Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Until the Rain stops.

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P6 / Gen
Terra Bradford
02.05.2011
02.05.2011
1
1.832
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
02.05.2011 1.832
 
Für eine Wichtelaktion auf Animexx :)

------------------------------------

…irgendwann hört es immer auf zu regnen. Die Sonne kommt wieder zum Vorschein, es wird wärmer, die Erde trocknet langsam und die Blumen blühen. Irgendwann bilden sich dann wieder Wolken, sie werden grau, es regnet erneut. Doch auch dieser Regen wird irgendwann vorbeigehen. So ist es immer, ein ständiger Kreislauf.
Zuletzt hatte es geregnet. Schnee hatte noch auf den Straßen gelegen, war jedoch nach kurzer Zeit größtenteils geschmolzen. Schlussendlich blieben eine Menge Matsch und etwas Eis zurück, auf dem man leicht ausrutschen und hinfallen konnte. Selbstverständlich war ihr das passiert. Sie war rot angelaufen, ihre Freunde hatten angefangen zu lachen, fielen teilweise auch hin und lachten immer noch. Zuerst hatte sie etwas verwirrt dreingeblickt, dann aber schlussendlich mitgelacht. So etwas passierte nun mal, es war ja nicht der Weltuntergang.
Es war merkwürdig. Sie blickte aus dem Fenster, die Sonne ging gerade erst auf. Das Eis war geschmolzen, Morgentau zierte die Stängel und Blätter der heranwachsenden Pflanzen um das Haus herum und am Horizont konnte man einen Regenbogen erkennen, wenn auch noch nicht allzu deutlich. Sie verstand es nicht ganz. Noch am Vortag hatte es gänzlich anders ausgesehen. Traurig, deprimierend, kalt. Über Nacht hatte sich dies komplett gewandelt.
Generell hatte sie damit kein Problem, wirklich nicht. Es wunderte sie nur. Gerne würde sie einmal miterleben, wie dies passiert. Den Moment von deprimierend zu motivierend, von traurig zu fröhlich, von kalt zu warm. Sie hatte schon öfters mit dem Gedanken gespielt, aus genau diesem Grund eine Nacht wach im Freien zu verbringen, doch ihre Freunde würden das sicherlich merkwürdig finden und es war ihr zu peinlich, offen darüber zu reden.
Peinlich…sie wusste selbst nicht, wieso es so war, doch aus irgendeinem Grunde kam sie sich dumm dabei vor, diese Einhundertachtziggrad-Wende miterleben zu wollen. Für die anderen schien es etwas ganz Normales. Es war etwas, was man wahrscheinlich einfach hinnehmen sollte, statt sich Gedanken darum zu machen. Doch irgendwie fiel ihr das nicht besonders leicht.
Ein leises Klopfen an ihrer Zimmertür riss sie aus ihrer leichten Trance und ein wenig konfus wandte sie sich zur Tür, um diese zu öffnen. Zum Vorschein kam Sabin, welcher sie mit seiner üblichen Euphorie, die ihn aus ihr unerfindlichen Gründen schon zu packen schien, wenn er morgens seine Augen öffnete, angrinste. „Morgen, Terra! Gut geschlafen?“; sie brauchte einen Moment, nickte dann aber. Hatte es einen besonderen Grund, dass man sie persönlich wecken wollte?
„Alles okay? Du siehst ein wenig verwirrt aus. Sicher, dass du gut geschlafen hast?“; sein Grinsen wird – wenn es denn wirklich möglich ist – noch breiter. Terra hinterfragt lieber nicht den Grund dafür, denn wahrscheinlich würde sie es sowieso nicht verstehen oder nicht annähernd so amüsant finden.
„Mh, sicher…ich frage mich nur, ob es einen besonderen Anlass hat, dass du mich persönlich weckst…?“ – „Ha! Ich wusste, dass du das fragst! Hast du schon aus dem Fenster geschaut? Celes sagt, bei dem Wetter sollten wir nicht den ganzen Tag hier drinnen sitzen bleiben, sondern auch was draus machen! Also hat sie mich losgeschickt, euch zu wecken.“ Terra nickte nur verstehend. Genauso hatte sie es doch auch gesehen. Traurig zu fröhlich, kalt zu warm. Niemand hinterfragte diese Tatsache, mit Ausnahme von ihr selbst. Jeder nahm sie nur dankend hin – warum konnte sie das nicht?
Sie versank wieder in Gedanken, murmelte lächelnd, dass sie sich beeilen würde, wartete, bis Sabin grinsend weitergegangen war und schloss die Türe, nun wieder allein mit ihren Gedanken.
Warum? Allen fiel es so leicht, all dies hinzunehmen. Jahreszeiten, Wetterumschwünge. Sie seufzte über die Tatsache, immer noch darüber nachdenken zu müssen, aber sie konnte einfach nicht anders. Vielleicht sollte sie einfach versuchen, es zu ignorieren und den guten Tag hinzunehmen wie er war. Ihn zu genießen.
Sie nickte sich zu und in dem Sinne war die Sache für sie – fürs Erste – geklärt. Konnte doch keine große Sache sein, einfach einen schönen Tag zu genießen.

Kaum eine halbe Stunde später erschien sie in der in ihren Augen überfüllten Küche. Sie blickte sich in der Runde um und man konnte förmlich spüren, wen man ansprechen konnte und bei wem man es besser ließ – Letzteres traf wohl eigentlich so gesehen nur auf Locke zu, der den Kopf zwischen seinen verschränkten Armen auf dem Tisch vergrub. Was wohl mit ihm los war?
Sie murmelte ein leises „Guten Morgen“, lächelte und setzte sich auf einen der beiden freien Stühle. Sie wurde von drei Seiten – Edgar, Celes und Sabin zum zweiten Mal – zurückgegrüßt, lediglich Locke hob nur theatralisch einen Arm und winkte leicht. Nun gut, sie wusste, dass er hin und wieder kein Morgenmensch war, aber so extrem hatte sie es noch nicht erlebt. Bedrückte ihn etwas? Sie nahm sich vor, ihn später zu fragen.

Es dauert nicht sonderlich lange, bis das kleine Grüppchen das Gebäude verließ. Ein direktes Ziel hatten sie nicht. Terra blickte sich ein wenig um. Es würde immer noch dauern, bis die Welt wieder komplett aufgebaut wäre, aber immerhin war dies schon die vierte Stadt, die sie bereisten, um sie wiederaufzubauen. Terra lächelte beim Gedanken an die fröhlichen Kinder, die endlich wieder lachen und spielen konnten.
Vielleicht würde bald die ganze Welt wieder lachen und fröhlich sein. Es war eine schöne Vorstellung. So viele schreckliche Dinge waren geschehen, und doch hatten die Menschen die Hoffnung nicht ganz verloren. Vielleicht war das die Belohnung dafür.
Und doch…sie blickte gen Himmel und musste wieder darüber nachdenken. Traurig zu fröhlich. Kalt zu warm. Warum war das so? Die Frage würde sie wahrscheinlich nicht mehr loslassen und sie blickte zu ihren Freunden, kurz davor, nachzufragen. Seufzend schüttelte sie den Kopf. Warum sollte sie ihre Freunde mit einer so unnötigen Frage nerven? Ändern konnte sie ja doch nichts daran. Diese Feststellungen hielten sie zwar nicht davon ab, weiter nach einer Antwort zu suchen oder auf eine zu hoffen, trotzdem hielt sie sie sich weiterhin vor Augen.
„Hey…Terra? Alles in Ordnung?“; sie blickte auf – wann hatte sie den Blick zu Boden gerichtet? – und blickte in die Augen Lockes, welcher sie besorgt ansah. „Ja, sicher…natürlich…“; die Glaubwürdigkeit ihrer Aussage war anzuzweifeln, aber sie versuche, so überzeugt wie möglich zu schauen, bis ihr etwas auffiel. „Jetzt da du fragst. Bist du in Ordnung? Du siehst irgendwie…krank aus“.
Er verzog das Gesicht zu…ja, was genau war es denn? Ein Schmollen? Auf jeden Fall kam es dem am nächsten. Er griff nach…nun, in Terras Augen wirkte es, als würde er nach Luft greifen. Er hielt seine geballte Faust zwischen sie beide, löste die Finger und was Terra schließlich erkannte, war eine einzige Polle. Sie war kurz davor, zu fragen, wie das jetzt ihre Frage beantworten sollte, als Locke sich von ihr abwandte und zu niesen begann.
Auch das sagte ihr nicht sehr viel, bis Locke sich zu ihr umdrehte, eine Entschuldigung murmelte und sich schüttelte. „Pollen. Sie sind überall. Ihretwegen hasse ich den Frühling, Es ist, als würden sie mir absichtlich hinterherfliegen. Aber ja, doch, sonst ist alles in Ordnung bei mir“; nun zierte ein Grinsen seine Lippen und unerwarteterweise kicherte Terra ein wenig. „Eine…Pollenallergie? Woher kriegt man denn so was?“; und ganz urplötzlich starrte er sie an, als hätte sie etwas ganz, ganz Dummes gesagt. „Auf der anderen Seite schien es aber auch nicht, als könne er die Frage besonders gut beantworten.
„Also…ähm. Weißt du, so was hat man normalerweise einfach. Der Körper…reagiert dann darauf und…ach, ich weiß nicht. Das ist…wie mit dem Wetter. Das ist eben auch, wie es ist.“ Er grinste und kratzte sich am Kopf, während Terra perplex dreinblickte und genau an dem Punkt angekommen war, über den sie sich schon den ganzen Tag Gedanken machte.
Sie wusste nicht warum, aber jetzt musste sie einfach fragen. „Hey, Locke? Warum…warum ändert sich das Wetter?“ Seine erste Reaktion bestand aus mehreren perplexen Blicken. Anscheinend schien er unsicher, ob sie das wirklich gefragt hatte. Sie senkte den Kopf. „Entschuldige. Ich wusste, ich hätte nicht fragen sollen“. Erst, als sie das gesagt hatte, reagierte ihr Gegenüber wirklich.
„Nein, nein. Ist in Ordnung. Ich…hab nur ehrlich gesagt keine Ahnung. Wieso fragst du eigentlich?“ Guter Einwand. Wieso fragte sie? „Weil…“; sie blickte wieder gen Himmel. „Gestern noch…war es kalt. Die Sonne schien kaum und es regnete, es fror, alles war so trist. Heute ist es irgendwie ganz anders. Und ich verstehe einfach nicht, warum…“
Sie schwiegen einige Zeit. Locke schien fieberhaft zu überlegen, wie er darauf antworten könnte, aber es war irgendwie gar nicht so leicht. „Weißt du, Terra…manche Sachen muss man nicht verstehen, denke ich. Man sollte sie eher hinnehmen, es wertschätzen, weißt du? Manche Dinge werden dir geschenkt, damit du dich an ihnen erfreust oder etwas aus ihnen lernst. Manchmal ist es viel wichtiger, die Bedeutung von etwas zu finden, als den Grund, warum es das überhaupt gibt. Ohne gestern gäbe es kein morgen, und ohne den Regen könnte das Grün um uns herum gar nicht gedeihen.“
Terra nickte; ja, das machte Sinn. Ohne Regen würden die pflanzen wohl austrocknen…und ohne Kälte könnte man die Wärme gar nicht so sehr schätzen, wie man es tat. Ihr Blick fiel auf die spielenden Kinder. Gerade dadurch, dass sie alle wussten, was Leid bedeutete, konnten sie den Spaß und die Freude umso mehr hegen und ehren. Nicht jede Erfahrung musste schön sein, doch jede trug dazu bei, etwas zu lernen und zu verstehen.
„Tut mir Leid, Terra. Ich glaube, das ist eine echt blöde Erklärung“; sie schüttelte den Kopf. „Nein, sicher nicht. Ich glaube, du hast Recht. Wahrscheinlich wäre es falsch, verstehen zu wollen, warum manche Dinge passieren. Einiges nimmt man wahrscheinlich besser hin und ist dankbar dafür, was man daraus lernt und was sich ins Gedächtnis einprägt.
Egal, wie kalt es ist. Irgendwann muss die Sonne schließlich wieder aufgehen, oder? Schließlich ist das ein Kreislauf. Und auch wenn nicht immer alles so läuft, wie es sollte, so muss man es doch nehmen, wie es kommt, und das Beste daraus machen.“
Sie schloss für einen Moment die Augen, lächelte und nickte sich selbst zu. Das reichte ihr als Antwort. Sie wollte nichts verstehen, was man gar nicht zu verstehen brauchte. Etwas, was einfach geschah, was normal war. Sie öffnete die Augen wieder und blickte ihr Gegenüber an, schien nun überzeugt. „Danke, Locke.“
Der Regen hatte aufgehört. Sowohl um sie herum, als nun auch in ihrem Herzen. Der Winter hatte Platz gemacht für den Frühling, einen Neuanfang, der Wiederbeginn des Kreislaufs. Auch in ihrem Herzen schien der Frühling ausgebrochen zu sein. Es war Zeit für einen Neuanfang. Zeit, die Welt wieder zu dem zu machen, was sie einmal gewesen war. Zeit für Antworten, nicht für Fragen.
Irgendwann würde sie vielleicht einfach über die Antwort stolpern. Wieso sich das Wetter änderte. Wieso die Jahreszeiten wechselten. Vielleicht auch nicht. Es war nicht mehr wichtig. Denn schließlich würde irgendwann immer wieder ein neuer Frühling kommen, um ihr einen weiteren Neuanfang zu bieten.
Und um den Regen zu vertreiben.

--------------------------------

Finished. Ja, ich weiß, nicht mein Meisterwerk, aber dennoch annehmbar, hoffe ich!

~DarkMessenger
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast