Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Sexy Devils

von Yusuki
GeschichteDrama / P12 / Gen
Amelia Erika Kraven Lucian
03.05.2011
10.05.2011
3
14.549
 
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
03.05.2011 7.476
 
Sanni ging wie jeden Tag in die Schule, obwohl vor ein paar Wochen ihre Eltern ums Leben gekommen waren. Jeder hätte verstanden, wenn sie erstmal ein wenig bei ihrer Tante, wo sie seitdem wohnte, bleiben würde. Doch sie wollte nicht. Außerdem hatte sie ein großes Geheimnis. Sie hatte einen Monat vor dem Tod ihrer Eltern einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Der Teufel sollte ihr helfen, beliebter zu werden, da sich keiner für sie interessierte. Dafür forderte er die Seelen ihrer Familie. Sanni bereute, dass sie den Pakt eingegangen war, doch nun konnte sie es nicht mehr rückgängig machen. An ihrer Schule und überall mochte man sie jetzt. Sie ging in die 8. Klasse. Dieses und das nächste Jahr vergingen wie im Flug und bald dachte sie nicht mehr an das, was passiert war. Doch in der 10. Klasse mussten sie einen Aufsatz über ihr schrecklichstes Erlebnis schreiben. Da kam bei Sanni alles wieder hoch und eigentlich wollte sie nicht darüber schreiben, doch etwas anderes Schreckliches war in ihrem Leben noch nicht passiert und wenn sie über das Thema schrieb, würde man sie für verrückt halten. Als es soweit war und sie im Raum saß, wurde sie kreidebleich. Ihre Lehrerin fragte sie, ob sie überhaupt im Stande wäre, die Arbeit zu schreiben. Sanni nickte, fragte aber gleichzeitig, ob sie mal auf Toilette gehen dürfte. Ihre Lehrerin sagte ja und sie ging aus dem Raum. Auf der Treppe brach sie plötzlich in Tränen aus und setzte sich hin. Nachdem sie nach einigen Minuten nicht zurückkam, sah ihre Lehrerin nach ihr. Als die Sanni auf der Treppe weinend sitzen sah, rannte sie sofort zu ihr und fragte sie, was los sei. Doch Sanni gab ihr keine Antwort. Ihre Augen waren total leer und ihre Tränen schimmerten schwarz. Sie sah aus, als ob sie nur noch körperlich anwesend war. Plötzlich spürte die Lehrerin etwas Weiches an ihrem Arm. Als sie hinsah, bemerkte sie, dass es schwarze Federn waren. Sie schaute nach oben und erblickte einen Mann. Sie kannte ihn nicht, doch sie fand, dass er verdammt gut aussah. Man konnte denken, dass er Mitte 20 war, doch von der Ausstrahlung wirkte er viel älter, als ob er schon seit Jahrhunderten lebte. Das konnte jedoch nicht sein, denn niemand wurde so alt und an Unsterblichkeit glaubte sie nicht. Genauso wenig wie an Gott oder den Teufel. Bei dem letzten erschreckte sie innerlich, denn der Mann war komplett in schwarz gekleidet und hatte rote Augen. Der Blick von ihm war sehr verführerisch. Sein Gesicht war blass und seine Augen waren schwarz geschminkt. Auch seine Fingernägel waren so lackiert und seine Haare waren ungefähr schulterlang und ebenfalls in der Farbe. Die Lehrerin wurde aus ihren Gedanken gerissen, als sie mitbekam, dass er auf Sanni zuging und seine rechte Hand auf ihre Wange legte. Sie fragte ihn: „Was machen Sie da und wer sind Sie?“ Er antwortete ihr mit eiskalter Stimme: „Niederen Lebewesen muss ich gar nichts sagen!“ Der Frau gefror das Blut in den Adern. Sie sagte mit zitternder Stimme: „Können Sie mir nicht wenigstens ihren Namen sagen?“ Er sah zu ihr und musterte sie erst, bevor er antwortete: „Mein Name ist Lucien. Doch ich glaube kaum, dass er Ihnen nützen wird, denn Sie werden mich nie wieder sehen. Genau wie diese Schülerin, wenn sie will.“ „Wenn sie was will?“ Lucien gab ihr keine Antwort und wandte sich an Sanni, die immer noch völlig unbeteiligt auf der Treppe saß. „Ich habe nie gewollt, dass es so kommt. Normal ist es mir egal, was mit meinen Vertragspartnern passiert, wenn der Pakt beendet war und eigentlich bist du naives Kind auch selbst dran Schuld, was passiert ist, denn du hast mich gerufen und hast in den Pakt eingewilligt. Doch irgendwie ist mir dein Schicksal nicht egal. Ich will nicht, dass du hier weiterhin dein Leben fristest und irgendwann zugrunde gehst. Deshalb bitte ich dich, komm mit mir und du wirst alles vergessen. Alle Schmerzen.“ Sanni hob den Kopf und sah Lucien mit leeren Augen an. Ihre Pupillen hatten sich bereits komplett schwarz gefärbt. Die Lehrerin fragte: „Was wollen Sie denn mit Sanni machen, wenn sie mit Ihnen mitgeht?“ Lucien sah zu ihr und sie wurde bei dem Anblick seiner Augen ganz rot, dann antwortete er ihr wieder mit diesem eisigen Hauch in der Stimme, bei der es ihr kalt den Rücken runter lief: „Das geht Sie gar nichts an! Haben Sie mich verstanden?“ Sie nickte nur. Dann sah er wieder zu Sanni und sagte zu ihr: „Also was ist? Kommst du mit mir? Wenn du mir, dem Fürst der Finsternis, ewig folgen willst, nimm meine Hand und ich verspreche dir, ich werde dich glücklich machen.“ Die Lehrerin sagte darauf: „Sind Sie nicht ein bisschen zu alt, um sie glücklich zu machen?“ „Halten Sie endlich Ihren Mund oder ich sorge höchstpersönlich dafür, dass Sie für immer schweigen!“ Damit waren die Lippen von ihr versiegelt. „Außerdem ist das Alter in der Hölle nicht relevant und dieses glücklich machen meinte ich auch gar nicht.“ Lucien schaute wieder zu Sanni und hielt ihr seine Hand hin. Sie schaute ihn an und dann auf seine Hand. Sanni zögerte. Sie wusste nicht, ob sie das wirklich machen sollte, denn wenn sie mit in die Hölle geht, ist ihr Leben auf der Erde damit endgültig vorbei und sie wird nie mehr zurückkehren können. Sie muss dann für immer und ewig dort bleiben. Nach einigem Überlegen nahm sie allen Mut zusammen, den sie noch hatte und nahm Luciens Hand. Plötzlich durchströmte sie eine Energie, die sie wieder klar denken ließ und die ihr Kraft gab. Als sie aufgestanden war, kamen auf einmal schwarze Schwingen auf ihrem Rücken zum Vorschein und auch ihre Klamotten änderten sich und hatten die Farbe der Dunkelheit. Selbst ihre Haare waren nicht mehr komplett blond, sondern hatten schwarze Strähnen. Ihre Augen waren immer noch schwarz, jedoch hatten sie jetzt einen weißen Strich in der Mitte, wie bei einer Katze. Lucien sah sie sich genau an und sagte dann: „Nun bist du bereit, mit mir zu kommen.“ Sanni sagte: „Okay, ich bin soweit.“, dann wandte sie sich noch an ihre Lehrerin: „Es tut mir leid, dass Sie das hier mitbekommen haben, aber von nun an werde ich Ihnen keine Probleme mehr machen. Außer natürlich wie Sie meiner Tante erklären wollen, wie und warum ich so plötzlich verschwunden bin. Aber Sie können ihr sagen, dass ich Selbstmord begangen habe, weil ich den Tod meiner Eltern einfach nicht mehr ertragen konnte. Geben Sie ihr dann diesen Abschiedsbrief von mir.“ Dann drehte sich Sanni um und verschwand mit Lucien. Ihre Lehrerin fiel zu Boden und verstand die Welt nicht mehr. Sie hatte nie an den Teufel oder so etwas geglaubt und plötzlich wird eine von ihren Schülerinnen von so einem mitgenommen.
Als Sanni und Lucien in dessen Palast in der Unterwelt ankamen, warteten viele Dämonen auf sie. Einer dieser Dämonen trat vor und sagte zu Lucien: „Schön Euch wieder zu sehen, Lucien. Wir haben uns schon gefragt, wo Ihr hingegangen seid. Aber ich hätte nie gedacht, dass Ihr auf die Erde geht und ein Menschenmädchen mitbringt.“ Lucien antwortete ihm so cool wie immer: „Es geht dich gar nichts an, was ich tue, Kraven. Haben wir beide uns verstanden?“ Kraven verbeugte sich vor ihm und sagte kleinlaut: „Ja, natürlich.“ Danach wandte sich Lucien an alle: „Dieses Mädchen steht ununterbrochen unter meinem Schutz und wenn es auch nur einer wagt, ihr etwas anzutun, der wird es bereuen!“ Dann nahm er Sannis Hand und ging mit ihr in ein Zimmer des Palastes, wo sie alleine waren. Dort erklärte Sanni: „Weißt du was? Irgendwie fühl ich mich hier in der Hölle völlig deplaziert. Ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich das richtige getan habe. Verstehst du?“ „Nein ich versteh dich nicht.“ Er ging auf Sanni zu, fiel vor ihr auf die Knie und nahm ihre Hand in seine Beiden. „Ich versteh nicht, was du an dieser grausamen Welt voller egoistischer Menschen, die bloß auf ihren Vorteil aus sind, fandest. Bevor wir uns das erste Mal getroffen hatten, wurdest du von allen verachtet, weil du nicht so warst, wie sie und trotzdem hingst du an deinem Leben. Wieso?“ „Ich wurde dort geboren und bin dort aufgewachsen, aber hier fühle ich mich fremd. Ich bin hier nicht zu Hause und wer weiß, ob ich diesen Palast jemals als mein zu Hause ansehen kann.“ „Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, dass du dich hier wohl fühlst. Und ich hab, wie du weißt, sehr viel Macht. Ich will, dass du für immer bei mir bleibst und dein altes Leben vergisst.“ „Und was ist, wenn ich es nicht vergessen will?“ „Aber wieso willst du dich weiterhin daran erinnern? Dieses Leben, was du dort geführt hast, war doch nur voller Trauer und wenn du mich nicht gerufen hättest, dann hättest du diesem Leben schon längst selbst ein Ende gesetzt.“ „Ich hatte nun mal auch schöne Erlebnisse. Vor allem als kleines Kind.“ „Ich flehe dich an, Sanni, vergiss das alles. Ich brauch dich einfach.“ „Wofür? Für deine Pläne? Vergiss es! Da mach ich nicht mit!“ Sanni entriss ihm ihre Hand und rannte aus dem Zimmer.
Auf einem Balkon des Palastes war Sanni in Gedanken versunken. Plötzlich spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter. Sie erschrak und drehte sich blitzartig um. Hinter ihr stand Kraven. Der sagte verblüfft: „Warum denn so schreckhaft? Echt nett, was Lucien aus dir gemacht hat.“ Sanni musste erstmal überlegen, wer das noch mal gleich war. Beim Nachdenken, sah sie ihn sich mal genau an. Er war ihr schon aufgefallen, als sie angekommen waren. Da hatte sie bloß leider keine Zeit gehabt, ihn sich anzuschauen. Er hatte auch dunkle Haare, trug sie jedoch nicht ganz so lang wie Lucien. Seine Augen waren richtig dunkelblau, aber nicht so verführerisch wie die vom Fürst. Kraven trug eine schwarze Lederhose und ein schwarzes Oberteil ohne Ärmel. Seine Fingernägel waren dunkelblau und seine Augen waren ebenfalls in dieser Farbe geschminkt. Nach der Musterung fiel Sanni auch der Name von ihm wieder ein: „Du bist doch Kraven, oder?“ „Ja der bin ich. Ich find es komisch, dass du hier bist. Hier kann dich Lucien sehr schlecht beschützen.“ „Du willst das doch wohl nicht etwa ausnutzen?“ „Wie käme ich denn dazu?“ „Außerdem ist mir egal, was mit mir passiert. Wenn ich sterbe, kann mich Lucien wenigstens nicht mehr anflehen hier zu bleiben, weil er mich ja so dringend braucht.“ „Er hat dich angefleht? Das passt gar nicht zu ihm. Normal nimmt sich ein Dämon das, was er will. Vor allem der Höchste von allen. Aber wenn er das wirklich getan hat, dann musst du ihm ja wirklich wichtig sein und ich glaube, ich kann der Versuchung doch nicht widerstehen, diese Situation auszunutzen.“ „Was hast du vor?“ „Das wirst du gleich sehen.“ Kraven fasste Sanni an beiden Händen an und hängte sie mit dem Oberkörper übers Geländer. Danach nahm er beide Handgelenke von ihr in eine Hand. Mit der anderen zerriss er ihr das Oberteil. Dann küsste er sie am Hals. Sanni versuchte sich zu wehren, war jedoch nicht stark genug. Er ging mit seinen Küssen immer weiter nach unten und Sanni verspürte leichte Erregung und ihre Augen hatten sich dadurch auch komplett schwarz gefärbt. Sanni flehte ihn an: „Bitte hör auf damit.“ Kraven hörte kurz auf, antwortete ihr: „Warum sollte ich. Es macht gerade so viel Spaß.“, und machte weiter.
Lucien war gerade dabei ein paar Dämonen einen Auftrag zu geben. Als er plötzlich einen stechenden Schmerz verspürte. Einer der Dämonen fragte ihn, ob alles in Ordnung sei, doch bekam er keine Antwort, denn Lucien verschwand auf einmal. Das einzige, was zurückblieb, waren ein paar schwarze Federn. Als er wieder erschien, stand er hinter Kraven und riss ihn von Sanni weg, fing sie aber gleichzeitig mit einer Hand auf und half ihr wieder auf die Beine. Dann wandte er sich an Kraven: „Hab ich nicht gesagt, dass ihr niemand etwas antut. Dazu gehört auch, sie nicht zu vergewaltigen. Wenn du ihr noch mal zu nahe kommst, quäle ich dich eigenhändig und ich werd ein Lächeln auf den Lippen haben, wenn du dabei draufgehst.“ Er ließ Kraven los und der verzog sich dann schleunigst. Lucien nahm Sannis Hand und ging mit ihr in sein Schlafzimmer. Dort gab er ihr erstmal etwas Neues zum Anziehen. Es war ein schwarzes Wickeltop. Beim Zubinden half ihr Lucien. Nebenbei sagte er zu ihr: „Halt dich am Besten von Kraven fern. Er ist zu allem fähig, wie du gesehen hast.“ „Aber wieso macht er das?“ „Er will seit jeher meinen Platz haben. Um das zu begreifen, muss ich dir aber was sagen. Kraven ist mein kleiner Bruder.“ „Dein Bruder?“ „Ja, leider.“ „Konnte ich mir irgendwie schon denken. Vom Charakter seid ihr euch nämlich ein bisschen ähnlich. Auch vom Aussehen her. Einen kleinen Nachteil hat er aber.“ „Welchen denn?“ „Das sag ich dir nicht.“ Lucien legte seine Hände auf Sannis Schultern und sah ihr genau in die Augen. Bei dem Anblick seiner Augen, setzte Sannis Herz kurz aus und sie wurde rot. „Sieh mich nicht so an.“ „Ah, versteh schon. Das hab ich ihm also voraus.“ „Aber nur ein wenig.“ „Weißt du was? Du bist einfach zu süß.“ Dann nahm er ihre Hand und zerrte sie aus dem Zimmer. „Hey wo willst du hin?“ „Hast du etwa keinen Hunger? Also ich schon.“
Nach dem Essen nahm Sanni erstmal ein Bad. Dabei bemerkte sie, dass sie auf der rechten Schulter eine blaue Rose mit Dornen hatte. Nachdem sie fertig war, kam ein Dämon rein und reichte ihr ein Handtuch. Dann fragte sie ihn, wo sich Lucien aufhält und sie wurde von dem Dämon zu ihm gebracht. Als sie bei Luciens Schlafgemach ankamen und der Dämon wieder verschwunden war, klopfte Sanni an und ging dann rein. Drinnen sah sie Lucien mit einer Hexe. Sie lag auf dem Bett unter einer Decke und Lucien saß, nur mit einem Bademantel bekleidet, auf einem Stuhl und hatte ein Glas in der Hand. Das Getränk, das sich darin befand, hatte die Farbe von Blut, war aber nicht ganz so flüssig. Sanni wollte schon wieder kehrt machen, doch Lucien sagte zu ihr: „Warte mal Sanni. Was willst du von mir?“ Sanni drehte sich zu Lucien und antwortete ihm stotternd: „Ach nichts…Ich bin wohl…in einem ziemlich ungünstigem…Zeitpunkt hierher gekommen. Ich rede einfach später mit dir.“ Sanni wandte sich wieder zur Tür und hatte die Hand schon an der Türklinke, als Lucien ihr erklärte: „Du kleines Dummchen. Du kannst ruhig jetzt mit mir sprechen.“ „Aber…“ „Kein aber! Du wirst mir jetzt erzählen, was du auf dem Herzen hast.“ Dann gab er der Hexe ein Zeichen, dass sie gehen soll und sie tat es mit der Decke um den Leib. Lucien stellte dann das Glas auf den Tisch vor ihm und kam auf Sanni zu. Die wurde rot, als sie ihn sich so betrachtete, nur im Bademantel. Ihr Herz fing auch schon an, wie wild zu schlagen. Als Lucien vor ihr stand, konnte sie ihm noch nicht einmal in die Augen sehen und schaute auf ihre Füße.
Währenddessen sprach die Hexe mit Kraven und erzählte ihm, was gerade geschehen war, denn eigentlich ließ sich Lucien so einen Moment mit ihr von keinem vermiesen, doch bei Sanni schien er keineswegs auch nur Ansatzweise verärgert zu sein. Nein, es sah sogar so aus, als ob er gewusst hätte, dass sie auftaucht und es sogar begrüßt hatte, dass sie die beiden stört. Die Hexe war ziemlich sauer darüber und Kraven kam das recht komisch vor, denn Lucien duldete keine Störungen, wenn er auf diese Weise beschäftigt war. Kraven dachte scharf nach und ihm kam nur eine Erklärung als sinnvoll vor. Und zwar, dass ihm dieses Mädchen doch sehr viel wert war. Er hatte es bloß für eine Laune seines Bruders gehalten, dass er sich ein Kind von der Erde mitnimmt, doch so schien es absolut nicht zu sein. Nun musste Kraven seinen Verstand benutzen, um diese Göre loszuwerden, denn sie stellte eine große Gefahr für seine Pläne dar. Vor allem wenn es passieren sollte, was Kraven mal nicht hoffte, dass sich Lucien in sie verliebt, da er genau wusste, dass die Macht der Liebe so schon unüberwindbar war, aber mit der Kraft, die sein Gebieter hatte, erst recht unüberbrückbar und unzerstörbar war. Lucien hatte sich zwar erst einmal in seinem Leben wirklich in jemanden verliebt, doch wenn es noch mal geschehen würde, gäbe es fatale Folgen für Kraven, denn so besaß er noch weniger Chancen, an den Rang, des Fürsten der Finsternis, zu kommen.
Lucien zwang Sanni mit einer Hand förmlich ihn anzusehen. Dabei bemerkte er, dass sich Sannis Pupillen vollständig schwarz gefärbt hatten und er musste leise lachen. Er fragte Sanni: „Hab ich wirklich so eine Wirkung auf dich?“ Sanni stammelte: „Also…Ähm…na ja…“ Lucien fing wieder an zu lachen. „Das muss dir doch nicht peinlich sein. Diesen Effekt sehe ich bei vielen. Bei deiner ehemaligen Lehrerin habe ich das übrigens auch mitbekommen. Aber jetzt mal zum eigentlichen Thema. Also, was willst du von mir?“ Sannis Erregung hatte wieder etwas nachgelassen und sie erwiderte: „Ach so. Ich hab beim Baden mitbekommen, dass ich auf der Schulter eine Rose mit Dornen habe. Und da wollte ich einfach mal wissen, was das zu bedeuten hat.“ Lucien musterte Sannis Schulter und sagte dann amüsiert: „Du bist noch eine Jungfrau, nicht wahr?“ „Woher weißt du das?“ „Das sehe ich an der Farbe. Bei dir ist sie noch hellblau. Die Hexe, die bis eben hier war, hat auch diese Blume auf dem Arm, aber bei ihr ist sie bereits dunkelblau mit einem schwarzen Rand. Daher weiß ich das.“ „Ja das stimmt. Ich bin noch unschuldig, aber wieso habe ich sie. Bestimmt nicht, damit jeder sieht, dass ich noch nie mit einem Mann geschlafen habe, oder?“ „Das ist richtig. Sie zeigt, aus welchem Gebiet der Hölle du kommst und von wem du zu einem von uns gemacht wurdest. Jetzt zufrieden, Mademoiselle?“ Er sah sie mit einem verführerischen Lächeln an und Sanni wurde leicht schwindelig. Sie drohte hinzufallen, doch Lucien fing sie mit einer Hand auf. „Ich glaube nicht, dass du zufrieden bist.“ Sanni musste schwer schlucken, denn sie konnte sich vorstellen, was Lucien mit ihr vorhatte. Mit seinem kleinen Bruder hatte sie es an diesem Tag schließlich schon durch. Zum Glück hatte Lucien sie vor Schlimmen bewahrt, aber wenn er jetzt das Gleiche machen wollte, dann würde ihr keiner helfen außer ihr selbst. Sie hatte Recht behalten. Er und Kraven waren sich wirklich sehr ähnlich. Das war aber kein Wunder, denn in ihnen floss dasselbe Blut. Und auch bei der Sache, was Lucien vorhatte, sollte sie Recht behalten, denn er küsste sie erst am Hals und biss ihr dann leicht ins Ohr. Am liebsten hätte sich Sanni ihm jetzt auf der Stelle voll und ganz hingegeben, doch dann fing sie wieder an klar zu denken und stieß Lucien weg. „Lass das! Ich bin nicht dein Spielzeug, mit dem du nach Belieben Spaß haben kannst! Du bist in den Dingen wirklich wie dein Bruder!“ Dann rannte Sanni aus dem Zimmer und schmiss die Tür hinter sich zu. Lucien blieb allein zurück. Er hatte ein hässliches Grinsen auf den Lippen und sagte leise vor sich hin: „Es macht echt Spaß kleine, unschuldige Mädchen zu ärgern und deren Herzen zu verwirren. Vor allem, wenn sie es sich auch noch gefallen lassen. Ich werde eine schöne Zeit mit dir haben, Sanni.“
Sanni lief durch die Gänge des Palastes zu ihrem Zimmer. Auf dem Weg dorthin dachte sie über das nach, was gerade passiert war. Sie war völlig in Gedanken versunken. „Wieso hat Lucien das getan. Bei Kraven hat er mir schließlich geholfen. Und dann macht er so was. Ich versteh es nicht. Und warum wollte ich es auch noch, wenn auch bloß für ein paar Sekunden, aber es hat mich echt nach ihm verlangt. Ich kann es nicht leugnen. Das macht mich einfach alles fertig. Ich glaub, es ist besser, wenn ich Lucien in der nächsten Zeit aus dem Weg gehe. Damit ich meinen Gefühlen wieder Herr werde.“ Als sie in ihr Zimmer kam, zog sie sich um und ging sofort ins Bett. Nach diesem anstrengenden Tag schlief sie auch ganz schnell ein. Im Schlaf konnte sie aber auch nicht so richtig abschalten. Dafür sorgte ein Traum:
Sanni lag auf dem Boden. Nachdem sie die Augen aufgemacht hatte, stand sie auf und sah sich um. Es war sehr dunkel und sie konnte kaum was erkennen, aber sie bemerkte, dass sie in einer kahlen Gegend war. Um sie herum gab es hohe, finstere Berge und verrottete Bäume. Das Einzige, das sie hörte, war das Krächzen von Krähen, die auf den Bäumen saßen. Sanni kam es so vor, als ob die Vögel sie die ganze Zeit anstarren. Ihre Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit und vor ihr sah sie einen Weg. Sie hatte schon Angst dort langzugehen, aber in ihr regte sich auch Neugier und außerdem hatte sie das Gefühl, dass sie irgendwas magisch anzog. Also ging sie los. Der Weg kam ihr unendlich vor und es wurde auch immer kälter. Irgendwann kam sie nicht mehr weiter, denn vor ihr war eine unsichtbare Wand. Plötzlich wurde es hell und auf der anderen Seite der Mauer leuchtete auf dem Boden ein Kreis. Darin war ein Pentagramm und drum herum stand was. Sanni kannte die Zeichen aber nicht. Dann sah sie auch noch, dass zwei Personen mit schwarzen Gewändern und einer Kapuze auf dem Kopf auf den Ring zugingen. Sanni konnte nicht erkennen, wer sie waren. Als sie im Kreis standen, erschien in der Mitte des Pentagramms eine dritte Person und eine von den anderen hatte auf einmal eine Sense in der Hand. Die Person in dem Fünfzackigen Stern kniete dort, hatte auch so ein schwarzes Gewand an und hatte die Arme auf dem Rücken gefesselt. Die andere Person ohne Sense ging auf die kniende zu und riss ihm die Kapuze vom Kopf. Es kamen lange, schwarze Haare zum Vorschein. Sanni erschrak. Der, der dort kniete, war…Lucien. Es kam ihr so vor, als ob Lucien sie mitbekommen hätte, denn er sah zu Sanni und schrie irgendwas. Doch sie verstand es nicht und kurz danach war es zu spät. Die Person mit der Sense hatte diese bereits angesetzt und die Hinrichtung vollzogen.
Genau in diesem Moment wachte Sanni wieder auf. Dabei schrie sie, so wie sie es empfand, den ganzen Palast zusammen. Sie war schweißgebadet und dann kam auch noch Lucien reingestürmt. Er hockte sich neben Sannis Bett und nahm ihre Hand. Sie sah zu Lucien und er fragte sie: „Was ist passiert? Alles okay bei dir?“ Sanni sagte stotternd: „Mir…geht’s gut. Es war…nur ein Alptraum. Mehr nicht.“ Lucien atmete erleichtert auf, küsste ihre Hand und sagte dann: „Schlaf wieder. Das wird dir gut tun.“ Dann ging er wieder und Sanni dachte noch mal über den Traum nach. Sie wusste nicht, warum sie so was träumte, aber wahrscheinlich war es wirklich bloß ein böser Traum und er hatte nichts zu bedeuten. Also musste sie Lucien auch nichts darüber erzählen. Zumindest so lange, bis sie nicht wusste, ob sie eine Vorahnung hatte oder nicht. Außerdem hatte sie die beiden Leute nicht erkannt, die dafür verantwortlich waren. Sie legte sich wieder hin und schlief ein.
Als sie das nächste Mal aufwachte, war es bereits hell. Soweit man es in der Hölle als hell bezeichnen kann. Sie wollte gerade aufstehen, als ein männlicher Dämon in ihr Zimmer kam und ihr Klamotten brachte. Er legte Sanni die Sachen auf einen Stuhl und verschwand. Sanni bequemte sich aus dem Bett und sah sich die Kleidung an und fand sie ein bisschen gewagt. Es war ein schwarzer, lederner Minirock und wieder ein Wickeltop. Dazu gab es hohe, schwarze Stiefel. Sanni machte sich fertig und ging dann aus ihrem Zimmer. Sie bekam langsam Hunger. Also lief sie zum Speisesaal. Dort wartete Lucien bereits auf sie. Ein Diener führte Sanni an ihren Platz. Die ganze Zeit konnte Lucien seine Augen nicht von ihr lassen. Er sagte, als sie saß: „Und hast du gut geschlafen?“ „Ja.“ „Keine Alpträume mehr gehabt?“ „Nein.“ Sanni hatte keine Lust mit Lucien zu frühstücken, denn sie wollte ihm schließlich aus dem Weg gehen, aber so würde es nie funktionieren. „Erzählst du mir von deinem Traum?“ „Warum sollte ich?! Es war nur ein Traum. Der hatte nichts zu bedeuten.“ Lucien beugte sich zu Sanni und sah ihr tief in ihre katzenartigen Augen. „Im Gegenteil, meine Süße. Der wollte dir bestimmt was sagen, weil hier unten man nicht einfach mal so einen Alptraum hat. Das war vielleicht auf der Erde so, aber nicht hier. Erzählst du mir jetzt davon?“ Sanni verbarg mit viel Geschicklichkeit, dass sie schon wieder anfing, rot zu werden. „Na okay. Ich sag es dir. Also ich war in einer ziemlich düsteren Gegend, ich weiß aber nicht wo, und ich bin da so einen Weg langgegangen. Irgendwann kam ich nicht mehr weiter, auf dem Boden vor mir erschien ein komischer Kreis mit Pentagramm und merkwürdigen Zeichen, die ich nicht kannte. Dann sind auch noch drei Personen aufgetaucht. Eine kniete in der Mitte des Pentagramms und die beiden anderen standen dicht daneben. Eine von denen hatte eine Sense in der Hand und die andere riss der auf dem Boden die Kapuze vom Kopf, so dass ich sie erkennen konnte und dann wurde sie oder besser gesagt er hingerichtet.“ „Und der Tote, wer war das?“ Sanni musste schlucken. Eigentlich wollte sie es nicht sagen, aber dann brachte sie es doch übers Herz: „Du warst es. Die anderen habe ich aber leider nicht erkannt.“ Lucien erschütterte ihre Antwort nicht. Er war es eben gewohnt, dass man ihn an den Kragen wollte. Was ihn aber ärgerte war die Tatsache, dass Sanni nicht erkennen konnte, wer ihn die Federn zurechtstutzten wollte, auch wenn Sanni nichts dafür konnte. Lucien überlegte, wer das, außer Kraven, noch sein könnte. Aber ihm fiel keiner ein. Also machte er Sanni einen Vorschlag. Sie sollte mit Kraven einen Auftrag erledigen. Die war natürlich strikt dagegen. Lucien wusste ganz genau, was Kraven ihr antun wollte(und sie auch), aber er konnte sie beruhigen, indem er ihr sagte, dass er immer in ihrer Nähe bleiben würde, falls etwas passiert. Er würde sie schließlich nie so einer Gefahr aussetzten, wenn er ihr nicht augenblicklich helfen könnte.
Als sie mit Essen fertig waren und alles abgeräumt war, ließ Lucien Kraven zu sich holen, um ihm zu sagen, dass er eine Aufgabe bekommt und dass er Sanni dabei alles wichtige zeigen soll, damit sie solche Erledigungen später alleine ausführen kann. Kraven war die Begeisterung richtig anzusehen und Sanni gefiel das gar nicht, ganz und gar nicht. Doch was sollte sie machen? Lucien hatte ihr versprochen, immer in ihrer Nähe zu bleiben. Damit hatte er ihr genug Kraft gegeben das durchzustehen. Nachdem besprochen wurde, was, wo und wie, konnten sie los. Ihre Reise ging nach Australien, um es genau zu sagen zu einem Tierschützer, der sich um Kängurus und Koalas kümmerte. Er hatte nur noch wenige Minuten zu leben. Also kamen sie gerade richtig, um seine Seele mitzunehmen, bevor irgendein Engel auftaucht. Ein bisschen später war es dann soweit. Der Mann war gestorben und sein Geist verlies seinen Körper. Sanni passte genau auf, was Kraven nun machte. Er ging auf den Mann zu und sperrte dessen Seele in ein extra dafür gefertigtes Glas. Kraven kam wieder zu Sanni. In genau dem Augenblick kam auch schon ein Engel an. Der tauchte nur leider ein bisschen zu spät auf und Sanni und Kraven verzogen sich. Auf dem Rückweg legten sie eine kleine Pause ein, mitten in der Wüste. Sanni setzte sich auf den heißen Boden. Ein normaler Mensch wäre schon lange wieder aufgesprungen, weil der Sand so heiß ist, aber sie spürte gar nichts. Da bemerkte sie, dass sie eben kein (ganzer) Mensch mehr ist. Kraven hockte sich vor sie, stellte die Flasche weg und drückte Sanni auf den Boden. Ihre Hände legte er auf den Sand und hielt sie somit fest. Kraven wollte sie gerade auf den Mund küssen, als er hinter sich von jemandem die Aura spürte. Er drehte sich rum und erblickte hinter sich seinen großen Bruder. Der war sehr mies gelaunt und packte Kraven am Kragen seines Ledermantels. „Lass diese Jungfrau in Ruhe! Hast du mich verstanden?“ Lucien wartete die Ausrede gar nicht ab und schlug Kraven mit seinen Ringen mitten ins Gesicht. Der ließ sich das nicht gefallen und schlug zurück. So ging das immer hin und her bis Kraven bewusstlos zu Boden fiel. Lucien klemmte ihn sich unter den Arm und nahm Sanni an der Hand. Wenig später waren sie auch schon wieder in der Hölle. Lucien brachte seinen Bruder in dessen Zimmer und ging dann wieder zu Sanni. Die hatte sich mittlerweile von dem Übergriff erholt. Lucien fragte sie: „Wieder alles okay bei dir?“ Sanni nickte und fiel ihm dann um den Hals. „Danke, dass du mir geholfen hast. Ohne dich wäre ich aufgeschmissen gewesen.“ Lucien umarmte sie und sagte: „Schon gut. Ich hab dir ja gesagt, dass ich dich beschützen werde, egal was geschieht.“ Sanni löste sich von ihm, auch wenn ihr das ganz tief im Innern widerstrebte. Am liebsten hätte sie ewig in seinen Armen liegen können. Dann sagte sie in Gedanken: „Sanni, reiß dich zusammen! Was ist bloß los mit dir? Der ist doch gar nicht dein Typ!“ Nachdem sie sich eingekriegt hatte, fragte sie Lucien: „Sag mal, warum hast du das gestern getan?“ Lucien sah sie fragend an, aber dann fiel es ihm wieder ein: „Ach so, du meinst das. Das habe ich gemacht, um genau solche Situationen, wie vorhin, zu vermeiden. Ich wollte dich damit nicht verwirren.“ „Verstehe.“
In den nächsten Monaten erledigte Sanni immer häufiger Aufträge alleine, aber sie hatte auch sehr oft diesen Traum noch mal und jedes mal starb Lucien, doch den Anblick hielt sie von Mal zu Mal länger aus und damit kam sie der Antwort, wer Lucien stürzen wollte, näher. Sie hatte aber auch andere Träume, die sehr erholsam und nicht so düster waren.
Kraven bereitete sich zwischendurch auch auf seinen großen Auftritt vor. Er scharrte einige Dämonen um sich, die ebenfalls Lucien stürzen wollten. Obwohl Kraven mit ihnen seinen Bruder umbringen wollte, traute er ihnen nicht eine Sekunde über den Weg, denn er wusste ganz genau, dass sie auch an die Macht wollen.
Eines Morgens wachte Sanni schweißgebadet auf. Sie hatte wieder diesen Traum gehabt. Doch kam sie dieses Mal keinen Schritt weiter. Sanni wusste ganz genau, dass ihr nicht mehr viel Zeit blieb. Sie setzte sich auf und zerbrach sich den Kopf darüber, wer die Beiden sein könnten. Plötzlich wurde sie aus ihren Gedanken gerissen, denn ihr Diener kam rein. Er sagte zu ihr: „Schönen guten Morgen. Ich habe hier Ihre Kleidung für den heutigen Auftrag.“ „Vielen Dank Nathaniel. Ich hoffe, du hast gut geschlafen.“ Nathaniel guckte verdutzt. Er lebte schon sehr lange und hat auch schon sehr vielen gedient, aber das jemand so nett zu ihm war, kam ihm noch nicht vor. Er gab ihr als Antwort: „Ähm, natürlich. Haben Sie denn nicht gut geschlafen?“ „So kann man das wohl sagen.“ „Wenn Sie die Frage erlauben. Was haben Sie denn geträumt?“ „Na ja. Es war der übliche Albtraum. Also nichts Schlimmes. Mach dir keine Sorgen.“ Sanni stand auf, ging auf Nathaniel zu und nahm ihm die Sachen ab. Als sie sich die Klamotten ansah, sah sie Nathaniel fragend an. „Was soll ich denn mit einem Kimono?“ „Du sollst heute nach Japan in eine Geisha-Schule. Dort soll eine alte Lehrerin sterben und du sollst dir ihre Seele holen, bevor es die Engel tun.“ Lucien stand in der Tür. Nathaniel verabschiedete sich und ging. Lucien fragte Sanni: „Na was hast du heute Nacht geträumt?“ „Das Übliche, aber ich komme nicht weiter. Tut mir wirklich Leid.“ Lucien umarmte sie. Auf der einen Seite wollte sich Sanni dagegen wehren, aber auf der anderen Seite wollte sie in seinen Armen liegen. Sie entschied sich für letzteres. „Es braucht dir nicht Leid zu tun. Zwing dich nicht dazu. Ich will auf keinen Fall, dass dir was passiert.“ „Was soll mir denn passieren?“ „Wenn du zu sehr darüber nachdenkst, kann es sein, dass du bei einem Auftrag abgelenkt bist und du verletzt wirst.“ Lucien ließ sie wieder los und sagte dann noch: „Mach dich fertig. Du musst bald los.“ Sanni nickte und Lucien ging dann. Beim Anziehen dachte sie nach: „Es geht ihm also nicht um mich, sondern nur um die Aufträge. Hätte ich mir denken können. Ich bin nun mal bloß eine Bedienstete in seinen Augen. Nichts weiter. Warum sollte ich auch was Besonderes für ihn sein?! Zur Hälfte bin ich schließlich immer noch ein Mensch. Es ist ein Wunder, dass ich überhaupt noch lebe. Wenn es nach einigen anderen Dämonen ginge, hätte ich schon lange ins Gras gebissen. Aber was findet Lucien nur an mir? Er hat mir bis heute nicht gesagt, wofür er mich braucht.“ Als sie mit Anziehen fertig war, ging sie zu Lucien, um sich die restlichen Informationen für den Auftrag zu holen. Unterwegs traf sie auf Kraven. Der sagte zu ihr: „Du siehst echt süß aus in dem Kimono. Da könnte man leicht die Beherrschung verlieren.“ „Behalte deine Komplimente und perversen Gedanken gefälligst bei dir!“, sagte Sanni trotzig und ging einfach weiter. Doch Kraven ließ das nicht so einfach auf sich sitzen und packte Sanni am Arm. Er drückte sie gegen die Wand und zwang ihr einen Kuss auf. Da Sanni eine Hand noch frei hatte, verpasste sie ihm eine Ohrfeige und schrie ihn an: „Lass gefälligst deine Griffel von mir!!!“ und rannte zu Lucien. Als sie bei ihm ankam, erkannte er sofort, dass was passiert sein musste, denn Sanni sah ziemlich wütend aus. Lucien wollte schon fragen, was los war, aber das musste er gar nicht, denn Sanni fing schon an zu erzählen: „Was fällt diesem Kraven ein, mich einfach zu küssen. Das kann ja wohl nicht war sein.“ „Er hat dich geküsst?“ „Ja aber weiter ist nichts geschehen. Ich kann’s trotzdem nicht fassen, dass er seine ekligen Krallen nicht von mir lassen kann.“ Lucien fing an zu lachen und Sanni sah ihn deswegen schon böse an, denn sie fand das gar nicht lustig. Sofort hörte Lucien auf und sagte dann noch leise, so das es Sanni nicht mitbekam: „Tja, er begehrt nun mal die Sache, die er niemals haben kann.“ Sanni blickte ihn fragend an, doch er wiederholte es nicht noch mal. Dann fing er auch endlich an ihr die Informationen für den Auftrag zu geben. Nachdem alles geklärt war und Sanni sich schon rumgedreht hatte, fiel ihr ein, dass sie Lucien noch was fragen wollte: „Sag mal, warum hast du mich eigentlich mit in die Hölle genommen? Ich war schließlich bloß ein kleines menschliches Wesen.“ Lucien grinste. Er gab ihr als Antwort: „Ich bin einfach gerne in netter Gesellschaft.“ Sannis Gesichtsausdruck ließ ihn erkennen, dass sie das nicht so recht glauben wollte, aber sie machte kehrt und ging. Lucien wusste ganz genau, dass das eine Lüge war, denn eigentlich brachte ihn ein ganz anderer Grund dazu, sie mit in seine Welt zu nehmen, doch das wollte er ihr noch nicht sagen. Er wusste schließlich nicht, wie sie darauf reagieren würde. Also behielt er es erstmal für sich. Plötzlich hörte Lucien eine Stimme hinter sich, die ihm sehr vertraut war: „Die Frage, warum sie hier ist, stelle ich mir auch sehr oft. Bloß finde ich keine Antwort darauf. Deswegen hab ich mir gedacht, ich geh mal zu meinem geliebten großen Bruder und erkundige mich mal. Wie wär’s, gibst du mir ’ne Antwort?“ Lucien drehte sich zu Kraven rum und sagte zu ihm mit eiskalter Stimme: „Das geht dich einen Dreck an! Aber wenn du schon mal da bist. Ich hab gehört, du hast Sanni geküsst. Stimmt das?“ „Klar stimmt das. Er war echt klasse. Schade, dass sie sich gewehrt hat.“ „Ich hab dir mal gesagt, dass du sie nicht anrühren sollst. Hast du das damals nicht verstanden?“ „Doch, na klar, aber warum denn nicht? Du willst sie doch nicht etwa für dich haben, Bruderherz?“ „Pass gefälligst auf, was du mir gegenüber sagst!“ „Oh, hab ich da einen empfindlichen Nerv getroffen? Es war mir von Anfang an klar, dass du mehr von der Kleinen willst, als nur eine reine Geschäftsbeziehung. Wenn du dir das nicht eingestehen willst, bist du echt armselig. Ach warte mal. Du wolltest dich doch eigentlich nie mehr verlieben, seit dem Tod deiner geliebten Sonja. Das hätte ich ja beinah vergessen. Haha.“ Jetzt war Lucien richtig sauer, denn er schrie Kraven regelrecht an: „Erwähn ihren Namen nie wieder, oder du wirst es bereuen. Und jetzt verzieh dich!!!“
Sanni war währenddessen auf dem Weg zu der Geisha-Schule. Dort angekommen, suchte sie erstmal den Raum, in dem die Alte lag. Sie wurde zum Glück von Niemandem gesehen und kam ungehindert zu dem Zimmer. Genau rechtzeitig, denn ihre Seele verlies gerade den Körper. Sie schloss sie ein und verschwand wieder. Auf dem Rückweg traf sie auf einen Engel. Der bemerkte, dass sie die Seele bereits hatte und griff sie an. Eine Zeitlang wich sie ihm aus, doch irgendwann ging es nicht mehr. Sie stand direkt an einer Wand. In der Hand des Engels erschienen zwei lange Spieße, die er durch Sannis Hände stieß. Die schrie vor Schmerzen laut auf. Einen dritten Spieß rammte er ihr direkt in den Bauch. Ihr kamen schon die Tränen, doch sie biss die Zähne zusammen. Genau als der Engel mit der Hand nach der Flasche mit der Seele greifen wollte, stieß sie ihn mit den Füßen weg. Danach zog sie unter großen Schmerzen die Spieße aus der Wand und dann mit den Zähnen aus den Händen. Zum Schluss kam der in ihrem Bauch dran. Dem Engel, der nun auf dem Boden lag, steckte sie die Stäbe auch in Hände und Bauch. Als sie damit fertig war, ging sie zurück nach Hause. Dort beeilte sie sich so schnell wie möglich zu Lucien zu kommen. Der erschrak, als er Sanni voller Blut sah. Er rannte auf sie zu, nahm ihr die Flasche ab, schnappte ihre Hand und brachte sie in sein Zimmer. Da sollte sie sich auf das Bett legen. Lucien band ihren Kimono auf und sie sagte: „Bitte hör auf damit.“ Lucien hielt seinen Kopf genau über ihren, sodass sie ihm in die Augen sehen konnte. Bei dem Anblick färbten sich ihre Pupillen schwarz. Ein sicheres Zeichen, dass sie erregt war. „Jetzt hör mir mal zu, Süße. Willst du, dass ich dich heile oder nicht?“ „Doch.“ „Na also. Und jetzt zier dich nicht so!“ Er setzte sich auf ihre Beine, damit Sanni sich nicht wehren konnte, denn die Heilung wurde auch noch mal sehr schmerzhaft. Zuerst waren ihre Hände dran. Dazu legte er diese neben ihren Kopf und seine darauf. Sanni machte die Augen zu und verzerrte das Gesicht. Danach wurde der Bauch geheilt. Lucien legte beide Hände auf ihren Bauch. Damit Sanni vor Schmerzen nicht aufschrie, küsste er sie. Sanni riss die Augen auf und wollte schreien, doch Lucien hielt sie davon ab. Nachdem alles vorbei war, löste er sich wieder von ihren Lippen. „Alles wieder okay?“ „Ja mir geht’s gut.“ „Wieso hast du mich denn nicht gerufen? Du weißt ganz genau, dass ich dir immer helfen würde.“ „Das ist mir klar. Ich wollte dir zeigen, dass ich das auch ohne deine Hilfe schaffe. Deswegen. Das ist außerdem auch das Einzige, das ich über dich weiß. Du erzählst mir ja nie was. Meine Vergangenheit kennst du in und auswendig.“ „Du schmollst doch nicht etwa? Okay, ich erzähl dir was über mich. Was willst du wissen?“ „Warum Kraven z.B. so auf den Thron bedacht ist. Ich hab noch keinen anderen Dämon gesehen, der das so offensichtlich zeigt.“ „Er wurde von unseren Eltern stets bevorzugt, weil er der Jüngere ist. Kraven hat immer bekommen, was er wollte. Bloß den Thron nicht, denn den bekommt nun mal immer der Ältere. Das konnte er nicht verstehen und ist deshalb dahinter her. Und jetzt ruh dich ein wenig aus. Das wird dir gut tun.“ Sanni nickte und machte die Augen zu. Lucien deckte sie zu, sah sie noch eine Weile an und ging dann.
Sanni hatte mal wieder diesen Traum. Sie stand in der kahlen Gegend und vor ihr wurde Lucien hingerichtet. Daraufhin fingen die anderen beiden an zu lachen und wenig später nahmen sie ihre Kapuzen ab. Sanni erkannte sie und dann wachte sie auch schon auf. Sie setzte sich auf und sah, dass Lucien am Fenster stand. Er schien geistig nicht da zu sein und sein Blick sah ziemlich melancholisch aus. Sanni stand auf, ging zu ihm, umarmte ihn und fragte: „Was ist los? Du siehst so bedrückt aus.“ „Es ist alles okay.“ „Mach mir nichts vor! Ich sehe doch, dass du unglücklich bist.“ „Ich kann es dir nicht sagen, aber ich verspreche dir, irgendwann erfährst du es.“ „Ach so. Ich hab rausbekommen, wer dir an den Kragen will.“ Dann sagte sie ihm, wer es sein wird. Lucien wunderte das gar nicht, doch eine der beiden Personen konnte er noch um den Finger wickeln.
Am nächsten Tag kümmerte sich Lucien darum, einen von den beiden Dämonen aus dem Verkehr zu ziehen. Deshalb war Sanni nach dem Frühstück auch alleine. Sie ließ sich aber von Nathaniel in ein Musikzimmer bringen. Dort spielte sie ein bisschen Klavier. Es waren sehr düstere und traurige Melodien. Sie spiegelten ihre derzeitige Gefühlslage. Währenddessen ließ Lucien eine Hexe zu sich rufen. Es war die, die sehr sauer auf ihn gewesen war. Als sie bei ihm war, schloss er die Tür hinter ihr zu. Lucien befahl ihr sich auf das Bett zu legen. Da er ernst klang, tat sie es auch ohne etwas zu erwidern. Er setzte sich auf ihre Beine, hielt ihre Handgelenke mit einer Hand über ihrem Kopf zusammen und fragte sie: „Kaire, sag mal Kleine verheimlichst du mir was?“ „Nein, warum sollte ich dir was verschweigen?“ „Du warst noch nie eine gute Lügnerin. Also sag die Wahrheit!“ Er fuhr mit seinem Zeigefinger über ihre Wange. Durch seine langen Fingernägel blutete sie leicht. „Na okay. Ich verrate es dir, aber du darfst mir nichts antun. Lucien, bitte versprich es mir.“ Er grinste nur und sie fing an zu erzählen. Danach erhielt sie sogar eine kleine Belohnung.
Am Abend unterhielten sich Sanni und Lucien über das Geständnis von Kaire als es plötzlich stockfinster wurde. Lucien konnte kaum noch etwas erkennen. Er war also auf Sannis gute Augen angewiesen. Beide kämpften sich langsam zum Hauptschalter vom Strom durch. Als sie endlich in dem Raum waren, stand ihnen eine Gestalt im Weg. Sie trug eine schwarze Kutte mit Kapuze. Sie hatte außerdem eine Sense in der Hand. Damit war Sanni klar, dass die Hinrichtung heute stattfinden sollte. Da Lucien nichts sah, musste sie mit ihr fertig werden. Die Person hielt ihr die Sense an den Hals und sagte: „Sanni, geh aus dem Weg! Lucien muss sterben!“ „Warum sollte ich? Er hat dir schließlich nichts getan.“ „Das stimmt nicht. Er hat mir den Thron weggenommen.“ „Das siehst du falsch Kraven. Ich hab dir den Thron nicht weggenommen. Ich bin nun mal der Ältere von uns beiden. Das lässt sich nicht mehr ändern.“, mischte sich Lucien ein. „Das ist nicht fair. Warum haben unsere Eltern dann immer alles für mich getan. Sie haben dich vernachlässigt um sich um mich zu kümmern. Warum haben sie das gemacht?“ Kraven ließ die Sense fallen und sank zu Boden. Ihm kamen die Tränen. Sanni konnte es kaum glauben. Sie hätte nie gedacht, dass sie ihn jemals weinen sehen würde. Sie glaubte immer, dass Dämonen stark sind und nie Schwäche zeigen. Doch da lag sie falsch. Auch sie hatten Gefühle und die mussten sie irgendwann auch mal rauslassen. Nun war es bei Kraven soweit. Bei ihm war das Fass eindeutig übergelaufen. Sanni ging auf ihn zu, hockte sich vor ihn hin und legte einen Arm auf seine Schulter. Sie zeigte großes Mitgefühl. Das machte der menschliche Teil in ihr. „Sie haben es wahrscheinlich getan um dir wenigstens da glückliche Momente zu geben, weil sie genau wussten, dass du den Thron erstmal nicht kriegen kannst. Hast du wirklich gedacht, dass du gegen Lucien gewinnen kannst. Die letzten Auseinandersetzungen sind für dich auch nicht gut gelaufen.“ „Wenn Kaire den Plan nicht verraten hätte, wäre alles glatt gegangen.“ „Nein. Kaire war nicht die Erste, die es mir gesagt hat. Sanni hat es in ihren Träumen gesehen. Wenn auch erst gestern Mittag. Diese Träume haben sie regelrecht gequält.“ „Das tut mir Leid Sanni. Ich wollte nicht, dass du auch leidest. Ich hätte dich sogar zu meiner Königin gemacht, wenn Lucien nicht mehr wäre. Natürlich nur, wenn du das auch wolltest.“
Kraven sah ein, dass es keinen Sinn machte gegen Lucien zu kämpfen und zog sich zurück. Er verließ den Palast mit den Worten, dass sie ihn nie wieder sehen werden. Also machten sich Lucien und Sanni keine Gedanken mehr darüber.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast