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American Dragon - Rot & Grün

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Gen
Arthur "Spud" P. Spudinski Fu Dog Jacob "Jake" Long / American Dragon Luong Lao Shi OC (Own Character) Trixie Carter
18.05.2011
29.09.2013
19
16.199
2
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18.05.2011 1.300
 
Schwarz & Weiß

Mit klopfendem Herzen tapste Jake durch den dunklen Gang. Die grauen Wände wiesen dunkle Flecken auf, er sah kaum wo er hintrat und stolperte das ein ums andere Mal über irgendwelche Dinge, von denen er gar nicht wissen wollte, was es für Dinge waren.
Er kniff die Augen zusammen, um besser sehen zu können, und dann sah er am Ende des Ganges (jedenfalls hielt er es für das Ende des Ganges, denn dahinter war nichts als Schwärze) eine Dunstsäule. Langsam aber kontinuierlich wand sie sich empor, bildete  eine rötlich schimmernde Wolke an der Decke. Jake verzog die Schnauze und beschleunigte seine Schritte.

Leon atmete aus, straffte sich und ging voran. Der Gang, dem er folgte, schien nach hinten hin immer enger zu werden. Oder bildete er sich das nur ein? Die Schatten tanzten an den Wänden, über den Boden, an der Decke. Wassertropfen plitschten auf den feuchten Grund.
Außer ihnen war nichts zu hören. Nichts und niemand. Auch die Schritte der anderen beiden waren längst verhallt. Würde er hier ihre Rufe hören, wenn sie ihn brauchten? Würde er ihnen helfen können? Wie weit war er eigentlich schon von dem Punkt entfernt, an dem sie sich getrennt hatten?
Langsam drehte Leon sich um und erschrak. Hinter ihm war nichts als Finsternis. Er war gefangen in absoluter Dunkelheit. Der Gang schien endlos, eng, dem Drachen kam es vor, als hätte er kaum Luft zu atmen. Er drehte sich zurück und rannte los, in der Hoffnung, irgendwas zu finden. Egal was. Irgendwas. Nur keine Schwärze.

Emili knetete ihre Finger. Es schmerzte, doch es lenkte sie ab. Von der Angst. Sie hatte nicht schnell Angst und sie sehnte sich nicht häufig nach Menschen, die sie beschützen konnten, doch hier war es anders. Die Feuchtigkeit schien ihre Lunge langsam mit Wasser zu füllen, das schummrige Licht ließ ihre Augen blind werden, die Stille drückte in ihren Ohren und machte sie taub. Die Angst schlang sich um ihr Herz und brachte es beinah zum Stillstand.
Emili merkte, wie ihr Atem immer schneller wurde, wie ihre Schritte immer taumelnder wurden. Nein! Nicht aufgeben! Die anderen waren auch alleine! Und die hatten keine Angst!
Die Rothaarige schlug ein paar Mal mit den Flügeln, vertrieb die Stille. Sie atmete tief ein und aus und starrte in den Gang.
`Du musst der Angst ins Gesicht lachen´, dachte sie und begann, erst leise, doch dann immer lauter, zu lachen. Es klang etwas hysterisch, aber es half. Und dann entdeckte sie etwas.

Jake kam der Dunstwolke immer näher und nahm einen immer schlimmer werdenden Geruch wahr. Als er kaum noch Luft bekam vor lauter Nebel und Gestank, konnte er das Ding erkennen, aus dem der Rauch hervortrat. Erschrocken sprang er einen Satz zurück und hielt sich die Hand vors Maul. Übelkeit stieg in ihm hoch und er unterdrückte einen Würgereiz.

Jetzt konnte er auch sagen, was es für ein Geruch war: es war der Duft von verbrennendem Fell, kohlender Haut, von Blut und totem Fleisch. Vor ihm lag eine Katze, ihr Haar war nur noch an einigen Stellen zu sehen, sonst war es verkokelt, die Haut wies rötlich-schwarze Brandflecken auf. Die Augen waren geschlossen und auf dem Schnäuzchen lag, als krasser Unterschied zu ihrem Aussehen, ein seliges Lächeln.
Erst konnte Jake sich das alles nicht erklären, doch dann, ganz langsam, drang die Antwort auf seine Fragen in sein umnebeltes Bewusstsein. Es waren die Gnörgler gewesen. Sie liebten den Geruch von Fäulnis, Tod und Verwesung. Sie hatten die wahrscheinlich schon tote Katze angezündet, wohl wissend, dass sie in dieser Feuchtigkeit niemals schnell verbrennen würde, sondern dass das Feuer nur ganz langsam ihren verwesenden, stinkenden Körper zersetzen würde.
Jake konnte nicht anders, drehte sich von dem toten Tier weg und erbrach sich auf den Boden. Bis jetzt hatte er die Abwassergnörgler als dumme Hinterwäldler gesehen, doch nun wurde ihm klar, dass sie keinesfalls dumm waren. Was ihre Vorlieben und Rituale anbetraf, waren sie verdammt klug und intelligent, auch, wenn es barbarische Vorlieben waren.

Leon lief immer schneller und schließlich rannte er, ohne es zu merken. Der Gang schien kein Ende zu nehmen und weder tauchten Türen noch andere Abzweigungen auf. Oder er sah sie in der Finsternis einfach nicht. Dann spürte er einen Schmerz am Fuß und er stolperte, fiel der Länge nach auf den nassen Boden, Wasser und Schlamm spritzte hoch und bekleckerte seinen weinroten Körper. Er knurrte wütend auf und rappelte sich hoch. Als er von der Seite einen kleinen Lichtstrahl bemerkte, der durch ein altes, zugewachsenes Kellerfenster fiel, jubelte er innerlich auf.  Erleichtert atmete er aus und blinzelte in den Schein, und als seine Augen sich an die neuen Lichtverhältnisse gewöhnt hatten, sah er sich um und suchte nach dem Ding, über das er gefallen war.
Sein Blick streifte die dunkle Pfütze, in der er gelandet war, wanderte dann weiter den Gang zurück, bis er an einem rundlichen Etwas hängen blieb. Mit den Augen tastete er den Gegenstand ab, sah etwas wie Haar, sah zwei spitze Dinger an den Seiten und etwas, in dem sich sein interessierter Gesichtsausdruck spiegelte. Und mit einem leisen Aufschrei erkannte er, was es war!

Es war der Kopf eines Hundes, der ohne Körper auf dem Boden lag und dessen offenes Augen ins Leere starrte. Das andere wurde dem Armen herausgepickt, war verschwunden, ebenso wie sein Körper. Mit einer unguten Ahnung bedachte Leon die Pfütze erneut mit einem Blick und erkannte die dunkelrote Färbung, erinnerte sich an den seltsamen Geruch, den er wahrgenommen hatte, als er darin gelandet war und die dickflüssige Konsistenz, von der er gedacht hatte, es sei Schlamm. Ein leises Tropfgeräusch ließ den roten Drachen zusammenzucken und er sah auf den Kreis, der sich langsam in der Pfütze bildete und wieder verschwand.
Dann blickte er, langsam, mit vor Frucht zitternden Fäusten und zusammengebissenen Zähnen,  an die Decke und stieß erneut einen Schrei aus.

Da hing der Körper des Hundes, schlaff, leblos, leer. Aus dem Loch am Hals tropfte noch ein bisschen Blut, das Fell war verklebt von der Flüssigkeit.
`Die Gnörgler! Die dreckigen Biester! Mörder!´, dachte Leon und senkte schnell den Kopf.
„Es tut mir Leid, Kleiner“, wisperte er und bückte sich, strich über das Haupt des Hundes und schloss sein Auge und als er sich erhob, sah es fast friedlich aus. Leon lächelte bitter. Er hatte diesen Hund sehr lieb gehabt.

Emili konnte nicht anders. Sie öffnete das mit spitzen Zähnen gespickte Maul und schrie. Schrie die Angst heraus, den Schrecken, schrie so laut sie konnte. Und dann ließ sie sich fallen, landete ungebremst auf dem nassen Boden, rollte sich zu einer Kugel zusammen  und legte einen Flügel über sich. Mit Wut und Trauer explodierte der erste Schluchzer in ihrer Kehle, dann begannen die Tränen zu fließen, waren heiß wie Lava auf ihrem Gesicht.
`Wieso?´, fragte sie sich immer wieder. `Wieso?´ Mit einer Pranke griff sie nach den zwei laschen, kalten Fellklumpen, die am Boden lagen. Es waren Ratten, eine schwarze und eine weiße. Sunny und Rambo. Emilis Ratten.

Jake wirbelte herum und biss sich auf die Unterlippe. Wer hatte da geschrien? Was war passiert? Sofort rannte er los, den Gang zurück, begann mit den Flügeln zu schlagen und flog durch die Finsternis. Dort, wo sich die drei Drachen getrennt hatten, prallte er fast mit Leon zusammen. In seinen Augen stand Panik und Sorge und ohne ein Wort schlugen die beiden den Weg ein, den Emili gegangen war. Das Schlagen ihrer Flügel hallte in ihren Ohren nach und Jake war der Erste, der außer dem noch etwas anderes hörte.

Er hob die Pranke und bedeutete Leon stehen zu bleiben und zu lauschen. Der weinrote Drache tat, wie ihm geheißen und spitzte die Ohren. Dann nahm auch er es wahr.
Es war das herzzerreißende Geräusch, wenn jemand um etwas weinte, das er sehr geliebt hatte.
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