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Die Süßigkeit des Herzens

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Willy Wonka
30.04.2011
09.12.2019
17
38.239
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Dieses Kapitel
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09.07.2016 3.632
 
Hallo Leute, es ist lange her. Ich hatte viel zu bewältigen und nun habe ich die Zeit weiter zu schreiben. Ich kann euch versichern, dass ich diese Story beenden werde, wie lange es auch dauern mag. Für alle, die sich noch erinnern können und auch an alle Neuen, ich wünsche euch viel Spaß. Das nächste Kapitel ist in Arbeit und folgt in Kürze.
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Ach du Schande, ein gläserner Aufzug!!! Musste das jetzt wirklich sein? Was war an Treppen den so falsch? Und wo wir gerade davon redeten, hatte ich eigentlich schon erwähnt das ich unter extremer Klaustrophobie litt, seit ich kleines Mädchen von süßen 6 Jahren war? Und das galt natürlich bis heute auch für diese verdammten Höllenmaschinen von Aufzügen! Aus einem puren Angstreflex heraus, stemmte ich mich mit aller Macht gegen Willy's Griff um mein Handgelenk. Auf der Hälfte der Strecke, die Willy und ich vom Wunderlandraum, ich hatte den Raum einfach so getauft, war ihm aufgefallen, dass ich weit hinter ihm zurück gefallen war, da ich mit seinem wahnsinnigen Schritttempo einfach nicht mithalten konnte. Für einen kurzen Moment hatte er mich mit einem leicht verwirrten Gesichtsausdruck gemustert, bevor er mit großen Schritten auf mich zukam und ohne großes Aufhebens nach meinem Handgelenk gegriffen hatte.
Und nun befanden wir uns in dieser vertrackten Situation nur wenige Meter von diesem Instrument entfernt. Willy hatte meinen handfesten Widerstand selbstredend bemerkt und drehte sich abrupt zu mir um, während mir schon der kalte Schweiß ausbrach und das unkontrollierte Zittern einsetzte. Mit Sicherheit war ich auch im Gesicht weiß wie die Wand. Im Moment konnte ich auch überhaupt nicht klar denken, ich war nur noch von dieser alles umfassenden Angst durchzogen. Bewegen konnte ich mich schon gar nicht! Ich war starr...genau wie eine Statue. Ich bemerkte noch nicht einmal Willy's geschockten und vermutlich auch ratlosen Blick. Dieses Mal näherte er sich mir so langsam, dass ich nicht einmal seine Schritte hörte. Mein Handgelenk hatte er immer noch in seinem Klammergriff, als er begann auf mich einzureden. In totaler Panik gefangen, sah ich wohl, dass sich seine Lippen bewegten, aber meine Ohren wollten ihren Dienst nicht tun. Selbst als er energisch nach meinem Kinn griff, um mich so zu zwingen ihm richtig ins Gesicht zu sehen, war ich einfach unfähig zu reagieren. Mein ganzer Leib zitterte so sehr, dass ich die Kontrolle über meine Motorik verloren hatte und ich war mir ziemlich sicher, dass meine Beine gleich ebenfalls ihre tragende Funktion einstellen würden.
Offenbar war dieser Umstand auch Willy aufgefallen, als er mit übermäßig besorgter Stirnfalte über seinen strahlend blauen Augen näher an mich herantrat. Dann machte er kurzen Prozess und schlang  seinen rechten Arm um meine Hüfte und mit dem linken Arm griff er unter meine Kniekehlen, bevor er mich, leicht wie eine Feder in seinen Armen hielt. Normalerweise würde mich diese Situation jetzt und hier völlig zum Erröten bringen, inklusive meines viel zu schnell schlagenden Herzens. Aber leider stand ich dank dieser schweren Panikattacke gerade so neben mir, dass ich zwar auf eine verquere Weise alle Geschehnisse mitbekam, aber durch diese schreckliche lähmende Angst und das unaufhörliche Zittern, waren meine anderen Empfindungen fast wie eingefroren. Wage nahm ich war das Willy mit mir auf seinen Armen in das gläserne Ungetüm stieg und auf sehr umständliche Weise versuchte an die Knöpfe zu gelangen. Für gewöhnlich würde ich an dieser Stelle schon längst schreien, aber über diese Phase war mein Körper schon längst hinfort gesprungen. Unbewusst krallte sich meine linke, zitternde Hand in den Stoff seines roten Gehrocks an seiner Brust. Das dieser Apparat des Schreckens losfuhr, merkte ich bloß daran, dass ein blitzartiges Gefühl durch meinen Kopf und meine Brust fuhr, als wir empor schossen und dann mit einem scharfen Rechtsruck plötzlich auf horizontaler Ebene weiter fuhren. Das Einzige, was mich in meiner schieren Panik nicht den Verstand verlieren ließ, war die Wärme, die von Willy's Körper ausging. Sie war für mich wie eine Art Anker, der einen Teil von mir zurück auf den Boden holte, so dass es mir nun zumindest gelang, die Geräusche in meiner Umgebung wahrzunehmen, jedoch mein Körper weigerte sich, sich zu bewegen.
So nahm ich zunächst nur das leise Summen des Horrortransporters wahr, bevor wir ruckartig anhielten und die Türen sich öffnen.
„Meine Güte, wo seit ihr Zwei bloß...ab...ge...blieben...“ Ben's Stimme schwand von selbstsicher zu fragend, bis hinzu völlig besorgt, als er mich regungslos in Willy's Armen liegen sah. „Ich weiß es nicht...Benjamin...ich...ich weiß nicht was mit ihr passiert ist...sie reagiert auf kein einziges Wort von mir!“, Willy klang dreimal so besorgt wie Ben und in seine Stimme hat sich wahrhaftige Angst eingeschlichen.
Ben musterte für einige Momente lang mein kalkweißes und starres Gesicht, sah sich für eine Sekunde im Büro um, bis er fündig wurde. „Vermutlich hat sie einen Schock. Leg sie dort drüben auf das Sofa dort. Ach ja und nimm die zwei großen Kissen da und platziere sie gestapelt unter ihren Kniekehlen, so dass ihre Füße und Unterschenkel hoch oben aufliegen, damit das Blut wieder in ihren Kopf fließen kann. Sieh sie dir mal an, sie ist blasser als du.“
Willy tat wie ihm geheißen und legte mich so sanft wie möglich auf dem Sofa ab. Anschließend griff er über mich hinweg, zog die beiden Kissen an sich und stapelte sie aufeinander, bevor er, wie Ben gesagt hatte, meine Beine anhob und mir die Kissen unter die Kniekehle schob. Kaum das meine Füße auf den Kissen zum liegen kamen, begannen meine Füße und meine Beine stark zu kribbeln und ich fühlte förmlich, wie das Blut in meinen Gefäßen mit heißer Intensität und Schnelligkeit aus meinen Beinen hinauf in meinen ganzen Körper strömte. Jenes Gefühl und das Kribbeln auf meiner Haut, lösten das starke Zittern ab. Jedoch...war ich von dieser angstvollen, körperlichen Auswirkung meiner Klaustrophobie so erschöpft, dass ich, kaum dass das Blut mein Gehirn erreicht hatte, schlagartig ohnmächtig wurde. So sollte ich leider von dem Gespräch, welches nun folgte, nichts mitbekommen.

Willy war zu Tode erschrocken, dass das Mädchen, für das er so sonderbare Gefühle hatte, urplötzlich das Bewusstsein verloren hatte. So gleich ließ er sich auf den spärlichen Streifen an Sitzfläche neben ihr nieder, packte sie in schierer Panik an den Schultern und schüttelte sie. „Fay! Wach auf, Fay, bitte nein...oh nein! Fay bitte! Du musst aufwachen...Komm...mach bitte die Augen auf...“, hatte Willy sie zuerst eindringlich immer wieder gebeten, bis seine Stimme fast heiser vor Angst um sie wurde. Doch, nichts. Sie rührte sich nicht und schien auch nicht geneigt dazu, ihre Augen zu öffnen.
Gerade wollte Willy einen weiteren verzweifelten Versuch starten, als Ben an ihn heran getreten war und ihm eine Hand auf die Schulter gelegt hatte. Mit zitternden Lippen und Kien sah er zu ihm auf. Ben schüttelte den Kopf. „Nicht. Keine Angst, mein Freund, es ist alles gut.“, versuchte er seinen Chef zu beruhigen und legte zwei Finger auf ihren Hals knapp über der Hauptschlagader, nur um sich zu vergewissern. Dort fand er einen Puls, stetig, jedoch ein wenig flach. Was nicht weiter schlimm war, da sie immerhin ohnmächtig war. Das würde sich alles wieder regulieren und bald würde sie auch wieder zu Bewusstsein kommen und erwachen. Ben nahm die Finger von ihrer weißen Haut und wandte sein Gesicht erneut dem von Willy zu. Er sah schrecklich aus. Er war blasser als sonst, sein Gesicht von Sorge und Angst verzehrt. Das Zittern seines Kinns und seiner Lippen hatten ebenfalls nicht nachgelassen. Im Gegenteil, es hatte sich auf seine Hände ausgeweitet, die unkontrolliert, vergraben in den Stoff seiner Hose zuckten. In so einem desolaten Zustand hatte Ben seinen ältesten Freund noch nie gesehen. Allein sein Anblick reichte aus, damit er sich selbst unwillkürlich schlecht fühlte. Jetzt galt es, Willy so schnell wie möglich da heraus zu holen.
Wieder legte er seinem Chef die Hand auf die Schulter und drückte sie leicht, bevor er mit ruhiger Stimme auf ihn einsprach. „Mein Freund, hab keine Angst. Sie hat einen Puls und atmet. Sie lebt und ist bloß aufgrund der körperlichen Anstrengung und der daraus resultierenden Erschöpfung ohnmächtig geworden. Hörst du, Willy? Alles wird gut. Fay wird sehr bald wieder aufwachen.“ Müde, aber nicht weniger sorgenvoll blickte Willy empor. „Ist...das wirklich wahr?“ Ein Nicken von Ben folgte, bevor er noch ergänzte: „Ja, natürlich. Du musst dich nicht mehr fürchten, du kannst beruhigt sein.“
Willy' Schultern sanken so schnell herab, als wäre ihnen eine tonnenschwere Last genommen worden. Unbewusst und für sein Selbst völlig untypisch, langte er nach Fays erschlaffter Hand und verschränkte sie mit seiner behandschuhten Hand, bevor Willy mit seiner freien rechten Hand seine Augen bedeckte, als aus purer Erleichterung Tränen über sein Gesicht liefen. Von lautlosen Weinkrämpfen geplagt, zuckten seine Schultern, bis sein ganzer Oberkörper davon befallen war.
Ben selbst stand da wie bestellt und nicht abgeholt. Dies war auch für ihn eine Premiere. Noch nie, so hart manche Zeit auch in den letzten zehn Jahren gewesen war, in denen Ben schon für und mit Willy arbeitete, war sein Chef so gequält gewesen, dass er hätte weinen müssen. Doch jetzt...genau in diesem Moment, da Ben dieses eigentümliche Bild vor sich betrachtete: Eine erschöpfte und bewusstlose Fay und ein Willy Wonka, wie er ihn noch nie erlebt hatte, saß lautlos weinend und schluchzend an der Seite jenes Mädchens und hielt dabei ihre Hand wie ein Rettungsseil über einem bodenlosen Abgrund. Ja. Genau dieses einmalige Szenario zeigte Ben, wie tief Willy's Gefühle für Fay bereits waren. Es war ein erbarmungswürdiger und gleichzeitig erhabener Anblick.
Ben entschloss sich dazu, den Bürostuhl an Fay's Kopfseite und Willy gegenüber zu positionieren. Er platzierte sich mit übereinander geschlagenen Beinen darauf und entschloss sich in Ruhe zu warten und seinem Chef Zeit zu geben sich wieder zu beruhigen und zu fassen, bevor er mit seiner Befragung beginnen würde. Er musste wissen, was die so schlagfertige und offenherzige Fay in diesen entsetzlichen Schockzustand versetzt hatte.
Mit der Zeit und ganz langsam wurde das Zucken von Willy's Schultern immer seltener, bis es schließlich zur Gänze aufhörte und von Willy ein schwerer, holpriger Seufzer zu hören war, bevor er sich mit dem Ärmel seines Gehrocks über die Augen und sein Gesicht wischte, um die Spuren seiner Tränen zu beseitigen. Leicht blinzelnd, sah er noch etwas schwer atmend zu dem ohnmächtigen Mädchen empor. Dicht an ihrer Seite sitzend und immer noch ihre Hand haltend, streckte er seine Linke nach ihrem Gesicht aus und strich behutsam eine schwarze Strähne, die sich über ihr rechtes, geschlossenes Auge gelegt hatte zur Seite. Nach dieser sanften Tat, schmiegte sich diese verirrte Hand an ihre rechte Wange.
Ben hatte diese Szene wort- und sprachlos observiert und so konnte er mit aller Sicherheit behaupten, dass in diesem Augenblick der berühmte und gleichzeitig auch etwas umstrittene Willy Wonka, all seine Schilde fallen gelassen hatte und nun völlig offen, wie ein aufgeschlagenes Buch vor ihm lag. Selbst wenn es gemein war, diesen Umstand ausnutzen zu wollen, so wollte Ben es dennoch tun. Eine ganze Weile still beobachtend, kaute er mit sich hadernd auf der Innenseite seiner Lippe herum, bevor er sich endlich dazu entschloss die Stille zwischen Ihnen zu durchbrechen. Seine Schultern straffend räusperte er sich einmal geräuschvoll und richtete das Wort an seinen Chef.
„Hör zu, Willy. Ich möchte, dass du mir genau erzählst, an welche Orte du Fay geführt hast und was ihr dort getan habt. Ich muss alles wissen, bis zu dem Zeitpunkt, an den sich die Fahrstuhltüren vor meiner Nase geöffnet haben. Es ist wichtig, damit wir in Erfahrung bringen können, was diesen Zustand herbei geführt hat.“
Langsam ließ Willy seine Hand von Fay's Gesicht, dass trotz der Ohnmacht schon weit mehr Farbe hatte als noch vor fünfzehn Minuten, gleiten und in seinen Schoß fallen. Seine andere Hand blieb jedoch wo sie war und zwar mit ihrer kleinen Hand verschränkt. Sein Oberkörper straffte sich und sein Blick wanderte von unglaublicher Erschöpfung geplagt zu Ben's forschendem Blick. Zuerst wollte er protestieren und dies vereißen, jedoch genügte ein Blick aus den Augenwinkeln auf das bewusstlose Geschöpf, um seine Meinung umgehend zu ändern. „Obgleich es etwas ist, worüber ich nicht reden möchte, erkenne ich doch den Ernst dieser Situation, Benjamin, verstanden?...Nun, denn. Unser erstes Ziel war meine Süßigkeitenlandschaft. Ich hielt es für eine gute Idee zuerst dort mit der Führung zu beginnen, da Fay sehr angetan davon schien. Als wir dort über die kleine Brücke liefen, blieb dort einer ihrer Schuhe stecken. Ich half ihr, sich aus diesem Missgeschick zu befreien. Gerade wollten wir unseren Weg fortsetzen, da entdeckte sie einen von meinen Verteilungsmaschinen. Sie nannte ihn einen Roboter, glaube ich. Nun, ich brachte sie daraufhin zu dem aus pinkem Zuckerglas bestehenden Seepferdchenboot und wir fuhren damit in die unteren Gefilde, da ich mich kurzzeitig dazu entschlossen hatte, ihr meinen Erfindungsraum zu zeigen. Ich hatte dort ohnehin noch etwas zu erledigen. Nachdem wir mein Heiligtum betreten hatten, wich ich für einige Momente von ihrer Seite, um den Fortschritt eines meiner Experimente zu prüfen, bis sie mich plötzlich zu sich rief und etwas über den großen Haltbarkeitstesttank, indem sich meine neue Kreation, die Gaumenstopfer befanden, zu fragen. Daraufhin kehrte ich zu ihr zurück, um ihr eine Antwort auf ihre Frage geben zu können. Und dann-...“ An dieser Stelle brach er ab und schluckte heftig, während seine Wangen, trotz der bleiernen Erschöpfung, leicht erröteten.
Geduldig hatte Ben bis zu seiner Unterbrechung gelauscht. Allein schon diese Tatsache und das er auch noch wie ein unschuldiger Schuljunge errötete, verriet, dass etwas dort unten zwischen ihnen passiert war. „Und dann?“, versuchte er probeweise seinen Chef wieder zum Reden zu bringen, aber es fruchtete nicht. Er sah Willy bloß wieder heftig schlucken und auf den Boden starren.
Leicht genervt verschränkte Ben die Arme vor der Brust. „Ach komm schon, alter Junge! Lass dir nicht alles aus der Nase ziehen. Nichts, was vorgefallen ist, kann so schlimm sein, dass du es mir nicht erzählen kannst!“ Die Antwort Willy's kam prompt und schnell. „Doch, du wirst mich damit doch nur wieder aufziehen!“ Geräuschvoll atmete Ben aus und schloss für ein paar kurze Sekunden lang seine Augen, bevor er sie wieder aufschlug und entgegnete: „Bei Allem, was mir lieb und teuer ist, ich schwöre, dass ich keine Witze reißen werde. Immerhin ist es eine ernsthafte Situation. Also, Himmel, Herr, Gott!...Willy...reiß dich zusammen und spuck es aus!“
Noch ein paar Augenblicke lang zögerte Willy etwas verschämt, dann aber wappnete er sich, behielt aber seinen Blick weiter gen Boden gerichtet, als er mit leiser Stimme verkündete: „Ich...ich habe Fay...ich habe Fay ge-geküsst.“ Diese Neuigkeit ließ beide Augenbrauen Ben's beträchtlich  in die Höhe wandern. Mit Allem hatte er gerechnet, nur nicht mit so einer Nachricht. Um seine Stimme zu klären, räusperte er sich und fragte: „Du... du hast was? Ist das dein Ernst? Ausgerechnet du? Verzeih, aber ich hätte dir das niemals zutrauen können. Was ist passiert?“ Ehrliche Verwirrung sprang Willy aus Ben's Augen regelrecht an.
Verhalten begann er also zu berichten, wenn gleich es ihm völlig gegen den Strich ging. „Ich weiß auch nicht wirklich was passiert oder in mich gefahren ist, aber der Grund war einfach Fay selbst. Alles, was ich ihr bisher von meiner Welt hier zeigte, bestaunte sie mit so unverhohlener Neugierde und mit einem Lächeln, dass dieses warme Gefühl, das ich immer habe, wenn ich sehe oder ihre Stimme höre oder ich bin ihr ganz nah, wird dieses Gefühl in meiner Brust heißer und sobald ich sie nicht mehr sehen oder hören kann, habe ich stets einen schrecklich unerträglichen Schmerz in der Brust, der schlimmer und schlimmer wird, so dass ich irgendwann nicht mehr anders kann und sie aufsuchen muss, damit ich mich wieder besser fühle. Jedenfalls dort unten...an dem Tank da...da ist etwas in mir passiert. Wir standen beide dort unten, umhüllt vom Licht des Tanks...ich habe ihr Gesicht dabei beobachtet, wie sie fasziniert mein Werk betrachtete und da legte ich meine Hand über Ihre, weil ich den Drang hatte sie spüren zu müssen und so...wurde das Gefühl in meiner Brust heißer und heißer, bis es plötzlich explodierte und ehe ich mich versah, küsste ich Fay auch schon. Die Hitze in meiner Brust schien daraufhin wieder etwas erträglicher zu werden, bevor sie aber dann meinen gesamten Körper durchströmte und ich nichts mehr in der Welt wollte, als sie fester in meine Arme zu schließen und nie mehr damit aufzuhören, sie zu küssen. Und genau da hast du angerufen.“, endete Willy mit erhitzten Wangen und mit zu Fäusten geballten Händen.
Ben war gelinde gesagt, ein wenig geschockt. Klar, er hatte ja gezielt beabsichtigt, ihn zu befragen, wenn er all seine Mauern runter gefahren hatte. Scheinbar war Willy wohl erschöpfter von all dem hier, als gedacht und hatte nun keine Kraft mehr übrig, sein wahres Ich zu verbergen. Eigentlich hatte Ben seinen Chef bis dato für einen selbstsicheren, aber exzentrischen Geheimniskrämer gehalten. Wie man sich doch irren konnte! Natürlich war ihm klar, das Willy aufgrund seines zurückgezogenen Daseins, keine Erfahrungen mit Frauen und schon gar nicht mit so einer energischen, jungen Schönheit wie Fay, gemacht haben konnte. Er glaubte Willy sogar, dass er keinerlei Interesse an derlei Dingen hatte. Aber dennoch hatte er...
Ben schüttelte seinen blonden Schopf, um ihn gleich darauf mit seiner rechten Hand wieder zu zerpflücken. „Weißt du, mein Bester, es hat dich so was von ordentlich erwischt und auch noch umgehauen, dass du keine Chance hast, jemals wieder aufstehen zu können.“
Als Antwort darauf zog Willy seine Stirn kraus und fragte: „Was soll das heißen, Benjamin?“ Frustriert ob dieser Frage, waren sie doch schon einmal in einer ähnlichen Situation, antworte er: „Meine Güte, Willy! Das ich dich auch immer gewaltsam mit der Nase auf alles stoßen muss, bist du es wahrnimmst. Hast du eine Ahnung, wie verflucht anstrengend das ist? Jedenfalls bist du verdammt heftig in Fay verliebt, das ist das warme Gefühl in deiner Brust. Dieser unerträgliche Schmerz war vermutlich Sehnsucht nach ihrer Nähe oder dergleichen. Und diese Hitze, ja hm, das war einfach nur Verlangen nach ihrer Nähe und der Berührung ihres Körpers. Dein männlicher Körper hat schlicht ergreifend auf das Mädchen,welches du so liebst reagiert. Und weißt du, wie man das außerdem noch nennt?“ Ben lächelte wissend in Willy's Richtung und fuhr fort: „Es nennt sich Lust.“
Hier endete Ben seine Ausführung und beobachtete seinen Freund und Arbeitgeber genau. Seine Gesichtsfarbe wechselte von leicht rötlich zu total bleich, als er sich der Bedeutung von Ben's Worten bewusst wurde.
Sicher waren ihm diese Schilderung aus diversen Büchern durchaus geläufig. Er war aufgeklärt und kannte die Theorie, doch...Sein Kopf fiel schwer in seine Handfläche und man hörte ihn nur noch heiser keuchen: „Oh, Gott...“ Das, was er immer als sentimentale Zeitverschwendung abgetan hatte, war nun tatsächlich ihm passiert. Ihm! Willy Wonka, dem erfolgreichsten Chocolatier der Welt! Was sollte er jetzt bloß tun?
„Tut mir leid, wenn ich deine innere Geißelung unterbrechen muss, aber du hast einfach nur reagiert, wie jeder andere Mann es vermutlich tun würde. Glückwunsch, jetzt hast du gemerkt, dass auch du nur einer von ihnen bist.“ Zur Antwort hob Willy seinen Kopf und funkelte ihn böse an. Ben tat es mit einem Wink ab. Außerdem ließ er ihm keine Zeit sich zu finden, sondern fuhr gleich weiter fort: „Und was ist auf dem Weg hierher passiert? Schau nicht so, Willy! Das könnte der Schlüsselmoment sein den wir suchen, du kannst dich später sortieren.“ Willy's Blick war für einen Augenblick lang leer, bevor er aufsah und an Ben vorbei schaute. „Es war so plötzlich geschehen, dass ich gar nicht wusste wie mir geschah. Fay blieb einfach stehen, nachdem wir den Aufzug erreichten. Ich wollte sie weiter ziehen, doch sie stemmte sich mit aller Macht gegen meine Hand und ich blieb stehen. Und als ich mich umdrehte da...sie war plötzlich so blass und starr....zitterte am ganzen Körper wie Espenlaub... Ich habe immer wieder ihren Namen gerufen, aber sie reagierte einfach nicht. Da...da bekam auch ich Panik, also ging ich auf sie zu und schüttelte sie, doch nichts. Als ich ihr dann ins Gesicht blickte, wurde sie plötzlich noch blasser und ich glaubte, sie könnte jeden Moment umfallen, also habe ich sie auf meine Arme genommen und hergebracht. Das war alles.“, endete Willy erschöpft.
Ben hatte sich mittlerweile von seinem Stuhl erhoben und hatte nachdenklich seinen rechten Zeigefinger an die Lippen gelegt und wandte sich wenig später genau so seinem Freund zu.
„Du sagst also, dass alles in Ordnung war auf dem Weg zum Aufzug, richtig?“ Zur Bestätigung nickte Willy ihm zu. „Also hat ihr Zustand wohl mit dem Aufzug zu tun. Das was sie durchlebt hat war eine schwere Panikattacke aus Angst vor dem Aufzug. Ich schätze unsere liebe Fay hat Klaustrophobie. Ihr Körper konnte die Stärke ihre Angst wohl nicht händeln und so hat sie einen Schock bekommen. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat sie in ihrer Vergangenheit mal ein schlechtes Erlebnis dahingehend gehabt.“ Ben zuckte mit den Schultern und lief zu einem rechteckigen Tisch, auf dem viele Getränke standen, inklusive einer Kaffeemaschine.
„Ich werde ihr einen Kaffee machen und ihr ein Glas Wasser verabreichen, sobald sie aufwacht und dann wird es ihr schnell besser gehen, also hör auf so bekümmert auszusehen.“
Während Ben Kaffee kochte, war Willy vollauf damit beschäftigt Fay's Gesicht zu beobachten und dabei ihre Hand zu streicheln. Ihr Gesicht sah jetzt deutlich gesünder aus, aber etwas blass war sie dennoch. Hoffentlich wachte sie bald auf, nur dann würde alles wieder gut werden. Bis es soweit war, wagte Willy es nicht, sich auch nur einen Zentimeter zu rühren. Er würde ihr ganz nah sein, wenn sie erwachte.
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