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Schurkenhandel

von ashtrails
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
18.05.2011
08.11.2011
11
35.196
 
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Ehre unter Schurken



Dalaran.
Wenn es einen Ort gibt, der eindrucksvoll beweisen kann, wie wunderbar sich Megalomanie und Zauberei die Hand geben können, dann befindet er sich hier, umgeben von den strahlend weißen Mauern einer von Magiern regierten Stadt.
Geschätzte dreihundert Yards über dem Boden.
Die Geißel hatte den Krieg einst nach Dalaran getragen und wer überlebt hatte, erwiderte diesen Gefallen nur all zu gern. Auch nach dem Fall des Lichkönigs hielt die fliegende Stadt ihre Wacht vor dem Gletscher, doch die Straßen an der Front waren ruhiger geworden.
Flanierende Magier, einige Wachen, Abenteurer und Forscher.
Die Klingen und Zauberei, die das Bild lange prägten waren fort, dort wo sie dringender gebraucht wurden.
Solace war das ganz recht.
Was ihren Hinweg anging, spielte es keine große Rolle. Aber für das Raus waren die freien Straßen sehr willkommen.
Irrwischen gleich warfen die verzauberten Laternen tanzende Lichter und Schatten auf die gepflasterten Wege in einer für diesen Kontinent gewohnt sternenklaren Nacht.
Die verfluchte beißende Kälte Northrends war in der Stadt der Magier jedoch nicht einmal zu erahnen, auch wenn Temperatur die Gestalt in dunklem Leder schon lang nicht mehr interessierte.
Ohne Hast, fast schon gemütlich, führten ihre Schritte sie durch das Südviertel, vorbei an geschlossenen Geschäften, der Bank und einem Teich mit spiegelndem Wasser.
Sie blickte hinab und das bleiche, hinter dem schwarzen Schal verborgene Gesicht ihrer Reflexion wanderte mit gebrochenen Augen an ihren dürren Konturen entlang.
Die Verlassene strich sich eine ihrer kurzen, ausgeblichenen Haarsträhnen aus dem Gesicht und gab dem nächstbesten kleinen Stein einen Tritt, damit er das ablenkende Spiegelbild mit Wellen und Ringen vertrieb.
Leise Stiefel trugen sie weiter bis zum großen Torbogen vor der Violetten Festung.
Einige letzte prüfende Handgriffe; das geschwungene Schwert auf ihrem Rücken, Dolche, Wurfmesser, die Tasche mit einigen unangenehmen Überraschungen.
Killshades.
Vielleicht das wichtigste.
Magie allein war ein großartiges Werkzeug, für die die sie beherrschten. Aber den Wert den sie gemeinsam mit Technik und den Händen eines fähigen Tüftlers erreichen konnte war mit keinem Gold aufzuwiegen, soweit es Solace anging.
Die von ihr eigenhändig gebaute Brille half ihr zu sehen wo sie nicht sehen konnte, zu reagieren und so vieles mehr.
Zufrieden mit sich und ihrer Ausrüstung ließ sie sich von den Schatten umarmen und näherte sich dem Gefängnis.



Die Kirin Tor fühlten sich stets als Wächter berufen, aber nicht jedes Übel verdient den Tod oder wäre mit seiner Vernichtung auch keine Bedrohung mehr.
Die beste Lösung schienen daher mit arkaner Macht durchzogener Stein und Barrierezauber zu sein.
Dämonen, Elementare, unbeschreibliche Schrecken aber auch machtbesessene Zauberer fristeten hier ihr dasein.
Solace selbst hatte den magischen Kerker bereits von innen gesehen. Reihe um Reihe schraubten sich die Zellen weit höher als das Gebäude von außen verriet.
Der Weg hinein war einfach.
Wachwechsel; ein Gedankenschneller Schritt durch ihre geliebten Schatten und die Schleicherin war im inneren des Arkanen Gefängnistrakts. Das Duplikat des Schlüsselsteines, den die Wärter benutzen um das gewaltige Metalltor zu blockieren oder zu öffnen würde für den Rückweg herhalten.
Es hatte sich nichts verändert.
So etwas hatte man vermutlich auch von einem Gebäude nicht zu erwarten, das Kreaturen bis in alle Ewigkeit einsperren sollte.
Ohne das kleinste Geräusch und nicht von der Dunkelheit zu unterscheiden, die sich in Fetzen zwischen das schwache Leuchten der Barrieren warf, schob Solace sich auf weichen Stiefeln die Spirale hinauf, vorbei an nichtsahnenden Wachen. Sie hatte mit dem Gedanken gespielt, sie unschädlich zu machen, doch der Einbruch an sich würde ihr schon genug schaden, tote Wärter konnte sie auf ihrem Kirin Tor Konto wirklich nicht brauchen. Und so lange sie arglos blieben, würde auch niemand zu schaden kommen.
Nichteinmal die Dämonen nahmen sie Wahr, nur ein Teufelsjäger knurrte unruhig, als die Untote in die nähe seiner Zelle kam.
Drei Windungen nach oben und sie hatte gefunden, was sie suchte.
Hinter dem Schimmernden magischen Feld lag ein menschliches Skelett, mit Ketten an den Boden der Zelle fixiert.
Wert auf weniger Sicherheit zu legen wäre auch enttäuschend gewesen.
Mit flüsterndem Knistern brach die Barriere zusammen, als Solace den Schlüsselstein in die für ihn vorgesehene Fassung drückte.
"Immerhin." flüsterte sie zu sich selbst, huschte in die Zelle und begann mit flinken knöchernen Fingern die Schlösser an den Ketten zu lösen und die Gebeine in einer ihrer bodenlosen Taschen zu verstauen. Der Schlüssel für die Zelle hatte ein kleines Vermögen gekostet, war aber wie es aussah jede Münze wert gewesen.
Als der gesamte Trakt sich erhellte und ein Heulen die Hallen erfüllte, war die Einbrecherin bereit, dieses Urteil zu überdenken.
Hastig packte sie den Schädel und alles was noch an den blanken Knochen hing und stopfte es dem Rest hinterher.
"Ich hoffe du bist mir wenigstens dankbar..."
Sie wusste es bereits jetzt besser und sprintete so schnell ihre toten Beine sie trugen die Wendel hinunter.


Es passierte selten, dass jemand einen Ausbruch aus der Violetten Festung wagte.
Seit Dalaran sich erneut erhoben hatte war es niemandem gelungen zu fliehen und auch in der alten Zeit hatte es nur einer geschafft, kein geringerer als Kael'thas Sunstrider.
Nicht unbedingt eine ermutigende Perspektive.
Wie weit die Trümpfe in ihren Ärmeln sie bringen würden, würde sie aber sehen.
Ein Plan war in Rauch aufgegangen, Zeit für den nächsten.
Befehle echoten durch das Gefängnis, selbst bis hier oben hörte man den schweren Riegelmechanismus des Ausgangstores und das stampfen schwerer Stiefel, spürte die Nervosität der Wärter aber vor allem die Welle von Aufregung und Wut der übernatürlichen Gefangenen.
Drei Wachen.
Die Brille verriet ihre Bewegungen bereits bevor sie für normale Sicht wahrnehmbar wurden.
Solace griff in ihre Tasche, zog in gebotener Eile den blauen zylindrischen Kristall im Metallgehäuse heraus und warf ihn gegen die Wand der Kurve hinter der die alarmierten Bewaffneten heranstürmten.
Die Frostgranate zerplatzte und wen die feinen elementaren Kristalle nicht an Ort und stelle festfroren, der verlor sofort den Halt auf dem nun spiegelglatten Boden.
Ihren Schwung nutzend ließ sich die Fliehende behände auf das Eis gleiten, wich einem schwachen Schwerthieb aus und schlitterte mit einem grüßenden Tippen an die Stirn an den taumelnden Soldaten vorbei.
Einen kurzen Gedanken verschwendete sie daran, dass es nicht so einfach bleiben würde, als sie nach der Eisfläche wieder Stein unter den Füßen hatte und weiter nach unten lief.
Vor allem die Zauberer würden zu einem ernsten Problem werden, von der Verstärkung vor den Toren ganz abgesehen.
Wenn's soweit ist!
Ermahnte die Verlassene sich in Gedanken und war fast schon froh, als weitere geistesgegenwärtigere Wächter die Wendel versperrten, statt einen Vorstoß zu wagen und sie sich so auf das wesentliche besann.
Drei gerüstete, ein Magier, Elf. Der Rest waren Menschen. Die Luft um die Hände des Zauberers begann zu flirren und schlug Funken.
Hinter ihrem Schal grinste die Schattentänzerin böse und die Fetzen von Dunkelheit schlossen sich enger um sie.
Ein Gewirr von wabernden Schwaden wo sie eben noch Stand, dann ein plötzlicher Knall und Rauch in mitten der Truppe des Magiers.
Die Funken erstarben, der Zauber war gescheitert.
Eine der ersten Lektionen die ein Nahkämpfer möglichst schnell zu lernen hat ist, dass nichts besser einen Magier am Spruchwirken hindert als ein Kehlenschnitt.
Oder ein Fuß samt Stiefel in seinem Schritt.
Eine Klinge fand den Weg in den Rücken der Schleicherin; schmerzte höllisch, streifte sie aber nur.
Blitzartig wehrte Solace einen weiteren Streich der durch den Rauch biss mit ihrem Dolch ab und verpasste dem Soldaten einen schweren Schlag in seine Nieren, drehte sich in den Schwung seines Kameraden und rammte ihm den Knauf ihrer Klinge unters Kinn, bevor die Waffe des Menschen ihr gefährlich werden konnte.
Im Momentum und einer Ahnung folgend stieß sie sich von dem aufstöhnenden und taumelnden Mann fort, gerade noch bevor das durstige Schwert des verbliebenen Kämpfers sie durchbohrte. Eine Handvoll Dreck in seinen Augen und er war fürs erste aus dem Spiel.
Der Rauch des Blitzpulvers begann sich zu lichten und Solace war weiter auf dem Weg zum Tor.
Eine Wendel noch, doch es hatten sich bereits Posten vor dem Tor versammelt.
Soldaten, viele Soldaten mit Gewehren, Schwertern und Schilden versperrten den Abgang.
Runen glühten in kühlem blau vor der Kegeltreppe auf und fassten den gesamten Bereich und den Ausgang in ihren Wirkungskreis
Ein Frostring. Vorhersehbar, aber effektiv.
Nichts würde diesen Bereich betreten können ohne von einer dicken Schicht Eis überzogen zu werden.
Nichts außer vielleicht einem gut vorbereitetem Schattentänzer.
Aus dem Lauf heraus und in fließender Bewegung sprang Solace über das steinerne Geländer der Wendel in die Tiefe, fing sich federnd ab, nutze soviel Schwung für Anlauf wie sie nur konnte und hielt auf das einladend weit geöffnete Ausgangsportal zu.
Magie zu beobachten fand Solace stets interessant, allein um zu wissen, was man gegen sie tun konnte.
Ein halbes Dutzend Magier wiederum, in deren Umgebung die Luft so Kalt wird, dass sie Eiskristalle wirft und aus deren Händen in weniger als zwei Herzschlägen tödliche Frostblitze geschossen kommen lassen dieser Herangehensweise wenig Spielraum.
Erste Kugeln zischten durch die Violette Festung, wurden von der verzauberten Rüstung der Diebin gestoppt, nur wenige drangen durch das Leder und verursachten schmerzhafte Wunden.
Schlimmer wäre es gewesen, hätten sie Solace aus dem Gleichgewicht gebracht oder umgeworfen.
So konnte sie weitersprinten, konnte im rechten Augenblick, kurz vor den Grenzrunen des Frostrings die Schatten die sie stets umgaben wie einen Schützenden Mantel um sich legen.
Solange sie bestünden, würde keine Zauberei ihr etwas anhaben können.
Kein Eis Griff nach ihr, Frostlanzen verschwanden in der Finsternis die ihren Körper umgab als sie mit aberwitziger Geschwindigkeit an verdutzten und fluchenden Magiern vorbeirauschte.
Einige waren vertraut mit der Gabe des Eindringlings und begannen neue Zauber zu wirken, die sie nach ihrem kurzlebigen Schutz stoppen würden.
Doch es würde zu spät sein.
Das Portal war durchschritten, die Straßen Dalarans nurnoch wenige Yards entfernt.
Ihr Herz Schlug nicht mehr, aber einen freudigen Sprung tat es dennoch, als ihr klar wurde, dass ihr Coup trotz des Schlüsselfiaskos noch gelungen war, Kugeln und Frostmagie an ihr vorbeizischten.
Die letzten Schritte, gleich wäre es geschafft. Doch ihre schnellen Bewegungen kamen ihr endlos lang vor, Anspannung ergriff wieder Besitz von ihr und nur der Bruchteil eines Herzschlags in dem ihre Augen zufällig zur rechten Zeit am rechten Ort waren ließ Solace mit aller Kraft aus dem Gang hechten der in die Violette Festung führte.
Die Axt die ihr gegolten hatte, fraß tiefe Risse in den Stein, etwa auf Höhe ihres Kopfes.
Panzerstiefel landeten begleitet vom Scheppern einer schweren Rüstung dicht hinter ihr.
"Oh, komm schon!", rief eine bekannte Stimme empört. "Was hat mich verraten!?"



Der Glockenhelle Schlag der Axt klingelte ihr noch immer in den Ohren.
Noch im Abrollen hatte Solace ihr Schwert vom Rücken gezogen und ihren Dolch in die linke gewechselt.
Sie war bis auf die Brücke geschliddert, die das weit offene Maul des Gefängnises mit dem Rest der Stadt verband. Darunter war ein breiter Wassergraben.
Geduckt und in Abwehrhaltung funkelte sie den gerüsteten Gnom an, dessen kahlrasierter Kopf im Sternenlicht schimmerte.
"Der Schatten deiner rieisgen Ohren, dein Gestank, die Präsenz deines übersteigerten Egos...such dir was aus, Grimtooth.", gab sie ihre Antwort und ließ den Dolch sinken.
Tatsächlich hatte der Gnom mit der einschneidigen Axt. die höher war als er selbst, sogar für seine Rasse übergroße Ohren.
"Niedlich.", gab der Krieger zurück. und strich sich mit einer freien Hand über eines seiner stark vernarbten Ohren. "Und jetzt komm mit, du hattest deinen Spass, ganz im Gegensatz zu mir."
Solace lachte leise hinter ihrem Schal. "Ich glaub nicht, Kettenhund!"
Von hier aus war es nicht weit zur Landeplattform, aber jetzt auch noch diesen Plagegeist auf den Fersen zu haben machte die Nacht nicht besser.
"Willst du etwa laufen? Ich sens' dich doch um bevor du zwei Schritte gemacht hast und dann hats sich ausgetanzt.."
Befehle und Schritte aus dem Tunnel schienen Grimtooth seiner Sache sicher zu machen. Erst als Solace Hand aus ihrer Tasche glitt, packte er seine bärtige Axt fester und machte sich Kampfbereit. "Weg damit!", befahl er.
"Aber klar..."
Bereits während ihrer ersten Worte war es Zeit für eine Planänderung geworden.
Solace hatte gehofft die Frostgranate auch heimlich platzieren zu können, aber die Hauptsache war, dass das Zephyrum bereits auf dem Abflussgitter hinter der Brücke gelandet war und mit einem ohrenbetäubenden Knall explodierte.
Der eisigblaue Zylinder wirbelte senkrecht in die Luft über dem Loch in dem Solace in fließender Bewegung verschwand.
Und wiedereinmal stellte sie fest, dass alles an Grimtooth, angefangen mit seiner lächerlichen Statur bis hin zu seiner debilen Art nichts als Gaukelspiel war.
Der Gnom war fast so schnell wie sie selbst, war mit seinem knurrenden , reifüberzogenem Gesicht ganz nah an ihrem, als sie sich in die Kanalisation gleiten ließ.
Doch der Frost hielt die brutale Axt und noch viel wichtiger seine kurzen Arme sowie den Rest seines Körpers fest über der gesprengten Öffnung.
"Ganz eindeutig der Gestank.", stellte Solace noch klar und verschwand dann in der Dunkelheit und dem rauschen der Kanalisation.

Es war nicht ihre liebste Route durch die Kanalisation, vorbei am alten Schwarzmarkt und dem Straßenkampfring.
Fast nichts erinnerte mehr daran, was die Goblins hier getan hatten. Was nicht Niet und Nagelfest war, hatten sie mitgenommen, den wo keine großen Leute sind, ist kein Profit mehr. Und so war Dalarans Kanalisation auch nurnoch genau das.
Selbst ihr toter Körper begann die Erschöpfung und die Wunden nun zu spüren, aber Solace zwang sich mit aller Kraft die Stufen hinauf zur Landeplatform.
Ein müdes Klatschen hallte über den verlassenen Platz.
"Oh, hey, habt ihr eine Ahnung wohin eine clevere Verbrecherin hinfliehen könnte wenn sie eine fliegende Stadt verlassen will, doch sicher nicht zur Landeplattform!", höhnte der Gnom und lachte, bis ein Wurfmesser in seiner Schulter steckte. "Wirklich sehr erwachsen, Solace....", knurrte der Söldner und riss das Messer mit einem schmatzenden Geräusch aus seinen Schulterplatten.
"Für die Wachen hat es gereicht."
"Weil ich sie zur Zitadelle geschickt hab...", schnaubte er verächtlich. "Ein Portal benutzen, selbst wenn es vor der Nase des Rates ist, passt viel besser zu dir, als das hier. Hätte außerdem stimmen können.. Gewonnen, wie mans auch dreht....aber so hab ich dich ganz für mich allein, meine liebe."
Grimtooth'S Monolog gab Solace etwas Zeit zum nachdenken. Er würde sie um jeden Preis davon abhalten ihre Flugmaschine zu benutzen.
Gut.
Wahrscheinlich würde er sie in Konsequenz töten wollen.
Weniger gut, aber nicht unerwartet.
"Du kommst in der Gedankenkette gerade darauf, dass du sogar zweifel hättest mich in den Staub zu schicken, selbst wenn du nicht angeschlagen wärst was?", störte der Gnom.
"Ich arbeite an dem Problem.", gestand die Schleicherin und zog ihre Waffen.
Der Söldner stieß ein freudiges kichern aus und stürmte auf sie zu.
Seine Schläge waren einfacher Struktur aber wuchtig genug um kleine Bäume umzumähen.
Solace wusste, dass er sie nur prüfte und hielt sich zurück, parierte seine Schläge, deren Folge stetig schneller wurde.
Ihr einziger Vorteil blieb, dass sie deutlich beweglicher war als der Gnom und so zumindest die Richtung bestimmen konnte, während tödliche Halbkreise aus Stahl ihre Bahnen zogen.
Wieder prallte die zweihändige Axt auf das geschwungene Schwert aus schwarzem Metall, behände riss Grimmtooth die tödliche Waffe herum und zwang die Schattentänzerin auszuweichen.
Nur darauf hatte er gewartet. Mit einem brutalen Vorstoß wirbelte er um die eigene Achse und der quer geführte Hieb hätte die Hüfte seiner Gegnerin getroffen, doch sie brachte ihre klinge im letzten Moment zwischen sich und den verheerenden Angriff.
Singend segelte die Waffe davon, ein kurzes Stück hinter den Gnom.
Gedankenschnell reagierte Solace, hinterließ für den Söldner nichts als Schattenfetzen, als er erneut einen Halbkreis schlug.
Er kannte ihresgleichen zu gut, stellte sie fest, als sie zwar hinter ihm ihr Schwert auffangen konnte und ihm den Dolch zwischen den Panzerplatten hindurch in die Rippen trieb, aber selbst von dem durchgezogenen Kreishieb zu Boden geschleudert wurde.
Viel Blut zu verlieren hatte sie nicht, aber die Verletzung war schwerwiegend.
noch ein Treffer und sie wäre ein Fall für die Priester.
Aber auch der Gnom taumelte, atmete pfeifend.
"Titanen...wann bist du so schnell geworden?!", verlangte Grimtooth ächzend zu wissen.
"Gar nicht, dein faules Leben hier hat dich langsam gemacht."
Der Gnom musste lachen. "Gestank, faules Leben; sicher dass wir noch über mich reden?"
"Fahr zum Nether.", verwünschte Solace den Gnom und stemmte sich stöhnend auf die Beine, steckte ihr Schwert weg.
"Aye, nach dir..."
Die Axt drohend erhoben näherte sich Grimtooth.
Er hatte die windige Schurkin genau wo er sie haben wollte, am Rand der Plattform. Sie konnte nicht mehr zurückweichen und Zeit für Tricks würde er ihr nicht lassen, alles was ihr blieb war die Schneide seiner Axt oder...
"Oi!", warnte er sie, als die Schattentänzerin einen Schritt zurücktrat.
Sturz und eisiger Wind hatten ihr den Schal fortgerissen und das bleiche ebenmäßige Gesicht schenkte dem Gnom ein lächeln, als sie fiel.
Die Killshades konnten dankbarer Weise auch Entfernungen messen.
Undankbarer Weise kam der Boden trotz ihres Fallbremsenden Duskbatumhangs sehr schnell näher.
Dass ein wütendes im Licht der Monde und Sterne metallglänzendes Geschoss auf sie zuschnellte machte die Gesamtsituation nicht besser.
Bösartig glucksend packte der Blutbesudelte Gnom Solace und ihr Fall beschleunigte sich ohne den bremsenden Umhang rapide, schlimmer noch, seine scharfkantige Rüstung riss den Stoff auf.
"Dachtest du wirklich ich wäre nicht bescheuert genug dir nachzuspringen!?", brüllte er gegen den Fallwind. "Wie isses so ohne Fallschirmumhang!?"
Lachend ließ er sie los.
"Zwei Worte, über die du nachdenken kannst, bis sie dich wiederbeleben!", riet Solace ihm, als sie beide ein vertrautes Rattern und Rauschen hörten. "Gutes Zeitgefühl!"
Ein großer Schatten schoss an ihm vorbei und nach einem schmerzerfüllten Aufschrei ihrerseits verlor er seine Gegnerin aus den Augen.
Grimtooth beschloss, seinen Vorgesetzten später zu erzählen, dass sie ihn von der Brüstung gestoßen hatte.
Zufrieden mit diesem Plan aber erbost über die Kosten für einen Priester und die Ausbesserung seiner Rüstung Schlug der Gnom auf dem Boden des Kristallsangwaldes auf.


Solace wollte gar nicht mehr aufhören zu schreien.
Sie hakte damit auch diese Variante einer brenzligen Situation zu entkommen als viel zu schmerzhaft ab.
Ihr rechter Arm war gebrochen, den linken hatte es glatt aus der Schulter gerissen so dass er nur noch an bleicher, toter Haut hing.
Die knöchernen Hände in ihren Handschuhen hielten sich Klauen gleich an den Kufen der Flugmaschine fest, die nun mit Schlagseite flog.
"Alles klar!?", rief ihr eine Stimme in weichem Bass vom Pilotensitz aus zu.
"Ging nie besser....", presste sie hervor und der Nachtelf, dessen Augen ebenfalls von einer Ingenieursbrille verdeckt waren grinste verwegen, ob dieser dreisten Lüge.
In ausreichendem Abstand zu Dalaran ging er mit der Flugmaschine runter, die stotternd zur Ruhe kam.
Der Wald trug seinen Namen zurecht.
Wenn der eisige Wind durch die erstarrten, kristallinen Blätter fuhr sang der ganze Wald sein helles Lied.
"Ohne Icecrowns drohenden Schatten wäre dies der schönste Ort, den ich je gesehen habe...", sinierte der Kaldorei nach der Landung.
"Sicher.", mit zusammengebissenen Zähnen renkte Solace sich die schulter wieder ein und bandagierte ihren toten Körper flächendeckend mit runenverzierten Verbänden. "In jedem Fall schöner als ich im Moment..."
Ihr Retter schmunzelte und musterte ihren arg lädierten Leib, der auch ohne die neuen Wunden nicht im besten Zustand war. Totenbleich, dürr. Am rechten Ellenbogen war kein Fleisch mehr zu sehen, auch die Hände waren bloße Knochen. "Lässt sich in der Tat nicht leugnen."
Die mit Magie angereicherten Verbände machten dennoch seit jeher keinen unterschied zwischen den Lebenden und den Toten. Sie stellten einfach wieder her.
"Danke, Ryem.", sagte Solace dem weißhaarigen Nachtelfen schließlich, dessen Augen belustigt leuchteten.
"War mir wie immer eine Freude mit dir Geschäfte zu machen. Wir sind ein schwindender Schlag, das ist wichtiger als die Fahne die über unseren Mauern weht. Und klingende Münze ist es erst recht."
"Ganz recht.", bestätigte die Verlassene ächzend und erhob sich. "Loyalität zur Münze bleibt eine Loyalität."
Beide reichten sich die behandschuhten Hände und der deutlich größere Elfenmann blickte zu Solace hinab. "Das erste zählte aber mehr. Ich hoffe was du getan hast, war es wert. "
Sie nickte nur ernst und strich sich ihre Brille wieder von der Stirn über die Augen.
"Willst du mit, ich kann dich am Fjord absetzen, wenn du willst."
Ryem schüttelte lächelnd den Kopf und hob eine seiner bodenlosen Taschen demonstrativ hoch. "Ich hab meine eigene dabei."
"Gut.", nickte die Untote ab und schwang sich auf den Sitz ihrer Flugmaschine. "Wir sehen uns, Elf!"
Mit heiserem Husten, das sich in das typische satte Rattern steigerte erwachten die Flugapparate zum Leben.
"Asha'Falah, Solace!", rief Ryem gegen den Lärm und beide verschwanden in entgegengesetzten Richtungen im nächtlichen Himmel.
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