem Weib?“, zornig schob er ein paar weitere Finger in Draculas Mund und nahm ihm so das Sprechen ab, „Was macht sie so besonders? Was unterscheidet sie von den anderen? Sie wird enden wie jedes Menschenweib vor ihr!“            
Draculas Zunge glitt um seine Finger. Die spitzen Eckzähne bohrten sich in sein Fleisch und er hörte das Schlürfen von Blut. Automatisch zog er seine feuchten Finger zurück.
„Du bist eifersüchtig“, stellte sein Herr unter ihm sachlich fest und seufzte.
„Bin isch nicht!“, fauchte Valentin zurück und spürte ihm nächsten Moment, dass Dracula Recht hatte. Und Dracula merkte dies.
„Du wirst dich damit abfinden müssen, mein alter Freund. Sie ist meine Verlobte und deine zukünftige Königin.“
Das war wie ein Schlag gegen den Kopf. Valentin keuchte und sprang überstürzt auf. Er taumelte zurück und blinzelte benommen. Ehe sich sein Gesicht vor Zorn verzog.
„Das ist nischt dein Ernst! Sie ist ein Mensch! Was hat sie getan? Hat sie disch verzaubert? Wer ist dieses Weib?!“
Dracula seufzte und verdrehte die Augen. Dann legte er sich zur Seite und winkelte die Beine an.
„Wärest du nicht so unhöfflich gewesen. Hättest du es bereits erfahren. Ihr Name ist Lady Marian Gabriel de Hellsing. Und schon bald wird der Name Draculea dazukommen. Sie stammt aus England, aus einem uralten Adelsgeschlecht, mit dem ich schon vor langer Zeit das Vergnügen hatte.“
„Na und? Dann ist sie `alt eine Adlige! Doch das Ding in ihrem Bauch spricht für sich! Du `ast doch auch schon andere geschwängert, warum willst du diese nun heiraten? Das ist doch ver-“
„Ich liebe sie.“
Valentin erstarrte.
„Das…das ist ja ein schlechter Scherz!“, schrie er zurück und ballte die Hände zu Fäusten.
„Nein“, Dracula lächelte schwach und erhob sich, „Seit der Nacht in der ich sie traf, liebe ich sie. Und auch sie ist in der Liebe mit mir gefallen. Du hattest Recht. Sie hat mich verzaubert, doch auch sie konnte mir nicht entkommen.“
„Nein…und die anderen Weiber? Die anderen Dinger, diese Dhampirmissgeburten?“
„Spielzeuge, Experimente und Fehlschläge“, murmelte der Vampirkönig und zuckte mit den Schultern, „Aber das hier ist anders. Sie ist stark, schön und hat einen wundervollen Dickschädel. Sie ist klug und gerecht. Sie ist…einfach perfekt.“
„Perfekt?! Sie ist ein Mensch!“
„Ja, aber das ist mir egal. Sie möchte es nicht anders und so kann ich wenigstens einen Erben bekommen.“
„Einen Erben? Wie bei den Vorigen? Muss ich dich daran erinnern, was jedes Mal geschah? Wenn du…wenn du sie wirklich lieben würdest, würdest du ihr so etwas nicht antun!“
„Ich wollte es auch nicht!“, knurrte Dracula zurück und schob das Kinn vor, „Aber sie hat mich überlistet, weil sie ein Kind wollte. Das hätte nie-“
Er brach ab, griff sich an die Stirn und stöhnte.
„Dieser Dickschädel…aber ich bin mir sicher, ihr eiserner Wille wird ihr helfen, dass zu überstehen. Sie wird es schaffen- daran glaube ich. Daran muss ich glauben.“
Valentin schwieg. Er spürte, dass es seinem König ernst war. Dass er sie wirklich liebte, dieses Menschlein. Er schüttelte den Kopf und setzte sich auf einen Stuhl.
„Seit wann? Wo hast du sie kennen gelernt?“
Dracula keuchte erneut und setzte sich ihm gegenüber.
„Seit zwei Jahren.“
Der Teufel blinzelte. Das war mehr als bei seinen bisherigen Weibchen.
„Sie kam um mich zu töten“, bei diesen Worten lächelte Dracula selig, „Ganz der Familientradition entsprechend. So süß.“
„Du hattest schon immer einen Knall. Aber das übertrifft alles“, erwiderte Valentin trocken, „Aber nun bitte die wirkliche Geschichte.“
„Das ist die wirkliche Geschichte!“, beharrte der Vampirkönig, „Sie ist eine ausgezeichnete Schwertkämpferin. Ich weiß, das traut man ihr bei ihrer zarten Statur nicht zu. Aber wie sich mich angriff, dieses Feuer, das Haar, dass um sie wirbelte, während ihr Schwert auf meine Brust zielte. Weißt du, sie stammt aus einer uralten Jägerfamilie. Ihr Vorfahre Gabriel van Hellsing hat mich schon zweimal getötet…zumindest für einen längeren Zeitraum.“
Valentin öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Ihm fällten die Worte.
„Ich habe es geschafft, sie zu bezwingen und sie, ähm, geraubt. Und sie in mein Schloss gebracht. Am Anfang war sie verdammt sauer und hat mich die ganze Zeit gepfählt, erstochen ect. Aber mit jedem Mal hat sich etwas zwischen uns verändert. Wir…sind uns näher gekommen.“
„Masochist“, stieß Valentin hervor.
„Na ja und dann haben wir uns das erste Mal geküsst. Es war so wild und leidenschaftlich. Es war…unglaublich… Allein das Messer in meiner Brust war ein wenig hinderlich. Aber das haben wir schon sehr oft nachgeholt und verbessert.“
„Verrückter.“
„Aber es war ja nur eine Frage der Zeit, wann sie mir verfällt.“
„Ich vergas ganz, dass du ein Narzisst bist.“
„Nun komm schon. Du wirst sie noch lieben lernen. Glaub mir.“
Valentin stöhnte auf und stützte den Kopf auf die Stirn.
„Komm schon…das ist doch verrückt. Du weißt doch, was geschehen wird.“
Draculas Blick wurde traurig.
„Ich werde alles tun, um sie und das Kind zu retten. Vertrau mir, doch dafür brauche ich deine Hilfe.“
„Meine Hilfe?“
„Während sie und ich versuchen, alles nötige zu tun, damit sie durch kommt, brauch sie Schutz.“
„Isch…isch bin hier um dieses Weib zu beschützen?“, stammelte er fassungslos und ballte die Hände zu Fäusten. Doch als er dem strengen Blick seines Königs begegnete, wusste er, dass er keine andere Wahl hatte. Und schließlich gab er widerwillig nach.
Er würde gehorchen, doch unter seinem Unmut darüber würde er alle anderen leiden lassen.

Die Hure saß auf einem Stuhl, die Nadeln in ihren Händen bewegten sich auf und ab, während die Decke langsam immer mehr Gestalt annahm. Sie hatte ihn knapp gegrüßt, als er eingetreten war, ignorierte ihn aber seitdem geflissentlich. Sie sprachen nicht miteinander, hatten keinerlei Kontakt und er, Valentin Garde, war zu einem Schatten geworden.
Ihrem Schatten.
Und das machte ihn fast wahnsinnig. In ihrer Gegenwart oder die des Königs verhielt er sich kalt und abwesend, doch die Diener erlebten ihn von seiner schlimmsten Seite. Sie wichen ihm aus, duckten sich in den Dreck, in der ständigen Furcht lebend, dass er im nächsten Augenblick vor Zorn zu Raßen begann und sie wie Papier in tausend Fetzen zerriss.
Valentin schnaubte in einer Mischung aus Abscheu und Belustigung und wendete seinen Blick von dem Menschenweib ab. Stattdessen sah er aus dem Fenster. Die Dämmerung hatte eingesetzt. Schon bald würde es Tag werden. Er griff nach den Gardinen und zog sie zu. Als Vampir vertrug er kein Sonnenlicht. Es schmerzte, setzte seine Glieder in Brand und tötete seines gleichen. Und doch war es bei ihm anders. Die meisten Vampire konnten sich nicht einmal am Tag nicht einmal in geschlossenen Räumen bewegen und wurden völlig von der Sonne gelähmt, doch er hielt es aus- zumindest bis zu einem bestimmten Punkt. Einer der Gründe, warum er selbst am Tag, der eigentlich seine Schlafenszeit war, an der Seite der Hure blieb. Es gab menschliche Soldaten oder Werwölfe die ihn ab und an ablösten, doch Dracula bestand darauf, dass er soviel Zeit mit ihrer Bewachung verbrachte, wie er konnte…und als Vasall blieb ihm keine andere Wahl als seinem König und Lehnsherrn zu gehorchen.
„Monsieur Garde?“
Er wendete den Blick von den schweren Samtvorhängen ab und drehte sich um. Er sah wie die vampirischen Dienerinnen die Kerzen entzündeten und auf einen Wink ihrer Herrin das Zimmer verließen. Das Weib dagegen setzte ihre Strickarbeiten ungerührt fort und Valentin verschränkte die Arme hinter dem Rücken. Die Mundwinkel des grünhaarigen Vampirs zuckten. Es war kein Lächeln- lediglich das Zeichen von Ungeduld und Unwollen. Die Hure hatte seit ihrem ersten Zusammentreffen kein Wort mehr mit ihm gewechselt und seine Anwesenheit lediglich mit einem Nicken zur Kenntnis geworden. Sie hatte ihn wie einen Wachhund einfach akzeptiert, überließ aber die Umsorgung anderen. Also warum hatte sie nun das Wort eröffnet?
„Mademoiselle?“, harkte er schließlich nach, als sie keine Anstalten machte, weiterzureden.
Das Weib reagierte erst nicht und er wollte schon wieder dazu übergehen sie zu ignorieren als sie schließlich seufzte, die Masche beendete und das Strickzeug auf ihren Schoß legte. Vorsichtig legte sie die Hand auf ihren runden Bauch, der mit nachtblauem Samt verkleidet war und strich darüber.
„Haltet Ihr mich für dumm, Monsieur?“
Valentin blinzelte. Mit der Frage hatte er nicht gerechnet.
„Mademoiselle?“
„Ihr habt mich schon verstanden, Monsieur. Nun, wie ist Eure Antwort?“
„Isch denke, dafür kenne isch Euch noch nicht lange genug. Verzeiht.“
„Nein“, sie sah ihn direkt an und lächelte kalt und berechnend, „Ich verzeihe Euch nicht.“
„S'il vous plaît?“, stieß er hervor und spürte wie ihm der Ärger in seiner Brust anschwoll. Was bildete sich diese Hure ein? Er war der Französische Teufel! Und sie nur eine kleine, kümmerliche Sterbliche. Der Einzige Grund, warum er ihr noch nicht das Herz aus der üppigen Brust gerissen hatte, war, dass sie ihn den Schutz des Königs genoss.
„Ja, Ihr müsst mich wohl für dumm halten. Glaubt Ihr denn nicht, wie ihr meinen Verlobten ansieht? Wie Euch diese Aufgabe zu wider ist? Denkt Ihr, ich kenne die Berichte über Euch nicht? Die Geschichte über Eure Grausamkeiten? Ich war in Frankreich während Eurer Herrschaft- ich habe die Leichen der Frauen und Kinder gesehen, die Ihr zu Abschreckung habt aufstellen lassen?“
Valentin erstarrte, hatte er denn weder damit noch mit ihrem scharfen Ton gerechnet.
„Also, Monsieur Garde, hört auf Euch zu verstellen. Eure an den Tag gelegte Kälte ist doch nur eine kindische Art der rebellischen Wut. Auch das Verhalten und die Angst der Diener ist mir nicht entgangen. Wie ich hörte, habt Ihr erst vor Kurzem, einem der Dienstjungen, die Hand gebrochen, als er Euch den Wein nicht schnell genug einschenkte.“
„Ihr wollt, dass Ich…Euch meine wahre Seite zeige?“, seine Stimme wurde mit jedem Wort mehr verzogen. Ein tiefes Knurren stieg in seiner Kehle auf und seine Haltung wurde straffer und zunehmend aggressiver. Nur mit Mühe hielt er sich unter Kontrolle.
„Was wisst Ihr schon? Ihr…Ihr seid nur ein nichtsnutziges Menschenweib das sich in das Bett meines Königs geschlichen hat! Ihr seid nur eine Hure, eine billige Straßenhure!“
Etwas zischte durch die Luft. Beinahe, getrieben von seiner brennenden Wut, hätte er es nicht bemerkt, doch noch gerade rechtzeitig schoss seine Hand vor und hielt den Angriff auf seine Herz auf. Es war eine Nadel- eine Stricknadel. Tatsächlich erschrocken, sah er von der- wie er feststellte- tödlich silbernen Nadel zu der Besitzerin. Die Hure lächelte. Es war ein kaltes Lächeln, das Draculas Konkurrenz machte.
„Ich bin eine englische Adlige aus einem uralten Geschlecht und eine der besten Jäger der ganzen Welt. Ich bin von Gabriel Van Helsings Blut! Ich habe mehr Noble, mehr Vampire getötet als Ihr wahllos Menschen geschlachtet habt, Monsieur. Ich gehöre dem heiligen, protestantischen Ritterorden an und ich werde es mir nicht bieten lassen, auch nicht von Euch, mich Hure nennen zu lassen.“
„Ihr habt ihn verhext“, zischte Valentin, spürte aber bereits, wie sich etwas Neues an die Oberfläche seiner Gefühle schlich, „Wie sonst käme er sonst auf die Idee sich mit einem Menschenweib zu verloben? Ihr bindet ihn mit diesem Bastard an Euch!“
„Verhext? Wenn ihr damit die Liebe meint, dann gestehe ich dieses Verbrechen ein, doch wisset- wenn Ihr zwischen mich und ihn kommt, dann räume ich Euch aus dem Weg. Ich bin eine erfahrene Jägerin, die lediglich durch das Kind ein wenig eingeschränkt wird. Doch wer Vlad und mein Kind bedroht, den werde ich mit allen vernichten. Auch Euch“, sie atmete tief ein und ihre blauen Augen funkelten wie Edelsteine, „ Ja, ich habe ihn ausgetrickst, um sein Kind zu empfangen, doch ich wusste, dass er es sich ebenfalls wünschte. Auch kenne ich die Risiken und denkt Ihr denn nicht, eine nach Macht gierende Hure würde alles Nötige tun, um das zu verhindern? Sie würde wohl kaum ihr Leben riskieren, nicht wahr? Doch ich habe nicht vor, zu sterben oder das Kind zu verlieren.“
Und da war es geschehen. Das Gefühl gewann die Oberhand und er konnte es nicht mehr unterdrücken. Valentin begann sie zu respektieren- ja, er war regelrecht beeindruckt. Diese Frau strahlte eine unglaubliche Stärke und Intelligenz aus. Sie bot ihm, dem Französischen Teufel, die Stirn und stand für ihre Werte und Pläne ein. Nein, sie war niemand, der sich mit einem schönen Körper Macht erschlich. Sie war keine Hure. Sie war eine Vollblut Adlige.
Valentin stieß ein Seufzen aus und sank in die Knie.
Er gab sich geschlagen.
„Verzeiht mir, ma reine.“
„Marian. Mein Name ist Marian“, sie lächelte und legte erneut die Hand auf ihren Bauch, „Und ja, dieses Mal verzeihe ich Euch, Monsieur Garde.“

Dracula war ein einziges zitterndes aufgedrehtes Nervenbündel. Keuchend lief er auf und ab, während Schreie hinter der Türe aufklingen. Valentin hatte versucht ihn zu beruhigen und zu beschäftigen, aber es brachte nichts. Der Vampirkönig machte sich einfach zu große Sorgen. Valentin konnte dies nur zu gut nachvollziehen, waren Marians Schreie so schrecklich und schmerzhaft, dass sie selbst ihm einen Schauer über den Rücken jagten. Und als es plötzlich still wurde und die Hebammen heraustraten, stürmte Dracula an ihnen vorbei. Valentin blieb zurück. Er wollte den Liebenden Zeit für sich lassen. Er hätte gebetet, doch er wusste nicht, zu wem. So wendete er sich schließlich den beiden Frauen zu.
„Wie geht es der Herrin?“
Die Hebammen verbeugten sich, sie schienen ebenfalls erschöpft zu sein.
„Es ist unglaublich. Sie hat zwar ungeheuer viel Blut verloren, aber sie ist stark. Sie hat die Geburt überstanden und die Infusionen wirken.“
„Und das Kind?“
„Nun, das“, die Vampirfrau und ihre menschliche Kollegin tauschten einen Blick, „Es ist…das Kind war völlig ruhig. Es hat nicht geschrien oder-“
„Ist das Kind am Leben? Oder eines von diesen blutrüstigen Monstern?“, fuhr Valentin sie an. Die Frauen zuckten zusammen, doch ehe sie antworten konnten, rief ihn Dracula zu sich. Das Schlimmste erwartend trat der grünhaarige Vampir in das Gemach ein. Der König stand am Bett. Marian lag darin, totenbleich und bedeckt mit einer blutroten Decke. Doch als sie Valentin erblickte lächelte sie schwach und legte den Kopf zur Seite.
„Mein Kind…“, hauchte sie und ihre Stimme zitterte. Dracula hielt in seinen Armen ein kleines Bündel aus Decken. Valentin schluckte und trat neben sie. Tatsächlich fehlte das Schreien des Neugeborenen. War es etwa eine Totgeburt? Oder hatte der König bereits sein Kind getötet? War es doch eines dieser Missgeburten gewesen?
„Dracula?“
Der Vampirkönig hob den Kopf. Ein Lächeln spielte um sein Gesicht. Vorsichtig strich er die Tücher zur Seite und drehte sich so, dass Valentin direkt in seine Arme sehen konnte. Ein kleines weißes Gesicht kam zu Vorschein. Braune Locken schmückten das Haupt, die Augen waren geschlossen und unglaublich lange, schwarze Wimpern bogen sich elegant. Ein kleiner Mund mit blassen Lippen öffnete sich und zwei spitzen Zähnchen blitzten auf.
„Sieh nur, Valentin“, Dracula lachte auf, „Ich habe einen Sohn!“
Valentin erstarrte. Unglaublich. Es war alles gut gegangen. Nicht nur, dass die Königin die Geburt überstanden hatte, sondern auch das Baby war gesund und normal- zumindest für einen Dhampir.
„Ich gratuliere Euch, mon roi. Marian.“
Er verneigte sich, doch das wollte sein König nicht. Stattdessen befahl er ihm, näher zu kommen. Vorsichtig reichte er das kleine Kind dem Französischen Teufel. Dieser zögerte, benommen von dem Geschehen, griff dann aber nach dem Bündel und bettete es sanft in seinen Armen. Valentin blinzelte und betrachtete das kleine Wesen in seinen Armen.
„Es…er ist wunderschön“, murmelte er, ergriffen von der Schönheit dieses jungen, so zerbrechlichen Lebens.
„Ja, das ist er“, flüsterte Dracula und strich über das schöne Babygesicht. Sein Sohn stieß ein Quietschen aus und schmatzte. In seinen Armen bewegte sich der Dhampir. Ein Arm kam unter den Tüchern hervor und tastete ziellos in der Luft herum. Schließlich griff er ein paar grüne Strähnen und krallte sich unbarmherzig fest. Valentin keuchte über das Ziehen und stieß ein leises Knurren aus. Marian kicherte vom Bett aus und lächelte zufrieden.
„Wie süß! Er mag dich!“
Valentin seufzte und betrachtete das liebliche Gesicht. Es war beinahe so, als würde er einen Engel halten.
„Denkt Ihr wirklich…ich weiß nicht…also…“
„Doch, dass tut er“, erwiderte Dracula und klopfte Valentin auf die Schulter, „Und darum wirst du auch sein Parte werden.“
„Das kann ich nicht annehmen!“
„Das wirst du müssen. Das ist ein Befehl deines Königs und deiner Königin. Wir haben schon einen Namen.“
„Und…wie ist er?“, fragte der Französische Teufel nun doch neugierig und völlig verlegen über diese unerwartete Ehre.
„Dracula Valentin Vlad Gabriel Hellsing Draculea.”
„Und weil das viel zu hart für ein Kind klingt, nennen wir ihn einfach D. Auf jeden Fall besser als mit Sohn des Teufels gerufen zu werden, nicht wahr, mein Gemahl?“
Der Vampirkönig lächelte verlegen und setzte sich neben seine Marian, um ihren einen sanften Kuss zu geben. Erneut spürte Valentin die Eifersucht in den Neid in sich hochkommen. Doch dieses Mal beneidete er nicht Marian. Er war neidisch auf das Glück und die tiefe Liebe, die sie genossen. Nie zuvor hatte er so etwas gesehen oder je erlebt. Doch als das Kind in seinen Armen die Augen öffnete und ihn ansah, spürte er wie ein warmes Gefühl sich in seiner Brust ausbreitete.
Diese wunderschönen blauen Augen…
Ein sanftes Lächeln erschien auf Valentins Gesicht.
„Hallo, mein kleiner D…ich bin dein Parte Valentin. Ich freue mich dich kennen zu lernen…“
Ein Strahlen glitt über das Gesicht des kleinen Prinzen.
In diesem Augenblick wusste Valentin, dass es doch noch Hoffnung gab.
Er würde die tiefe Liebe kennen lernen, die seine Herrschaften verband. Er war sich sicher.
Dazu musste er nur in dieses liebliche Gesicht sehen.
Denn seine Liebe trug den Namen D.

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Hellsing:
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Vampire Hunter D:
http://www.fanfiktion.de/s/4beb0e320000aab80661a9c8/1/First-Vampire-kiss
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