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Pferdeknecht Prinzessin Runo - das Schicksal meint es gut mit ihr

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Alice Gehabich Daniel "Dan" Kuso Marucho Marukuro Runo Misaki Shun Kazami
14.05.2011
22.01.2012
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14.05.2011 1.603
 
Man rüstete sich zum Nachtmahl auf Schloss Mont-Barein. Die Lange Tafel in der Halle war mit blütenweißem, schimmerndem Damast gedeckt, kostbares Porzellan, schweres Silber und funkelndes Kristall wetteiferten miteinander. Und gerade trugen die Diener in Schüsseln und auf silbernen Platten die Speisen herein. Alles wirkte ungemein festlich im Schein vieler Kerzen, die nicht nur die am Tisch sitzenden Personen in ein weiches, warmes Licht hüllten, sondern auch den lebensgroßen Porträt längst verstorbener Schlossherren ringsum an den Wänden eine eigenartige Lebendigkeit verliehen.

Nach mehrwöchiger Abwesenheit war Schlossherr Fürst Leonhard zu Mont-Barein zurückgekehrt und präsentierte zum ersten Mal wieder an der Familientafel. Sein ältester Sohn, Erbprinz Shun, hatte ihn während dieser Zeit vertreten, während Prinzessin Alice, die schöne Gattin des Erbprinzen, ständig die Rolle der Hausfrau versah, denn Fürstin Anna-Elisabeth, Fürst Leonhards Gattin, war schon vor vielen Jahren gestorben und der Fürst hatte sich nie zu einer neuerlichen Heirat entschließen können.

Die Rolle der ersten Damen auf Schloss Mont-Barein kam also der Gattin des Erbprinzen zu, und Prinzessin Alice war sehr damit einverstanden. Sie liebte es, an erster Stelle zu stehen und entsprechend respektiert zu werden.

Während man nun mit Bedacht den hervorragend zubereiteten Speisen zusprach, berichtete Fürst Leonhard von seiner Reise.

Sie hatte hauptsächlich der Gesundheit gedient. So hatte der Fürst auf Anraten seiner Ärzte zur Bekämpfung seiner rheumatischen Beschwerden einen längeren Aufenthalt in Ägypten genommen. Aber er war auch Gast bei einer großen Jagd gewesen und er hatte einige Besuche bei Freunden und Verwandten gemacht. Es gab also mancherlei zu berichten. Und wenn Fürst Leonhard im Allgemeinen auch nicht sehr gesprächig war, zumindest nicht im engen Familienkreis – Fürst Leonhard war kein besonders warmherziger Mensch – so machte er doch diesmal eine Ausnahme. Da war zum Beispiel von einer Fürstenhochzeit zu berichten, bei der er Ehrengast gewesen war und Prinzessin Alice brannte darauf, Einzelheiten zu erfahren. Sie wollte nicht nur wissen, wer anwesend gewesen war, fast mehr noch interessierte sie die Garderoben der Damen, der Schmuck, den getragen wurde, und sie wollte auch Näheres über die Speisen beim Festmahl.

Fürst Leonhard lächelte ein wenig spöttisch. „Ich werde mich nächstens von dir vertreten lassen, meine liebe Alice“, sagte er, „damit du selbst alles in Augenschein nehmen kannst. Du wirst doch nicht im Ernst glauben, dass ich mich für solche Nebensächlichkeiten interessiere. Es war alles sehr gelungen und sehr würdevoll. Das muss dir genügen.“

Er tupfte sich mit der Serviette leicht über den Mund, nahm einen Schluck Wein und fuhr dann fort: „Übrigens gab es doch etwas Besonderes bei dieser Hochzeit. Ich bin dort dem Prinzen Paolo von Soraterni und seiner Gattin begegnet. Wir hatten uns schon seit vielen Jahren nicht mehr gesehen und bei dieser Gelegenheit wurde mit auch deren Tochter Prinzessin Runo von Soraterni vorgestellt. Ich habe einige Gespräche mit ihr geführt und gefunden, dass diese Prinzessin die richtige Frau für die wäre, Daniel.“

Damit wandte der Fürst sich an seinen zweiten Sohn, der ebenfalls mit an der Abendtafel saß. Doch der Fürst erwartete keine Antwort von Prinz Daniel, ließ ihm nicht einmal Zeit dafür.

Er wandte sich vielmehr wieder an seine Schwiegertochter. „Ich habe mit dem Prinzen Paolo von Soraterni und seiner Gemahlin bereits entsprechende Gespräche geführt. Sie haben meine Gedanken und Vorstellungen gegenüber nicht uninteressiert gezeigt und haben meine Einladung, die ich gleich ausgesprochen habe, ohne Zögern angenommen.  Das ist also wieder ein Anlass, dich als Hausfrau zu gewähren, Alice.“ Der Fürst lächelte nicht. „Ich lasse dir völlig freie Hand bei der Organisation. Aber natürlich soll alles dem beabsichtigen Anlass angemessen sein. Unter anderem habe ich an eine großen Ball gedacht. Wir werden dazu alle einladen, was Rang und Namen hat und anlässlich dieses glanzvollen Ereignisses werde ich dann die Verlobung meines zweite Sohnes Daniel mit Prinzessin Runo von Soraterni bekanntgeben.“

In diesem Augenblick zuckten die Familie und die Dienerschaft durch ein Geräusch zusammen, das es in diesem ehrwürdigen Raum vermutlich noch nicht oft gegeben hatte. Prinz Daniel hatte nämlich mit der Faust so fest auf den Tisch geschlagen, so heftig, das nicht minder kostbare Kristall nur so klirrte.
Prinzessin Alice stieß einen erschrockenen kleinen Schrei aus. Erbprinz Shun schaute seinen jüngeren Bruder so verblüfft und entgeistert an. Dass dieser gewiss gelacht hätte, wenn die Angelegenheit nicht so verteufelt ernst gewesen wäre. Und Fürst Leonhard runzelte entrüstet und im höchsten Maße schockiert die Stirn. „Was soll das heißen, Daniel?“ fragte er leise und scharf.

„Das möchte ich dich fragen, Vater“, antwortete Daniel aufgebracht. Früher wäre es für Daniel undenkbar gewesen, mit Leonhard zu Mont-Barein, der in erster Linie Fürst und dann erst Vater war, in einem solchen Ton zu reden und er hatte es bis jetzt noch nicht getan. Aber Prinz Daniel war 16 Jahre alt, also wohl erwachsen genug, meinte er, um ein Wort mit reden zu können, wenn es um seine eigene Zukunft geht. Aber er mäßigte sich, zwang sich, ruhig und gelassen zu reden. „Ich nehme wohl an, Vater, dass das nicht dein Ernst ist, so wie ich es verstanden habe.“

„Was hast du verstanden?“ fragte Fürst Leonhard und zog die linke Augenbraue hoch.
„Nun“, antwortete Prinz Daniel ruhig, „es klang so, Vater, als habest du so einfach beschlossen, mich zu verloben.“ „Und wenn es so wäre?“ fragte Fürst Leonhard zurück. Aber diese Frage und der Ton, in dem sie gestellt wurde, bewiesen schon, dass es darauf nur eine einzige Antwort gab.

Prinz Daniel atmete tief. „Wenn es so wäre, Vater“, sagte er dann so leise, dass man schon sehr genau hinhören musste, um ihn zu verstehen zu können, „wenn es so wäre, Vater, dann würde ich dir erklären, dass du leider einwenig voreilig gehandelt hast. Ich denke nämlich gar nicht daran, mich zu verloben und verheiraten zu lassen, ohne vorher gefragt zu werden. Und wenn du bereits entsprechende Gespräche geführt und Vorbereitungen getroffen hast, so wirst du das wohl freundlicherweise rückgängig machen müssen.“

„Daniel“, mahnt Prinz Shun leise, „in einem solchen Ton kannst du doch nicht reden.“

„Ich werde es sehr wohl, mein lieber Bruder“, entgegnete Daniel unbeeindruckt, „und wie du siehst, ist es sogar notwendig, damit ich mich verständlich mache. Es tut mir leid, Vater“, wandte er sich sann wieder dem Fürsten zu. „Nur ungern ertrage ich deinen Unwillen. Aber hier geht es um eine Frage, die mich und nur mich allein etwas angeht und bei allem schuldigen Respekt dir gegenüber kann ich mich nicht damit einverstanden erklären, dass du so einfach über mein Zukunft erfügst.“

Fürst Leonhard musterte seinen Sohn. Wieder war dieses Spöttische, Hochmütige in seinem Blick, das ein vertrautes, herzliches Verhältnis zwischen Vater und Sohn von vorhin ausschloss.
„So, du kannst dich nicht damit einverstanden erklären“, wiederholte der Fürst sarkastisch. „Das ist äußerst bedauerlich, wenngleich es auch nicht an meinen Plänen ändern wird.“

Prinz Daniel atmete noch einmal ganz tief. „Nimm bitte zur Kenntnis, Vater“, sagte er dann so ruhig wie möglich, „dass ich gar nicht daran denke, mich verheiraten zu lassen. Früher mag das einmal üblich gewesen sein, aber wir leben im 20. Jahrhundert. Ich möchte und ich werde mir die Frau, selbst aussuchen und das wird, das kann ich dir mit Bestimmtheit sagen, ganz gewiss keine Prinzessin sein.“
„Warum denn nicht?“ fragte Prinz Shun rasch. Mit dem deutlichen Versuch, dem Gespräch eine andere, ungefährliche Wendung zugeben. „Was hast du gegen Prinzessinnen?“

„Ach, und du meinst, das könnten Prinzessinnen nicht?“ fragte der Fürst mit ironischem Lächeln.
„ich habe jedenfalls noch keine kennengelernt.“ antwortete Daniel schroff.
„Aber, mein lieber Schwager, ich muss doch sehr bitten“, protestierte Prinzessin Alice, „ich könnte jetzt ernsthaft beleidigt sein.“
„Entschuldige, Alice“, bat Daniel rasch, „natürlich habe ich dich nicht gemeint. Und selbstverständlich wollte ich dich nicht kränken.“

„Das würde dir wohl auch nicht gelingen, mein Sohn“, nahm Fürst Leonhard das Gespräch wieder an sich, „denn was du gesagt hast, war schlichtweg Unsinn. Deine Voreingenommenheit gegen Prinzessinnen ist geradezu lächerlich, zumal du selbst dein Leben als Prinz doch recht zu genießen scheinst. Du willst eine Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht, gut, aber tust du das etwa? Du bist, wenn ich einmal nachrechne, 16 Jahre alt. Hast du in deinem Leben schon etwa eigenes Geld verdient nein, natürlich nicht, denn du brauchst es nicht, das geerbte Familienvermögen, welches wir, dein Bruder und ich, übrigens durch harte gewissenhafte Arbeit zu erhalten und womöglich auch zu vermehren trachten, ernährt dich mit. Und was leistest du, was hast du geleistet? Du hast ein bisschen studiert, du treibst Sport, du machst Reisen und nimmst auch ganz gern an gesellschaftlichen Ereignissen teil. Alles ganz selbstverständlich auf Kosten des Familienvermögen.“

Hier machte der Fürst eine bedeutungsvolle Pause. Dann fuhr er fort: „Und du nimmst dir das Recht, andere zu verurteilen, weil sie genauso leben wie du? Weil sie genauso erzogen worden sind? Nein, mein Sohn, dieses Recht spreche ich dir ganz entschieden ab. Wir leben im 20. Jahrhundert, das ist richtig und es hat sich vieles verändert gegenüber früheren Zeiten und auch das mag in vieler Beziehung gut und richtig sein. Aber was unsere Familiengesetze angeht, so haben sie sich Generationen hindurch bewährt und ich denke gar nicht daran, da eine Änderung zuzulassen. Du bist ein Prinz von Mont-Barein, und du hast dich den Beschlüssen des Familienoberhauptes zu beugen, so wie es in unserer Familie seit jeher üblich ist.“

Und dann ganz verächtlich. „Ich verstehe gar nicht, wieso du dich dagegen auflehnen willst. Wer so selbstverständlich die Annehmlichkeiten und Vorrechte seines Standes genießt wie du, der hat sich auch genauso selbstverständlich den althergebrachten Traditionen zu fügen. Und damit ist dieses Thema wohl erledigt.“

Der Fürst erhob sich. „Willst du mich in die Bibliothek begleiten, Alice?“ wandte er sich an seine Schwiegertochter. „Ich denke, wir haben einiges zu besprechen.“
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