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LiebesLinien

von Cbraham
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P16 / FemSlash
Alice Pieszecki Carmen de la Pica Morales Helena Peabody Kit Porter Shane McCutcheon Tasha Williams
22.05.2011
06.06.2011
19
54.093
2
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22.05.2011 1.981
 
Shane fühlte, wie die sie umgebende Dunkelheit durch ihre Haut hindurch in das Bewusstsein sickerte. Versteinert lag sie neben der Dunkelhaarigen. Stumpf und empfindungslos, außer Stande fast einen Atemzug zu tun. So musste es sein wenn man tot war. Oder knapp davor zumindest. Die seelische Leere, die sie von Zeit zu Zeit gespürt hatte, schien sich vollkommen auf sie ausgebreitet zu haben.

Leere Shane. Tote Shane.

Gleichzeitig begriff sie, das ein bestimmtes Bild, die Gedanken an eine bestimmte Person vielleicht eine gegenteilige Entwicklung herbeiführen könnte. Aber die Gefahr war zu groß, davon überrannt, darunter begraben zu werden. Lieber stemmte sie sich mit aller verbliebenen Kraft gegen diesen Damm ihrer Gefühle, der schon bedrohliche Risse zeigte.

Mühsam drehte sie ihren Kopf zu dem nackten Frauenkörper der neben ihr lag. Sie hatte ohne weiteres die Bettgenossin überzeugt, aber als es zum Akt kam, verschwanden wie auf einmal alle Gefühle und Empfindungen. Alles weitere waren nur noch mechanische Vorgänge gewesen, ohne Reiz und Sinn.

Robotergleich erhob sie sich von dem Bett. Ihr Gehirn gab nur die nötigsten Bewegungsbefehle weiter, so das sie es gerade noch aus dem Zimmer schaffte. Keine Erinnerung mehr daran wie sie dann nach Hause gefunden hatte, hockte sie auf ihrem Bett und starrte weiter in die finstere Leere.
Einem kurzen Impuls folgend blickte sie auf die LED Anzeige des Weckers. Drei Uhr irgendwas. Sie fühlte sich plötzlich dem Zusammenbruch nahe und es gab momentan nur einen Menschen der sie retten konnte. Egal wie spät es war.




Ganz sachte streichelten ihre Finger durch die seidigen Haare. Sie spürte Tashas Atem an ihrem Hals, die regungslos in ihre Arme gekuschelt mit traurigen Augen vor sich hinblickte. Sanft drückte Nicole ihr einen Kuss auf die Stirn. Angeregt von der berauschenden Wirkung des Augenblicks wollte sie sie weiter liebkosen. Mit schier unmenschlicher Gewalt hielt sie sich jedoch zurück. Ein zu schnelles Vorgehen konnte das vorzeitige Aus bedeuten. Statt dessen sprach sie behutsam und leise auf Tasha ein:“Es tut mir so leid. Das hast du wirklich nicht verdient.“

„Nein“ raunte Tasha kaum hörbar.

„Weißt du, ich hatte immer schon den Eindruck, das sie nur mit dir spielt. Wahrscheinlich hat sie es nie wirklich ernst gemeint mit dir. Du hast es doch gesehen heute Abend, was sie in Wahrheit antreibt.“

„Ich weiß nicht so recht.Warum dann der Ring ? Warum das ganze Theater, wenn sie mich dann doch nicht will ?“ fragte Tasha verzweifelt.

Nicole biss sich angestrengt  auf die Lippen und legte sich im Kopf eine passende Antwort zurecht. Sie war kurz davor ihre Beherrschung zu verlieren und die Frau, die so verführerisch-verletzlich an sie geschmiegt lag, zu küssen.

„Vielleicht wollte sie dich nur noch eine Weile hinhalten. Dann hat sie aber entschieden das du es doch nicht wert bist. Tasha, bitte. Vergiss sie einfach. Es gibt Menschen denen du wirklich am Herzen liegst. Denen du sehr viel bedeutest. Sehr viel.“ Nicoles Augen blickten zärtlich und gleichzeitig gierig zu ihr hinunter. Tasha antwortete mit einem Blick, der zugleich fragend und seltsam aussah.

Dann gab es kein halten mehr. Nicole legte ihre Hände sanft um Tashas Kopf und küsste sie begierig auf die Lippen.




Wild und in alle Richtungen zeigten ihre blonden Haare. Um die Beine flatterte eine verwaschene Jogginghose und ein abgetragenes Top zierte den Rest. Niemals wäre Alice so freiwillig auf die Straße gegangen. Bis sie diese Stimme gehört hatte. Als sie mitten aus einem eher unruhigen Schlaf gerissen wurde musste  sie zweimal nachfragen wer am anderen Ende der Leitung war. Sie kannte Shane schon eine Ewigkeit, aber an einen derart seltsamen Anruf von ihr konnte sie sich nicht erinnern. Und dann dieser ohnmächtige Tonfall. Sie hatte ihre Freundin noch nie so reden hören.
Das machte ihr Angst. Schreckliche Angst, so das sie das Schlimmste befürchtend wie ein geölter Blitz zu ihr gerast war. Und nun stand sie vor ihr. Shane hatte sich noch vor die Haustür geschleppt, und dort saß sie weiterhin starr brütend , bis Alice sie so vorfand.

Mit zitternder Stimme näherte sich Alice:“Shane. Shane ? Was ist los mit dir ?

Der Blick den Shane ihr entgegenbrachte, war eine Mischung aus Ratlosigkeit und schwachem Hilferuf.

Mit einem Satz war Alice bei ihr und legte beschützend die Arme um sie. Shane fiel ihr in die Arme und sie hatte das Gefühl eine Ertrinkende klammere sich an sie. „Ganz ruhig Shane. Ich bringe dich erst mal rein.Komm.Komm mit.“

Sie führte Shane zurück in ihr Zimmer, immer noch unwissend, was der Grund für ihr seltsames Verhalten war.

Eine ganze Weile lag Shane einfach an sie geschmiegt da. Sie fühlte wie sie innerlich ruhiger wurde und tat einen kleinen Seufzer der Dankbarkeit für die Rettung seitens Alice.

Diese strich ihr tröstend über den Rücken. Als sie den Seufzer hörte nahm sie das als Signal um vorsichtig nach der Ursache zu forschen.

„Hey, Süße. Erzähl mir was passiert ist. Ich habe eine Riesenangst bekommen, als du angerufen hast. Bitte sag mir jetzt was dich so fertig macht.“

Stöhnend richtet Shane sich auf, und nach einem Moment des Schweigens antwortete sie schwer atmend:“ Fuck off. Ich weiß es selbst nicht so recht. Ich habe in letzter Zeit nur so ein abgefucktes Gefühl. Oh, Mann ich weiß nicht...“

„Was für ein Gefühl ! Ist es Angst, Verzweiflung oder was ?“ half ihr Alice behutsam weiter.

„Nein,nein, das ist es nicht. Keine Ahnung. Jedes mal wenn...“, nach Worten ringend stockte sie kurz,“Fuck, in letzter Zeit wenn ich mit einer gevögelt habe, war auf einmal alles weg. Verstehst du. Ich habe gar nichts mehr gefühlt.“

„Du meinst körperlich ? Hast du deine Muschi nicht mehr gespürt, oder sind deine Nippel nicht mehr...“warf Alice fragend ein.

„Jesus Alice, nein !“  hielt Shane verzweifelt dagegen.“Das meine ich nicht. Es war das...körperlich habe ich noch alles gespürt, aber ich meine innen drin, verstehst du ? Es hat mir nichts mehr bedeutet. Gar nichts mehr. Ich komme mir fast schmutzig vor, als würde ich nur noch einer abgefuckten Gewohnheit nachgehen.“ Sie senkte den Kopf frustriert in ihren Schoß.

Alice blickt sie nachdenklich an. Doch bevor sie antworten konnte fuhr Shane fort:“ Außerdem...wenn ich alleine zu Hause bin überkommt es mich auch. Dann sitze ich nur noch da und grüble vor mich hin.“

„Shane, möglicherweise bist du jetzt an einem bestimmten Punkt in deinem Leben angelangt“ meinte Alice.

„Was denn für ein Punkt ?“ wollte Shane wissen.

„Na, vielleicht, ich meine es könnte ja sein.“Alice zögerte, da sie unsicher war wo ihre Antwort hinführen würde,“daß, wie soll ich sagen, du dich nach einem ruhigeren Leben sehnst.“

„Bitte was !??“ meinte Shane entsetzt. Sicher, sie war sich  über die Bedeutung ihres Zustandes auch nicht sicher, aber die Vorstellung, das Bedürfnis zu haben, von nun an ein absolut durchschnittliches Leben zu führen, schien ihr noch schlimmer zu sein.

„Halt, halt. Ich meine nicht das du jetzt eine mustergültige Spießerin werden willst. Worauf ich hinaus will ist das...Schau mal“, sie blickt Shane fest in die Augen,“du führst ein Leben fast ohne Verpflichtungen oder Bindungen, gut ich weiß, deine Freundinnen ausgenommen. Dir ist deine persönliche Freiheit unendlich wichtig und das ist auch gut so, denn das macht dich zu dem wer und was du bist. Ich denke nur das du es damit vielleicht ein wenig übertrieben hast.“

„Wie meinst du das, Alice ?“ unterbrach sie Shane.

„Pass auf, du...du hast keinerlei Bindung, wie schon gesagt. Aber du hast auch keinen Ruhepunkt. Nichts was dich so richtig hält, dich tröstet. Klar du hast deine Freundinnen die dich lieben und alles. Aber das meine ich nicht. Ich rede von etwas was eine ebenso große Bedeutung hat. Ich meine...“

„Liebe?“ Shane hatte den Satz kaum hörbar für Alice beendet.

Mit einem Mal wurde Alice Stimme weich:“Darf ich dich was...was bestimmtes fragen ?“

Shane blickte sie lauernd-neugierig an.“Klar“

„Hat es was mit dem Wiedersehen zu tun. Mit Carmen ?“

Bingo. Shanes Reaktion ließ keinen Zweifel mehr. In ihr war der Damm nun gebrochen, und das was sie so lange versucht hatte zu verdrängen, nämlich die Tatsache das ihr Carmen immer noch sehr viel bedeutete, fegte nun wie eine riesige Welle über sie hinweg. Lange Zeit hatte sie sich eingeredet, das die Beziehung mit Carmen letzten Endes keine
so große Bedeutung hatte. Gut klar, es war richtige Liebe gewesen. Aber nichts worüber man nicht hinwegkommen könnte, falls es doch zu eng werden drohte. Doch das war der Punkt. Genau das.

Shanes Augen füllten sich langsam mit Tränen, während sie die zitternden Lippen zusammenpresste.

Alice hob die Augenbrauen. Oh, Mann. Shane war keine Frau, bei der sich allzu leicht die Tränen zeigten. Da musste schon ein richtiger Hammer kommen. Erleichtert, das sie wußte was Shane so von der Rolle gebracht hat (und verdammt noch mal, was sie eh schon lange vermutete...ach von wegen...was sie gewusst hatte!), drückte sie Shane wieder an sich:“Hey, schon gut. Komm her. So ist es eben mit der Liebe. Manchmal erkennt man erst spät was ein besonderer Mensch wirklich für einen bedeutet.“

„Scheiße Alice, ich hab alles kaputt gemacht. Ich bin so verdammt abgefuckt. Ich....“Shane konnte vor schierer Verzweiflung nicht mehr weiter reden.

„Naja, du hast ganz schön was dafür getan um den Karren in den Dreck zu fahren.“ Nach kurzem Schweigen huschte ihr auf einmal ein Lächeln übers Gesicht. Vielleicht gibt es doch noch einen Ausweg. Nur eine Möglichkeit zwar, aber..

„Hör zu“ sagte Alice mit einemal Freude in der Stimme,“du errätst nie, wen ich gestern Abend getroffen habe.“

Shane schaute verstört auf. Sie hatte keine Lust auf Ratespiele.

„Carmen“, rief sie hoffnungsvoll,“Carmen...ich habe sie im CoCo-Club getroffen. Sie fängt dort jetzt als DJane an. Shane ! Das könnte eine Chance sein..“

„Oh, Alice ich weiß nicht. Ich meine ich habe dir noch nicht alles über unser Wiedersehen erzählt“, und schnell setzte sie Alice ins Bild.

Nach kurzem Zögern und Staunen über Carmens Reaktion meinte Alice jedoch:“Komm schon. Lass dich durch das jetzt nicht entmutigen. Du hast ja schließlich selbst dafür gesorgt, das sie jetzt so schlecht auf dich zu sprechen ist. Aber...„fuhr Alice mit wissendem Tonfall fort,“das bedeutet natürlich auch, das du ihr nicht egal bist.“

Shane nickte langsam. Vielleicht hatte sie ja recht, und...Mit einem Mal keimte etwas Zuversicht in ihr auf.
„Meinst du wirklich ?“ flüsternd ließ sie sich wieder in Alice zurücksinken. Erschöpfung überkam sie und ihre Augen schlossen sich.

Alice murmelte eine Bestätigung und merkte wie der Atem von Shane ruhig und gleichmäßig wurde. Eine Zeitlang verharrte sie noch. Dann legte sie Shane vorsichtig auf das Bett, deckte sie zu und küsste sie zum Abschied auf die Stirn. „Gute Nacht, Shane. Und träum schön von ihr.“





Der Schweiß auf ihrem Körper war fast getrocknet, und Carmens Herz hatte wieder zu seinem normalen Rhythmus zurückgefunden. Obwohl. Es schlug immer noch ein klein wenig schnell, bei dem Gedanken an den Sex den sie mit Adele gehabt hatte. Wie eine Tänzerin wurde sie von ihr durch den Akt geführt, wild und beherrscht zugleich, als hätte
sie Carmen lange studiert und eine Choreographie für die Nacht ausgedacht. Aber das war ihr gerade recht gewesen.
Willenlos ließ sie sich abschleppen und von Adeles Händen, Lippen und dem restlichen Körper bearbeiten. Diese war aber danach gleich verschwunden.Sagte sie wolle es langsam angehen lassen. Komisch. Woher kannte sie diesen klassischen Zug bloß ? Trotzden, Adele hatte gemeint, das es für sie nicht bei einem OneNight Stand bleiben würde. Egal. Heute war ein guter Tag gewesen. Carmen hatte den Job bekommen, und die körperliche Zuwendung, nach der sie sich schon lange sehnte auch. Mal sehen ob mehr daraus wird. Die Erinnerung an die Begegnung mit Alice schoss in ihre Gedanken. Schon komisch, jahrelang hatte sie nichts von dieser Clique gehört und jetzt in einer Woche gleich zwei mal. Aber egal. Sie rief das Bild von Adele zurück und schlief ein.
Das Bild der Frau aber, die sie nachts durch die Träume begleitete, war ein Anderes.
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