Zach & Lu'taya

von Jaan
GeschichteDrama / P16
10.05.2011
14.07.2012
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Hinweis!
Dies ist eine Fortsetzung/Alternativende zu der Geschichte Zach. Sie wird von mir, Jaan, und FuguFish gemeinsam erzählt.

Von FuguFish

Musikalische Untermalung: The Sun's Gone Dim
Zach trat aus dem Gebäude. Das helle Licht der Sonne blendete ihn, nachdem er die letzten vierundzwanzig Stunden nur in einem spärlich beleuchteten Raum zugebracht hatte. Er blinzelte und spürte, dass er sich unglaublich müde fühlte. Als er sich kurz auf die Zehenspitzen stellte, konnte er über die Köpfe der anderen hinweg das Shuttle erkennen, dass mehrere Meter vom Ausgang entfernt stand und sie zurück zur Erde bringen würde.
Die Reihe der Menschen bewegte sich quälend langsam darauf zu. Die meisten von ihnen starrten auf den Boden, einige schauten zu den Na’vi auf, die links und rechts von ihnen standen und auf sie herabblickten, in den Händen Bögen oder Speere, bereit, jeden Flüchtling zu töten.
Einige der Menschen warfen ihnen mehr als nur verachtende Blicke zu, sie riefen ab und zu irgendetwas. Mehr als einmal hörte Zach etwas in der Richtung „Sully, du Verräter!“.
Sully selbst stand etwa zehn Meter vom Shuttle entfernt, neben ihm eine Na’vi, die sich an seinen Arm klammerte. Den beiden schien das Ganze zu gefallen.
Klar, war ja schließlich ihr Planet, der hier gerettet wurde.
Zach warf ihnen nur einen kurzen Blick zu, versuchte, sie möglichst verächtlich anzustarren, und schaute dann weiter auf seine Füße, als er an den beiden vorbeiging.
Die ersten Leute hatten das Shuttle erreicht und gingen, immer noch verdammt langsam, die Laderampe hoch.
Erst kurz bevor auch Zach sie erreicht hatte sah er wieder hoch und erblickte Lu’taya.
Sie stand in der Reihe der Na’vi und schaute ihn an. Sie sah traurig aus.
Dann hob sie die Hand, berührte damit ihre Stirn und formte mit den Lippen ein paar Wörter.
Zach dachte sich schon, dass es wieder dieses „Ich sehe dich“ war, was die Na’vi den ganzen Tag geplappert hatten.
Er ahmte die Geste nach und flüsterte, nur für sich und sie, „Ich sehe dich“.
Dann betrat auch er die Rampe und verlor Lu’taya aus den Augen.
Er fand einen Sitzplatz, nicht weit vom Eingang, und ließ sich nieder.
Kurz darauf kam Will angetrottet und setzte sich neben ihn.
Verächtlich sagte er: „Schau sie dir an, diese ganzen Wissenschaftsärsche. Wie toll sie sich doch fühlen müssen, dass sie hier bleiben können, in ihrer wunderschönen Welt, und wir zurück auf unseren toten Planeten müssen.“
Zach ging nicht darauf ein, sondern fragte stattdessen: „Hast du Lu’taya gesehen?“
„Ja.“
„Und?“
„Was und? Sie hat sich an die Stirn getatscht und irgendwas gesagt. Ich hab nur kurz gewunken.“
„Sie wollte dass wir hier bleiben, obwohl wir sie fast getötet hätten.“, sinnierte Zach.
„Tja, ihr Pech.“
„Pech? Findest du das nicht seltsam?“
„Ja, etwas seltsam. Na und? Seit ich hier war finde ich nichts mehr seltsam. Jetzt will ich nur noch nach hause.“, sagte Will entschieden.
„Und dann?“
Will starrte Zach an, als hätte er ihn nicht richtig verstanden. „Was?“, fragte er.
Doch Zach wiederholte seine Frage nicht, sondern machte sofort weiter. Ihm war ein Gedanke gekommen, den er zwar schon gehabt, aber dann wieder verdrängt hatte. Nämlich dass er nichts, aber auch gar nichts auf der Erde verloren hatte.
„Was sollen wir auf der Erde, Will? Lee ist tot. Sein Vater hat uns mehr als einmal gesagt, was er mit uns macht, wenn sein Sohn stirbt. Er wird uns töten. Egal was du machst. Und auch sonst… was sollten wir zu hause wollen? Keiner von uns hat eine Frau, geschweige denn Kinder. Meine Eltern wollen nichts von mir wissen, deine sind…“ Zach brach ab.
Will nickte traurig. „Ich weiß was du mir sagen willst“, sagte er, „ich habe auch schon darüber nachgedacht. Aber ich kann nicht zurück.“
„Was soll das heißen du kannst nicht? Was willst du dort? Lass uns doch hier bleiben, wenigstens ein paar Jahre, bis Lees Vater uns vergessen hat…“, protestierte Zach. Aber etwas in Wills Blick gab ihm die Gewissheit, dass dieser nicht mit ihm auf Pandora bleiben würde.
„Nein Zach. Ich kann nicht. Gestern kam ein Mann zu mir und hat mir erzählt, dass ich bereits wegen dem Mord an Costello gesucht werde. Wenn ich auf der Venture Star ankomme werde ich verhaftet. Selbst wenn ich hier bleiben wollte könnte ich es nicht…“
Zach verschlug es die Sprache. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Das beste, was ihm schließlich einfiel, war „Ist es dann nicht noch besser, wenn du hier bleibst?“ Es war nur ein verzweifelter Versuch, Will zum bleiben zu bewegen.
Aber dieser schüttelte nur den Kopf. „Zach. Hör mir zu. Ich haben einen Colonel umgebracht. Das werden die nicht auf sich sitzen lassen. Selbst wenn ich hier bleiben würde, die werden kommen und mich holen, auch mit Gewalt. Und das will ich nicht. Was ich will ist dass du machst was du willst. Und ich sehe doch, dass du hier bleiben willst. Also bleib.“
Zach fuhr sich mit der Hand über die Atemmaske. Dann nickte er.
„Okay“ Seine Stimme war viel leiser und trauriger, als er es gewollt hatte. „Ich werde hier bleiben. Aber ich komme zurück. Das verspreche ich dir.“
Langsam wurde er ein Profi darin, schwierige Entscheidungen zu treffen.
Die beiden Männer umarmten sich zum Abschied. Dann drehte sich Zach um und ging an den erstaunten Menschen im Shuttle vorbei zum Ausgang. In der Zwischenzeit war das Shuttle voll besetzt, so dass niemand mehr hinein gepasst hätte. Als Zach schließlich die Laderampe wieder hinabging und wieder nach draußen trat, war er also, abgesehen von den Na’vi, die grade dabei waren, zu verschwinden, vollkommen allein.
Er drehte sich noch einmal um und betrachtete die sich schließende Klappe. Dann ging er den Na’vi entgegen, die auf dem Platz auf ihn warteten.