Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Pferdeknecht Prinzessin Runo - das Schicksal meint es gut mit ihr

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Alice Gehabich Daniel "Dan" Kuso Marucho Marukuro Runo Misaki Shun Kazami
14.05.2011
22.01.2012
22
23.486
 
Alle Kapitel
34 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
14.05.2011 965
 
2. Kapitel
Auf Schloss Mont-Barein begannen tatsächlich die Vorbereitungen für den Besuch des Prinzen Soraterni und seiner Familie.

Prinz Daniel hatte zunächst so getan, als bemerkte er die emsigen Vorbereitungen nicht, als gingen sie ihn nichts an. Als es aber immer offensichtlicher wurde, dass Prinzessin Alice alles so plante und richtete, als sei die Verlobung bereits eine beschlossene Sache, da konnte er den Kopf ganz einfach nicht mehr in den Sand stecken. Zufällig hörte er die Prinzessin mit ihrem, die Mann, dem Erbprinzen Shun, die Gästeliste besprach. Das brachte bei Daniel das Fass zum Überlaufen. Zumal die Prinzessin es keinesfalls für nötig erachtete, ihn selbst nach irgendwelchen Wünschen zu fragen.

„Greifst du der Entwicklung nicht ein wenig zu sehr voraus?“ fragte der Prinz Daniel ruhig. Man hatte im Gartensaal zu dritt den Tee eingenommen. Die großen Fenstertüre waren weit geöffnet und gaben nicht nur den Blick in die herrlichen Grünanlagen vor dem Schloss frei, sonder sie ließen durch die Strahlen des tiefststehenden Nachmittagssonne ungehindert hinein. Die dem hat in Weiß, Gelb und Gold gehaltenen, halbkreisförmigen Raum ein prächtiges Aussehen verlieh. Doch die frei Anwesenden hatten im Augenblick keinen Sinn für diese Schönheit, die ein begabter Baumeister vor mehreren Generationen berechnet und geplant hatte.

„Von welchen Ereignissen sprichst du?“ beantwortete Prinzessin Alice die Frage ihres Schwagers mit einer Gegenfrage.
„nun, ich denke doch, dass das klar sein dürfte“, meinte Prinz Daniel gelassen. „Dass der Prinz von Soraterni mit Gattin und Tochter zu einem Besuch auf Schloss Mont-Barein eingeladen ist, stellt wohl eine Tatsache dar, die sich nicht mehr ädern lässt. Na gut, aber du, meine liebe Alice, tust und planst gerade so, al sie die Verlobung bereits eine geschlossene Sache.“

„Na und“, meinte Prinzessin Alice hochmütig, das ist sie doch.“
„Aber, erlaube mal!“ Prinz Daniel hatte nun wirklich Mühe, weiterhin ruhig und höflich zu bleiben. „Immerhin geht es ja hier um eine Angelegenheit“, sagte er erregt, „die nicht in erster Linie, sondern im Grunde sogar ausschließlich mich allein angeht. Mich und eventuell noch diese Prinzessin Runo, die möglicherweise genauso wenig gefragt worden ist wie ich. Mit welchem Recht nimmt du dir heraus, Alice, etwas zu planen, was dich überhaupt nichts angeht.“

„Daniel“, sagte Erbprinz Shun mahnend, „ich muss dich doch sehr bitten, es geht meiner Frau gegenüber nicht an der nötigen Höflichkeit fehlen zu lassen. Einen solchen Ton und eine solche Ausdrucksweise kann ich unmöglich dulden.“

Noch ehe Prinz Daniel antworten konnte, sagte Prinzessin Alice mit flinker Zunge: „Du meinst es gut, Shun, aber es ist nicht nötig, dass du mich verteidigst. Ich komme schon allein zurecht. Wenn dein Bruder meint, dass ich mich ihm gegenüber zu rechtfertigen habe, so bin ich gewiss nicht zu schüchtern, das auch zu tun. Du willst wissen, Daniel!, fuhr sie fort und in ihrer schwang eine leise Ironie mit, „wer und was mir das Recht zu diesen Vorbereitungen gibt, die ja immerhin meinen ganzen persönlichen Einsatz auch meine Arbeitskraft erfordern. Doch keine Sorge, ich erwarte deine Dankbarkeit nicht, in dieser Beziehung bin ich auf Schloss Mont-Barein ja noch nie verwöhnt worden.“ Dieser Seitenhieb betraf auch ihren Gatten und ihren Schwiegervater. Doch Prinz Shun hatte solche Reden in seiner Ehe wohl schon oft gehört – er machte keine Anstalten zu einer Erwiderung oder gar zu einer Verteidigung.

„Dieses Recht, mein lieber Daniel“, fuhr Prinzessin in distanzierenden Ton fort, „hat mir kein geringerer als dein Vater, Fürst Leonhard, gegeben. Du warst ja wohl selbst dabei, als er mich beauftragt hat, so dass deine Frage überflüssig war.“ Damit verließ sie den Gartensaal durch eine der beiden seitlichen Türen, von wo aus man in die große Schlosshalle und damit auch in das breitausladende Treppenhaus mit seinen geschwungenen, kunstvoll gestalteten Aufhängen gelangte.

Sie ließ die beiden Männer in betretenem Schweigen zurück. Erbprinz Shun war der erste, der das Schweigen brach. „Es klingt alles ein wenig unfreundlich, was Alice sagt“ machte er den Versuch einer Entschuldigung. „Aber du darfst das nicht so ernst nehmen, Daniel, in Wirklichkeit meint Alice es nicht so.“

„Nun, da bin ich nicht so sicher“, antwortete Daniel ruhig. „Im Grunde genommen berührt es mich auch nicht sonderlich, wenn es mich auch nicht sonderlich, wenn ich es natürlich auch sehr bedauere, dass ich kein besseres Verhältnis zu deiner Frau finden kann. Aber reden wir bei unseren alten Thema, meine von Vater gewünschte und wohl auch schon beschlossene Verlobung. Wie stehst du dazu? Ich hoffe doch sehr, dass du meine Haltung verstehst und sie auch gutheißt.“

Prinz Shun fuhr sich mit der linken Hand zwischen Kragen und Hals, es sah fast so aus, als sei ihm der Kragen zu eng, was aber völlig ausgeschlossen war, denn selbstverständlich trug trug der Erbprinz von Mont-Barein nur maßgeschneiderte seidene Hemden. Jedenfalls war es ihm sichtlich unangenehm von seinem Bruder so direkt gefragt zu werden. „Nun Daniel“, sagte er zögernd, „verstehen? Nun ja, verstehen kann ich dich vielleicht. Es ist wirklich nicht schön, wenn man in manchen Dingen wie ein unmündiges Kind behandelt wird und ganz einfach zu gehorchen hat, wo es doch im Grunde genommen im ureigenste Dinge geht. Ich kann dich verstehen, denn mir ist es ja vor einigen Jahren ganz genauso ergangen wie dir heute.“

Er schien fast schmerzhaft Luft zu holen, bevor er weitersprach. „Gutheißen allerdings kann ich deine Haltung und deine beabsichtige Ablehnung nicht, denn ich teile da ganz Vaters Standpunkt, dass wir mit unserer bevorzugten Stellung auch die damit verbundenen Pflichten und persönlichen Einschränkungen zu akzeptieren haben. Und dazu gehören nun einmal die Familiengesetze, nach denen wir uns zu richten haben.“

„Ich denke gar nicht daran“, erwiderte Prinz Daniel heftig. Ich werde mich nie arrangieren und ganz gewiss nicht da, wo andere es von mir verlangen wollen. Ich habe das Recht, mir mein Leben selbst zu gestalten, und dieses Recht werde ich mir nicht nehmen lassen. Von niemanden!“
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast