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Pferdeknecht Prinzessin Runo - das Schicksal meint es gut mit ihr

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Alice Gehabich Daniel "Dan" Kuso Marucho Marukuro Runo Misaki Shun Kazami
14.05.2011
22.01.2012
22
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14.05.2011 944
 
„Hallo“, sagte Daniel freundlich, „suchen Sie jemanden, kann ich Ihnen helfen?“ Er lächelte dem jungen Mädchen nett zu und fand sie ausgesprochen reizend.

„Ja“, sagte Runo, „ja, Sie können mir vielleicht helfen. Ich bin nämlich neu hier. Ich soll heute meinen Dienst antreten und weiss nicht, wohin ich mich wenden soll.“

„Was“, sagte Daniel verblüfft, „Sie wollen hier arbeiten?“

„Ja, warum nicht?“ antwortete Runo keck. „Im Pferdestall, wenn Sie nichts dagegen haben. Ich bin so etwas wie ein weiblicher Pferdejunge.“

Daniel lachte. „Na, einen solch hübschen Pferdejungen lasse ich mir gefallen. Aber das ist großartig, dann werden wir ja viel miteinander zu tun haben, ich gehöre nämlich auch mit zum Stallpersonal. Dan ist mein Name.“

„Und ich heisse Runo.“

Prinz Daniel stutzte ein wenig. Runo, dieser Name war für ihn bisher fast so etwas wie ein rotes Tuch gewesen. Komisch, dass dieser Name ihn nun bis nach Frankreich verfolgte. Es gab schon eigenartige Zufälle. Er beschloss diesen Namen ab sofort sehr schön zu finden, so schön, wie es diese Runo hier zweifellos war. „Auf gute Zusammenarbeit, Runo“, sagte er. „Sie werden wohl erst zum Verwalter müssen. Kommen Sie mit mir. Ich bringe Sie hin.“

Ganz selbstverständlich nahm er Runos Reisetasche und die beiden gingen nebeneinander quer über den Hof zum Verwalterhaus hinüber. In diesem Augenblick kam Madame Mira Minotte aus dem Herrenhaus. Sie war bereits fertig angekleidet zum Ausreiten und sah wie immer fantastisch aus.

Daniel hatte die Gutsherrin nicht sofort bemerkt. Er war zu sehr damit beschäftigt, seiner neuen jungen Kollegin die einzelnen Gebäude der Gutsanlage zu erklären. Er tat es ausgesprochen gut gelaunt und mit Witz. Und ein fröhliches Lachen der beiden jungen Menschen klang zu Madam Mira hinüber, die darüber keineswegs entzückt war.

„Dan“, rief sie scharf und klang beinahe so, wie man einen Hund ruft. Zum ersten Mal, seit er auf Gut St. Clement war, hätte Prinz Daniel beinahe ärgerlich reagiert. Doch er besann sich gerade noch auf die Rolle, die er ja hier spielte und schluckte das, was er hatte sagen wollen, hinunter. So zuckte er die Achseln und lächelte Runo zu. „Die Chefin“, sagte er wie entschuldigend. „Ich bin dazu abkommandiert, sie auf ihrem Ausritt zu begleiten. Möchten Sie, dass ich Sie der Chefin vorstelle, Runo?“

„Nein, nein, ich will doch lieber erst zum Verwalter“, antwortete Runo. „Er erwartet mich.“

Mira Minottes Laune war bereits auf dem Tiefpunkt gesunken. Dass dieser Pferdeknecht, den sie so vor den anderen auszeichnete, vor ihren Augen mit einem jungen Mädchen schäkerte sie einem hübschen noch dazu, ärgerte sie masslos. Aber sie wusst, dass sie ihren Ärger nicht zu offen zeigen durfte, denn die Gefahr, dass sie als alternde Frau, die so öffentlich einen jungen Mann umwarb, sich lächerlich machte, war allzu gross. „Ich bin es nicht gewohnt, dass man mich warten lässt“, sagte sie scharf, als Dan bis zu ihr herangekommen war.

„Ich bitte um Entschuldigung, Madame“, entgegnete Dan höflich. „Diese junge Dame ist fremd auf dem Gut. Sie fragte nach dem Büro des Verwalters und ich habe es ihr gezeigt.“

„Was ist das für das für eine junge Dame und was will sie hier?“

„Sie will arbeiten, Madame“, gab Daniel freundlich Auskunft, während er Mira Minotte in den Sattel half.

Das wäre nicht nötig gewesen, denn die Gutsherrin war tatsächlich eine ausgezeichnete Reiterin. Aber sie liebte es, sich von de Männern, mit denen sie ausritt, diesen kleinen Ritterdienst zu lassen, wie sie es nannte. Ausserdem machte es ihr immer wieder Freude, dabei festzustellen, wie sie auf Männer wirkte.

„Wie will sie denn hier arbeiten?“ fragte die Gutsherrin spitz.

Prinz Daniel schwang sich gerade selbst in den Sattel und dabei sagte er lächelnd: „Sie sagte, sie wäre ein weiblicher Pferdejunge. Reizender Pferdejunge, nicht wahr?“

„Jawohl, reizend“, wiederholte Madame und sie nahm sich vor, mit dem Verwalter zu sprechen. Auf keinen Fall wollte sie es zulassen, dass diese Neue, die ja wirklich hübsch zu sein schien, das hatte sie selbst aus der Entfernung erkennen können, täglich mit Dan zusammenarbeitete.

Der Ausritt an diesem Morgen war nicht sehr vergnüglich. Madame Mira hatte ihre gute Laune verloren und ihr junger Begleiter war so mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, dass er ihre Missstimmung kaum bemerkte und auch nicht den geringsten Versuch machte, sie aufzuheitern oder doch zumindest zu unterhalten, wie es in den Tagen zuvor in der Regel war.

Prinz Daniel hatte das nicht nur als seine Pflicht aufgefasst, es hatte ihm vielmehr selbst Freude gemacht, sich wieder mit einem kultivierten Menschen unterhalten zu können. Denn im Grunde genommen hatte ihm das während der der letzten Zeit doch gefehlt. Doch Madame war gebildet und kultiviert. Sie war zudem charmant und welcher junger Mann lässt es sich nicht gern zeigen, dass eine Frau ihn attraktiv findet. So hatte es ihnen nie an Gesprächsstoff gefehlt. Die gewisse Spannung, die dabei zwischen ihnen aufgekommen war, hatte das Ganze nur noch mit einem pikanten Reiz versehen.

Und heute war das alles dem Prinzen zum ersten Mal lästig. Vielleicht begriff er auch, dass es nicht ungefährlich war, mit dem Feuer zu spielen, vielleicht war es sogar unfair. Der andere könnte ja eine ernste Absicht darin sehen. Ob das bei Madame der Fall war? Daniel musste sich eingestehen, dass er, wenn er auch nur vage, ja auch ein bisschen mit entsprechenden Gedanken gespielt hatte. Aber nun war ihm doch schlagartig klar geworden, dass es für ihn wirklich nur ein Spiel gewesen war.

Er bewunderte diese Frau, sie imponierte ihm auch in gewisser Art, dem so viel jüngeren Mann. Aber das war wohl wirklich auch alles, was er jemals für Mira Minotte würde empfinden können. Seltsam, dass ihm das gerade heute so klar geworden war. Hatte Runo etwas damit zu tun?
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