Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Süßigkeit des Herzens

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Willy Wonka
30.04.2011
09.12.2019
17
38.239
18
Alle Kapitel
72 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
01.06.2015 2.238
 
Hallo, meine lieben und treuen Leser! Ja, ich habe mich selbst unterboten und ich schon, für meine Verhältnisse schnell, ein neues Kapitel geliefert. Es ist nicht ganz so lang, wie die Anderen. Doch, damit Ihr nicht soso lange warten müsst, halte ich es lieber so. Ich hoffe, gefällt Euch dennoch. ^-^

Liebe Grüße an Euch alle,
Mairey

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------



So wie es angefangen hatte, so sollte es auch weitergehen. Willy hatte mich mit einer unglaublich kraftvollen Bewegung ins Innere der Luke befördert. Und dieses Mal....war es wirklich....nein, wirklich merkwürdig. So viele verschiedenen Geräusche, Gerüche, Formen und Farben...ich musste gar nicht wo ich anfangen sollte hinzusehen. Alles schien hier in Bewegung zu sein. Überall befanden sich die verschiedensten Versuchsapparate. Auf diversen Tischen fanden sich viele Destillationsapparaturen oder Einschmelzvorrichtungen. Und so gut wie jeder Tisch besaß nahezu die gleiche Grundausstattung. Neben jener Destillationsapparatur, befanden sich dort auch: Reibschale und Pistill, Bretter und Messer in verschiedenen Größen und Reagenzgläser. Das Einzige, dass an den jeweiligen Versuchsstationen variierte, waren die Rohzutaten. Bei den Meisten wusste ich nicht mal annähernd zu sagen, um was es sich dabei handelte. Von dieser Art Materie hatte ich eben keine Ahnung. Wenn gleich ich es nicht minder interessant fand.
Der wirklich große Blickfang befand sich aber im hinteren Teil, des großen rechteckigen Raumes. Zuvorderst erspähte ich zuerst Etwas, dass mich doch stark an ein Aquarium erinnerte. Zielstrebig rannte ich dort hin und presste mein Gesicht an die Scheibe. Nun ja...ich hätte wohl kaum erwarten dürfen, dass Willy Fische hielt. Er schien mir nicht der Typ für Haustiere zu sein.
Ich konnte mich natürlich auch irren, aber meinem Eindruck nach, kam er mir nicht wie ein Mensch vor, der besonders viel Zeit in die Pflege eines Tieres investieren konnte oder sogar wollte. Und gerade für Fische musste man ein Händchen haben. Die gingen schnell mal ein. Das hatte ich Zuhause selbst oft genug erlebt. Im großen Wohnsalon hatten wir ein riesiges Aquarium gehabt, mit hauptsächlich exotischen Fischen. Sie waren Vaters Lieblinge gewesen. So merkte man gleich, wenn Vater auf Geschäftsreise war. Ein oder zwei Fische gingen immer ein. Niemand aus unserem Haushalt verstand es so gut, unseren Fischen ein gutes Heim zu bieten und ihnen alles Notwendige angedeihen zu lassen.
Allerdings hier, in diesem Aquarium oder was es darstellen sollte, befanden sich keine Fische. Dort lagen Kugeln in allen möglich Farben herum und von oben senkten sich stets Neue herab. Ab und zu schwamm sogar ein Umpa Lumpa vorbei und Fing eine der Kugeln auf. Was er damit vorhatte, keine Ahnung! Aber Wissen wollte ich es trotzdem, meine Neugierde war da einfach zu groß.
Suchend drehte ich mich nach Willy um und erspähte ihn zwei Tische weiter. Er war gerade dabei, die Konsistenz einer rötlichen Substanz zu inspizieren. Wär' schon interessant gewesen zu erfahren, was er sich dort drüben so intensiv ansah...oder vielleicht auch eklig. Egal. Ich würde erst mal meine Wissenslücke bezüglich dieses Wassertanks füllen.
Es war zwar niedlich mit anzusehen, wie vertieft und gleichzeitig auch fasziniert Willy von seinem Tun war, doch entschloss mich ihn dennoch zu unterbrechen. So wie ich ihn kannte, würde er meine Anwesenheit über kurz oder lang einfach vergessen.

Also rief ich einfach lauthals heraus nach Willy: „Professor Wonka!“ Zuerst schien er auf meinen ungewohnten Ausruf nicht zu reagieren, vermutlich weil er sich nicht angesprochen fühlte. Aber ich gab nicht auf! „He, Sie! Professor Willy Wonka!“ Bei der Erwähnung seines Vornamens reagierte Willy endlich und sah irritiert auf, bis sein suchender Blick endlich meine winkende Gestalt fand. „Ja, genau Sie meine ich, Professor Wonka!“ Skepsis breitete sich darauf in seinem Gesicht aus. Er sah so aus, als wüsste er im Augenblick nicht, was er von mir halten solle. War auch besser so. Hihi.
Ein Grinsen schlich sich mir auf die Lippen, als ich begann noch ausschweifender zu winken.
„Ich hätte da eine Frage, könnten Sie sie mir vielleicht beantworten?“ Irgendwie gefiel mir dieses kleine Spiel doch recht gut. Besonders dann, als Willy tatsächlich mit langsamen und lautlosen Schritten auf mich zukam. Mit einem wirklich vorsichtigen Blick erwiderte er verhalten: „Ich kann nicht sagen, warum du dich gerade so merkwürdig verhältst, Mädchen, aber stell ruhig deine Frage. Ich bin mir sicher, dass es hier Nichts gibt, zu dem ich dir nicht Rede und Antwort stehen kann, Fay...“
Oh, Junge! Warum nur lief mir, bei der Art und Weise, wie er meinen Namen nannte, ein warmer Schauer über den Rücken? Nicht fair!
Angestrengt schüttelte ich meinen Kopf, um wieder klar zu werden und ärgerte mich insgeheim. Was nur, hatte dieser verrückte Mann von einem verkannten Professor an sich, dass ich mich seinem Bann kaum entziehen konnte? Oder vielmehr, dass es mir immer schwerer viel, seinem eigenwilligen Charme nicht vollends zu verfallen? Ich hätte natürlich mein Herz um Rat fragen können, aber das war gerade voll auf damit beschäftigt, mir mit seiner erhöhten Schlagabfolge, das Leben aus meinem Körper zu pumpen. Schönen Dank auch!
Also war das Einzige, was mir blieb, mich so gut ich konnte, zusammenzureißen und ihm mit soviel Reststolz zu begegnen, wie ich nur aufzubieten hatte. Mann, trotzdem war ich echt befangen!

Verlegen kratzte ich mich mit meinem linken Zeigefinger an der Wange. „Nun ja, ich würde gern wissen, wozu dieser riesige Wasserbehälter da ist, ein Aquarium ist es offensichtlich nicht.“
Wie auf Knopfdruck glätteten sich Willy's Gesichtszüge, anscheinend froh darüber, dass wir uns auf einem Terrain bewegten, auf dem er sich sicher fühlte.
„Oh, das! Jaaa....ein Aquarium ist es tatsächlich nicht.“, erklärte er mir, während er sich neben mich stellte und sich das Objekt meiner Wissbegierde ansah.
„Und was ist es dann?“, harkte ich neugierig nach.
„Es ist vielmehr eine Art....wie soll ich es ausdrücken...ah ja!...Wie eine Art Entwicklungsanlage mit Kühlvorrichtung!“
Jetzt war ich ganz raus und schloss verwirrt zwei Mal hintereinander meine Augen. „Bitte was?“
Willy zog die Augenbrauen hoch. „Das verstehst du nicht?...mh...wie erkläre ich es dann?“
Einen Moment schien er ganz in Gedanken versunken, bis sein Blick nahezu schon erleuchtet, den Meinen suchte. „Ich weiß. Du könntest es mit einem Testgerät für Haltbarkeit vergleichen. Damit meine ich...siehst du diese bunten Kugeln dort?“ Er deutete auf die großen farbigen Kugeln.
Ich nickte nur zum Zeichen meines Verständnisses, was ihn dazu veranlasste seine Erklärung weiter zu führen. „Diese Kugeln dort...sind in etwa genauso zusammengesetzt wie Dauerlutscher, nur ohne einen Stiel und mit Ausnahme der großartigen Veränderungen, die ich daran vorgenommen habe! Mein Rezept ist nämlich so konzipiert, dass der Geschmack jener Kugeln bis zu einem Jahr anhält. Und die Flüssigkeit, in der sie sich befinden, beinhaltet nicht ausschließlich Wasser, sondern auch noch einige Stoffe, die wie in normaler Atmosphäre, wie der unseren aggressiv auf meine Kreation einwirken können. Inklusive des menschlichen Speichels...versteht sich.“
Nun war ich beeindruckt. Nein, besser noch, ich war platt! Wie hoch, zur Hölle, war der IQ dieses Mannes? Wie intelligent musste jemand wie er sein, um all das ganz alleine schaffen zu können?
„Wow...das ist wow! Mehr weiß ich nicht zu sagen...“, gestand ich ein und fixierte Willy's fasziniertes Gesicht, während er seine Augen auf das Aquarium...ja ich nannte es immer noch so..!.gerichtet hielt.
Ich war selbst so unsagbar fasziniert, dass ich es nicht mal mehr in Worte fassen konnte. Nicht allein von der Art seines Erfindungsreichtums wurde ich angezogen, sondern immer mehr von dem Gesamtpaket Willy Wonka. Dieser Mensch besaß so unglaublich viele Seiten, so dass es ich es bestimmt nicht müde werden würde, Jene entdecken zu wollen.
Auf den ersten Blick war er für mich nicht mehr gewesen, als ein introvertierter leicht wahnsinniger Einsiedler und der Besitzer der größten Schokoladenfabrik weltweit. Aber je öfter ich ihm begegnet war, je näher ich ihm gekommen war, desto mehr begann ich an ihm zu entdecken. Er war so süß und auch etwas unbeholfen, wenn er mit anderen kommunizieren musste. Eigentlich hatte ich unschuldig sagen wollen, aber ich konnte mir nicht wirklich vorstellen, dass Willy eine unschuldige Persönlichkeit hatte. Vielleicht war er wie ich ein klein wenig naiv, aber immerhin war er doch weitaus älter als ich und besaß so auch mehr Lebenserfahrung. Bei seiner Intelligenz war er sicher jemand, der, bevor er handelte, alle Eventualitäten durch kalkulierte.  Auf welche Bereiche er seine Erfahrung und sein Wissen letztendlich anwendete, darüber vermochte ich mir kein Urteil bilden zu wollen, das konnte nur Willy Wonka allein wissen. Und genau dieser Umstand war es, der es so kompliziert machte ihn zu durchschauen.

In meinen Überlegungen war ich völlig in Gedanken und in den Anblick des sich stetig bewegenden Wassers gewesen, dass ich gar nicht gemerkt hatte, dass Willys Hand, selbstredend mit Handschuhen, über meiner Hand lag, die flach auf dem gepanzerten Glas des Aquariums geruht hatte. Und als ich mir des Gefühls seiner Hand bewusst wurde, begann ich langsam meinen Blick zu heben.
Mit allem hätte ich gerechnet, nur nicht damit, dass Willy mich ganz unverhohlen ansah. Ich erstarrte förmlich an Ort und Stelle. Sein Blick war fast undeutbar. Er schien irgendwo jenseits von Neugierde und einem Hauch an Verzweiflung zu liegen. Seine Augenbrauen waren leicht zusammengezogenen und seine Lippen leicht geöffnet. Was....
Wie ich gerade schaute, konnte ich nicht sagen. Von meinem Gefühl er, war ich irgendwo zwischen Überraschung und Spannung gefangen. Ja, das war das richtige Wort, ich war gefangen....konnte mich nicht rühren oder gar wegsehen...Das Einzige, das mir zu tun vergönnt war, war atemlos auf seine nächste Reaktion zu warten.
Da in diesem Raum zur Zeit kaum Licht brannte, wurden unsere Gestalten fast ausschließlich vom Licht des illuminierten Aquariumbehälters beleuchtet.
Auf meiner Hand spürte ich plötzlich noch mehr Druck als zuvor und aus den Augenwinkeln sah ich, dass Willy seine Finger um meine Hand geschlossen hatte und dann...und dann...und dann! Da-da...dann näherte sich sein Gesicht, dessen Augen völlig verklärt schienen, meinen Gesicht. Ich errötete heftigst, als sich die Entfernung unserer Lippen mehr und mehr verringerte. Zehn Zentimeter....fünf Zentimeter...zwei Zentimeter...ein Zentimeter....ohhh...! Sein Mund hatte den meinen gefunden!
Meine Augen weiteten sich und ich konnte, dass Zittern meines Körpers kaum mehr unterdrücken. Willys Lippen berührten Meine nur leicht, beinahe hauchzart, aber es war mehr als ich ertragen konnte. Doch wieso jetzt? Und...warum so plötzlich?...
Mehr brachte ich an Gedankengängen nicht zustande, als ich spürte, wie seine andere Hand sich an meine linke Wange schmiegte. Genau in dem gleichen Moment, indem sein Mund sich stärker auf meine zitternden Lippen presste. Mein ganzer Kopf war wie leer gefegt, kein klarer Gedanke erreichte mich mehr, ich war komplett mit all meinen Sinnen gefangen in dieser absolut unvorhergesehenen Begegnung. Nicht mal meine Augen, die nicht weiter hätten Blicken können...selbst mit ihnen sah ich nichts! Ich fühlte nur.  Und was ich fühlte, durchfuhr mich kribbelnd und neckend, wie ein Feuer welches gerade begonnen hatte am Scheiterhaufen selbst zu naschen.
Oh, um Himmels Willen! Mir wurden sogar langsam die Beine taub! Sehr bald würde ich nicht mehr stehen können. Ich würde zu Boden sinken, ganz sicher...und da erst wurde mir klar, dass ich hier gerade geküsst wurde...Ich wurde geküsst. Mein erster Kuss! Hilfe!
Aber...brauchte ich denn Hilfe? Nein, eigentlich nicht. Es gefiel mir. Diese vorsichtige Art, auf die Willys Lippen auf Meinen ruhten und der leichte Druck der Hand auf meiner Wange....es war einmalig. Da würde jedes Mädchen weiche Knie kriegen!

Aber wie alles Schöne, endete auch dieser Moment nun. Willy löste sich von meinen Lippen und seine Hand glitt langsam und träge von meinem Gesicht hinfort zurück an seine rechte Körperseite. Sein Blick allerdings war immer noch nicht wieder aufgeklärt. Er sah mich an...nach wie vor und seine Wangen waren, wie Meine, gerötet.
Ich selbst traute mich kaum, die heißersehnte Luft einzusaugen. Bis dato hatte ich nämlich vor lauter Schreck meinen Atem angehalten, weshalb ich es so lautlos und langsam wie möglich tat. Was sich aber nicht verändert hatte, war die Lage seiner linken Hand über meiner rechten Hand auf dem leuchtenden Glas. Willy sah mich an, schien sogar so, als ob er mir etwas sagen wolle...doch ein penetrantes, schrilles Klingeln riss uns Beide zurück in die Wirklichkeit. Und das Erste, dass ich bei diesem überraschenden Geräusch tat, war, meine Hand unter der Seinen fortzuziehen und fest gegen meine Brust zu pressen. Vor lauter Scham über das eben Geschehene, richtete ich aus einem puren Reflex heraus meinen Blick sofort auf den Boden und wagte nicht wieder aufzusehen, bis das laute Klingeln durch das Abheben eines Hörers beendet wurde. Als Nächstes vernahm ich Willys verhaltene, aber dennoch wieder geschäftsmäßige Stimme.
„Ja, wer spricht da?“ Stille. „Du bist es Benjamin. Mhhh...was ist los?“ Wieder Stille. „Ich verstehe, ich komme sofort hoch...ja...Ja, doch!“ Danach legte Willy wohl absichtlich geräuschvoll wieder auf, bevor er sich an mich wendete. „Fay...ich...wir...müssen unsere Besichtigungstour ein anderes Mal fortsetzen...offenbar ist etwas vorgefallen. Ich muss mich darum kümmern.“
Völlig verschüchtert und überfordert nickte ich nur, traute mich aber keinesfalls aufzusehen.
Dieser Geste schien ihm wohl schon gereicht zu haben, denn am Klang seiner Schritte erkannte ich, wie Willy hastig ein neues mir noch unbekanntes Ziel ansteuerte. Mechanisch lief ich ihm hinterher, als er die mir fehlende Erklärung abgab. „Da ich es ein wenig eilig habe, nehmen wir den gläsernen Aufzug zurück zu meinen Büroräumlichkeiten.“
Und dank dieser Worte erwachte ich allmählich ein wenig. „Ah...ein...ein gläserner Aufzug?“ Bitte was? Ohh nein! Keinen Aufzug, bitte...!
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast