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Deep Silent Complete

von Saekki
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Hotsuma Renjou Shusei Usui
23.05.2011
08.06.2011
18
30.662
4
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23.05.2011 1.827
 
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Schnell spurtete der Braunhaarige seinem Freund hinterher und ließ ihn nicht aus den Augen. Hotsuma war schnell und Shusei musste sich sehr bemühen, um mit ihm mitzuhalten. Die kalte Luft stach in seine Lunge und das Atmen fiel Shusei jetzt schon schwerer. Er war noch nie der sportliche Typ gewesen.
Noch immer sah er den Blonden vor sich rennen, Shusei wusste nicht wohin sein Freund rannte oder was sein Ziel war, aber das war egal. Er musste ihn einfach nur einholen. Und das so schnell wie möglich.
Der Abstand zwischen den beiden jungen Männern betrug vielleicht an die fünfzig Meter, aber es war so dunkel, dass Shusei nur mit Mühe den Anderen ausfindig machen konnte.
Auf einmal bemerkte der Braunhaarige, dass die Straße, die er gerade entlang rannte, langsam bergab führte.
„Hots-!“, rief er noch einmal, aber die Luft war zu knapp, entweder rennen oder rufen. Beides zusammen ging nicht.
Plötzlich verschwand der dunkle Umriss des Blonden vor Shuseis Augen und sofort machte sich Panik in Shusei breit. Noch einmal beschleunigte er seine Schritte und kam dann schwer atmend an der Stelle zum Stehen, wo er seinen Freund zuletzt gesehen hatte.
Erst jetzt begriff der Braunhaarige, wo er war. Die salzige Luft kitzelte ihm in der Nase und eine eiskalte Brise ließ ihn erschaudern. Laut nach Luft schnappend sah er sich an dem dunkeln Kai um und versuchte eine Spur von Hotsuma zu entdecken. Langsam ging er über den dunklen Platz, der nur von dem kargen Mond beleuchtet wurde, der mit einigen Wolken verhangen am Himmel prangte. Und dann sah er ihn.
Dort am Kaiufer stand der Blonde, den Rücken zu ihm gewandt, den Kopf in den Nacken gelegt.
In Shusei zog sich alles zusammen und die wenige Luft, die er besaß, entwich ihm schlagartig.
„Hotsuma!“, sein Schrei hallte über den leeren Platz.
Und tatsächlich. Der Blonde drehte sich um. Das schwache Mondlicht fiel seitlich auf sein Gesicht und beleuchtete es teilweise.
Shusei stand zwar etwas von ihm entfernt, aber er stand nah genug um zu sehen, wie Hotsuma seine Lippen zu einem leichten Lächeln anhob und stumm seine Lippen bewegte.
Dann drehte er sich um und machte einen Schritt über das Ufer hinaus.
Ein lautes Klatschen ertönte und Shuseis Augen weiteten sich unkontrolliert.
Dann kam Bewegung in den Braunhaarigen. Sofort rannte er auf das Ufer zu, seine Füße flogen beinahe über den harten Beton.
Die Sekunden vergingen viel zu schnell und Shusei bewegte sich viel zu langsam. Sein Herz schlug hart gegen seine Brust und zog sich gleichzeitig schmerzhaft zusammen.
Dann erreichte er endlich das Ufer und sah auf die aufgewühlte Wasseroberfläche.
„Hotsuma!“, sein Schrei hallte verzweifelt durch die Nacht.
Sein ganzer Körper wurde nur noch von einem einzigen Gedanken gesteuert: Hotsuma.
Das eiskalte Wasser drückte ihm die Luft aus der Lunge und sein ganzer Körper zog sich vor Kälte zusammen, als er die Wasseroberfläche durchbrach.
Gegen den Drang, sofort wieder an die Oberfläche zu tauchen, ankämpfend öffnete er seine Augen und versuchte etwas in dem dunklen Wasser zuerkennen. Es war vollkommen schwarz um ihn herum. Panisch tauchte Shusei orientierungslos herum. Er hatte Angst. Er hatte unglaubliche Angst. Um Hotsuma. Er hatte noch nie so Angst um Hotsuma gehabt, wie in diesem Moment, der ihm vorkam als raste die Zeit an ihm vorbei. Er fühlte sich hilflos, so unglaublich hilflos.
Nun wurde Shusei die Luft doch zu knapp und eilig tauchte er auf. Er hatte sich nicht weit unter der Wasseroberfläche befunden und als er seinen Kopf aus dem Wasser streckte, schnappte er laut nach Luft. Hektisch sah er sich um, darauf hoffend, dass Hotsuma irgendwo zu sehen war. Nichts.
… Doch! Shusei glaubte eine leichte Bewegung auf der Wasseroberfläche gesehen zu haben, nicht weit von ihm entfernt. Es hätte auch nur eine Täuschung gewesen sein können, aber das war nicht wichtig. Nicht für Shusei.
So schnell er konnte schwamm er drauf los und tauchte dann unter. Er konnte immer noch nichts erkennen, darum streifte er ziellos mit seinen Armen durch das Wasser. Nichts.
Er wollte schon wieder auftauchen, da spürte er plötzlich etwas an seinem Bein. Blitzschnell griff er nach unten … und bekam etwas zu fassen. Sein Herz machte einen Sprung und ein Funken von Hoffnung entflammte in dem Braunhaarigen.
Mit all seiner Kraft durchstieß er abermals die Wasseroberfläche und zog das, was er fest umklammert hielt, mit sich.
Es war Hotsumas Arm.
Angestrengt versucht Shusei nun auch den Kopf des Blonden über Wasser zubekommen, was ihm auch gelang.
Wasser spuckend tauchte das Gesicht seines Freundes vor ihm auf, Shusei hatte seine Hand in seine Haare gekrallt.
„Hotsuma!“, wollte er schreien, doch nur ein Krächzen entwich seinem Hals. Die Kälte zeigte ihre Wirkung und Shusei wusste, dass er sie Beide so schnell wie möglich aus diesem Wasser bringen musste.
Doch der Blonde schnappte nicht nur verzweifelt nach Luft, er wehrte sich auch. Er versuchte sich von dem Braunhaarigen loszureißen und drückte ihn von sich.
„Hotsuma! Was soll das?“, aber es kam keine Antwort, der Blonde wehrte sich nur noch mehr.
Shusei spürte, wie sein Körper langsam schwer wurde und er realisierte, dass er schnell handeln musste, sonst würde es wirklich eng werden.
Rasch schlug er Hotsuma mit einer Hand gegen die Seite und der gewünschte Effekt ließ nicht lange auf sich warten. Mit einem leisen Stöhnen sackte der Blonde merklich zusammen und der Widerstand hörte schlagartig auf.
Shusei umfasste den Oberkörper seines Freundes und versuchte so schnell es ging an das rettende Ufer zu schwimmen. Seine Glieder wurden immer schwerer und sein Atem ging stoßend. Ab und an geriet sein Kopf unter Wasser und prustend kämpfte er sich wieder nach oben, Nach einigen endlosen Sekunden erreichte er endlich die steile Betonwand. Er musste sie beide irgendwie aus dem Wasser befördern, aber Hotsuma war nicht gerade in der Verfassung sich großartig zu bewegen.
Da erspähte der Braunhaarige nicht weit von sich eine Leiter, die aus dem Wasser herausführte und er überlegte nicht lange. Mit einem enormen Kraftaufwand zog er sich aus dem Wasser heraus, einen Arm noch immer um Hotsuma geschlungen. Das Wasser lief laut von ihren Körpern herab und suchte sich seinen Weg zurück zur Quelle, als Shusei zitternd die Treppen erklomm.
Auf der letzten Stufe warf er sich vorwärts und schmerzhaft landete er auf dem harten Boden.
Bewegungslos blieb er einige Sekunden dort liegen. Die Kälte raubte ihm beinahe den Atem, jener ging schwer und stoßend. Shuseis Körper fühlte sich unglaublich schwer an und seine Kleidung klebte ihm eng an seinem zitternden Leib.
Und trotzdem war das Einzige, woran er denken konnte, der bewegungslose Körper neben ihm.
Mit seiner letzten Kraft richtete sich der Braunhaarige auf und drehte den Blonde neben ihm auf den Rücken.
Hustend bäumte jener sich auf und Shusei legte seine Arme um ihn und hielt ihn mit dem bisschen Kraft, die er noch besaß, fest.
„Sag mal, spinnst du!? Bist du vollkommen übergeschnappt?“, Shuseis Stimme zitterte noch immer, aber sie klang nicht mehr so leise, wie vor wenigen Augenblicken.
Der Blick des Blonden wanderte kurz unruhig umher, bevor er die Stimme lokalisieren konnte.
„… Warum?“, flüsterte er nur.
Shusei spürte eine unbekannte Wut in ihm aufsteigen, eine Wut, die er gegenüber Hotsuma nie gespürt hatte.
„Warum?! Hotsuma, denkst du ich hätte dich ertrinken lassen?! Was ist bloß in dich gefahren?“, schrie der Braunhaarige den Blonden in seinen Armen an.
„Nein, Shusei, aber ich wünschte du hättest es getan … ich will nicht mehr, ich kann das nicht mehr … du hast es selbst gehört, sie …“, schwach setzte Hotsuma an, doch der Braunhaarige hatte genug.
„Jetzt hör mir mal zu, sich umzubringen ist noch lange keine Lösung, verdammt! Wie kannst du so einfach aufgeben? Was interessiert es dich überhaupt noch, was deine Mutter sagt, warum? Du hast es all diese Jahre ertragen und jetzt? Jetzt, wo das Ende vielleicht bald in Sicht ist, gibst du da einfach auf?“
Ein leichtes Lächeln huschte über die blauen Lippen des Blonden.
„Welches Ende, Shusei? Unser Ende? Ist es das, was du meinst? Ja, ich sehe unser Ende schon deutlich vor mir. Mach dir doch nichts vor, Shusei … du wirst diese Frau heiraten und ich will das nicht miterleben. Eher sterbe ich … dann mache ich wenigstens einmal im Leben etwas, was meine Mutter glücklich macht …“
Shusei schüttelte den zitternden Körper in seinen Armen heftig.
„Und mich lässt du einfach so zurück?! Wie kannst du …“, unerwartet brach die Stimme des Braunhaarigen ab und verwundert merkte er, wie ihm heiße Tränen über die Wangen liefen, „ … wie kannst du jemanden zurücklassen, der dich bedingungslos liebt?“
Der Blick Shuseis ließ Hotsuma das Herz aussetzen. Noch nie in seinem Leben hatte er so eine Trauer und Verzweiflung in einem Menschen gesehen, nicht einmal in Shusei.
Nun liefen auch dem Blonden die Tränen übers Gesicht und mit einer zitternden Hand krallte er sich an den Kragen seines Freundes.
„Du hättest mich gehen lassen sollen, Shusei … dass wäre das Beste gewesen.“
„Nein! Hotsuma, ich würde dir überall hinfolgen … selbst in den Tod.“, Shuseis Stimme war ernst geworden und sein Griff um den Blonden festigte sich noch mehr.
Hotsuma betrachtete nur stumm seinen Freund und seine Augen huschten hin und her.
Nach einigen Sekunden der Stille erhob er wieder das Wort.
„Ich wusste nicht, dass du dich noch daran erinnerst, was ich dir vor zwei Jahren erzählt habe …“, murmelte der Blonde und studierte eingehen das Gesicht seines Freundes.
Zum ersten Mal für diesen Tag breitet sich ein leichtes Lächeln auf Shuseis Gesicht aus und er legte seine Stirn gegen die seines Freundes.
„Ich erinnere mich an alles, was du mir je erzählt hast, Hotsuma.“
Zitternde Lippen suchten einander und die Wärme, die sich schlagartig in den beiden Körper bildete war mit nichts zu vergleichen.
Sehnsüchtig hauchte der Blonde immer wieder kurze Küsse gegen die Lippen Shuseis und der Braunhaarige ließ er geschehen.
„Hotsuma“, unterbrach er dann aber schließlich doch die Liebkosungen seines Freundes, „versprich mir, dass du das nie wieder machst!“, mit deutlichem Nachdruck sah er den Blonden an.
Dieser blickte ihn lange an und nickte dann. Shusei fiel eine unglaublich Last von seinem Herzen.
„Lass uns von hier verschwinden.“, und mit zitternden Beinen richtete sich der Braunhaarige auf.
Hotsuma ergriff die ihm dargebotene Hand und langsam stolperten sie eng umschlungen den Weg, weg vom Kai, entlang.
„Das tat vorhin übrigens verdammt weh, Shusei.“, murmelte der Blonde plötzlich beinahe beiläufig.
Shuseis Kopf wanderte zu dem Blonden und er lächelte.
„Tut mir Leid, aber du hast mir keine andere Wahl gelassen.“, entschuldigen strich er seinem Freund über seine verletzte Seite.
Stumm gingen sie weiter den Weg entlang und leise tropfte noch immer das Wasser von ihren Körpern.
„Es tut mir Leid.“, vernahm der Braunhaarige es plötzlich von seiner Seite.
„Es war egoistisch von mir.“, der Blonde hatte seinen Blick gen Boden gerichtet und Shusei drückte ihm einen Kuss gegen die nasse Schläfe.
„Versprich mir, dass du ab morgen Schwimmunterricht nimmst, okay?“
Trotz des leisen Lachens, das Hotsuma erklingen ließ und trotz des Versprechens, dass der Blonde ihm gegeben hatte, wuchs die Sorge in Shusei immer mehr.
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