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Deep Silent Complete

von Saekki
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Hotsuma Renjou Shusei Usui
23.05.2011
08.06.2011
18
30.662
4
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-Währendessen bei Hotsuma –

Langsam ließ der Blonde seine Hand, die sein Telefon hielt, sinken und blickte mit feuchten Augen aus dem Fenster. Draußen war es schon dunkel geworden und Hotsuma sah seine eigene Reflektion in der Fensterscheibe.
Bei seinem Anblick musste er ungewollt lächeln.
„Ich bin so armselig.“, flüsterte er leise und erhob sich von seinem Bett.
Er brauchte jetzt dringend Ablenkung. Er warf noch einen letzten Blick aus dem Fenster und verließ dann den kleinen Raum.
„Beeil dich, Shusei.“

Langsam schritt er den Weg zur Küche entlang, er hatte seit heute morgen nichts mehr gegessen und sein Magen meldete sich nun lautstark zu Wort.
Mit einem leisen Klicken erhellte sich die Küche und unmotiviert öffnete der Blonde den Kühlschrank.
„Hattest du nicht gesagt, du würdest einkaufen gehen?“, murmelte er genervt und holte sich die letzten Reste Gemüse heraus. Vielleicht könnte er daraus ja etwas Essbares zaubern.
Bevor er sich jedoch ans Kochen machte, holte er noch ein kleines Kühlpack aus dem Eisfach und drückte es sich mit einem wohligen Stöhnen gegen sein Auge. Dieses verdammte Ding pochte einfach viel zu stark.
Ungeschickt versuchte Hotsuma nun einhändig das Gemüse in der Spüle zu waschen, gab es dann aber auf halber Strecke auf, beim Kochen würden sich vorhandene Schadstoffe eh verflüchtigen.
Rasch stellte er einen Topf Wasser auf den Herd, legte widerwillig das Kühlpack auf den Küchentisch und machte sich daran, das Gemüse klein zu schneiden.
Plötzlich ertönte ein dumpfer Knall und Hotsuma schrak zusammen.
Einen kurzen Augenblick verharrte der Blonde an Ort und Stelle, legte dann aber verwirrt das Messer und die Paprika beiseite und trat auf den dunklen Flur hinaus. Es war vollkommen ruhig.
Stirnrunzelnd blickte Hotsuma nach rechts, wo sich das Zimmer seiner Mutter befand. Zögerlich trat er an die geschlossene Tür heran und legte sein Ohr gegen das dunkle Holz.
Ein leises Quietschen drang an seine Ohren und löste in ihm ein unangenehmes Gefühl aus.
Hotsuma war sich unschlüssig, er wusste nicht was er tun sollte, wollte er seiner Mutter seit gestern Abend doch mehr als nur aus dem Weg gehen. Aber andererseits, dieses mulmige Gefühl … irgendwie konnte er es nicht verdrängen …
„Mutter?“, zaghaft klopfte der Blonde gegen die Tür.
Keine Antwort.
Noch einmal klopfte er und wieder erhielt er keine Antwort. Er wusste nicht mal, ob sie überhaupt zu Hause war, heute hatte er sie zumindest noch nicht gesehen.
Sein Inneres sträubte sich gewaltig, als er schlussendlich doch eine Hand auf die Klinke legte und sie vorsichtig runterdrückte. Er konnte sich nicht erklären warum, aber sein Herz schlug ungewohnt schneller.
Er öffnete die Tür soweit, dass er eintreten konnte und erkannte, dass das Zimmer vollkommen dunkel war. Mit der Hand an der Wand entlang tastend suchte er den Lichtschalter.
Als ein grelles Licht kurz darauf den Raum flutete, setzte Hotsumas Herz aus und seine Augen weiteten sich panisch ins Unendliche.
Seine Mutter hing mit einem dünnen Strick um ihren Hals an der einzigen Lichtquelle in dem Raum von der Decke. Ihr Gewicht brachte die Lampe zum leichten hin- und her schwingen. Jedes Mal ertönte ein leises Quietschen, das die Stille des Raumes durchbrach.
Hotsuma konnte sich nicht rühren. Er konnte nicht begreifen, was er da sah. War das die Wirklichkeit? Alles um ihn herum schien schlagartig in Watte gepackt zu sein. Sein Herzschlag, der nach seinem kurzen Aussetzen, rascher und fordernder gegen seine Brust schlug. Sein Atem, der auf einmal eher einem Keuchen gleichkam. Vor seinen Augen verschwamm alles – bis auf die Gestalt seiner Mutter, die noch immer bewegungslos an dem dünnen Strick hin. Er konnte sie klar und deutlich vor sich sehen.
Dann kam Bewegung in den Blonden. Es kam ihm vor, als würde er sich in Zeitlupe zu ihr hin bewegen und als er ihre Beine umfasste und sie nach oben hob, fühlte sich ihr Körper schwer und fremd an.
Ihr Körper hatte jeglichen Halt verloren und hing schlaff in Hotsumas Armen. Panik machte sich in dem Blonden breit und er suchte verzweifelt nach einem Weg den Körper seiner Mutter von dem Strick zu befreien. Ihr Körper hing nicht allzu weit über dem Boden und so versuchte er einhändig den Strick über ihren Kopf zu streifen. Es gelang ihm nicht.
Noch immer kam ihm seine Umgebung dumpf vor, doch als er langsam realisierte, dass, wenn er nichts unternehmen würde, das Ganze ein übles Ende nehmen würde, passte sein Gefühl sich wieder der Realität an und in seiner Panik griff er nach dem Strick und riss mit seiner ganzen Kraft die Lampe aus der Decke. Dunkelheit erfüllte den Raum und er spürte das ganze Gewicht seiner Mutter in seinen Armen.
Eilig stolperte er aus dem Raum heraus, Richtung Küche. Dort angekommen wurden seine Knie auf der Stelle weich und er sank an Ort und Stelle auf die kalten Fließen. Behutsam legte er seine Mutter auf den Boden, streifte ihr den Strick vom Hals (zusammen mit dem Rest der Lampe) und betrachtete sie ängstlich. Ihre Augen waren geschlossen und kein Zeichen von Atmung war zu erkennen. Abermals stieg die Panik in Hotsuma hoch und rasch griff er nach ihrem Handgelenk – kein Puls.
Verzweifelt krallte der Blonde seine Hände in seine Haare. Was sollte er bloß tun? Er hatte keine Ahnung und es war ihm auch nicht möglich einen klaren Gedanken zufassen, sein Kopf war wie leergefegt.
„Mutter …?“, zum ersten Mal wandte Hotsuma nun seine Stimme an die leblose Gestalt vor sich. Seine Stimme hörte sich belegt und schwer an, sein Hals war auf einmal staubtrocken.
Vorsichtig rüttelte er die Schwarzhaarige an den Schultern, doch nichts passierte.
„Verdammt!“, Hotsuma wollte im Augenblick nur, dass sie ihre Augen aufschlug. Mehr nicht. In diesem Moment zählte es nicht, dass sie ihn am laufenden Band beschimpfte und ihn anschrie. Es zählte nicht, dass er manchmal einfach nur weggehen wollte und alles hinter sich lassen wollte. Alles, was in diesem Augenblick zählte, war sie.
Der Blonde kümmerte sich nicht um die Tränen, die ihm schonungslos übers Gesicht liefen. Es war egal, es war alles egal …
„Hotsuma!“
Erschrocken fuhr der Blonde herum.
„Shusei?!“
Ungläubig sah er den Braunhaarigen an, der etwas atemlos gerade die Küche betrat und dessen Blick nun auf die Frau am Boden fiel.
„Was ist passiert, Hotsuma?“, die Stimme seines Freundes kam dem Blonden unbekannt hart und kalt vor.
„Sie hat versucht sich … sich …“, er konnte es einfach nicht aussprechen, es ging nicht, doch Shusei schien zu verstehen.
„Hast du einen Krankenwagen gerufen?“
Hotsuma schüttelte den Kopf.
„Hast du versucht sie zu beatmen?“
Wieder schüttelte der Blonde den Kopf.
„Hotsumas, was ist denn in dich gefahren?“, Shusei sah seinen Freund schockiert an, doch als er die roten Augen und seine zitternden Hände sah, schwieg er und ließ sich rasch neben Hotsumas Mutter auf den Boden nieder.
Rasch verschränkte er seine Hände auf ihrer Brust und drückte mehrmals auf ihren Brustkorb, dann beatmete er sie rasch und wiederholte den Vorgang mehrmals.
Hotsuma saß nur stumm daneben. Er konnte sich nicht rühren, es ging nicht. Er musste mit ansehen, wie sein Freund versuchte seine Mutter zu retten. Und er? Er saß nur stumm daneben. Wieder rollten Tränen über seine Wangen.
Schlagartig bäumte sich die Schwarzhaarige auf und hustete keuchend.
„Dem Himmel sei Dank!“, keuchte Shusei und klopfte der Frau vorsichtig auf den Rücken.
„Wie geht es Ihnen?“
Ein leicht glasiger Blick traf den seinen.
„Wo .. wo bin ich?“, ihre Stimme war sehr leise, kaum mehr als ein Röcheln.
„Mutter …“, Hotsuma hatte seine Starre mühsam überwunden und griff nach ihrer Hand.
Ihr Kopf fuhr langsam herum und als sie ihren Sohn erblickte, der versuchte ihr ein Lächeln zu schenken, verhärtete sich ihr Gesicht.
„Was hast du getan!?“, ihr Röcheln klang wütend und Shusei runzelte verwirrt die Stirn.
„Mutter, ich …“, doch weiter kam Hotsuma nicht.
„Schweig! Du hast schon wieder alles kaputt gemacht! Kannst du mir nicht mal die Erlösung von meinem Leid lassen? Denkst du eigentlich nur an dich?“, zitternd versuchte sie aufzustehen und taumelte zwei Schritte vorwärts, ehe sie wieder zu Boden fiel.
„Mutter!“, Hotsuma eilte zu ihr und versuchte ihr aufzuhelfen, doch ein kraftloser Schlag stieß seine Hand fort.
„Lass mich!“, ihre Stimme hatte schnell an Stärke wieder zugenommen, doch ihr Körper war sichtlich erschöpft und nur mit Mühe konnte sie sich am Türrahmen hochziehen. Zitternd stand sie da und zornig sah sie ihren Sohn an.
„Du hast alles kaputt gemacht!“
„Ich habe dich gerettet, Mutter …“, setzte der Blonde an, Verzweiflung schwang in seiner Stimme mit und Shusei konnte erkennen, dass er sichtlich überfordert mit der Situation war.
„Nein!“, abermals unterbrach sie ihn.
„Das hast du nicht … der da war’s!“, und mit zitternden Fingern zeigte sie auf Shusei, der noch immer auf dem Boden kniete.
Hotsuma versteinerte. Sie hatte Recht. Er hatte sie nicht gerettet, es war Shusei gewesen. Shusei hatte seine Mutter gerettet. Er hatte nicht mal seine eigene Mutter retten können.
Shusei registrierte, wie hilflos Hotsuma gerade war, stand rasch auf und stellte sich neben seinen Freund.
„Seien Sie nicht so hart zu ihm. Er hat sein Bestes getan, glauben Sie mir.“, Shuseis Verteidigung klang mehr als schwach, selbst in seinen eigenen Ohren.
Die Schwarzhaarige ließ ihren Blick zwischen ihrem Sohn und Shusei hin- und herwandern und ein plötzliches Funkeln ließ Shusei zusammenzucken.
„Jetzt verstehe ich … er ist es … er ist dieser widerliche Kerl, mit dem du was hast! “, schrie sie wütend, deutlich an Hotsuma gerichtet.
Angeschrieener schwieg nur und senkte den Kopf. Er wollte einfach nur noch weg von hier, er hielt das Ganze einfach nicht mehr aus!
Rasch stürmte der Blonde plötzlich von Shuseis Seite, an seiner Mutter vorbei, die ihm einen undeutbaren Blick zuwarf und rannte aus der Haustür.
„Ich hasse dich!“, schrie die Schwarzhaarige ihm hinterher und sackte dann entkräftet auf dem Boden zusammen.
Shuseis Herz zog sich schlagartig zusammen, als er diese Worte vernahm und er spürte eine unbekannte Kälte in sich.
„Hotsuma.“, flüsterte der Braunhaarige leise und drängte sich rasch an der Schwarzhaarigen vorbei, die noch immer auf dem Boden saß und auch keine Anstalten machte ihn aufzuhalten.
Hastig rannte er auf die dunkle Straße und blickte suchend nach links und nach rechts. Gerade noch konnte er eine Gestalt erkennen, die gerade um die Ecke bog und sich somit seinem Blickfeld entzog.
„Hotsuma!“, sofort spurtet Shusei los.
Er musste so schnell es ging zu Hotsuma. Er braucht ihn jetzt. Er wusste, dass Hotsuma jetzt nur ihn brauchte, ihn und sonst niemanden. Und Shusei hatte Angst, Angst, dass der Blonde irgendetwas Unüberlegtes tun würde, wenn er sich nicht beeilen würde.
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