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Alice im Mädchenland

GeschichteDrama / P16 / Gen
Alice
16.05.2011
16.11.2011
10
14.441
 
Alle Kapitel
71 Reviews
Dieses Kapitel
12 Reviews
 
 
16.05.2011 553
 
Titel: Alice im Mädchenland
Autor: Tiger Lily
Genre: Drama, Mystery, Schmerz-Trost
Kurzbeschreibung: Die Geschichte eines sechzehnjährigen Mädchens. Sie ist süchtig nach Darjeeling Tee und Fotografieren. Außerdem liebt sie es, zu lesen und Tag zu träumen, während die Welt draußen immer unbedeutender wird. Sie träumt davon, Schlösser und Burgen zu bauen und über Regenbögen zu laufen. Aus der Gegenwart flüchten, die bittere Wahrheit für einen Moment vergessen, das ist, was sie will.
Aber eigentlich versucht sie nur, sich selbst zu finden.
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Viel Spaß beim Lesen!


















»  Ʌ L I C E   I M   Ϻ Ä D C H E N L A N D  «
                                                                                       










PROLOGUE










»Himmel, was hast du da reingepackt? Ziegelsteine?«,
fragte Mo, als er Meggies Bücherkiste aus dem Haus trug.
»Du sagst es doch selbst immer: Bücher müssen schwer sein,
weil die ganze Welt in ihnen steckt«, antwortete Meggie.
Cornelia Funke, Tintenherz

http://www.youtube.com/watch?v=Rapf3g_XvCc
[Tchaikovsky – Dance Of The Sugarplum Fairy]





Sie fühlte sich schrecklich.

Diese Familienfeier war der reinste Horror gewesen.
Überall hatte es nur Kaffee und Kuchen gegeben. Und Törtchen. Und Muffins. Und Donuts. Und Schlagsahne und Plätzchen und jede andere erdenkliche Art von Süßkram.

Wie hätte sie sich da zurückhalten können? Alles sah so lecker aus.
Außerdem hätte ihre Großmutter es sowieso nicht durchgehen lassen, wenn sie die Schwarzwälderkirschtorte nicht wenigstens probiert hätte.

Nun fühlte sie sich dick. Nein - fett. Ihr Bauch drückte unangenehm gegen den Hosenbund.

»Du bist ein hässliches Kind«, flüsterte Alice bitter, als sie ihr Spiegelbild betrachtete. »Du bist so unglaublich hässlich.«

Sie schluckte die Tränen hinunter, die in ihr aufstiegen, als ihr Blick an ihrem Körper hinab glitt und an ihrem Bauch haften blieb.
Dort zeigte sich eine kleine Wölbung, für die sie sich in diesem Moment unendlich schämte. Alice war fett.

Sie hielt diesen Druck nicht länger aus. Jeden Tag hasste sie sich für das kleinste bisschen, das sie aß.
Jeden Tag trieb sie dafür bis zur Erschöpfung Sport, und selbst dann fühlte Alice sich noch zu dick.

Sie hatte schon viele Diäten ausprobiert: die Regenbogendiät, die Ananasdiät, die Low-Fat-Diät oder Appetitblocker, aber dünn genug konnte sie nie sein.

In manchen Wochen nahm sie sogar ein oder zwei Kilo zu. Dann half nur noch striktes Hungern. Aber selbst das hielt sie nicht durch.

Alice widerte sich selbst an.

Sie atmete tief ein und aus und fuhr sie sich mit der Hand durch die strohigen, glanzlosen blonden Korkenzieherlocken. Dann öffnete sie eine Toilettentür.
Jetzt gab es nur noch eines zu tun.

Sie hätte es wahrscheinlich nie so weit kommen lassen dürfen. Doch Alice blieb keine andere Wahl. Der Stress fraß sie innerlich auf, und sie ertrug es einfach nicht länger.

Denn eigentlich wollte Alice doch nur glücklich sein.

Als sie in die Kabine trat und die Tür hinter sich abschloss, zog sie sich ein Zopfgummi vom Handgelenk und band sich die Haare nach hinten.

Dann klappte sie den Klodeckel auf, beugte sich nach vorne und steckte sich den Finger in den Hals, bis alles, selbst der letzte Rest Süßkonfekt, in den dunklen Tiefen des Abwasserkanals verschwand.
Da gehört es hin - und nicht in meinen Bauch, dachte Alice, wischte sich über den Mund und verließ zitternd die Damentoilette.

Doch sie zitterte nur so leicht, dass es niemandem auffiel.

Nicht einmal ihr selbst.



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