Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Pferdeknecht Prinzessin Runo - das Schicksal meint es gut mit ihr

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Alice Gehabich Daniel "Dan" Kuso Marucho Marukuro Runo Misaki Shun Kazami
14.05.2011
22.01.2012
22
23.486
 
Alle Kapitel
34 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
14.05.2011 1.764
 
Eigentlich sollte ich jetzt im urlaub sein, wollte aber noch zwei kapis bringen, bevor ich dahin starte. Also hier ist das vorletzte.
viel spass bam lesen!
---------------------------------------------------------------------------------------------------


Bereits zwei Tage später hatte das Gut St. Clement einen neuen Logiergast. Es war ein sehr distanzierter, junger Herr mit platinblonden haar und einem frischen, sehr freundlichen Gesicht. Er wirkte sehr vornehm, dass die Verwaltung ihm sofort das teuerste Zimmer zuwies. Denn nicht unbeträchtlichen Preis akzeptierte der neue gast ohne weiteres. Die Abendmahlzeiten ließ er sich in dem kleinen Raum servieren, welcher neben seinem Schlafzimmer lag und ein wenig hochtrabend Salon genannt wurde. Ausserdem äusserte er den Wunsch, dass er gleich am nächsten morgen ausreiten wollte.

Das hatte man von einem Herrn seines Alters nicht erwartet, aber natürlich war dieser Wunsch nicht ungewöhnlich. „Haben Sie besondere Wünsche, Monsieur?“ wurde er gefragt.
„Allerdings“, antwortete Monsieur, „ich höre, dass Sie einen besonders guten Reitlehrer haben. Dan Kuso heisst er wohl. Ich möchte, dass er mich auf meinem Ausritt begleitet.“
„Sehr wohl, Monsieur“, wurde ihm bedeutet. „Dan wird rechtzeitig mit den gesattelten Pferden bereit sein.“

Und so war es auch. Zur vereinbarten Zeit stand Dan, zwei gesattelte Pferde am Zügel führend, vor dem Eingang zum Gästehaus. Er trug ein blütenweisses Hemd, ein schwarze Reithose und blankgeputzte Stiefel. Das war er seinem neuen Status als Reitlehrer schuldig.

Auch der Gast, der seine Dienste bestellt hatte, war pünktlich. Er trat gerade aus dem Haus – ein junger blonder Herr mit einer frischer Gesichtsfarbe und einem etwas merkwürdigen Reitanzug, der vielleicht einmal vor einigen Jahrzehnten modern gewesen war. Aber das bemerkte Dan Kuso nur ganz nebenbei. Es passierte ihm wirklich nicht oft, dass ihm etwas die Sprache verschlug. In diesem Fall war es tatsächlich so. Er hatte etwas sagen wollen, den neuen Gast begrüssen wollen, doch das Wort blieb ihm buchstäblich im Hals stecken. Er starrte den Mann an, die Augen in ungläubigem Staunen weit aufgerissen, den Mund ein weinig geöffnet und er sah in diesem Augenblick wirklich alles anderes als intelligent aus.

Der Gast schien es nicht zu bemerken. „Man hat mir gesagt, Sie seien der Reitlehrer und Name sei Dan“, meinte er hochnäsig. „Bitte, helfen Sie mir in den Sattel.“

Dan hatte sich inzwischen wieder gefasst, aber es fiel ihm schwer, Haltung zu bewahren, denn nun war ihm nach unbändigen lachen zumute. „Sehr wohl, mein Herr“, brachte er aber schliesslich doch hervor und dann hob er den alten zierlichen Herrn beinahe in den Sattel. Schweigend ritten sie über den Hof und zum Tor hinaus und erst, als sie sich ein Stück entfernt hatten, gab Dan seinem inzwischen schier unwiderstehlich gewordenen Bedürfnis nach.

Sein Lachen kam wie eine Explosion. Es kam von innen heraus und wollte überhaupt nicht wieder aufhören. Tränen schossen ihm in die Augen die er sich mit dem Taschentuch abwischen musste. „Marucho“, stiess er schliesslich hervor, „lieber Himmel, Marucho, wie kommst du denn hierher? Das ist doch nicht zu fassen! Kommt er daher und engagiert mich als Reitlehrer! Aber du hast die Komödie grossartig gespielt, Marucho, dafür allein würdest du einen Orden verdienen. Also wirklich, ich kann es noch gar nicht glauben. Und weisst du was? Ich freue mich, ich freue mich wirklich, dich zu sehen.“
„Auch ich freue mich, Durchlaucht“, erwiderte Marucho, „und ich bin froh, dass Sie mir die Rolle nicht übelnehmen, die ich Ihnen da vorgespielt habe. Aber ich dachte, es wäre Ihnen wohl lieber, wenn ich auf diese Weise eine Begegnung und ein Gespräch mit Ihnen suche, als wenn ich hier hereingekommen wäre und nach Seiner Durchlaucht dem Prinzen Daniel zu Mont-Barein gefragt hätte.“

Daniel lachte wieder. „Dann hätte man dich vermutlich für ganz normal gehalten“, mutmaßte er, „denn ich bilde mir ein meine Rolle als Stallknecht hier perfekt zu spielen. Übrigens, wie gefalle ich dir? Bin ich nicht ein guter Reitlehrer?“

„ich bitte, Durchlaucht, ersparen Sie mir eine Antwort auf diese Frage. Jedenfalls bin ich sehr beruhigt, dass Sie so vergnügt und wohlauf anzutreffen. Ich hatte mir doch sehr grosse Sorgen gemacht, weil Sie so gar nicht von sich hören liessen.“
„Das hatte ich dir ja schon vorher gesagt, marucho. Und nun heraus mit der Sprache, wie hast du mich gefunden? Habt ihr etwa doch Detektive auf meine Spur gesetzt?“

Marucho schüttelte den Kopf. „Nein, Prinz, es ist zwar erwogen worden, soviel ich weiss, aber dann hat man doch davon Abstand genommen. Seine Durchlaucht Fürst Leonhard war wirklich sehr verärgert über Ihr Verschwinden und er wollte unter allen Umständen vermeiden, dass die Öffentlichkeit etwas von der wahren Geschichte erfuhr. Seine Durchlaucht Erbprinz Shun bestärkte ihn in diesen Überlegungen. Auch er war natürlich erzürnt. Trotzdem hatte ich da den Eindruck, als wenn Erbprinz Shun zumindest bemühte, Verständnis für Ihren Schritt aufzubringen.“
Daniel lachte leise. „Das habe ich auch gehofft, Marucho. Shun ist im Grund ein feiner Kerl und sicher wäre unser Verhältnis zueinander noch genauso schön und herzlich wie früher, wenn mein Bruder nur eine andere Frau geheiratet hätte. Diese Alice hat leider eine zu grossen Einfluss auf ihn, aber da kann man nicht machen. Gut, also Detektive haben mich nicht gefunden, aber wieso bist du hier?“

„Das hat einen Grund, der Sie in Erstaunen versetzen wird, Durchlaucht“, sagte Marucho und griff in die Seitentasche seines Reitrocks. Er holte einen langen schmalen Umschlag hervor. „Bitte, lesen Sie das, Prinz.“

Verwundert nahm Prinz Daniel den Brief entgegen, er entfaltete ihn und während er im langsamen Weiterreiten zu lesen begann, umwölbte sich seine Stirn. „Das ist doch ein starkes Stück“, sagte er ärgerlich. „Dieser heimtückische Kerl hat also hinter mir her spioniert und ich dachte, die Papiere gut und sicher genug versteckt zu haben. Siehst du, ich habe in meinem neuen Leben als Hafenarbeiter, Obstpflücker und Pferdeknecht zwar schon eine Menge gelernt, aber ich bin doch wohl immer noch nicht raffiniert genug.“

„Das haben Sie alles gemacht, Durchlaucht?“ fragte der treue Diener erschrocken.

„Freilich“, nickte Daniel vergnügt, „und auf meine ersten Schwielen an den Händen war ich richtig stolz, wenn sie auch verdammt wehgetan haben. Also, Ace Grenelle, der Verwalter, hat meine Papiere gefunden. Selbstverständlich hält er sie nicht für echt, er hält mich für einen Betrüger und Hochstapler und vielleicht noch ärgeres, aber er hat mich nicht gleich der Polizei ausgeliefert. Warum nicht?“

„Sie müssen zu Ende lesen, Prinz“, rief Marucho.

„Natürlich.“ Prinz Daniel vertiefte sich wieder in das Schreiben und dann lachte er, aber diesmal war es mehr ein böses Lachen. „Das hätte ich mir denken können“, stellte er fest. „Der saubere Herr will ein Geschäft machen. Er will daran verdienen, dass er mich entlarvt hat und er will dazu beiträgt, einen vermeintlichen Skandal zu vermeiden. Ganz geschickt ausgedacht, muss ich schon sagen. Wie stellte mein Vater sich dazu, Marucho? Er wird empört gewesen sein, als er diesen Brief las.“

„Seine Durchlaucht kennt das Schreiben nicht, Durchlaucht“, berichtete Marucho. „Der Fürst befindet sich auf Reisen und so erhielt Seine Durchlaucht Erbprinz Shun das Schreiben.“

„Das ist gut“, nickte Daniel, „freut mich, dass dem alten Herrn wenigstens dieser Ärger erspart blieb. Und mein Bruder hat dich zu mir geschickt?“

„So ist es. Ich soll Ihnen herzliche Grüsse von seiner Durchlaucht übermitteln, verbunden mit der dringenden Bitte, diesem Unfug doch nun ein Ende zu machen und endlich wieder nach Hause zu kommen.“

„Nichts da“, erwiderte Prinz Daniel kurz und bündig. „Das kommt nicht in Frage. Mir gefällt dieses neue Leben und ich denke gar nicht daran, es schon wieder zu beenden. Findest du nicht auch, dass ich eine beachtliche Karriere geschafft habe? Immerhin Hafenarbeiter, Obstpflücker, Pferdeknecht und Reitlehrer, das ist doch was!“

Es blitzte vergnügt in den braunen Augen des Prinzen, doch Marucho schüttelte den Kopf. „Es sollte jetzt wirklich genug sein“, sagte er vorsichtig. „Übertreibungen sind immer schlecht.“

„Ach was“, meinte Prinz Daniel obenhin, „ich übertreibe ja gar nicht. Immerhin habe ich mich meinem eigenen Status ja schon wieder ein wenig angenähert. Ich darf mich rühmen, zu den bevorzugten Begleitern der Gutsherrin zu zählen.“

„Ist sie eine schöne Frau?“ fragte Marucho vorsichtig.

„Du hast sie wohl noch nicht kennengelernt?“ fragte Dan zurück. „Ja, sie ist eine ganz außergewöhnlich schöne und aparte Frau und gescheit noch dazu. Ich unterhalte mich gern mit ihr.“

„Dann entsprechen die Andeutungen, die dieser Mensch hier in diesem Brief gemacht hat, also der Wahrheit?“ fragte Marucho und es war ihm spürbar peinlich, dass dieses Thema behandelt werden musste.

„Nun, aus Andeutungen kann man vieles herauslesen“, meinte Prinz Daniel gleichmütig, „und ich weiss wohl, dass es gerade das ist, was diesen so wütend macht.“

„Dann stimmt es also“, beharrte Marucho. „Entschuldigen Sie, Durchlaucht, meine Hartnäckigkeit. Es ist nicht eigene Neugier, aber Seine Durchlaucht Erbprinz Shun schien mir doch auch in diesem Punkt ziemlich besorgt zu sein.“

Daniel lachte unbekümmert. „Das glaube ich“, meinte er. „Denn mein lieber Bruder kann sich wohl kaum etwas dergleichen vorstellen. Und du, Marucho? Nun, du wirst Madame kennenlernen und du wirst feststellen, dass sie eine ungewöhnliche Frau ist. Jeder Mann muss stolz sein, sie zu gewinnen. Und ist dieses Land nicht herrlich, kann man hier nicht großartig leben? Und das gut, es ist doch einrecht annehmbarer, stolzer Besitz, nicht wahr? Also ganz ehrlich, Marucho, mir gefällt es hier. Ich fühle mich prächtig und ich freue mich über deinen Besuch, aber ich werde ganz gewiss nicht wieder mit dir nach Hause fahren. Ich bleibe hier.“

„Ist das Ihr letztes Wort, Durchlaucht?“ fragte Marucho erschrocken.

„Worauf du dich verlassen kannst, Marucho, mein letztes Wort. Aber ich fände es schön, wenn du noch einige Zeit hier bliebest. Du spielst deine Rolle so fantastisch, es wäre geradezu schade, wenn es nur bei dem kurzen Auftritt bliebe.“

Doch der Diener Marucho wehrte erschrocken ab. „Ich sollte hier weiterhin als reicher Herr auftreten und Ihre Dienste in Anspruch nehmen, Durchlaucht? Ausgeschlossen! Es war mir schon unangenehm genug, mich überhaupt hier so einzuführen. Es war Prinz Shuns Idee.“

„Die Idee war goldrichtig“, schmunzelte Daniel. „Sie hat mir zu einem köstlichen Vergnügen geholfen. Und Hand aufs Herz, Marucho, ein bisschen Spaß gemacht hat es dir doch auch, oder?“

Der junge Mann lächelte. „Ihr Gesicht werde ich bestimmt niemals vergessen, Durchlaucht, als Sie mich erkannten.“

„Geistreich war es gewiss nicht“, lachte Prinz Daniel.

„Nun, so könnte man es umschreiben“, antwortete Marucho vorsichtig. „Aber selbstverständlich kann ich unter diesen Umständen nicht länger hierbleiben. Ich muss zurück und seiner Durchlaucht dem Erbprinzen Bericht erstatten.“

„Na gut, Marucho, dann musst du das eben tun. Erzähle mir hübsch allen, was du hier gesehen hast.“

„Und die Frau, Durchlaucht?“ fragte Marucho noch einmal vorsichtig. „Was soll ich Seiner Durchlaucht darüber melden?“

„Sag ihm, dass sie sehr schön ist“, lächelte Prinz Daniel hintergründig.

------------------------------------------------------------------
so das wars  wieder freu mich auf eure kommis!
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast