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Deep Silent Complete

von Saekki
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Hotsuma Renjou Shusei Usui
23.05.2011
08.06.2011
18
30.662
4
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23.05.2011 1.806
 
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„Wie geht’s dir?“
Ein leises Lachen.
„Ganz gut soweit, nur mein Auge schmerzt ein wenig. Sieht echt hässlich aus.“
Shusei seufzte erleichtert.
„Kommst du morgen wieder in die Uni?“, abwesend spielte der Braunhaarige mit dem Saum seines Hemds, zog ein Bein an seinem Körper und stützte den Arm, der sein Handy hielt, darauf ab.
„Ich denke schon, hier sitz ich eh nur rum.“, Hotsumas Stimme war leiser geworden.
„Hotsuma?“
„Mhh.“
Shusei zögerte kurz, bevor er wieder zum Sprechen ansetzte.
„Ist ansonsten alles in Ordnung bei dir?“
Ein leises Seufzen, dann erklang wieder die Stimme des Blonden an Shuseis Ohr.
„Wie man’s nimmt.“, mehr sagte der Blonde nicht.
„Hotsuma, sag schon, was ist los?“, Shusei wusste, dass sein Freund den Unbekümmerten mimen wollte. Aber dieses Mal würde er es nicht einfach so hinnehmen.
„Ach nichts besonderes, es ist wie immer. … Na gut, so betrunken, wie gestern habe ich sie wirklich noch nie erlebt.“, diese kalte distanzierte Stimme jagte Shusei eine Gänsehaut über den Rücken.
„Sprich nicht so.“, murmelte er leise in sein Handy.
„Was meinst du?“
„Du weißt ganz genau, was ich meine! Du tust immer so, als ob dich das Ganze nicht interessieren würde und als ob es dir egal wäre. Warum kannst du nicht einfach zugeben, dass es dich fertig macht, dass du nicht weißt, wie das Ganze weitergehen soll!?“, Shuseis Stimme hatte sich gefestigt, lauter war sie aber nicht geworden. Er war nicht wütend, er wollte Hotsuma helfen. Ihm die Augen öffnen.
Eine kurze Weile herrschte Stille am anderen Ende der Leitung.
„Weil ich sonst daran zu Grunde gehe, Shusei, deswegen. Ich will das Ganze nicht an mich heran lassen, ich würde daran kaputt gehen. Und dich will ich damit auch nicht noch unnötig belasten … ich will nicht, dass das was zwischen uns ist, darunter leidet. Ich … ich habe Angst, Shusei … Angst sie und dich zu verlieren. Ich bin hilflos …“, ein leises Schluchzen drang an Shuseis Ohren und brachte seinen letzten Widerstand zum bröckeln.
Seine Augen wurden feucht und er vergrub sein Gesicht in seiner freien Hand.
„Endlich hast du mir die Wahrheit gesagt, Hotsuma …“, es bedeutete Shusei wirklich viel, dass der Blonde zum ersten Mal ehrlich zu ihm war, im Hinblick auf seine Mutter. Sein Geständnis hatte ihn tief getroffen, doch Hotsuma musste den Dingen einfach ins Auge blicken, er konnte nicht immer alles verleugnen.
Der Braunhaarige wusste nicht was er sagen sollte, doch er spürte, dass der Blonde keine Worte der Aufmunterung brauchte, er wollte einfach nur … verstanden werden.
„Hotsuma?“
„Mhhh.“, ein leises Schniefen folgte.
„Ich bin in zehn Minuten bei dir, okay?“
„Beeil dich … bitte.“

Hotsumas letzter Satz klang noch immer in Shuseis Kopf, als er eilig die Treppe hinunter hastete und er sich seine Jacke überzog. Diese pure Verzweiflung … sie hatte sich tief in sein Herz gebrannt und der Braunhaarige wollte Hotsuma einfach nur noch in seine Arme schließen und ihm sagen, dass alles in Ordnung kommen würde … selbst wenn es vielleicht eine Lüge war.  
Gerade wollte Shusei sich seine Schuhe anziehen, das vernahm er plötzlich Stimmen aus dem Wohnzimmer. Er konnte deutlich die Stimmen seiner Eltern vernehmen, aber da war noch eine Stimme, eine, die er kannte, aber nicht zuordnen konnte.
Hin- und hergerissen, ob er kurz nachschauen sollte oder zu Hotsuma eilen sollte, wie er es vor wenigen Sekunden noch hatte tun wollen, stand er im Flur.
Die Wohnzimmertür war nur angelehnt und ein schmaler Steifen Licht fiel in den dunklen Flur.
Shusei verfluchte sich innerlich selbst und trat an die Tür aus dunklem Holz und wagte einen Blick durch den Spalt.
Sein Herz setzte für eine Sekunde aus.
Dort im Wohnzimmer saßen seine Eltern mit dem Rücken zu ihm auf der hellen Couch und ihnen gegenüber auf dem Sessel, in dem sonst sein Vater zu sitzen pflegte, saß eine junge braunhaarige Frau, die Shusei nur zu gut kannte.
Als sein Herz wieder ans Arbeiten dachte, schlug es doppelt so schnell gegen seine Brust und Shusei musste sich am Türrahmen festhalten, um nicht von der einsetzenden Gedankenflut übermannt zu werden.
Wieso saß Haruka mit seinen Eltern in ihrem Wohnzimmer? Was war der Grund? Was sollte er jetzt tun? Sollte er dazwischen gehen? Sollte er so schnell es ging verschwinden?
Diese Fragen ließen dem Braunhaarigen keinen Platz zum denken. Panisch huschten seine Augen nach links und rechts und er versuchte verzweifelt einen klaren Gedanken zu fassen.
Da wurde es plötzlich heller vor seinen Augen und er erkannte zu spät, dass sich die Tür geöffnet hatte und sein Vater direkt vor ihm stand.
„Shusei. Setz dich zu uns.“
Die Stimme seine Vaters versetzte den Braunhaarigen an den äußersten Rand der Panik, doch er hatte keine Chance auch nur an eine Flucht zu denken. Sein Vater hatte ihn am Arm gepackt und zog ihn etwas grob in den beleuchteten Raum.
Shusei spürte den Blick seiner Mutter und rasch senkte er den Blick. Er befürchtete das Schlimmste.
„Setz dich.“, die tiefe Stimme seines Vaters versetzte Shusei noch mehr in Panik als er eh schon war und zögerlich kniete er sich an den kleinen Couchtisch und wagte einen Blick auf Haruka, die kaum zwei Schritte neben ihm auf dem Sessel saß. Ihr Blick war nicht zu deuten.
„Shusei.“, sofort richtete Genannter seine Aufmerksamkeit wieder auf seine Eltern.
Der Braunhaarige schluckte schwer und versuchte sich zu beruhigen, woran er reichlich scheiterte.
„Haruka war so freundlich und hat uns soeben etwas sehr Interessantes erzählt. Möchtest du es auch hören?“
Shusei wusste nicht was er tun sollte. Sollte er überhaupt dieses Gespräch zulassen, oder sollte er einfach aus dem Zimmer stürmen und zu Hotsuma fliehen, der immer noch auf ihn wartete. Hotsuma … Nein. Jetzt gab es hier erstmal ein viel größeres Problem zu bewältigen. Sein Vater schien immer noch auf eine Antwort zu warten, seine Mutter fixierte ihn nur mit einem Blick, der Shusei beinahe das Blut in den Adern gefrieren ließ.
„Habe ich denn eine Wahl?“, seine Frage war mit großer Vorsicht formuliert und er hoffte, dass sie nicht allzu patzig geklungen hatte – aber was hätte er sonst erwidern sollen?
„Ich dachte immer, du wärst ein anständiger Junge, Shusei. Du hast es in der Schule wirklich weit gebracht, du bist zielstrebig und hast eine gute Portion an Intelligenz in dir und weißt auch mit ihr umzugehen. Aber dieses Bild von meinem anständigen Sohn ist heute in unendlich viele Teile zerbrochen. Und dazu hat es gerade mal zehn Minuten benötigt.“, die Stimme seines Vaters war nicht lauter geworden, aber sie hatte einen sehr bedrohlichen, eher einen verärgerten, Ton angenommen und Shusei musste ungewollt schwer schlucken.
„Ich hoffe du hast eine gute Erklärung für das Ganze und zwar eine bessere, als Haruka sie uns eben geliefert hat.“
Shusei hatte genau bemerkt, dass sein Vater nicht mit einem Wort erwähnt hatte, was es nun war, dass das Bild von seinem „perfekten“ Sohn zerstört hatte – und darin sah der Braunhaarige seine Chance.
„Es tut mir Leid, Vater, aber ich habe keine Ahnung, worauf du hinaus willst. Wenn ich etwas getan haben sollte, dass dich und Mutter zutiefst verärgert hat, dann sag es mir bitte.“, okay, vielleicht war das ein wenig zu viel geheuchelte Betroffenheit gewesen, aber vielleicht erfüllte das Ganze ja seinen Zweck. Shuseis Handflächen waren von der ganzen Aufregung ganz feucht geworden und sein Blick wanderte rasch zwischen seinem Vater und seiner Mutter hin und her.
Das Schnauben seines Vaters erfüllte den Raum und er setzte wieder zum Sprechen an.
„Lüg mich nicht an! Ist es nicht so, dass du eine Beziehung zu einem anderen Mann hast?“, jetzt war die Stimme des älteren Mannes doch lauter geworden und bei dem letzten Satz konnte Shusei es nicht verhindern, dass er zusammenzuckte.
Also hatte Haruka wirklich Ernst gemacht. Jetzt nur die Ruhe bewahren, Shusei.
„Wie kommst du denn darauf, Vater?“, die Stimme des Braunhaarige zitterte leicht vor Aufregung.
Da griff sein Vater rasch neben sich und warf wütend etwas auf den Couchtisch vor Shusei.
Als sein Blick darauf fiel, schnappte er unkontrolliert nach Luft. Die Umgebung um ihn herum wurde plötzlich dumpf und er hörte nur noch seinen eigenen rasenden Herzschlag. Sein Blick war starr auf den Stapel Fotografien vor ihm gerichtet, die ihn selbst zeigten. Ihn und einen blonden jungen Mann. Küssend.
Seine Gedanken rasten nur noch so durch seinen Kopf und ohne weiter darüber nachzudenken, drehte er sich zu der jungen Frau herum, die immer noch still auf dem Sessel neben ihm saß.
„Du hast uns fotografiert?“, ungläubig sah er die Braunhaarige an und er konnte erkennen, wie sie ihn mit großen Augen ansah, unsicher, was sie zu der, offensichtlich berechtigten, Anschuldigung sagen sollte.
„Shusei!“, die zornige Stimme seines Vaters lenkte Shuseis Aufmerksamkeit wieder nach vorne.
Jetzt konnte er die ganze Sache nicht mehr leugnen, jetzt nicht mehr. Was sollte er tun – was würde sein Vater tun?
„Vater … ich …“, doch weiter kam der Braunhaarige nicht.
„Wie konntest du nur Shusei? Was haben wir dir getan, dass du uns so etwas antust? Hast du auch nur eine Sekunde an die Folgen deiner Taten gedacht? Ich verstehe es nicht, Shusei, aber eines steht fest, du wirst diesen Kerl nie wieder sehen.“, die Stimme seines Vaters war in ein dumpfes Schreien übergegangen.
Shusei spürte eine unbekannte Wut in ihm aufkommen und die Angst vor den Folgen hatte sich schlagartig verflüchtigt. Schlimmer konnte es kaum noch werden, warum jetzt noch zögern?
„Du hast mir überhaupt nichts vorzuschreiben! Du hast keine Ahnung von ihm, was interessiert es dich überhaupt auf einmal, was ich mit meinem Leben mache? Du hast dich nie für mich interessiert, nur dann, wenn ich gute Noten nach Hause bringe oder du mich deinen Kollegen vorstellst. Einen Dreck geht dich mein Leben an und was ich damit mache! Denkst du, du könntest mir verbieten, den Mann nie wieder zu sehen, den ich liebe …“, ein harter Schlag ins Gesicht ließ den Braunhaarigen abrupt verstummen und sein Kopf vollführte eine harte Rechtsbewegung.
Mit einem zornigen Blick stand der ältere Mann über Shusei, den Arm noch immer in der Luft und sein Atem beschleunigt.
„Wie kannst du so etwas sagen? Wie kannst du einen Mann … lieben? Du widerst mich an!“
Der Schmerz, der schlagartig in Shuseis Herz fuhr, war heftiger als der vorausgegangene Schlag. Das traf Shusei nun doch und stumm sah er seinen Vater an.
Eine bedrückende Stille machte sich in dem Raum breit.
„Haruka, ich denke es ist besser, wenn du ein anderes Mal wiederkommst.“, eilig stand Shuseis Mutter auf und beförderte die perplexe Braunhaarige aus dem Sessel und führte sie bestimmend aus dem Wohnzimmer.
Shusei und sein Vater kreuzten noch immer zornige Blicke miteinander und keiner machte Anstalten etwas zu sagen.
Die Haustür fiel geräuschvoll ins Schloss und Ayako betrat wieder den Raum.
„Ich denke, für heute ist es genug, Yoshihiro. Wir sollten uns alle ein wenig beruhigen.“
Und mit einem viel sagenden Blick auf Shusei fügte sie hinzu, „das letzte Wort werden wir später sprechen.“
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