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Die Süßigkeit des Herzens

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Willy Wonka
30.04.2011
09.12.2019
17
38.239
18
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Dieses Kapitel
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09.12.2019 1.759
 
Ist es wirklich länger als drei Jahre her? Oh mein Gott! Wie schnell die Zeit im Ausland vergangen ist. Leider habe ich meine Geschichten dabei aus den Augen verloren. Aber ich habe versprochen sie zu  beenden und das werde ich auch tun. Diesmal müsst ihr nicht so lange warten. Nun wünsche ich euch viel Spaß mit dem zugegeben kurzen Kapitel. Vermutlich müsst ihr euch wieder in die Story einlesen.


Kapitel 17

Als ich wieder zu mir kam war das Erste, das ich spürte mein hämmernder Kopf. Unwillkürlich stöhnte ich auf, während ich mich aufsetzte. Mit den Fingern meiner rechten Hand massierte ich meine pochende Schläfe und öffnete gleichzeitig meine Augen.
Kurz sah ich mich um und erkannte sogleich, dass ich mich auf dem Sofa in Willy's Büro befand.
Apropos Willy. Diesen hatte ich bei meinem Rundumblick auch entdeckt. Er saß doch tatsächlich zusammengesunken, nah an meiner Seite, auf seinem Schreibtischstuhl. Er musste wohl eingeschlafen sein.
Jetzt wurde ich mir auch des warmen, leichten Drucks an meiner Hand bewusst. Ich sah hinunter und erkannte, dass seine Hand mit meiner verschlungen war. Mit klopfendem Herzen sah ich wieder hinauf in sein Gesicht. Anscheinend hatte er geweint. Man sah noch ganz deutlich die Tränenspuren auf seinem Gesicht. Was war los? Und was war eigentlich mit mir passiert?

Ich konnte mich nicht daran erinnern hier auf dem Sofa eingeschlafen zu sein. In meinen Erinnerungen herrschte dunkler Nebel, egal wie sehr ich versuchte mich zu erinnern.
Eigentlich wollte ich es nicht, aber ich würde Willy wecken müssen, wenn ich herausfinden wollte was vor meiner scheinbaren Ohnmacht passiert war. Vorsichtig drückte ich seine Hand fester, was sich nebenbei sehr gut anfühlte, fester und sprach ihn an : „Willy...Willy! Wach auf!“

Zunächst reagierte er nicht, weswegen ich mich noch einmal wiederholte. Er zuckte sichtlich zusammen und fast schon ruckartig öffnete er seine Lider. Verwirrt huschten seine Augen umher und suchten nach der Geräuschkulisse, bis sie meinen Blick fanden. Daraufhin weiteten sie sich für einige Sekunden und nahmen einen besorgten wie auch freudigen Ausdruck an. Wirklich bemerkenswert, dass sich zwei Emotionen gleichzeitig darin spiegeln konnten.
Willy’s Griff um meine Hand löste sich und er packte mich bei den Schultern. „Fay, Gott sei Dank bist du wieder wach! Du hast so lang geschlafen, das ich zu vermuten begann du erwachst gar nicht mehr. Ich wollte Benjamin keinen Glauben schenken, als er meinte, dass du wieder zu dir kommst.“, plapperte er drauf los.

Von diesem Ansturm überwältigt schwieg ich für einen Moment. „Warst du die ganze Zeit an meiner Seite?“, wollte ich wissen. Aus seinem freudigen Ausdruck wurde ein leicht Schmollender. „Aber natürlich, Mädchen! Dachtest du etwa ich lasse dich allein in meinem Büro liegen, wo du doch vor meinen Augen zusammengebrochen bist? Was denkst du denn von mir?“ Abwehrend hob ich die Hände. „Schon gut, Schon gut! Werde bitte nicht böse.“, versuchte ich zu schlichten. „Kannst du mir sagen was passiert Ist, nachdem wir in den Aufzug gestiegen sind?“ Das beschäftigte mich gerade am meisten. Schließlich war ich noch nie einfach so ohnmächtig geworden. Den Vorfall, als mein Haus nieder brannte nicht mit gezählt.

Willy ließ seine Hände von meinen Schultern in seinen Schoß sinken und sah zu Boden. „Ich bin mir auch nicht sicher. Du warst auf einmal ganz starr und weiß wie eine Wand. Und du hast gezittert.“, antwortete er leise und sein Blick würde bekümmert. Das Erlebte nahm ihn wohl auch sehr mit.

Zuerst wollte ich fragen wieso, doch das war gar nicht mehr nötig. Mit einem Schlag kehrte alles zurück. Der Aufzug, ja richtig…Da war diese Angst…und diese Panik gewesen. Der Blick durch die gläsernen Scheiben hinunter in die Tiefe. Es war wahrhaft grausig! Mir wurde mulmig, wenn ich daran zurück dachte. Unwillkürlich schüttelte ich mich kurz.

Als ich wieder aufsah, begegnete ich Willys immer noch völlig besorgten Blick. Warum nur machte er sich solche Sorgen um mich? Ich spürte einen leichten Druck auf meiner Hand und hörte gleich darauf seine Stimme: „Was ist geschehen, Fay?“
Ich schluckte und antwortete leise: „Dein Aufzug war schuld...“
„Mein Aufzug?“, entgegnete er perplex. „Was er dir denn getan?“
„Najaaa…“, ich wandte mich innerlich, als ich an die Panik zurück dachte. „Nicht der Aufzug an sich. Ich habe einfach Angst bekommen. Ich bin als Kind in so einem Ding stecken geblieben und seit dem habe ich regelrecht Panik, wenn ich mit so einem Gerät fahren muss.“, erklärte ich beschämt. „Die Erinnerung und die Angst konnte mein Körper wohl nicht verkraften und ich bin ohnmächtig geworden.“
Mein Blick glitt zu unseren, ineinander verschlungenen Händen, um mir nicht den wohlmöglichen Spott in seinen Augen ansehen zu müssen. So wie es bei jedem Anderen der Fall gewesen war, sobald Jene von meiner Phobie erfuhren.

Aber ich hätte wissen müssen, dass Willy anders war als andere Menschen. Denn seine Antwort kam prompt und entschlossen. „Warum hast du nichts gesagt? Meine Fabrik besitzt auch Treppen und Gänge. So etwas Furchtbares hätte gar nicht erst passieren müssen!“ „ Ich weiß…“, entgegnete ich kleinlaut. „Aber du hattest es so eilig…es war immerhin keine Zeit dazu.“ Ich brach ab. Ihm die Schuld dafür zu geben war nicht richtig.
Aber Willy überging meine Antwort rigoros. „ Das nächste Mal, wenn die etwas Angst macht, sprichst du sofort mit mir! Verstanden? Ich werde mich dann darum kümmern.“  „Ja, verstanden…“, murmelte ich und staunte gleichzeitig über diesen eigenwilligen Chocolatier.
War er wirklich dazu bereit all meine Ängste zu zerstreuen? So etwas hatte ich noch nie erlebt. Das jemand sowas für mich tun wollte, war mir völlig neu. Mir wurde dabei ganz warm in der Brust.
„ Danke, Willy.“, entkam es mir aufrichtig und ich lächelte ihn an. Daraufhin weiten sich seine Augen ein wenig und er errötete leicht. Scheinbar war ihm das peinlich.

Er entzog mir seine Hand im selben Moment in dem sich die Tür zu seinem Büro öffnete und Ben herein schneite. Als er sah, dass ich aufrecht auf dem Sofa saß, faltete er die Hände zusammen und sagte mit strahlender Miene: „Oh gut! Unsere Patientin ist wieder wach. Da hast du uns einen schönen Schrecken eingejagt. Vor allem Willy. Geht’s dir besser?“ Ich bejahte nur und sah zu, wie er zum Schreibtisch ging und das vereinsamte Glas Wasser holte und bei mir angekommen, an mich übergab. „Hier trink das aus.“, verlangte er. Ich tat was er wollte, denn ich hatte keinen Lust auf eine Diskussion mit ihm. Ich war zu fertig. Das Glas gab ich ihm zurück, nachdem ich es geleert hatte.

Ein urplötzliches Klatschen ließ mich aufhorchen und so sah ich Ben’s unheilverkündendes Grinsen. Was hatte er jetzt wieder vor? Meine Fingernägel krallten sich in das Sitzpolster unter mir. „Jetzt werden wir dich erst mal ins Bett bringen. Es ist ohnehin schon spät.“ Dabei kam er auf mich zu. Gerade so hatte ich noch Zeit empört aufzuschreien, als er mich mit einem Ruck auf seine Arme hob. „Was soll das? Ich kann selber laufen!“ Willy’s unerfreutes „Hey!“ im Hintergrund hatte ich sehr wohl vernommen.

Aber wie immer scherte Ben sich nicht um solche Nichtigkeiten. „Das wirst du schön bleiben lassen! Sei friedlich und lass dich in dein Zimmer tragen.“ Trotzig verschränkte ich die Arme vor meiner Brust, weil ich gerade nichts anderes tun konnte. „Ich will aber nicht von dir getragen werden.“ Ben seufzte theatralisch. „ Wäre dir Willy lieber? Bist du dann brav? Laufen wirst du jedenfalls nicht.“
„ Ehrlich gesagt ja.“, entgegnete ich aus einem Anfall puren und mutwilligen Trotzes heraus und sah über die Schulter zu Willy.
Eigentlich hätte ich erwartet, dass er beschämt wäre wie vorhin. Aber mit einer entschlossenen Linie und energischen Schritten seinerseits hatte ich nicht gerechnet. Er streckte die Hände nach mir aus und sagte an Ben gerichtet: „Gib sie mir! Und danach machst du dich nützlich und öffnest die Tür.“

Ausnahmsweise übergab er mich ohne Widerworte an seinen Chef weiter und sogleich fühlte ich mich wohler und aufgeregter zu gleich. Während Willy mit mir durch die geöffnete Tür Schritt legte ich meine Arme um seinen Nacken, um einen besseren Halt zu haben. Dabei stieg mur sein Geruch in die Nase. Mein Herz begann zu flattern und ich merkte, wie ich errötete. Um davon abzulenken und damit Willy bloß nichts davon bemerkte, vergrub ich mein Gesicht an seiner Brust. Ich errötete noch mehr, als ich hörte wie schnell sein Herz raste.

Den Weg zu meinem  Zimmer legten wir schweigend zurück, während ich es genoss Willy so nah zu sein. Ich war wirklich verliebt! Es war kaum zu glauben. An meinem Zimmer angekommen löste ich meine rechte Hand von seinem Nacken und drückte damit die Klinke herunter und stieß die Tür auf. Willy Schritt mit mir hindurch und setzte mich auf den Sessel vor meinen Schminktisch. Jetzt wo der Körperkontakt fehlte, sehnte ich mich sofort wieder danach. Allerdings fühlte ich mich auch etwas befangen. Ich traute mich nicht ihm in die Augen zu sehen. Meine große Klappe, die ich zuvor noch vor Ben gehabt hatte, war mit einem Mal Geschichte.

Ein Arm der an mir vorbei glitt und die Bürste vom Tisch nahm, holte mich aus meinen Gedanken. Meine Schultern würden herumgedreht, sodass ich mit dem Gesicht zum Spiegel saß. Gleich darauf fühlte ich Willy's Finger in meinen Haaren, sowie die Bürste, die mit sanften Strichen hindurch fuhr. Warum nur machte er das immer wieder? Es schien ihm zu gefallen, soviel war klar! Man bräuchte nur sein freudig, faziniertes Gesicht in der Spiegelreflexion zu betrachten. Für mich war es auch sehr angenehm. Beruhigend und entspannend. Und wenn ich so in mich hineinhorchte, schien mein Körper das bitter nötig zu haben.

Eigentlich wollte ich Willy noch fragen, wie der morgige Tag in der Phrase Company aussehen sollte, da das Briefing durch Ben, welcher mich morgen begleiten würde, wegen meiner kleinen unfreiwilligen Einlage nicht statt gefunden hatte. Aber die Müdigkeit kroch mir unaufhörlich in die Glieder und meine Augenlider würden schwer. Die Kraft sie offen zu halten, erschien mir zu mühsam. Als ich drohte einzuschlafen, fiel ich mit dem Rücken nach hinten gegen einen anderen Oberkörper und in meinem umjubelten Zustand entfleuchte mir die Frage, die ich mich all die Abende nicht getraut hatte zu stellen. „Warum bürstet du mir jeden Abend die Haare?...“

Meine Augen waren längst vollständig geschlossen, als ich spürte, wie ich hoch gehoben wurde und anschließend auf etwas Weichem abgelegt wurde. Willy's Antwort kam spät und für mich fast kaum noch hörbar, sogar leicht stotternd: „Weil ich…ich-…dich…deine Haare liebe!“ Das Letzte, was ich hörte, bevor ich einschlief, war das Zuschlagen der Zimmertüre.
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