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Pferdeknecht Prinzessin Runo - das Schicksal meint es gut mit ihr

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Alice Gehabich Daniel "Dan" Kuso Marucho Marukuro Runo Misaki Shun Kazami
14.05.2011
22.01.2012
22
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14.05.2011 2.270
 
Prinz Daniel hatte noch eine böse mit Madame Mira Minotte. Madame wollte noch einmal die Herrin herauskehren. Sie versucht nun, den ihr vermeintlichen Untergebenen einzuschüchtern und wurde immer wütender, je weniger es gelang.

Prinz Daniel lächelte nur und bewahrte seine ruhige Überlegenheit. Er verriet nicht, wer er in Wahrheit war. Aber an seiner ganzen Haltung und an seiner Art hätte man schon erkennen können, für den er sich hier ausgegeben hatte.

Madame, die sich selbst sonst rühmte, eine gute Menschenkennerin zu sein, war viel zu empört und in ihrer Eitelkeit getroffen, im sich noch derartige Gedanken machen zu können. Sie sah in der Tatsache, dass dieser junge Mann sie verlassen wollte, eine persönliche Niederlage, und sie war nicht gewillt, diese hinzunehmen.

Schliesslich kam auch noch der Verwalter dazu. Er hatte sich inzwischen umgezogen und notbedürftig wieder frisch gemacht. „Ich werde dich anzeigen, Bursche“, stiess er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „So leicht kommst du mir nicht davon.“

„Was ist den geschehen?“ fragte Madame und schaute ihren Verwalter verblüfft an, dessen Kinnspitze so merkwürdig angeschwollen war. „Hat dieser junger Mann dich etwa geschlagen, Ace?“

„Zusammengeschlagen hat er mich“, musste der Verwalter gestehen, und er war darüber nicht nur masslos wütend, was war ihm auch ausserordentlich peinlich, denn wenn es schon eine Schlägerei gab, dann wollte er wenigstens als Sieger daraus hervorgehen. Dieser entwürdigende Ausgang war sehr schwer für ihn zu überwinden.

Madame schien seine Gedanken zu erraten und sie gestand sich ein, dass sie sogar ein bisschen schadenfroh war. Denn dem so masslos eingebildeten und überheblichen Ace Grenelle war eine solche Schlappe schon einmal zu gönnen. Trotzdem war es natürlich empörend, dass Dan Kuso sich hatte dazu hinreissen lassen. Die Empörung lag auch in ihrem Blick, als sie ihn anschaute.

Doch Prinz Daniel war keineswegs zerknirscht, „Tut mir leid, dass es dazu hatte kommen müssen“, sagte er. Und er lächelte sogar dabei. „Aber es galt, die Ehre einer Dame zu verteidigen.“

„Dame“, lachte der Verwalter hämisch- „Eine Pferdemagd ist sie.“
„Nun“, sagte Prinz Daniel, „eine Meinungsverschiedenheit hatte ich gestern bereits mit Madame. Madame weiss, wie ich darüber denke. Jede weitere Diskussion erübrigt sich.“

„Deine geschwollenen Redenarten solltest du dir hier sparen“, giftete Ace Grenelle, „das verfängt  nicht mehr. Und damit du es nur weissr, ich habe dein Spiel durchschaut und jetzt werde ich nicht länger schweigen. Jetzt schalte ich die Polizei ein. Ja, Mira, der Dan ist ein Hochstapler, ein Betrüger! Er besitzt falsche Papiere, gibt sich für einen Prinzen aus. Denk nur“, er lachte böse. „Ein Pferdeknecht will ein Prinz sein. Jetzt wird sich die Polizei damit befassen.“

„Wirklich?“ fragte Daniel ruhig. „Ich würde mir das doch sehr genau überlegen. Immerhin sind Sie doch zum Fürsten zu Mont-Barein für Ihr Schweigen bezahlt worden und zwar, weil Sie es so vorgeschlagen haben. So ist es doch, oder? Könnte ziemlich peinlich werden, wenn Sie der Polizei auch das erzählen müssten. Erpressung nennt man so etwas. Aber es steht Ihnen natürlich frei, zu informieren, wen Sie wollen. Sie könnten dabei nur eine peinliche Überraschung erleben.“ Daniel lächelte spöttisch.

Zumindest Madame Mira begann zu ahnen, dass es mit diesem, ihrem sogenannten Pferdeknecht, wohl doch eine besondere Bewandtnis haben müsse.

Sie blickte ihn unsicher und aufs höchste verwirrt an. Doch der Prinz tat ihr nicht den Gefallen, weitere Erklärungen abzugeben. Er verneigte sich leicht, höchst weltmännisch, wie die Gutsherrin feststellte, und sagte mit lächerlicher Höflichkeit: „Ich darf mich also empfehlen, Fräulein Runo und ich werden das Gut noch in dieser Stunde verlassen.“

So verschaffte Prinz Daniel sich einen Abgang, der ihm ein heimliches Vergnügen bereitete. Doch als er dann später mit Runo in einem Mietwagen sass, der ihn wegbrachte von Gut St. Clement, fragte er sich doch, was nun werden sollte. Sollte er Runo schon jetzt die Wahrheit sagen? Sollte er zurückkehren nach Schloss Mont-Barein? Er stellte sich diese Frage sehr ernsthaft, beschloss jedoch dann, mit solchen Erklärungen zu warten.

Wollte er überhaupt zurück? Eigentlich gefiel ihm dieses Leben doch. Und zu Hause würden ihn nur neue Auseinandersetzungen mit seinem Vater erwarten, Denn der Fürst hatte zweifellos seine Ansichten und Pläne nicht geändert. Jetzt war Prinz Daniel weniger als zuvor bereit, auf die Wünsche seines Vaters einzugehen, denn er wusste bereits, dass er in Runo seine Frau fürs Leben gefunden hatte. Aber er würde sie wohl kaum mit nach Schloss Mont-Barein bringen dürfen. Also war es wohl besser, gar nicht erst zurückkehren.

Anderseits war ihm aber auch klar, dass er nun für Runo eine gewisse Verantwortung übernommen hatte. Er konnte also nicht einfach weiterhin sorglos durch die lande ziehen, wie er es bisher getan hatte, er hatte jetzt eine Frau an seiner Seite. „Man müsste auf einen Schlag viel Geld verdienen, um sich eine Existenz gründen zu können“, sagte Prinz Daniel aus solchen Gedanken hervor.

„Was für eine Existenz?“ fragte Runo.

Sie sassen in einem kleinen, bescheidenen Landgasthaus, weit weg genug von St. Clement entfernt und beratschlagten nun, wie es weitergehen sollte. Übrigens hatte sich auch Prinzessin Runo ihre eigenen Gedanken gemacht. Auch sie hatte sich gefragt, ob sie Daniel nicht sagen müsse, wer sie in Wirklichkeit war. Aber da er selbst keine Anstalten machte, mit der Wahrheit herauszurücken, tat sie es auch nicht.

Ausserdem fürchtete sie sich ein wenig von seiner Reaktion. So glücklich sie war über seine Liebeserklärung, so echt auch ihr eigenes Gefühl für den Prinzen inzwischen war, so war sie sich seiner Liebe doch noch nicht so sicher. Würde er es nicht falsch verstehen, wenn er erführe, wer sie in Wahrheit war? Würde er nicht glauben müssen, sie sei ihm nur nachgereist, um ihn einzufangen? Würde er nicht vielleicht glauben, sein Vater sei in vieles eingeweiht und man mache sich zu Hause vielleicht nur lustig über ihn, der vor seiner Prinzenwürde davongelaufen war, als Pferdeknecht arbeitete und sich trotzdem dabei von einer Prinzessin aufspüren ließ? So weit hatte Runo bisher nicht nachgedacht. Erst jetzt kamen ihr solche Überlegungen. Sie hatte Angst.

Zuerst hatte es ihr ja nichts ausgemacht, dass Prinz Daniel sich buchstäblich aus dem Staub gemacht hatte, nur um sie nicht heiraten zu müssen. Sie hatte darüber gelacht und der ihr unbekannte Prinz hatte ihr imponiert. Aber jetzt war Prinz Daniel ihr nicht mehr unbekannt. Sie hatte sich in ihn verliebt. Nein, es war mehr, das wusste sie. Sie liebte ihn! Sie wusste auch, dass das die grosse einmalige Liebe sein musste. Und wenn der Prinz sie jetzt zurückstoßen, wenn er sie jetzt wieder verlassen würde, dann wäre das sehr schlimm für Prinzessin Runo.

Aus ihrer wachsenden Sorge heraus beschloss sie, nichts zu sagen. Vielleicht, so hoffte sie, würde auch des Prinzen Liebe zu ihr weiterwachsen, wenn sie noch eine Weile zusammenblieben und gemeinsam dieses einfache leben führten.

Sie würden sich dann so gut kennenlernen, sich anderseits aber auch so aneinander gewöhnen, dass die Wahrheit für den Prinzen dann vielleicht leichter zu ertragen sein würde. Dazu kam noch, wie sich Runo eingestehen musste, dass auch sie das Abenteuer inzwischen reizte. Es reizte sie die Aussicht, gemeinsam mit Daniel so zu leben, als gebe es weder die Fürstenfamilie zu Mont-Barein, noch die des Prinzen von Soraterni, als seien Daniel und sie wirklich nur das, was sie hier zu sein vorgaben, nämlich junge Menschen, die sich auf eigene Faust durchs Leben schlugen.

Runo hatte schon vor einiger Zeit dafür gesorgt, dass Julie sich des Wagens annahm und auch ihr Zimmer im Gasthof abbestellte. Runo wusste, dass sie sich auf ihre Freundin verlassen konnte. Allerdings wünschte sie sich jetzt fast, sie hätte auf ihr Auto zurückgreifen können. Ware dadurch nicht noch doch vieles leichter geworden? Anderseits hätte es Schwierigkeiten gemacht, den Besitz eines Autos und einen Aufenthalt in einem Gasthof zu erklären. Es lag aber Runo sehr daran, unter keinen Umständen Dans Misstrauen zu erregen.

In diese Gedanken hinein sagte Daniel: „Ich wüsste schon, wie ich mir eine solide Zukunft aufbauen könnte. Aber das ist wohl doch nur ein Traum…“

„Erzählst du mir von dem Traum, Dan?“ bat Runo.

„Ja, natürlich“, lächelte Daniel, „aber du wirst mich vermutlich auslachen.“
„Bestimmt nicht“, versprach Runo, „alles, was abenteuerlich ist, gefällt mir.“

„Das ist fein“, nickte Daniel. „Weisst du, ich reite nämlich nicht nur gern, ich bin auch ein begeisterter Flieger. Vielleicht wunderst du dich, dass ein Mann in meiner Situation überhaupt fliegen kann, aber das werde ich dir später erzählen. Tatsache ist jedenfalls, dass ich es sehr gern tue. Und wenn man daraus einen beruf machen könnte, wäre das schon eine tolle Sache.“

„Möchtest du Pilot werden?“ fragte Runo. „Vielleicht bei der Luftfahrzeuggesellschaft? Oder willst du dich bei irgendeinem Privatmann als Pilot anstellen lassen?“

Daniel schüttelte den Kopf. „Das wäre natürlich eine Möglichkeit“, meinte er, „zumindest die Anstellung als Pilot bei einem Privatmann, Aber das würde vermutlich über kurz oder lang auch so enden wie meine Karriere als Reitlehrer. Nein, selbstständig möchte ich sein. Ein eigenes Flugzeug haben und damit Geld verdienen.“

„Aber geht das denn überhaupt?“ fragte Runo.
„Wenn man genug Geld hat, geht alles“, erklärte Prinz Daniel. „Mein Problem ist lediglich, dass ich mir das erforderlich Startkapital auch selbst verdienen möchte.“

Runo lachte leise. Sie kannte den Stolz des Prinzen inzwischen. Er würde keinen Heller von seinem geerbten Vermögen, dazu benutzen, um  sich seinen Traum zu erfüllen. „Und wenn du dir das erforderliche Startkapitel verdient hättest“, fragte sie, „was würdest du dann tun?“

„Ja“, sagte Prinz Daniel überlegend, „dann würde ich vermutlich auswandern. Nach Südamerika zum Beispiel. Dort würde ich eine kleine Fluggesellschaft gründen und mein eigener Pilot sein. Ich würde Post befördern, vielleicht auch Krankentransporte fliegen, Rundflüge veranstalten, vielleicht auch Flugschüler ausbilden. Ich glaube, da gibt es eine ganze Menge Möglichkeiten.“

„Grossartig“, lachte Runo, „und ich würde an der Kasse sitzen und Tickets verkaufen. Ausserdem würde ich natürlich die Bücher führen und dir auch sonst in vielen Dingen helfen.“
„Machst du dich lustig über mich?“ fragte Daniel mit gerunzelter Stirn.

Runo schüttelte den Kopf. „Nein“; sagte sie nun wieder ernsthaft. „Aber das alles erscheint mir doch sehr märchenhaft. Wie sollten wir beide, du und ich, denn jemals soviel Geld verdienen können, um einen solchen Traum zu verwirklichen?“

„Nun, mit ein bisschen Glück wäre sogat das möglich“, fand Prinz Daniel zögernd. Aus der Brusttasche seines Anzuges, es war immer noch der Cordanzug, mit dem er Schloss Mont-Barein aufgebrochen war, nahm er ein zusammengefaltetes Zeitungsblatt. „Schau mal, Runo“, sagte er. „Da wird eine grosse Autorallye veranstaltet, Es geht durch das ganze südliche Frankreich und zum Teil auch durch die Pyrenäen in Spanien. Es ist eine äusserst schwierige Strecke und dem Sieger winkt eine fantastische Prämie. Sie ist so hoch, dass sie ausreichen könnte als Startkapital. Man startet für bestimmte Firmen. Fahrzeuge und Ausrüstung werden gestellt. Das Problem ist nur, dass es zur Startmeldung schon fast zu spät ist, wenn man bedenkt, dass wir ja noch einen Wagen haben müssten, der uns dafür zur Verfügung gestellt wird. Einfach wird das bestimmt nicht sein. Aber ich kenne von früher her noch einige Leute. Ich weiss sicher, dass ich sie dazu überreden kann, mir einen Wagen zu geben, wenn da in letzter Minute ein anderer abgesprungen ist. Eine gut Position Glück gehört natürlich dazu…“

„Und du glaubst, dass du dieses Glück hast?“

„Seit ich dich an meiner Seite weiss, habe ich den Eindruck, dass mir alles gelingen wird, Runo. Natürlich gibt es noch das Problem des Beifahrers. Rallyes sind heutzutage ein Strapaziöses Geschäft. Das bedeutet nicht nur auf die Karten sehe und auf die Uhr. Ich weiss nicht, ob ich jemanden finde, der die harte Tour mit mir macht, wenn es mir schon glückt, ein Auto zu bekommen.“

„Der Beifahrer sitzt vor dir“; lächelte Prinzessin Runo zärtlich.

Prinz Daniel war zwar skeptisch. Doch anderseits freute er sich auch, dass Runo ganz die patente Kameradin war, die er sich immer erseht hatte, Nur täuschte ihn die Freude nicht über die Tatsache hinweg, dass ein Mädchen, das sich als Pferdeknecht verdingte, wohl kaum in der Lage war, einen vernünftigen Beitrag zum Gelingen einer Rallye beizusteuern. Woher sollte sie die Voraussetzungen dafür haben?

Prinz Daniel war vor Jahren häufiger Teilnehmer an solchen Fahrten gewesen. Das hatte damals ganz zu seiner noch jugendlichen Sehnsucht nach Abenteuer und Risiko gepasst. Die Erfahrungen von ehedem mochten ihm jetzt zugute kommen, Zudem traute er sich zu einige Beifahrer-Aufgaben mit zu übernehmen. Je länger er darüber nachdachte, im so mehr lockte ihn der Versuch.

Längst war der Kaffee in ihren Tassen kalt geworden. Runo und Daniel bemerkten es kaum. Sie diskutierten die Fürs und Widers, bis sie sich entschlossen, noch den Nachtzug nach Monte Carlo zu nehmen. Dort sollten die Fahrer starten. Dort musste Daniel also auch versuchen, einen Tipp zu bekommen für ein verfügbares Auto.

Übernächtig und fröstelnd gelangten sie nach Monte Carlo. Prinz Daniel keine grosse Mühe, zu den Männern vorzustossen, die ihm weiterhelfen konnten. Was kaum glaublich schien, trat dann ein. Er bekam einen Wagen! Daniel erkannte sofort, dass das Fahrzeug ausgezeichnet war und dass seine Chancen stiegen!

Einige Tage blieben ihnen noch zur Vorbereitung. Sie hatten sich privat ausserhalb von Monte Carlo preiswerte Privatzimmer gemietet, um auf diese Weise Kosten zu sparen.

Dann war es so weit!

Es folgten harte Tage. Die Rallye war alles andere als leicht. Zu Daniels Verblüffung erwies sich Runo als eine brillante Beifahrerin. Sie war aufmerksam und schien mit Problemen, wie sie unvermeidlich auftauchten, vertraut zu sein. Zwar verstand er das nicht, doch blieb ihm nicht die Zeit darüber nachzugrübeln. Er merkte nur immer deutlicher, dass sie beide harmonisierten, wie es nur selten geschieht. Jeder schien instinktiv zu erahnen, was der andere brauchte – sei es nun Information oder Zuspruch.

So nur war zu erklären, dass die beiden Ausseinseiter tatsächlich das Rennen gewannen – und natürlich mit die stattlich Siegprämie!
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