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Die Süßigkeit des Herzens

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Willy Wonka
30.04.2011
09.12.2019
17
38.239
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Dieses Kapitel
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09.05.2015 2.957
 
Um Gottes Willen! Ich könnte mir selbst vor den Kopf hauen, wenn ich mir klar mache wie lange ich hier nichts gepostet habe. Das ist böse, wirklich böse! Das darf nieeeeee wieder passieren, oh ja!
Ich danke an dieser Stelle all meinen treuen Lesern und Reviewern, die mich bis jetzt unterstützt haben! ^~^ Ihr seid der helle Wahnsinn!!! Ich liebe Euch! Ihr müsst ab sofort nie mehr so lange auf ein Kapitel warten.

Nun, wünsche ich euch viel Spaß, mit meinem neuen Kapitel!^^ Bis bald!

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Willy zog mich weiter und weiter. Auf den ersten Blick sahen die Gänge, welchen unseren Weg kreuzten, allesamt gleich aus. Nun ja...wenn ich Zeit gehabt hätte meine Umgebung gründlicher zu studieren, hätte ich mich möglicherweise und dann auch nur vielleicht, orientieren können. Doch jener exzentrische Fabrikbesitzer zog mich immer weiter...
Zu Anfang hatte ich noch behauptet mich recht gut orientieren zu können. Und das auch nur, um meinen elenden Stolz zu waren. Wie albern!
Seit ich mein Leben in dieser seltsamen Welt, welche eigentlich bloß eine außergewöhnlich große Fabrik war, begonnen hatte, musste ich mir einmal mehr und nun auch endgültig eingestehen, dass  es mit meinem Orientierungssinn nicht mehr weit her war.
Aber glücklicherweise war ich dieses Mal nicht allein. In Begleitung des Hausherrn lag die Wahrscheinlichkeit sich zu verirren bloß noch bei mickrigen 1 Prozent. Warum ich nur 99 Prozent erwartete? Ganz einfach! Wenn ich an diesem kuriosen Ort Eines gelernt hatte, dann, dass hier offenbar nichts unmöglich war.
Auf den ersten Blick schien es so, als sähen sie alle gleich aus. Jedoch konnte ich aus den Augenwinkeln wahrnehmen, dass jeder der Flure, genau genommen deren Wände, einen anderen Farbton aufwiesen. Abstufungen von Rot und Flieder bis hin nach Blau. Aber wirklich ein Auge dafür hatte ich im Moment nicht. Meine Sinne waren einzig und allein auf denjenigen fixiert, der mich voller Enthusiasmus zu seinen Ziel zerrte. Das Willy aber auch eine solche Kraft hatte! Auf den ersten Blick hatte er einen eher schmächtigen Körper. Das er es aber schaffte, mich mühelos mit sich zu ziehen, hielt mir einmal mehr vor Augen, dass er ja eigentlich auch nur ein Mann war. Selbst, wenn er auf den ersten Blick ganz bestimmt nicht so wirkte!
Ich war nicht sicher, welches Ziel er ansteuerte, denn diesen Weg war ich noch nie gegangen. Jedoch, als wir noch einmal scharf nach rechts abbogen, fanden wir uns urplötzlich vor der großen Tür wieder, welche in die Süßigkeitenlandschaft führte. Wie schon zuvor beugte Willy sich hinab, holte seinen üppig bestückten Schlüsselbund hervor, griff zielsicher nach dem richtigen Schlüssel, weiß Gott wie er das angestellt hatte und schloss in einer einzigen fließenden Bewegung das Schloss auf, in der er sich auch erhob. Wow, wenn das keine Routine war wusste ich auch nicht!
Mit seiner großen Hand stieß er die Doppeltüren auf und griff gleich darauf wieder nach meinem Handgelenk, um mich anschließend hineinzuschleifen. Ich konnte zwar nur von der Seite einen Blick auf sein Gesicht erhaschen, doch es schien mir von unheimlicher Freude erfüllt zu sein. Schwer zu sagen, wo er gerade mit seinen Gedanken war. Oder vielmehr, wollte ich das wissen? Bei diesem Gesichtsausdruck wohl eher nicht. Willy legte ein unglaubliches Tempo an den Tag, was mich vielleicht nicht so sehr gestört hätte, trüge ich nicht weiße Schuhe mit ziemlich dünnen Pfennigabsätzen. Nach fast jedem zweiten Schritt strauchelte ich und schließlich, als er mit mir gerade eine mit Zuckergras überwucherte Schokoladenbrücke überqueren wollte, passierte es!
In meinem Bemühen nicht zu fallen, stemmte ich meinen rechten Fuß zu fest in den Boden und blieb stecken. Das blieb diesmal auch Willy nicht verborgen, denn es war ihm plötzlich nicht mehr möglich seinen Weg fortzusetzen. Irritiert stockte er und sah mit hochgezogenen Brauen hinter sich.

Verlegen deutete ich auf mein rechtes Bein und meinte kleinlaut: „Tut mir leid, deinen Eifer unterbrechen zu müssen, aber ich bin hier ein wenig verhindert!“ Willy kam näher bis hin zur Mitte der Brücke, auf der ich feststeckte. „Was ist los?“ Seine Stimme war so leise gewesen, dass ich ihn beinahe aufgrund des tosenden Schokoladenwasserfalls neben uns fast nicht gehört hatte.

„Mein rechter Schuhabsatz steckt in der Brücke fest. Ich könnte den Schuh natürlich ausziehen, aber hier barfuß herumzulaufen finde ich nicht sehr appetitlich.“

Während ich mein Problem geschildert hatte, hatte Willy seinen Klammergriff um mein Handgelenk gelöst und schien einen Augenblick lang tief in Gedanken versunken, dann beugte er sich hinunter und ging dann in die Knie. Entschlossen ergriff er meinen Knöchel, was mich schlagartig zum entflammen brachte. Rein bildhaft gemeint.
„W-Was...was tust du da?“ Mein Gesicht fühlte sich plötzlich sehr heiß an, als mir die Röte so richtig ins Gesicht schoss.

Gott sei Dank, sah Willy mir das nicht an, denn er starrte konzentriert nach unten und nahm nur seine linke Hand, um seiner Rechten bei ihrer Aufgabe zu helfen. Nach einigen Sekunden hatte er wohl de richtige Stelle gefunden und dann, mit einem kräftigen Ruck: Zack! Mein Fuß erfuhr sich wieder seliger Freiheit!
In einer einzigen fließenden Bewegung erhob Willy sich wieder und überragte mich somit wieder um fast zwei ganze Köpfe. Ja, ja, ja! Ich bin klein, ich weiß!
„Da-danke...“, gelang es mir gerade noch zu sagen, bevor er mit samt seinem Gehstock die Brücke hinunter schreiten wollte, aber nun seltsamerweise ohne nach meiner Hand zu greifen.

Schnell wollte ich ihm nacheilen, bevor er mich noch zurückließ, als ein summendes Geräusch über mir, mich inne halten ließ. Verdutzt sah ich hinauf und mir klappte der Mund auf.

„E-ein...Roboter?“ Anscheinend klang ich so irritiert, dass Willy ein weiteres Mal an meine Seite zurück gekehrt war, um mir netterweise Klarheit zu verschaffen. „Kein Roboter, Mädchen, wo denkst du hin? Das ist ein ferngesteuerter Verteilungsautomat. Davon gibt es in meiner Fabrik etwa ein Dutzend. Sie sind absolut essentiell für den Herstellungsprozess.“ Er streckte seine behandschuhte Hand aus und deutete empor. „Diese Rohre dort, saugen die Schokolade ein und verteilen sie, überall in der Fabrik!“ Ich bekam meinen Mund überhaupt nicht mehr zu. Mein Gesichtsausdruck musste gerade so richtig dumm sein!

„Das ist ja so was von praktisch.“, meinte ich, nachdem ich mich endlich gefasst hatte. Mein Begleiter grinste und bejahte. „Oh ja und es spart auch ungemein viel Zeit und mehrere Arbeitsschritte.“ Ich nickte und blinzelte. „Das kann ich nicht bestreiten.“ Was sollte ich auch anderes sagen? Ehrlich gesagt war ich so perplex, dass ich kaum wusste wo mir der Kopf stand. Denn erst jetzt, wurde mir einmal mehr klar, dass Willy neben seiner kreativen Natur, wohl auch noch ein ausgesprochen technisches Know-how besaß. Das war der helle Wahnsinn!

Gebannt sah ich dem, wie Willy es nannte, Verteilungsautomaten, der für mich immer noch wie eine verkleinerte Roboterversion aller 'Krieg der Welten' aussah, nach, bevor sich eine lilane Hand vor mein Gesichtsfeld schob. „Komm, wir setzen unseren Weg fort. Wir haben nicht viel Zeit, und ich muss dir noch meinen wichtigsten Raum zeigen.“
Seinen wichtigsten Raum? Was zum Henker wohl darin verborgen war? Etwas noch Krasseres als dieses Schlaraffenland und der fliegende Roboter? Ich konnte es mir kaum vorstellen... Aber andererseits war ich ziemlich neugierig. Also ergriff ich die mir dargebotene Hand , sodass der Hausherr mich nun sogar überraschenderweise gemächlicheren Schrittes weiterführte.

Unseren Weg kreuzte unter anderem lilane, blätterlose Bäume und gelbe Trauerweiden mit roten Früchten. Ganz sicher würde ich Willy nachher danach fragen, aus was er sie gemacht hatte. Eine kurze Weile liefen wir links immer ganz dicht am Fluss entlang, bis plötzlich nach einen weiteren Kurve und einem Schokoladenhügel, das sagenumwobene Seepferdchenboot in Sicht kam. Als wir genau davor stehen blieben konnte ich mir einen begeisterten Ausruf nicht verkneifen. „Oh, klasse! Es existiert tatsächlich!“ Willy sah mich zweifelnd an. „Natürlich existiert es, was glaubst du wohl Fay? In meiner Welt ist nichts unmöglich.“ Ich legte unwillkürlich meine rechte Hand vor den Mund. „Unglaublich! Das ist einfach unglaublich! Und...ich darf wirklich damit fahren?“

Erbärmlicherweise fielen mir erst beim dritten Hinsehen, diese kleinen Menschen, die Umpa Lumpas? auf, die das Boot bis auf die letzten drei Bänke besetzten. Aber im Augenblick war es für mich wichtiger, in einem pinken Boot aus Zuckerglas fahren zu dürfen. Willy machte einen Schritt nach vorne und setzte dann einen Fuß in das Boot, seine Hand noch immer fest mit meiner verschlungen, als er leise in meine Richtung sprach. „Darf ich bitte, liebe Fay?“  Dieser Satz und seine Geste verursachten mir schmerzhaftes Herzklopfen und ich war gefesselt von seiner ganzen Erscheinung, als ich entgegen meiner Natur schüchtern erwiderte: „Ja....ja, sehr gern.“

Jetzt setzte auch ich einen Fuß in das Boot und als ich merkte, wie sehr es schwankte, zog ich schnell den Rest meines Körpers hinterher. Dabei stolperte ich direkt gegen Willys Brust und schloss reflexartig meine Augen. Ich hatte vor lauter Schreck nicht einmal gemerkt, dass Willy seine Arme ebenfalls aus einem Reflex heraus um mich geschlungen hatte, um mich vor einem Fall durch das schwankende Boot hinein in den Schokoladenfluss zu bewahren.
Nachdem ich mir einige unsichere Minuten später einen einigermaßen sicheren Stand erkämpft hatte, gab ich mir einen Ruck und sah auf. Und das, was ich sah, war viel zu süß, als das es ein Mädchen je ertragen könnte!
Willys sonst so blasses Gesicht war leicht gerötet und er sah mit trübem Blick zur Seite, seine Augenbrauen tief gesenkt. Einerseits wirkte er unruhig und gehetzt und andererseits hielt sein Griff mich fest an seinen Körper gedrückt. Unter lauter Herzklopfen wusste ich zunächst nicht, was ich tun sollte, doch dann bewegte sich mein Körper eigenartigerweise von allein. Meine linke Hand legte sich auf seine schimmernde Wange. Ein starkes Zucken durchfuhr ihn und sein unsteter Blick glitt wieder zu mir. Nun konnte ich mich nicht mehr rühren. Willy's Augen weiteten sich etwas und fast unbemerkbar senkte sich sein Gesicht tiefer und tiefer zu mir hinab. Ich hingegen konnte mich nach wie vor nicht rühren und war wie gebannt...unfähig auch nur einen einzigen klaren Gedanken zu fassen.
Ah...er war so nah...viel zu nah...Eine klitzekleine Bewegung würde ausreichen und seine Lippen kämen auf Meinen zu liegen.
Und womöglich wäre es auch so gekommen, wären wir nicht durch ein mehrstimmiges, verzerrtes Gelächter unterbrochen worden. Ein Ruck ging durch Willy's Körper und er griff nach meinen Oberarmen, um mich auf Abstand zu bringen. Abrupt ließ er sich auf eine, der pinken, durchsichtigen Zuckerglasbänke fallen und sah auf der Stelle weg, urplötzlich unheimlich fasziniert von dem hell braunen Schokoladenfluss. Das nun mehr vertraute, aber nicht minder unangenehm klingende Geräusch seiner Handschuhe, wenn er eine Faust ballte, brachte mich wieder zurück in die Realität. Bedächtig suchte ich nach seinem Gesicht, welches mich angestrengt mied. So sah ich auch, wie er die Kiefer fest aufeinander presste. Ganz so als wolle er etwa unterdrücken.
Doch man ließ mir keine Zeit mein aufgewühltes Herz zu beruhigen, geschweige denn meine Gedanken neu zu sortieren. Eine größere Welle des Schokoladenflusses erinnerte mich daran, mich besser auch zu setzen und ich kam dieser nonverbalen Warnung augenblicklich nach. Aber mich dichter an Willy heran zu setzen, traute ich mich nicht. Es war mir zu peinlich, bedachte man das, was gerade fast zwischen uns passiert war. Außerdem hätte seine unmittelbare Nähe mich vermutlich völlig unschädlich gemacht. Ich war wirklich drauf und dran meinen Verstand zur Versteigerung freizugeben!
Kurz und heftig atmete ich ein und aus, auch wenn es nicht wirklich dafür sorgte, dass die verräterische Röte in meinem Gesicht verschwand. Jedoch half es mir, mich wieder soweit auf den Pfad zu bringen,  als das es mir nun wieder vergönnt war, meine Stimme gefahrlos benutzen zu können. Zur Beruhigung zählte ich trotzdem eine Weile die Wellen oder viel mehr das Auf und Ab, welches eben jene Wellen erzeugten, bevor ich mir letztendlich einen Ruck gab und zu Willy hinüber schielte, der mit seinen Gedanken wohl auch mehr als jenseits von Eden war.
Da blieb mir wohl nicht anderes übrig. Zwar war ich mir bewusst, dass meine Hände vor lauter Aufregung zitterten, doch wenn wir heute noch irgendwo hin gelange wollten, musste ich den exzentrischen Hausherrn, welcher mit der vergangenen Situation restlos überfordert schien, wieder beruhigen.
Was leicht gesagt, als getan war, denn ich selbst war alles andere als ruhig! Aber es war,dennoch an mir, mir ins Gedächtnis zur rufen, dass Willy Wonka derjenige war, der seit fast 15 Jahren so gut wie ohne jeden menschlichen Kontakt existiert hatte und ganz bestimmt nicht den ersten Schritt machen würde. Es war also mehr als verständlich, dass er nur schwer damit zurecht kam.
Nun, bei allem Verständnis, ich wollte hier nicht ewig auf der Stelle treten. Meine Hand hatte dementsprechend auch endlich seine linke Schulter erreicht und kam schwer drauf zu liegen. Unwillkürlich zuckte er wieder zusammen.
„Wollen wir fahren, Willy?“, fragte ich leise und bemerkte gleichzeitig, wie Leben in ihn kam. Sogar ein leichtes Lächeln kehrte zurück. Dann hauchte er: „ Ja, aber natürlich!“

Als Nächstes hob er eine Hand und rief:“ Ablegen!“ Auf dieses Kommando stieß einer der Umpa Lumpas eine langsamen Rhythmus auf der Trommel an und das Boot setzte sich in Bewegung.

Nun mehr gespannt harrte ich der Dinge, die da kommen würden und erbleichte allerdings ein wenig, als einige Sekunden später etwas in Sicht kam, das mir doch sehr verdächtig nach einer Höhle aussah und augenscheinlich war sie auch noch stockfinster...Das konnte doch nicht gut gehen! Unsicher und weil ich tierische Angst vor der Dunkelheit hatte, rutschte ich jetzt doch zu Willy auf und deutete mit meinem Zeigefinger auf das ohnehin offensichtliche Ziel hin.
„Wi-Willy, das ist...doch nicht etwa eine Höhle oder? Und wenn ja, warum ist es da so dunkel?“

Ich fühlte mich gerade so unwohl, dass  mir nur wage bewusst wurde, dass ich gestottert hatte. Aber ehrlich gesagt hatte ich gerade auch erheblich andere Sorgen als meine schlechte Aussprache. Und es wurde auch garantiert nicht besser, als der Kopf des Seepferdchenboots plötzlich nach unten gezogen wurde. Oh, Gott, oh Gott, oh Gott! Wieso ging es in der Dunkelheit jetzt auch noch abwärts? Bitte nicht!
Aber Gott sollte oder vielmehr wollte meine Gebete nicht erhören. Ehe ich mich versah, ging das ganze Boot steil und wir rasten in einer unglaublichen Geschwindigkeit abwärts. Und was tat ich? Natürlich! Ich schrie mir die Lunge aus dem Leib und klammerte mich an Willy, als wäre er das letzte Rettungsseil vor dem endgültigen Tiefgang! Meine Augen hatte ich so fest zusammen gekniffen, dass der Schmerz beinahe dazu veranlasste, meiner Sicht wieder freien Lauf zu lassen. Doch ich traute mich erst, nachdem er Tiefensog nachgelassen hatte und das Boot mehr oder weniger zum Stillstand gekommen war.
Und schon wieder drohten mir die Augen aus dem Kopf zu fallen! Ja, das war doch nicht mehr normal, mal ehrlich!
Wir waren in Mitten einer riesigen Höhle, so schien es mir, zum liegen gekommen. Auch, wenn man sofort merkte, dass hier alles künstlich war. Aber...trotzdem...was war Willy Wonka nur für ein überragender Mensch? Was musste er für ein Genie sein, um all das planen und erschaffen zu können? Meine Bewunderung vor seinem Können stieg schier ins Unermessliche!
Während meiner Schmachterei hatte ich nicht einmal mitbekommen, das ich Willy die ganze Zeit über angestarrt hatte und noch viel besser...ich hing noch immer an ihm wie eine klebrige Zuckerstange. Seinem erheiterten Gesichtsausdruck nach, schien es ihn aber nicht wirklich zu stören. Weit mehr erhellten sich seine Züge plötzlich, als er mit seiner Hand zu meiner Linken deutete.
„Oh, sie mal da!“, sprach er freudig und wurde zugleich ein wenig unruhig. Von ihm angesteckt folgte ich seiner Geste. In blau-leuchtenden Lettern stand dort: „Erfindungsraum...!“, murmelte ich. Willy verstand mich aber trotzdem. „Ja, ganz genau! Das wollte ich dir zeigen, Fay. Dieser Raum ist der Wichtigste von allen.“

Kaum verstummt, vollführte Willy erneut eine kleine Geste und das Boot, schwenkte leicht nach Links über, um so wenige Sekunden später an dem Kai zum Erfindungraum anzudocken. Galant erhob sich der junge Chocolatier, balancierte an mir vorbei und sprang leichtfüßig auf den Dock, dann reichte er eine Hand zu mir hinunter. „Darf ich bitten?“, fragte er leicht verlegen und ich nickte augenblicklich. Oh, das war so herrlich süß gewesen.

Postwendend ergriff ich seine Hand und er zog mich mit einem Schwung zu sich auf die Andockstelle. Mit einem kurzen „Huch!“ und einem Grinsen bedankte ich mich bei Willy, worauf er sich an seinen Hut tippte und anschließend vor zur Stahlluke lief. Links an der Wand erkannte ich ein kleines Bedingungspult, das in die Wand ein gelassen worden war. So geschwind, dass garantiert kein Normalsterblicher seinen Fingerbewegungen folgen konnte, tippte er eine Zahlenfolge ein und mit nur minimaler Verzögerung und einem lauten schrillen Geräusch, klackte es laut und die Luke öffnete sich langsam. Während dessen kam Willy erneut auf mich zu und dieses Mal ergriff er meine Hand völlig selbstverständlich und ohne zu Fragen. Und ernsthaft?...Das war mir so was von Schnuppe! Ich hätte auch nie im Leben bewusst darüber nachgedacht, wäre ich von meinem verstorbenen Vater nicht zur ständigen Selbstreflexion erzogen worden.
Ich würde allerdings den Teufel tun und auch nur irgendeinen Mucks über diese kleine Tatsache verlieren! Nachher war Willy wieder so verschreckt, dass ich Tage brauchen würde, um ihn wieder an meine Nähe zu gewöhnen. Nein, nein, nein! Also schön den Babbel halten, jawohl!

Und diese enorme Anstrengung zur Selbstbeherrschung sollte sich auszahlen, denn Willy schenkte mir einen vielsagenden Blick, bevor er eine einladende Geste gen jenseits der Luke machte.
„Nun denn, begleite mich an den Ort, der all dies hier geschaffen hat.“ In diesen Worten schwang soviel Bedeutung mit, dass mir glatt ein warmer Schauer über den Rücken jagte. Meine Herrn! Ich fühlte mich ja fast willenlos. Und genauso anstandslos ließ ich mich vom Fabrikherr höchstpersönlich in sein Allerheiligstes hineinziehen...
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