How to write Drabbles

von MissTaxas
GeschichteAllgemein / P6
18.05.2011
18.05.2011
1
2519
10
Alle
12 Reviews
Dieses Kapitel
10 Reviews
 
 
 
 
how to write drabbles
by MissTaxas



Drabbles sind eigentlich eine ganz wunderbare Erfindung.
Es sind Kurzgeschichten, OneShots, die –ohne den Titel- aus genau 100 Wörtern (bei DoubleDrabbles genau 200 Wörtern) bestehen und sie bergen so viele Möglichkeiten, wenn man sich nur Zeit nimmt, sich ein wenig damit zu beschäftigen.

Leider sind Drabbles im Moment sehr in Verruf geraten, weil viele... sehr viele Leute sich daran versucht haben, ohne es ernst zu meinen.
Dass sie nur aus 100 Wörtern bestehen, heißt nämlich nicht, dass man sie einfach in unter zwei Minuten runtertippen kann.

Hier ein paar Punkte, die helfen können, ein Drabble wieder zu etwas Besonderem zu machen:
damit einiges klarer wird gibt’s „praktische“ Erklärung am Beispiel von

"Aus"

„Es ist aus!“
Drei einfache Wörter, die sein Leben verändern würden, die er nicht sagen konnte.

„Ich mach Schluß.“
Drei einfache Wörter, die er nicht über die Lippen brachte, weil er niemandem wehtun wollte.

„Ich liebe dich nicht mehr.“
Wörter, die so viel Schaden anrichten konnten, dass er sich kaum traute sie durch seinen Kopf gehen zu lassen.

„Ich kann nicht mehr mit dir zusammen sein.“
Wörter, die seine Karriere aufs Spiel setzen würden, die beenden würden, was so lange beinahe funktioniert hatte.

Heute Abend würde Lukas das Einzige sagen, was ihm in den Sinn kam.
„Ich liebe ihn, Moni.“


Zur Form:

Ein Drabble hat 100 Wörter. GENAU 100 Wörter. Nicht 101, nicht 98 und erst recht nicht 117.
Gerne darfst du dir beim Zählen von Word helfen lassen… aber bevor du dein Werk fertig stellst: Bitte noch einmal „von Hand“ nachzählen.
Achte darauf, dass an den richtigen Stellen Leerzeichen sind. So wird z.B.: „denkt,dass“ als ein Wort, statt zwei gezählt, oder „… weil er“ als drei, statt zwei Wörter…
Denk daran, dass Zahlen, sowohl „vier“ also auch „600“ als ein Wort gelten.
Zusammengesetzte Wörter (mit Bindestrich) z.B. „Rot-weiß“ gelten als ein Wort.

Natürlich ist es gemein, wenn das Drabble „perfekt“ ist, aber noch 101 Wörter hat.
Lies es noch einmal aufmerksam durch! Kann man irgendwo „in das“ durch „ins“ ersetzen? Hast du irgendwo noch ein Füllwort, das für die Aussage der Geschichte nicht nötig ist? Es gibt eine Möglichkeit. Immer!


Drabbles sind dankbar für Spielereien:

Alliterationen, Wortwiederholungen… viele Stilmittel lassen sich ganz wunderbar in Drabbles nutzen.
Eine 180° Wende im letzten Satz? Gerne…
Aber achte darauf, dass dadurch der Sinn, der Inhalt der Geschichte nicht zu kurz kommt. Denk daran, das stilistische Mittel eine ganz wunderbare Hilfe sind, aber nicht den Inhalt ersetzen können.

Im Beispieldrabble gibt es den immer wiederkehrenden Wechsel von wörtlicher Rede und der Bewertung des Satzes, wobei die einzelnen Sätze immer länger werden.
Einen Bruch dieser Schreibweise gibt es dann erst im letzten Abschnitt.
(Hier wird übrigens durch den Bruch in der Schreibweise auch die inhaltliche Wende unterstützt. Weil Lukas nicht weiter von seiner Beziehung zu Monika redet, sondern jetzt an Bastian denkt. Man kann also durch stilistische Mittel den Inhalt zusätzlich stützen.)


POV:

Drabbles sind definitiv zu kurz für einen POV-Wechsel. Überleg dir vorher, aus welcher Perspektive du erzählen willst. Es ist im Normalfall vollkommen ausreichend (und meist sogar spannender), die Situation nur aus einer Sicht zu beschreiben. Was denkt er/sie… was fühlt er? Weiß er? Braucht er? Kann er???

Für „Aus“ gilt hier:
Wir erfahren nichts über Monika oder über Bastian, sondern nur über Lukas‘ Gedanken zu seinem Vorhaben, die Beziehung zu Monika zu beenden, können aber durch Lukas‘ Angst davor sehen, dass er glaubt, dass er Monika damit sehr weh tun wird.


Zum Inhalt:

Wer ein Drabble schreiben möchte, braucht eine Geschichte. Eine Geschichte, die im Kopf des Autors weit mehr als 100 Wörter hat, damit sie auch im Kopf der Leser zu etwas werden kann, was ausformuliert mindestens einen respektablen OneShot ergibt.
Drabbles funktionieren nur dann, wenn dem Autor das Universum, in dem sich alles abspielt, die Vorgeschichte der Protagonisten (und wenn möglich auch die weitere Entwicklung) bewusst ist.
Weißt du, wie es zu der Situation, die Du beschreibst, gekommen ist? Kannst du Fragen nach dem
* Wie (In 100 Wörtern ist nicht genug Platz für jede Mimik, jede Geste, jedes Geräusch. Aber es ist möglich, eine Atmosphäre zu schaffen, in der eben diese Details nicht erwähnt werden müssen und trotzdem klar sind.)
* wann (Du solltest wissen, wann deine Geschichte spielt, wie sie ggf. in reale, zeitliche Abläufe passt. Stehen demnächst wichtige Veranstaltungen/Ereignisse an, ist grade etwas passiert? Ist das wichtig?? Bezieht sich das Drabble auf ein aktuelles oder zurückliegendes Ereignis? Wenn ja… erwähne das. Mach es deutlich! Ist es früher Morgen, sonniger Nachmittag oder tiefe Nacht?)
* wieso (Was war ausschlaggebend für eben diese Situation? War es etwas, das nur die Protagonisten mitbekommen haben? Oder etwas Öffentliches? Wer macht warum welchen ersten Schritt?)
beantworten? Wenn nicht… dann tu dies erst, bevor du mit dem Drabbleschreiben anfängst.
Denn nur dann ist es möglich eine ganze Geschichte zwischen den Zeilen zu erzählen.
Du willst nicht zwischen den Zeilen erzählen? Dann schreib keine Drabbles. Denn die funktionieren „ohne“ einfach nicht.

Drabbles sollen die Phantasie anregen, sollen den Leser dazu bringen, seine eigene Geschichte um die beschriebene Situation zu konstruieren. Aber das funktioniert nur, wenn es eine Geschichte drum herum gibt.
Und dabei ist es egal, ob sie in deinem Drabble beschrieben ist. Wenn du eine hast, dann wird sie sichtbar. Egal, ob du es willst oder nicht.

Drabbles sollen im Kopf der Leser die Dinge anstoßen, die sie dazu bringen, aus den 100 Wörtern, die du vorgibst, die Geschichte entstehen zu lassen, die mit viel viel mehr als 100 Wörtern in deinem Kopf schon längst besteht.

Drabbles sind Geschichten zum mitdenken.
Wären sie es nicht, wären sie viel zu kurz, um irgendwie gut sein zu können.


Probeleser/Betaleser:

Lass deine Geschichte Probelesen. Um Fehler zu finden (niemand möchte in 100 Wörtern über drei Rechtschreib- und vier Kommafehler stolpern. Das stört den Lesefluss ungemein!), vor allem aber um zu testen, ob sie funktionieren.
Lass deinen Probeleser erzählen, was ihm durch den Kopf geht. Was die Geschichte für ihn aussagt, was er darin lesen kann, obwohl es nicht geschrieben wurde.
Erst dann kannst du feststellen, ob die Geschichte hinter der Geschichte funktioniert. Vor allem dann, wenn du etwas zwischen den Zeilen versteckt hast.
Finde heraus, ob auch andere sehen können, was du dir gedacht hast.
Denn manchmal funktioniert die Story eben nur für den Autor….


Was muss rein?

Du musst nicht alles erklären, nicht alles erzählen…
Alles, was du nicht erzählst, macht einen Drabble spannend!
Soll nicht heißen, dass aussagelose Texte die Drabbles der Zukunft sind, aber dass eben nicht alles explizit genannt werden muss. Manchmal… nein, meistens, sind es eben die Dinge, die nicht gesagt werden, die ein Drabble zu etwas besonderem machen, besonders dann, wenn die Gefühle des Protagonisten erkennbar sind, ohne dass sie beschrieben werden.
…auch Handlungen können Gefühle ausdrücken… so viel besser, als man annehmen mag!
Show,
don’t tell!


Drabbleserien?

Gerne… wenn du auf ein paar Dinge achtest.
In einer Serie ist es wichtig, dem Stil treu zu bleiben. Wenn du in den ersten drei Drabbles Alliterationen als herausragendes Element verwendet hast, dann tu dies bitte auch in den letzten beiden…
Zusammenhänge sind wichtig. Was macht deine 3, 4, 5 Drabbles zu einer Serie? Wo gibt es ein sich wiederholendes Element?
Verändere den POV nur dann, wenn es in einer durchdachten Regelmäßigkeit geschieht.
Überleg dir vorher, ob eine Serie wirklich Sinn macht, ob du genug Geschichten dafür im Kopf hast, denn Drabbleserien, die einfach nur einen Tagesablauf erzählen, werden aller spätestens an Tag 3 unerträglich langweilig (weil die Geschichte „dahinter“ fehlt).
Gibt es einen Spannungsbogen, eine Entwicklung? Wenn nicht.. finde eine! (Oder mach einzelne Drabbles aus der angedachten Serie…)


Sinn und Aussage:

Überleg dir gut, was dein Drabble zeigen soll. Es geht um eine ganz außergewöhnliche Situation? Dann zeig mir, was sie außergewöhnlich macht!
Es geht um das alltägliche Leben, dass grade durch seine Beständigkeit so besonders wird? Dann zeig mir die kleinen alltäglichen Nichtigkeiten, die sonst gerne untergehen.


Sex in Drabbles…

Ja, auch gerne. Aber nur dann, wenn du dir bewusst bist, dass man in 100 Wörtern nicht einen kompletten Liebesakt unterbringen könnt. Schreib das davor oder das danach oder einen Ausschnitt von mittendrin… aber sei dir bewusst, dass ein Drabble immer nur einen ganz kleinen Ausschnitt, eine kurze Situation zeigen kann… (das gilt übrigens nicht nur für Sex… sondern eigentlich für ALLES, was du in einem Drabble verpacken willst.)
Und das ist ok… ihr müsst nicht alles beschreiben. Lasst der Phantasie nur ein bisschen Platz, um den Rest selbst zu erledigen.


Inspiration:

Davon gibt so viel… überall.
Es gibt wahrscheinlich kein Wort, kaum ein Bild, ein Lied, eine Aussage, ein Interview, eine Banalität….die nicht anregend sein kann. Lass dich darauf ein, spiel mit Ideen… probier alles aus, was dich fasziniert.  Wenn es nicht funktioniert, dann such etwas Neues.

Aber Achtung!!!

Bestimmt gibt es fremde Geschichten oder Drabbles die dir so gut gefallen, dass du gerne auch was zu dem Thema schreiben willst. Das ist prinzipiell vielleicht irgendwie machbar… birgt aber immer die Gefahr etwas zu kopieren.
Erst fremde Dinge lesen und dann selber schreiben ist meist eine ganz schlechte Idee… weil IMMER Satzstücke, Formulierungen, Gefühle, die jemand anders be- und geschrieben hat beim Leser hängen bleiben... und dann passiert es schnell, dass deine eigenen Sachen gar nicht mehr so eigen sind. Und das ist eine ganz blöde Situation. Für den ursprünglichen Autor… und auch für dich selbst.

100 Wörter sind zu wenig, um einen Satz, den du woanders gelesen hast, im eigenen Kontext unterzubringen. Man nennt es plagiieren, abschreiben oder einfach klauen. Und auch wenn es viele machen: Tu es nicht.
Ja… manchmal ist es unglaublich schade, weil man denkt, dass man selbst aus dieser Grundidee etwas unglaublich schönes zaubern könnte… fair ist es dem Autor des Originals gegenüber trotzdem nicht. Also, Finger weg von fremden Sachen.
Oder du fragst vorher bei dem Autor des Originals nach, z.B. per Email („Hi, hast du was dagegen, wenn ich aus deinem Drabble/deiner Geschichte „Niemandsland“ den Satz „nachts fühlt er sich manchmal so allein wie die Dunkelheit“ verwende?“ – so eine einfache Anfrage erspart einem im Zweifelsfall viel Ärger!)

Vor allem, weil es am Ende wirklich das Schönste ist, wenn man für seine eigenen Texte gute Kommentare bekommt.



In diesem Sinne… 100 Worte können viel mehr sein als 100 Wörter!