Am Bett des Mädchens

GeschichteRomanze / P6
15.05.2011
15.05.2011
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Alle Personen gehören Alyson Noël, ich hab sie mir hierfür nur mal ausgeborgt.

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Langsam lief Damen durch den weißen Gang. Der Geruch von Desinfektionsmittel, Krankheit und Tod überwältigten ihn fast, doch er zwang sich dazu, weiter zu gehen. Er wusste nicht, ob es richtig war, hierher zu kommen, doch er war sich bewusst, dass ihn das Schicksal hierher geführt hatte.
Leise hallten seine Schritte in dem menschenleeren Gang nach und mit jedem weiteren Schritt kam er näher an den Ort, an dem er sein sollte. Jäh blieb er vor einer geschlossenen Tür stehen. Sie sah aus wie jede andere in diesem Gebäude, schlicht weiß, ohne jegliche Fröhlichkeit. Kurz zögerte er noch, dann streckte er seine Hand aus und drückte die Türklinke herunter. Mit einem kaum wahrnehmbaren Knirschen schwang die Tür auf und Damen trat hindurch.
Zuerst war er leicht verunsichert, der Raum schien leer zu sein. Bis er eine winzige Bewegung hinter einem dieser grässlichen Vorhänge wahrnahm. Gleich darauf hörte er auch schon ein Wimmern, kaum lauter als das Rauschen des Windes.
Plötzlich stand sein ganzer Körper unter Strom. Er konnte sich kaum davon abhalten zu ihr zu rennen. Doch er musste sich zurückhalten, denn er wollte sie auf keinen Fall erschrecken. Also durchschritt er mit einer angemessenen Geschwindigkeit das Zimmer, bevor er mit festem Griff den weißen Stoff packte, der ihn von ihr trennte. Mit unterdrückter Eile zog er ihn beiseite. Und was er dahinter sah, ließ sein Herz plötzlich schneller pochen, bevor es gleich darauf in winzige Stücke zersprang.
In dem schmalen Bett lag ein Mädchen. Es war kaum älter als 17 Sommer und war das hübscheste Wesen, das er je gesehen hatte. Ihr feuerrotes Haar war weit über die beigen Kissen gefächert, auf denen ihr Kopf gebettet war. Ihre Augen waren geschlossen und unter ihnen bemerkte Damen dunkle Ringe. Ihr Gesicht sah leicht eingefallen aus und auch der Körper, der sich unter der dünnen Decke abzeichnete, war zu schmal. Doch auch wenn sie erschöpft und krank aussah, konnte Damen schwören, dass sie das schönste Mädchen war, das er je gesehen hatte.
Eine Weile stand Damen einfach nur neben dem Bett, bis sich ihre Augenlieder flatternd öffneten. Die Augen, die ihn nun überrascht, aber nicht verängstig, ansahen hatten eine blau-grüne Farbe. Er hatte das Gefühl, als würde die Welt stehen bleiben, so wie immer beim Blick in ihre Augen.
Ein leises Räuspern holte ihn in die Wirklichkeit zurück. Sofort war er wachsam. Was musste sie von ihm denken? Ein völlig Fremder stand an ihrem Krankenbett und starrte sie an, als wäre sie ein Tier im Zoo.
„Könntest du mir das Wasser dort reichen?“, fragte sie und traf ihn damit vollkommen unvorbereitet.
Ohne ihr zu Antworten, griff er zum Nachttisch und wollte ihr das Glas reichen, bevor er bemerkte, dass sie zu schwach war, um auch nur den Arm zu heben.
Immer noch stumm, half er ihr sich aufzurichten und führte das Trinkgefäß an ihre Lippen. Dann stellte er es wieder an seinen ursprünglichen Platz, während das Mädchen seufzend zurück in die Kissen sank.
„Ich bin Eveline“, murmelte sie schwach und lächelte ihn dennoch an.
Damen setzte sich auf den Stuhl neben ihrem Bett und sah sie an.
„Wie lange bist du schon hier?“, wollte er wissen. Auch seine Stimme war nun kaum mehr als ein Flüstern.
„Hier, in diesem Gebäude? Seit einigen Wochen.“
Wieder wanderte Damens Blick über ihre schmale Gestalt, bis er bei ihren Augen hängen blieb. Sie schienen seine Annahme, sie sei nicht älter als 17, zu verhöhnen. In ihnen stand so viel Leid und Lebenserfahrung, dass er sich unwillkürlich fragte, ob sie nicht schon länger auf dieser Welt wandelte.
„Wie alt bist du, Eveline?“
„Sechzehn.“
Wieder schwiegen sie beide.
„Erzähl mir etwas über dich“, bat sie nach einer Weile.
„Ich wurde in Florenz geboren. Vor über 500 Jahren“, fing er an seine Lebensgeschichte zu erzählen. Und dann sprudelten die Worte aus ihm heraus, einfach so. Er hatte noch mit niemandem diese Geschichte, sein Geheimnis, geteilt. Doch mit diesem Mädchen fiel es ihm leicht, über seine Vergangenheit, die Unsterblichkeit und das Leben, das damit einherging zu reden. Er musste es ihr erzählen. Er wusste nicht, was sie an sich hatte, doch er liebte sie, vertraute ihr.
„Wirst du bei mir bleibe? Bis ich gegangen bin, meine ich“, fragte sie ihn, nachdem er geendet hatte.
Damen nickte. Er würde alles für sie tun, wenn sie ihn nur darum bat.
„Ich danke dir“, murmelte sie, „Nicht jeder würde bei einer vollkommen Fremden ab Sterbebett bleiben.“
Alles in Damen erstarrte. Er sah sie durchdringend an, dann hauchte er: „Sterbebett.“
„Ich habe nur noch wenig Zeit… Es wird nicht schmerzhaft, haben die Ärzte mir versprochen.“
Sie sagte es ganz sachlich, wie eine Tatsache, die unumstößlich war und mit der sie sich abgefunden hatte.
Damen sprang auf, seine Hand lag an ihrer Wange, bevor er sich der Bewegung überhaupt bewusst war. „Ich kann dich retten… du könntest ewig leben. Mit mir.“
Er ließ ihr die Wahl, es war das erste Mal, dass er dies tat.
Eveline sah ihn mitleidig an, dann schüttelte sie den Kopf. „Nicht in diesem Leben.“
Damens Gesicht musste seinen Schmerz wiederspiegeln, denn Eveline lächelte beruhigend.
„Wir werden uns wiedersehen, schöner Fremder. Wir bekommen unsere Gelegenheit.“
Damen setzte sich langsam wieder, dann griff er nach ihrer Hand. „Ich werde auf dich warten. Ich werde die ganze Welt durchsuchen, um dich zu finden, immer wieder“, versprach er und drückte ihre Finger sanft, bevor er anfing, kleine Kreise auf ihrer Handfläche zu ziehen.
„Das wirst du.“ Eveline klang vollkommen überzeugt und schloss kurz die Augen, dann sah sie ihn durchdringend an. „Wirst du mir deinen Namen verraten?“
„Damen.“ Damens Stimme war kaum zu verstehen, doch Eveline nickte leicht, als Zeichen, dass sie ihn verstanden hatte.
„Gut, Damen, bitte traure nicht um mein Leben. Freue dich lieber auf die Zukunft, was auch immer sie bringen mag.“
Wieder bekundete Damen seine Zustimmung stumm. Dann brachte er sein Gesicht ganz nahe an das ihre und drückte die Lippen auf ihre Stirn. „Bis bald, schöne Eveline.“
Eveline schloss die Augen mit einem Lächeln auf den Lippen und öffnete sie nicht mehr. Lange noch saß Damen bei ihrem Leblosen Körper. Er schwor sich, dass er beim nächsten Mal nicht zögern würde. Er würde sie zu der seinen machen. Und er wusste, dass der Schmerz nicht vergehen würde, bis er sie wiedersah.

Erst ein halbes Jahrhundert später fand er sie erneut. Doch als er sie sah, war er sich sicher, er würde diesmal nicht zögern. Sie und er, für immer. Er gehörte ihr, auf immer.

*****

Hii,
ich muss sagen, ich hab keine Ahnung, wo ich diese Idee her hab ;D
Ich hab einfach angefangen zu Schreiben und dabei ist das raus gekommen ...
Hoffe euch gefällts

Lg, Alice Lilian Theel
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