Die Süßigkeit des Herzens

GeschichteDrama, Romanze / P16
Willy Wonka
30.04.2011
09.07.2016
16
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Hallo und da bin ich wieder. Ich weiß, diese Story war schon einmal on und hab sie dann aus Zeitmangel wieder löschen müssen. Aber, da ich jetzt mehr von diesem kostbaren Gut habe, poste ich diese Story nun erneut und bin fest entschlossen sie auch zu Ende führen, egal wie lange es dauert. ^^

Disclaimer: Meine Story setzt etwa ein Jahr  vor dem Ticket Contest ein. Die Grund Idee, Willy Wonka und eventuell bekannte Charaktere gehören nicht mir.

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„Fay! Was soll das? Wir waren uns doch einig, oder nicht?“ Meine Mutter wirbelte aufgeregt in meinem Zimmer hin und her. So in ihr hoch geschlossenes Kleid und dem strengen schwarzen Haarknoten wirkte sie noch viel zorniger als sonst auf mich.

„Du hast mich genötigt, Mama. Falls du es vergessen haben solltest, ich habe nicht freiwillig zu gesagt. Und ich habe nun wirklich keine Lust, den Rest meines Lebens unglücklich zu sein!“, entgegnete ich und bürstete mir weiter mein schwarzes und wirklich langes Haar aus. Es war mir nicht erlaubt, es zu kürzen, obwohl es vieles einfacher machen würde.

„Ich verstehe nicht, warum dich so unreif verhältst, Kind! Du weißt doch ganz genau, dass uns keine andere Möglichkeit bleibt, wenn wir nicht auf der Straße sitzen wollen! Oder willst du etwa in einem schäbigen kleinen Haus leben und für jeden einzelnen Bissen betteln müssen?“ Nun war sie völlig außer sich und lief mal wieder zur Höchstform auf.

Ich sollte wohl erwähnen, dass meine Mutter eine gewisse Abneigung bezüglich des Armseins hegte. Wie man sich wohl denken konnte, war sie noch nie zuvor in ihrem Leben arm gewesen. Sie war in Reichtum aufgewachsen. Mein Großvater besaß die größte Firma der Stadt, die nach seinem Tod an meinen Vater überschrieben worden war. Also wurde sie von Großvater an einen reichen Ehemann verheiratet, um den Stand zu wahren, wie Mutter es auszudrücken vermochte.
Ich möchte mich an dieser Stelle auch nicht herausreden. Auch ich bin als reiches Einzelkind einer sehr wohlhabenden Familie aufgewachsen und wurde von Mutter lange Zeit ausgiebig verwöhnt. Mein Vater hatte dem einige Jahre schweigend zu gesehen. Ich wusste nicht mehr was genau es war, dass ihn dazu veranlasst hatte, aber irgendwann nahm er mich bei der Hand und ging mit mir hinaus.
Damals war ich neun Jahre alt, als mein Vater mir zeigte, dass nicht jeder Mensch so lebte wie wir es taten. Er besuchte Familien, zu denen er schon jahrelangen Kontakt pflegte und die weit aus weniger besaßen als wir. Ich, die ich mit allem aufwuchs, was ein Kind brauchte und was ein Kind nicht brauchte, konnte lange Zeit nicht verstehen, dass Menschen so lebten. Manche hatten kaum genug, um sich eine richtige Unterkunft zu leisten, geschweige denn etwas zu essen.
Meine Mutter war von diesen täglichen Ausflügen, die mein Vater mit mir unternahm überhaupt nicht angetan. Sie meinte, ich könne an schlechten Umgang geraten und dem Einfluss irgendwelchen Gesocks unterliegen. An diesem Abend hatten Mutter und Vater heftig gestritten und ich saß in meinem Zimmer und weinte. Ich weinte weil mir bewusst wurde, dass ich so viel von dem hatte, was andere vielleicht gebrauchen könnten. Und da hatte ich eine Idee. Gleich am nächsten Morgen war ich zu meinem Vater gestürmt und erzählte ihm von meinem Vorhaben. Er war hellauf begeistert und verkündete, dass ich endlich verstanden hatte, was er mir mit auf den Weg geben wolle. Das war die wichtigste Lektion, die er mich je gelehrt hatte. Ich sollte mein Wohl nicht über das Anderer stellen. Und geben, was ich geben konnte. Aber, hatte er gesagt, es sei wichtig, dass ich mich dabei niemals selbst verlor und mich von anderen niemals aus zerren lassen solle. Denn ich konnte niemanden glücklich machen, wenn ich selbst unglücklich war.

Und genau diesen Rat hatte ich beherzigt als ich heute verkündete hatte, dass ich von dem Arrangement, welches meine Mutter in vollem Eifer geknüpft hatte, zurück trat. „Was ist so schlimm daran, für sein Geld zu arbeiten, Mama? Sieh dich doch um. So ein großes Haus brauchen wir doch gar nicht. Wir sind doch nur noch zu zweit...seit...“ Ich schluckte.

„Ja! Ganz recht. Seit dein Vater vor zwei Monaten seiner Krankheit erlag! Und jetzt hat diese Familie keinen Sohn, der die Firma der Familie weiterführen kann. Verstehst du denn nicht, dass es keine andere Möglichkeit gibt? Wenn du nicht so schnell wie möglich heiratest, geht das ganze Erbe deines Vaters auf Mr. Robertson über! Du weißt ganz genau, dass er schon seit vielen Jahren seine Fühler nach der Firma unserer Familie ausstreckt. Es würde alles verloren gehen, Fay! Begreif das doch!“ Sie hatte mich bei den Schultern gepackt und eindringlich auf mich eingeredet.

„Du würdest also lieber das Leben und das Glück deiner einzigen Tochter an einen Mann verschachtern, den weder du noch ich kennen, nur um nicht wie jeder andere auch sein zu müssen?“ Langsam wurde ich ziemlich wütend.

„Ach, du verstehst noch immer nicht, was alles für uns auf dem Spiel steht!“ Redete ich eigentlich gegen eine Wand? Oder hörte diese Frau bloß, was sie hören wollte?

Wütend knallte ich die Bürste auf den Tisch vor meinem Spiegel und funkelte meine Mutter trotzig an. Was auch immer sie sagen würde, nichts würde mich dazu bringen einen wildfremden Mann um des Geldes und der Eitelkeit meiner Mutter wegen, zu heiraten. Eigentlich würde ich niemals einen fremden Mann einfach so heiraten. Das kam ja überhaupt nicht in Frage!

„Papa hätte so etwas niemals von mir verlangt!“ Mir kamen vor lauter Wut schon die Tränen.

Sie schnaubte und verschränkte dann in einer unnachgiebigen Geste die Arme vor der Brust.

„Ja, dein Vater Edmund hat wirklich ganze Arbeit geleistet. Er hat aus dir ein bürgerliches und aufmüpfiges Mädchen gemacht. Wen wundert es? Er kam aus der ärmlichsten Schicht, die man sich nur vorstellen kann. Er hatte eben sehr viel Glück, dass er so viel Geschäftssinn hatte, an ein beträchtliches Vermögen zu gelangen und in die richtigen Kreise zu kommen. Trotzdem war er ein Narr! Wen interessiert es, wie wenig andere haben? Er hätte sich lieber an dem erfreuen sollen was er hatte! Stattdessen setzt er dir solchen Ungehorsam und derartige Flausen in den Kopf!“

Mir entgleisten förmlich die Gesichtszüge. Wie konnte sie nur so über Papa reden?  Sie wusste doch, wie sehr ich an ihm gehangen hatte. Ich hatte ihn so sehr geliebt und ich war ihm immer näher als meiner Mutter. Ich konnte sie einfach nie verstehen. Aber trotz alle dem, hatte ich sie immer irgendwie gern gehabt, denn sie war ja...nun ja...eben meine Mutter. Doch wenn ich hörte, wie sie über meinen Vater redete, spürte ich nur noch Abscheu. Sie war so kaltherzig und nur auf sich selbst bezogen.

„Ich erlaube dir nicht so über Papa zu sprechen! Er ist gerade einmal zwei Monate tot. Das bedeutet dir wohl gar nichts! Ich werde mich nicht für die Sicherung deines Lebensstils an einen Mann verschenken. Niemals! Ich hasse dich!“

Ich griff nach meinem Mantel und streifte ihn rasch über, bevor ich an meiner völlig verdatterten Mutter vorbei stürmte und die Treppe hinunter polterte. Ich musste aufpassen, dass ich nicht fiel, denn meine Tränen verschleierten meine Sicht beträchtlich.

„Wo willst du hin, Fayleèn! Komm auf der Stelle zurück! Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, hast du mich gehört? Komm gefälligst zurück!“, rief sie mir vom Treppenabsatz hinterher.

Aber ich wollte das alles nicht mehr hören. Ich war es so leid. Ich hielt mir die Ohren zu und rannte, nachdem ich die schwere Haustür umständlich geöffnet hatte, hinaus. Barfuß, ohne Strümpfe oder der Gleichen. Diesen Umstand bemerkte ich allerdings erst sehr viel später, als bereits eine beträchtliche Strecke zurück gelegt hatte und ich keine Ahnung mehr hatte, wo ich mich eigentlich befand. Irgendwo zwischen vielen Geschäften und einer viel befahrenen Straße. Großartig.
Hatte ich eigentlich schon erwähnt das es tiefster Winter war und ich hier in einen Kleid, dass nur knapp meine Knie bedeckte, einem dünnen unverschlossenen Mantel und und barfuß durch klirrend kalten Schnee stapfte? Wie dumm war ich eigentlich? Und ich wunderte mich noch über die schmerzhaften Nadelstiche und die Anschließende Taubheit in meinen Füßen. Ich traute mich schon gar nicht mehr sie anzusehen. Obwohl ich wusste, dass es nicht viel brachte, knöpfte ich meinen Mantel zu und machte mich daran den Rückweg zu finden. Es blieb mir ja nichts anderes übrig, zumal ich nicht unbedingt erfrieren wollte.  Denn das Abhauen mir nichts brachte wusste ich ja, aber wenn, dann sollte ich mich zumindest warm dabei anziehen.

Es war bereits dunkel, als ich in das Villenviertel einbog. Ich hatte mich auf dem Weg hierher zweimal verlaufen. Meine Füße spürte ich schon lange nicht mehr. Die Kälte war mir langsam aber sicher die Beine hinauf gewandert und brannte unerträglich auf meiner Haut und ich war fürchterlich müde.
Aber wenn ich glaubte, dass sei für heute genug der schlimmen Ereignisse, hatte ich mich wirklich getäuscht. Ich war noch ein paar gute Meter von unser Villa entfernt, doch als ich aufsah, konnte ich sie schon sehen. Die Flammen die aus den Fenstern unseres Hauses brachen und sich über die Fassade hermachten. Das...konnte doch nicht sein. Nicht unser Haus. Auf keinen Fall! Für einige Sekunden klammerte ich mich noch an die Hoffnung, dass es vielleicht doch das Nachbarhaus sei, wurde aber recht schnell eines Besseren belehrt, als ich mit mechanischen Schritten das brennende Haus erblickte, in dem ich aufgewachsen war. Jetzt stieg mir auch der beißende Rauch entgegen und ich konnte nur mit Mühe einen Hustenanfall verhindern, indem ich mir einen Ärmel vor den Mund hielt.
Ich war wie erstarrt und registrierte die Menschenmasse zuerst gar nicht, die sich wie die Geier um unser Grundstück scharrten. Da kam wieder Bewegung in mich.
„WO IST DIE FEUERWEHR? SIE MÜSSTE DOCH LÄNGST HIER SEIN?“, schrie ich.

„Ist noch jemand in dem Haus? Was ist mit Mutter?“, fragte ich die Freundin meiner Mutter, die neben uns lebte und auch zum Ort des Geschehens geeilt war.

Unsere Nachbarin sah mich mitleidig an und ich befürchtete schon das Schlimmste.
„Miss Lacroix, oh meine Liebe! Ihre Mutter befindet sich noch im Haus und die Feuerwehr kommt bei diesen Schneemassen nicht zu uns durch. Es tut mir so schrecklich leid!“

Das war nicht wahr. Ich träumte. Wieso tat denn niemand was, um Gottes Willen!!! Ich taumelte zurück und hatte bloß noch einen Gedanken. Ich musste meine Mutter da raus holen. Ich konnte sie doch nicht verbrennen und sterben lassen. Mit meinen vor Kälte tauben Gliedern versuchte ich zu unserem Haus vorzudringen, wurde aber von einer beträchtlich starken Hand zurück gerissen.

Empört schaute ich hinter mich und blickte in die grünen Augen eines blonden Mannes. „Sind Sie des Wahnsinns, Miss? Dieses Haus brennt lichterloh. Wenn Sie da hinein stürmen, kommen Sie garantiert um!“

Ich funkelte diesen Fremden bedrohlich in meiner Verzweiflung an und begann zu ziehen und zerren, so weit es meine Kraft noch zuließ. Aber er war stärker. „Lassen Sie mich gefälligst los! Meine Mutter ist noch da drinnen! Hören Sie? Ich muss sie da raus holen.“ Meine Stimme war schon ganz heiser und je länger ich mich wehrte, desto bewusster wurde ich mir der Kälte und der Schmerzen, die sie verursachte. Meine Beine taten so weh, dass mir schon ganz schlecht war und die Sorge und Angst um meine Mutter machten mich ganz schwindlig.

„Ich lasse Sie ganz sicher nicht in den Tod rennen! Es ist niemandem geholfen, wenn Sie da jetzt rein rennen und auch sterben. Seien Sie vernünftig.“

Wie konnte dieser Mann jetzt mit Vernunft kommen? Mein Haus brannte und meine Mutter war wahrscheinlich schon tot. Er konnte diese Worte unmöglich ernst meinen. Mir schwanden zusehends die Kräfte und ich war kaum noch dazu im Stande gegen den Fremden zu kämpfen. „Bitte nicht!...Lassen Sie mich...bitte gehen...bitte. Mama...nein...“ Mehr hatte ich nicht heraus bekommen, bevor meine Beine mir den Dienst versagten und mein Verstand mich mit Nacht umgab. Aber bevor ich endgültig weg dämmerte, spürte ich wider erwarten nicht den eiskalten Schnee, sondern starke Arme, die mich auffingen und hoch hoben. Ich hörte noch Schritte im Schnee knistern und Stimmengewirr, dass sich in alle Winde zerstreute.
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